§24 UStG und Finanzamt

  • Hallo,


    ich stelle mir die Frage, ob ein Imker beim FA zuvor irgendwas melden muss, bevor er Kleinbetragsrechnungen mit 10,7% MWSt an seine Kunden ausstellt?


    Ich habe schon ausgiebig die Suche bemüht, aber keine Infos dazu gefunden. Weder im Forum, noch auf Google. Das lässt den Schluss zu, dass es hier keine Meldungspflichten gibt. Allerdings ist es nur eine Vermutung.
    Wer weiß mehr dazu? Ich möchte im FA keine schlafenden Hunde wecken.


    Danke
    Leberkas :Biene:


    (Ich möchte jetzt keine Grundsatzdiskussionen anfachen, in denen es darum geht, ob es eine 10,7%ige Steuer gibt, ob Honig zugekauft wird, Nebenprodukte verkauft werden usw :) Das ist schon geklärt)

  • Hallo Leberkas,


    sehr lesenswert: "Die Steuern in der Freizeitimkerei"


    http://www.imkerschule-sh.de/s…n_der_freizeitimkerei.pdf


    die dort aufgeführten Zahlen gelten nach Auskunft meiner Frau (im Steuerbereich tätig) auch heute noch.


    Daraus ein Zitat: "Jeder Imker, der Honig verkauft, ist nach § 2 UStG Unternehmer, auch
    wenn die Absicht fehlt, Gewinne zu
    erzielen. Es ist unabhängig von der
    Anzahl der Bienenvölker. Es kommt
    alleine auf die nachhaltige Erzielung
    der Einnahmen an. Für die Umsatz -
    steuer gilt die Spezial vor schrift des §
    24 UStG. Danach müssen für die
    land- und fortwirtschaftlichen Um -
    sätze ( Honig, Bienenvölker etc.)
    10,7% MWSt. in Rechnung gestellt
    werden. Dieser Betrag muss aber
    nicht an das Finanzamt angemeldet
    und abgeführt werden, sondern es
    besteht in gleicher Höhe ein Kür -
    zungsanspruch als Vorsteuer. Der
    Imker kann unbesorgt eine Rechnung
    mit offenem Mehrwertsteuerausweis
    ausstellen. Damit der andere Unter -
    nehmer, der kein Landwirt ist, den
    vollen Vorsteuerabzug von 10,7 % hat,
    sind die besonderen Rechnungs -
    legungsvorschriften 2004 zu beachten.
    Eine Rechnung muss folgende
    Angaben enthalten:
    - vollständiger Name und vollständige
    Anschrift des Unternehmers und
    des Kunden
    - die Steuernummer des leistenden
    Unternehmers
    - das Ausstellungsdatum der
    Rechnung
    - eine fortlaufende, einmalige
    Rechnungsnummer zur
    Identifizierung der Rechnung
    - Menge und Art mit handelsüblicher
    Bezeichnung der gelieferten
    Gegenstände
    - Zeitpunkt der Lieferung
    - das Nettoentgelt
    - den Steuersatz sowie auf das
    Entgelt entfallender Steuerbetrag.
    Bei Kleinbetragsrechnungen bis
    150,00 Euro genügt die Angabe des
    Steuersatzes anstelle des Steuer -
    betrages."


    Es lohnt sich den ganzen Artikel zu lesen.


    Herzliche Grüße
    Bernd

  • Das ganze ist natürlich nur relevant bei mehr als 30 Völkern


    Wieso?


    Danke für den Link!
    Aber es geht auch hier nicht hervor, ob ich zunächst ein Formblatt XY in fünffacher Ausfertigung -oder so ähnlich- ans FA schicken muss, oder ob ich das einfach so machen kann. Hast Du dazu Infos?


    Grüße
    Leberkas

  • Hallo Leberkas,


    erst wenn Du mehr als 30 Bienenvölker hast, geht das FA davon aus, dass Deine Einnahmen die Ausgaben übersteigen. Und erst dann musst Du Deine Tätigkeit beim Finanzamt erklären und Du wirst umsatzsteuerpflichtig. Dann ist es sinnvoll die 10,7 Prozent Vorsteuer bei eigenen Käufen geltend zu machen.
    Also - keine Meldung ans FA wenn die Grenze von 30 Völkern nicht erreicht wird.


    Einen schönen 3. Advent!
    Bernd

  • Hallo Leberkas,


    die oft zitierte Zahl von 25 (oder wie hier genannt 30) Völkern interessiert mehr die Berufsgenossenschaft als das Finanzamt. Wenn Du unter dieser Völkerzahl imkerst und ausschließlich eigene Imkereiprodukte (Honig, Pollen, Wachs) verkaufst, musst Du das Finanzamt aber nicht damit beschäftigen.


