3 und 4 Zargen BR notwendig?


  • Karl Pfefferle nennt diese Zone in seinem Buch die "Reizzone", dieser Ausdruck trifft es am besten, finde ich. Dieser Bereich wird aber auch von vielen anderen Autoren beschrieben. Ferdinand Gerstung zum Beispiel. Oder von Zeitgenossen wie Walter Wright (dessen Rückschlüsse ich aber nun gar nicht teile). Dieser Bereich ist Dreh- und Angelpunkt des Bien - den sollte man als Imker näher kennenlernen. Und sehen, wie die Bienen darauf reagieren.


    Pfefferle lässt diese Reizzone aber nicht leer stehen, sondern zieht sie auseinander. Er gibt ihnen also explizit die Möglichkeit, in diesem Bereich zu brüten.


    Deine Gedanken sind trotzdem hochinteressant. Auch wenn ich noch nicht so ganz nachvollziehen kann, wohin sie führen. Vielleicht kannst Du ja noch einige Takte dazu verlieren?

  • Pfefferle lässt diese Reizzone aber nicht leer stehen, sondern zieht sie auseinander. Er gibt ihnen also explizit die Möglichkeit, in diesem Bereich zu brüten.


    Das macht nicht nur Pfefferle so. In den USA gibt es zurzeit die Modewelle, die sich Pyramiding nennt. Pyramidisieren. Hier werden Waben mit Brut von der Seite in die Mitte neuer Zargen hochgestapelt. So daß die Brutwaben pyramidenförmig angeordnet sind. Oder das berühmt-berüchtigte Checkerboarding von Walter Wright, der die Reizzone erzeugt, indem er Waben schachtelt. Tim Ives hingegen setzt auf Masse: fünf Brutzargen brauchen die Bienen. Gleiches macht auch ein Oscar Perone aus Argentinien.


    Für mich sind das hilflose Versuche, bei denen man mit Material in Form von Waben und Zargen nach den Bienen wirft, in der Hoffnung, daß es funktioniert. Es scheint die Reizzone zwar entdeckt worden zu sein, aber nur sehr unvollständig verstanden.


    Solche brachialen Methoden verbrauchen sehr viel Material, erzeugen sehr viel Arbeit und für die Bienen ist es maximal invasiv und erzeugt Chaos im Brutnest.


    Ich habe fast alle dieser Methoden nachvollzogen oder zumindest versucht. Im Vergleich stehen sie weit hinter den Methoden zurück, wo die Reizzone durch Anpassung des Brutnestes und Absperrgitter lange aufrecht erhalten wird. Nicht nur kommst Du mit einer Brutzarge aus, Du brauchst auch für Durchsichten weniger Zeit, zum Finden der Königin weniger Zeit, Du hast weniger Schwärme (wenn richtig ausgeführt) und maximal viel Honig. Was nicht nur daran liegt, daß man das Absperrgitter tief setzt und allen Honig den Bienen klaut. Nein, die Bienen produzieren auch mehr Honig. Das liegt daran, daß ein kompaktes Brutnest wie eine starke Honigpumpe funktioniert (nicht nur die Liebe, auch Honig geht durch den Magen), und zudem die Kompaktheit des Brutnestes eine ganz andere Wärme und damit Trocknung im Bienenstock erzeugt.


    Viel mehr als einen Hinweis auf die Reizzone kann ich nicht geben, jeder soll sich selbst daran herantasten und heranfühlen.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • ...Viel mehr als einen Hinweis auf die Reizzone kann ich nicht geben, jeder soll sich selbst daran herantasten und heranfühlen...


    Hhm, ich grüble auch noch, ob es nicht vielleicht doch besser sein könnte regelmäßig einen leeren oder angetragenen HR über das ASG zu setzen. Dann könnten Sie sich ihre Quasi-Honigkappe neu modellieren...


    Eindeutig ist auch bei mir, daß die Völker mit diesen offenen Zellen über dem ASG wirklich den meisten Honig bringen und nicht in Schwarmstimmung kommen.


    Gruß Jörg

    Imkerforumstreffen 2019 am 8.-10. März 2019 in Kleinlüder

  • :lol::lol::lol:
    Hallo Bernhard,
    was die Amis nicht alles machen:lol:. Ich hatte vor 14 Tagen Besuch von einer Imkerin aus Virginia. Sie durfte bei mir die Oxalsäurebehandlung machen und war erschrocken was da gefallen ist. Dort macht man Oxalsäurebehandlung nur geheim und verrät es anderen nicht. nach ihrer Aussage unternimmt man gegen Vorroa auch nicht viel. Man entnimmt ein zwei Waben und fertig. Jetzt wird Werner und Drohn jubeln. Dem Rest der Leser will ich sagen, dass es dort im August so heiß ist, dass die Bienen aus der Brut gehen und mit den zwei ersten Brutwaben danach die Varroen herausgefangen werden.


    Im kommenden September werde ich rüber fahren, mir die Sache ansehen und einen Vortrag halten. Thema: Met. Ich denke aber imkern in Old Germany wird es dann doch werden.


