Kann Honig schimmeln?

  • Hallo Leute,


    ich greife mal wieder ein altes, aber bereits bestehendes Thema auf, weils mir von der Überschrift her passend erscheint.


    Heute habe ich von einer Kundin diesen Honig mit dem Kommentar zurückerhalten, dass er Schimmel angesetzt hat. Dies würde man besonders an dem mentholartigen Aroma erkennen und der übrige Geschmack wäre ihr viel zu intensiv als dass es anders sein könnte. Ebenso würde die weiße Schaumschicht auf dem Honig auf Schimmel hindeuten.

    Jetzt ist es aber so, dass ich vor einigen Wochen, als ich ihn geschleudert habe, ihn für sie direkt aus der Schleuder durch das übliche doppelte Fein-/Sieb abgefüllt habe, er aber seitdem in ihrem Regal etwas ruhen konnte. Also fand keine Abschöpfung der Schwebeteilchen durch mich statt. So dunkel wirkt er derzeit, weil er noch immer recht flüssig ist. Der übrige Honig in Eimern aus der Schleuderung ist allerdings schon sehr am kristallisieren. Der Wassergehalt nach Messung mit drei Refraktometern im Mittel liegt bei 16,5%.


    Mittlerweile hab ich es auch von einem weiteren Imker verkosten lassen, der das Aroma zwar als intensiv im Vergleich zu einem Blüten- oder Sommerhonig, aber noch immer im Normalbereich für eine Spättracht (wie Linde, die in der Zeit vor der Schleuderung viel im Flugkreis der Bienen blühte) hielt. Besonders vom Geschmack her erinnert er mich ein wenig an Mentholzigaretten (was den Mentholgeschmack betrifft) und etwas aber nicht übermäßig fruchtig, aber stärker als bei Blütenhonigen.

    Wie erklärt man da jemandem, der felsenfest auf gebildeten Schimmel besteht, wenn man dieser Person höflich erklärt, dass je nach Blütengattung oder Laus der Geschmack von vornherein intensiver sein kann und im Honig durch Schleudern enthaltene Wachspartikel kein Schimmel ist, da dieser bei diesem Wassergehalt nicht entstehen kann?

  • Schimmel ist Blödsinn in deinem Fall. Das ist feiner Schaum und der ist völlig normal für einen Honig, der über ein feines Sieb bzw. durch das Melitherm ging un danach nicht lange genug geklärt wurde.

    Mentholartiger Geschmack - kenne ich so direkt zwar nicht, aber Sommerhonige haben teilweise sehr intensive Geschmacksnuancen, die auch in diese Richtung gehen können (Linde, aber eher minzig und diverse Kräuter). Wenn du wirlich +-16,5% hast, ist das ein super Honig, der gar nicht gären, geschweige denn schimmeln kann. Theoretisch können die Bienen natürlich irgendwoher aufgelöste Hustenbonbons gesammelt haben, aber wie wahrscheinlich ist das....

  • Ein unzufriedener Kunde erzählt das schlechte Kauferlebnis viel häufiger rum als ein zufriedener. Daher wenn die erste Erklärung nicht fruchtet gar nicht Mehr erklären sondern entschuldigen und ein frisches Glas einer anderen Sorte anbieten. Falls sie doch die selbe Sorte will, probieren lassen. So würde ich es jedenfalls machen ... hilft ja nix und belehren kann man sie anscheinend eh nicht. Ach, ich würde den übrigens auch nicht kaufen wollen.

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Selbst wenn es dir mit beliebig hohem Aufwand gelingen sollte, der Kundin zu vermitteln dass die aufgeschwommenen Wachspartikel kein Schimmel sind, so wird sie sehr wahrscheinlich nicht glücklich sein.
    Bringt also eher nichts, zumal die Kundin ihre Überzeugungen hat.

    Selbst wenn sie irgendwann ob der imkerlichen RechtfertigungsversucheErklärungen aufgibt, so wird sie wahrscheinlich nicht nochmal bei dir Honig kaufen.

    Ganz pragmatisch, "Der Kunde hat immer recht":
    den Honig zurücknehmen (Geld zurück oder Umtausch anbieten, so du noch ein passendes Glas vorrätig hast) und die ganze Aktion von "extra für sie direkt aus der Schleuder abgefüllt" über "weiteren Imker verkosten lassen" zu "im Imkerforum nachgefragt" als Lehrgeld verbuchen.

    Nachtrag: Extrawürste lohnen nicht.

    Eine nahe Angehörige bedrängt mich immer wieder, ihr doch Honig "lose" "wie früher" "naturbelassen" (meint ungerührt) abzugeben damit sie den selbst in "Gefäße" füllen und netten Leuten schenken kann. Das mache ich nicht, denn am Ende würden mir diese rustikal-aesthetischen Kreationen zugeschrieben werden.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von RalfK () aus folgendem Grund: Nachtrag

  • kam halt direkt aus der Schleuder und ging durch den Sieb ins Glas. So wie sie es wünschte.