    Du darfst aber 10,7 % MwSt eintragen auf Rechnungen und Quittungen bis 150 Euro (darüber den Betrag der MwSt aber exakt auf den Cent benennen). Die MwSt darf Du behalten! Aber wie Bernd schreibt musst Du eine korrekte Rechnung oder Quittung mit Datum, Angabe der Ware und Deinem Namen/Adresse austellen.


    Gruß Peter

  • Ich verstehe das so:


    Die Gewinnerziehlungsabsicht führt zur Steuerpflicht bei der Einkommenssteuer. Um die geht es mir aber nicht, weil ich in hundert Jahren keinen Gewinn erziehlen werde. = Liebhaberei


    Die Einnahmeerziehlungsabsicht führt zur Steuerpflicht bei der Umsatzsteuer. Ausnahmen: Kleinunternehmer. Auch Landwirte werden nach dem §24 UStG Steuerpflichtig, müssen diese Steuer aber nicht abführen.
    Wo ich mir nun nicht sicher bin ist: Muss ich dem FA mitteilen, dass ich Steuern ausweise, aber (rechtmäßig) nicht an das FA weitergebe?

  • Wem muss ich die Gründung einer Imkerei überhaupt mitteilen?


    Ich habe mir eine Landwirtschaftl. Betriebsnummer zuteilen lassen und meinen Stand ans Veterinäramt gemeldet.
    Hab ich irgendwas vergessen? :lol:
    Das FA hat von mir noch nie etwas gehört (In Bezug auf die Imkerei), Stadt/Gemeinde auch nicht. Ist das ok? :confused:


    Danke und Grüße


    Leberkas

  • Frag doch mal den WELP.
    Ich für meinen Teil bezweifle, dass ein Kleinunternehmer nach § 25 keine MwSt. kassiert, Du aber schon, obwohl das Finanzamt sich nicht für dich interessiert. Eigentlich, bei den von mir geschätzten Umsätzen, solltest Du noch eine Stufe unter dem Kleinunternehmer stehen. Aber bitte frag jemanden, der Ahnung davon hat wie z.B. den vorgenannten Wolfgang.
    Viele Grüße
    Wolfgang, einer der Anderen

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich verstehe das so:


    Die Gewinnerziehlungsabsicht führt zur Steuerpflicht bei der Einkommenssteuer. Um die geht es mir aber nicht, weil ich in hundert Jahren keinen Gewinn erziehlen werde. = Liebhaberei


    Die Einnahmeerziehlungsabsicht führt zur Steuerpflicht bei der Umsatzsteuer. Ausnahmen: Kleinunternehmer. Auch Landwirte werden nach dem §24 UStG Steuerpflichtig, müssen diese Steuer aber nicht abführen.
    Wo ich mir nun nicht sicher bin ist: Muss ich dem FA mitteilen, dass ich Steuern ausweise, aber (rechtmäßig) nicht an das FA weitergebe?


    Nach meiner Meinung musst Du als Hobbyimker das nicht tun.


    Freundliche Grüße
    Bernd

  • Wegen der Durchschnittssatzbesteuerung nach § 24a UStG ist die Frage einer Untergrenze für die Umsatzsteuer für Imker keine Thema.
    Er kann unanhängig von der Höhe der Einnahmen die Umsatzsteuer ausweisen - und muss sie trotzdem nicht abführen. Das ist ja der Sinn dieser Vereinfachungsregelung.
    Die Kleinunternehmergrenze ist für Imker nur relevant, wenn er dem Finanzamt gegenüber auf die Anwendung der Durchschnittssatzbesteuerung verzichtet.
    Wichtig: Das gilt nur für den Verkauf eigener Produkte. Zugekauftes fällt nicht darunter. Hier greift aber wieder die Kleinunternehmerregelung.


    Die 30-Völker-Grenze gibt es gesetzlich noch nicht. Es handelt sich lediglich um die Anwendungspraxis mancher Finanzämter: Aber wenn die geplante Gesetzesänderung so kommt, wie der aktuelle Entwurf es vorsieht, bleiben künftig Imker bis 30 Völker von der Einkommensteuer befreit. Wie gesagt von der Einkommensteuer. Mit der Umsatzsteuer hat das nichts zu tun


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Super, vielen Dank für die Antwort!
    Bei Inanspruchnahme dieser vereinfachten USt-Regelung muss ich nichts weiter tun, als sie in Anspruch zu nehmen? Kein Antrag, kein Formular, keine Fristen? Das is ja fast nicht zu glauben :)


    ---
    Betreffend der Einkommenssteuer: Muss ich hierzu dem FA der Form halber irgendetwas melden (Auch wenn es klar ist, dass man mit 3 Völkern keinen Gewinn macht)?