    Remstalimker


    Nachtrag für die Jubler, das hat bei uns vor 30 Jahren auch nicht funktioniert.

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Jörg, die Betriebsweise bei welcher das Volk geteilt, umgeweiselt und im brutfreien Volksteil die Varroen mit einer Drohnenwabe aus dem brütenden Teil herausgefangen wurden. Etwas kompliziert und es funktioniert garantiert nicht.


    Hallo Bergeist,
    das funktioniert. Der Met muss recht süße sein, dann geht das so wie mit dem Reingießen von Sirup. Die Milben werden besoffen und verwirrt und fallen ab. Ich lege auf die Windel so Baumbinden, wie sie um die Bäume gebunden werden. Das funktioniert und wenn es nicht funktioniert, sehen wir dann, wenn es nicht funktioniert.


    Ein alter Imker aus unserem Verein gab jedem Volk im Herbst ein Schnäpschen mit Knoblich. Die haben wohl dann gejubelt.


    Frohes Fest
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Noch ein bei mir aufgetretenes Problem bei einem verhältnismäßig kleinen Brutraum:
    In diesem Jahr habe ich einige Völker auf einem Zander (10-Waben) Brutraum geführt. Das hat gut funktioniert bis auf einen teilweise extrem hohen Wassergehalt im Honig. Bis zu 20 % in verdeckelten Zellen. Leider habe ich für einen relativ objektiven Vergleich mit größeren Bruträumen nicht genug Völker und die strikte Trennung bei der Ernte war auch nicht gegeben. Kann man davon ausgehen, dass der Honig weniger umgetragen wird bei den kleinen Bruträumen und deshalb nicht so trocken ist? Also alles sofort ins Hochregallager geschleppt und Deckel drauf? Unten ist ja kein Platz?
    Oder ist das der speziellen Witterung geschuldet? Feuchte Böden bei plötzlich auftretender Massentracht. Hat da jemand bessere Vergleichsmöglichkeiten? Sonst wäre das eine Aufgabe für mich im nächsten Jahr. Ein guter Vorsatz, den ich frühestens im Juni brechen kann. Ist ja genial.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Hallo Schlumpi,
    ... ein Brutraum reicht !


    Nimm die theoretisch höchste Legeleistung einer Königin, ( die übrigens nur ganz kurze Zeit so erreicht wird ! ), ...dann nimm die theoretisch vorhandenen Brutzellen von zehn Waben und du wirst feststellen das dann sogar noch Platz übrig ist.
    Alle anderen Berichte , von 14 / 15 / oder gar 20 Brutwaben sind schlicht Ammenmärchen. Dort ist dann mehr Honig / Pollen od. Leerraum drauf wie Brut.


    gruß Finvara

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Stimmt!
    :daumen:


    Da kann ich mitreden.


    Auch stimmt es, dass der Honig etwas feuchter eingelagert wird.
    :-?


    Ist der einzige mir bekannte Nachteil dieser Methode.
    Es liegt aber auch daran, dass mehr Honig eingetragen wird in kürzerer Zeit.

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Moin,


    ich überwinter auf zwo Heroldzargen (aber DN, nicht Zander) und nehm die untere Zarge im frühen Frühjahr weg, dann ist die in der Regel bienen- und futterleer. Die wird ausgeschmolzen. Erweitern tu ich mit einer Zarge ausgebauter Rähmchen (+vier Mittelwände) über dem Absperrgitter. So führ ich die Mädels durch den Raps, eine zweite Brutraumzarge gibt es dann erst im Sommer, nach der ersten Schleuderung. Diese zweite BR-Zarge ist dann der Brutraum im nächsten Frühjahr. Drei Brutraumzargen scheint mir ziemlicher Blödsinn. Macht das überhaupt jemand, oder ist das nur so eine Idee?


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife


  • Eindeutig ist auch bei mir, daß die Völker mit diesen offenen Zellen über dem ASG wirklich den meisten Honig bringen und nicht in Schwarmstimmung kommen.


    Ist es nicht eher umgekehrt: die Völker, die nicht in Schwarmstimmung sind, beschäftigen sich halt mit brüten und Honig sammeln, halten also die Zellen über dem Absperrgitter frei und schaufeln Honig nach oben?



    Da ich insbesondere zur Robinienblüte auch oft das Problem von verhonigten Bruträumen habe: sollte ich vielleicht mal versuchen, einen Honigraum unter den Dadantbrutraum zu setzen, einfach nur als Zwischenlager für den herangeschafften Nektar?



    Grüße,
    Robert

  • Hallo Robert,


    das kannst Du halten, wie Du es gern möchtest. Etwas weiter oben wurde mehrfach geschrieben, daß diese Leerzellen problematisch seien und deshalb war mir diese Anmerkung wichtig. Was hier Henne und Ei ist, ist mir eigentlich schnuppe. Es funktioniert.


    Das mit dem untergestellten HR in der Robinie kannst Du ja mal ausprobieren und hier berichten.


    Gruß Jörg

    Imkerforumstreffen 2019 am 8.-10. März 2019 in Kleinlüder