    Den Wunsch würde ich in Zukunft, falls sie nochmal bei Dir kauft, schlicht ignorieren. Ist nicht da geht nicht.


    Für dieses Mal wie die anderen schon geschrieben haben Geld zurück oder anderes (abgeschäumtes) Glas anbieten.


    naturbelassen" (meint ungerührt) abzugeben

    Das wieder finde ich ok, ich mag auch keinen gerührten Honig :)

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • Ich wurde mal ganz dringend gebeten den ersten geernteten Honig sofort in ein Glas zu füllen und natürlich wäre der innerhalb einer Woche gegessen. Wurde er natürlich nicht

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Ich würde das Glas umtauschen in Gerührten und als Bonus ein 250g-Geschenk-Gläschen einer andren Sorte obendrauf.

    Trotzdem drauf hinweisen, dass es kein Schimmel ist und dass der Honig ungeklärt und ungerührt daher kam.

    Kunden mit (eingebildeten) schlechten Erfahrungen sind auch die, die den meisten Wind machen, schlechte Werbung das willste nich.

    Mir ist es mal mit paar Gläsern Phasentrennung so gegangen. Da wurde behauptet, es schwimme reines Zuckerwasser auf dem Honig...

  • Bei allem Verständnis, Monika, wirst du dein resolutes Auftreten dem Kunden gegenüber sicher charmant verpacken müssen. Ausserdem ist es völlig egal ob der Imker gerührten Honig mag. Wenn der Kunde ihn schätzt bekommt er ihn - wenn er möchte. Spricht ja aus guter fachlicher Praxis nichts dagegen den Honig so zu behandeln.


    Gruß
    Reiner

    Grenzen sind konstruiert. Was uns trennt und verbindet, wird von Menschen gemacht.

  • Bei allem Verständnis, Monika, wirst du dein resolutes Auftreten dem Kunden gegenüber sicher charmant verpacken müssen.

    Aber natürlich Reiner. Auch wenn Ihr hier das vielleicht nicht glaubt, ich kann das ;) Mit erklären kann man vieles erleichtern. So, wie ich es verstanden hatte, war es der Wunsch der Kundin von Sloveig , das frisch abgefüllte Glas mit unabgeschäumtem Honig zu bekommen. Und da dann: nein, geht nicht weil ist nicht weil Folgen. Das kann man erklären, tatsächlich auch wirklich freundlich, beim ersten Mal. Ansonsten ist der Kunde zwar König, aber Könige haben schon eine Verantwortung (richtige Könige sogar eine verdammt hohe).


    Ausserdem ist es völlig egal ob der Imker gerührten Honig mag.

    Missverständnis - da sprach ich als Kundin. Da ich das unsagbare Glück habe, nicht in den Raps wandern zu müssen und auch keinen Raps in von Bienen bevorzugt erreichbarer Nähe zu haben, ist sich das mit unserem Honig für uns bisher noch immer ausgegangen, dass der - für unseren Geschmack - ok blieb.

    Wenn der Kunde ihn schätzt bekommt er ihn

    Oder Imker und Kunde kommen halt nicht zusammen, ist doch auch ok (vorausgesetzt, man muss nicht davon leben). Kommen ja auch Imker und Kunde nicht zusammen, wenn der Kunde keinen gerührten Honig mag, Imker aber nur solchen hat.

    Ich mag meinen Honig so anbieten dass ich von "Nachreifungs-Überraschungen" wie grober Kristallisation verschont bleibe.

    Darfst Du ja gerne.


    Wenn nun aber der Kunde explizit fragt und ich ihn darauf hingewiesen habe, bzw. dem Kunden klar ist, dass Kristallisation passieren kann, sehe ich wirklich kein Problem darin, mir weniger Arbeit zu machen.

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • Moin, Moin,


    die Tage kam ein Kunde von uns, welcher 3 Glas DIB Heidehonig im Gepäck hatte. Alle 3 hatte er bei einem Imker aus einem Heidegebiet gekauft und alle 3 waren noch Original verschlossen mit einem MHD von September 2021. Jedenfalls hatten alle 3 Gläser grünbläuliche Ausblühungen mittig am Glasrand in verschiedenen Stadien. Die größte war 1 cm im Durchmesser. Der Kunde fragte jedenfalls ob das normal bei Heidehonig wäre und ob der noch genießbar sei, was wir verneinten. Gekauft hatte er den vor 4 Wochen im Urlaub, sprich es war mindestens 2019er Honig. Er wollte jedenfalls den Imker kontaktieren und es abklären was passiert sein könnte.

  • Jetzt muss ich doch einmal nachfragen.

    Northlicht

    wie kommst Du zu der Aussage: Der Honig ist nicht mehr genießbar. Er war mind. 2019-Ernte.

    Was war er denn dann maximal.?

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Eisvogel ()