Robinienwald pflanzen

  • Guten Morgen,
    wir sind gerade dabei unseren Wald (größtenteils Kiefernmono) etwas natürlicher zugestallten. In diesem Waldstück befindet sich zur Zeit auch eine Lichtung die gerade von Sämlingen bestockt wird. Da einer meiner Bienenstände in der Nähe liegt stellt sich uns nun die Frage ob es nicht Sinn machen würde diese Fläche mit Robinien zubepflanzen.
    Platz wär ja genug vorhanden und den Bienen würde es sicher auch nicht schaden. Bei uns in der Nähe ein paar hundert Meter weiter wachsen auch schon ein paar am Waldrand.
    Nun stellen sich uns 2 Fragen:
    1. Wißt Ihr wie stark Robienen verbissen werden? Kann das zum Problem werden? Einzäunung zwecks Schutz ist zur Zeit nicht möglich.
    2. Wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus? Will ja nicht unseren gesammten Wald umbauen aber mehr als 2 Bäume sollten es schon sein! Kann es da Probleme geben (Neophyt, Ausbreitung...)?
    Ein Tip wäre super!!!

  • Hallo Robert,


    Robinien wachsen wie Unkraut! Ich verstehe gar nicht, warum es bei Euch keine größeren Betsände gibt wenn schon ein paar größere Bäume da sind. Sie vermehren sich m.E. durch Wurzelausläufer und Samen. Bei mir steht eine mittelgroße Robinie auf der anderen Straßenseite 15m vor unserem Haus. Jedes Jahr muß ich die Sämlinge aus unserem Vorgartenrasen herausreißen. Nicht mal durch Mähen lassen die sich beeindrucken...


    Also einfach Samen auf Brachflächen säen sollte genügen und an Verbiss glaube ich auch nicht.


    Gruß Jörg

  • ........an Verbiss glaube ich auch nicht.


    Hallo Jörg, hat tatsächlich keine Probleme bis jetzt gegeben.


    @ Robert, Robinie macht Sinn, da auch später das Holz wertvoll ist


    Bis bald
    Marcus

    39 Völker 30x Segeberger Hartpor 4x Einfachbeute , alle DN 1,5. 2xDadant US und 2x Zander und einmal Warre :O)

  • Die jungen Schößlinge haben sehr lange, unangenehme Stacheln. Ich glaube nicht, dass die Verbissschutz brauchen.
    Die Robinie honigt, aber häufig regnet die ganze Pracht runter. Vielleicht wäre eine Mischung mit Ahorn und Linden auch gut?

  • Hallo, ich würde auch mehr auf Vielfalt setzen, wie bereits erwähnt wurde und fürs Frühjahr ein paar Salweiden.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • @Freimann:


    ich rate dir dringend, lass dich vom örtlichen Förster beraten, dazu sind sie u.a. nämlich auch da!


    Die Robinie KANN sehr gutes Holz produzieren, aber dazu braucht es unbedingt geeignete Herkünfte und einen optimalen Standort. Geeignete Herkünfte musst du aber gezielt kaufen und kannst sie nicht einfach von irgendwelchen zufällig vorhandenen Bäumen ernten. Ungeeignete Herkünfte zeigen schlechten Wuchs und dann kommt bestenfalls Brennholz raus.


    Die Robinie KANN auch sehr unangenehm werden, weil sie auf bestimmten Standorten invasiv wird und dann sehr problematische Bestände aufbauen kann, die dann euren Wald (und den der Nachbarn) entwerten könnten.
    Ob euer Standort dazu gehört und ob es ratsam oder möglich ist, diese Art bei euch sinnvoll (bezüglch Wertholz) anzubauen, kannst du von eurem Förster erfahren.


    Wegen Verbiss brauchst du dich nicht sorgen. Höchstens in der allerersten Jugendphase wenn ihr sie pflanzt oder sät. Einmal etabliert ist sie eine sehr durchsetzungsstarke Pionierpflanze. Die Durchsetzungskraft schwindet allerdings schnell, wenn sie von anderen Bäumen überschattet wird.


    Bedenke auch, dass die Robinie massive Stacheln ausbildet, die u.a. bei der Bewirtschaftung ähnlich problematisch wirken kann wie dichter Brombeerbewuchs.
    Robinien sind übrigens in den meisten Pflanzenteilen sehr giftig, Holzstaub beim Sägen ist höchst problematisch.


    Alles in allem eine Pflanze, die nicht völlig bedenkenlos ausgebreitet werden sollte. Wir Imker bzw. unsere Vorfahren haben bereits die Herkulesstaude zu verantworten, da sollte man zumindest erst mal kundige Leute vor Ort fragen.
    Wenn die Robinie ausbüchst und den Nachbarn Probleme bereitet, wirst du sicher auch nicht glücklich.


    Gruß
    hornet

  • 1. Wißt Ihr wie stark Robienen verbissen werden? Kann das zum Problem werden? Einzäunung zwecks Schutz ist zur Zeit nicht möglich.
    2. Wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus? Will ja nicht unseren gesammten Wald umbauen aber mehr als 2 Bäume sollten es schon sein! Kann es da Probleme geben (Neophyt, Ausbreitung...)?


    zu 1.: Der Verbiß läßt nach meinen Erfahrungen nicht unbedingt an der Pflanze festmachen, sondern an ihrer Häufigkeit. Hast Du viel davon im Busch hast Du wenig Verbiß, hast Du nur eine einzige Robinie, wird die auf jeden Fall verbissen. Das ist so ähnlich wie bei uns Menschen. Jeden Tag Fleisch wird langweilig, einmal im Monat macht es zur Spezialität. Also die Frage läßt sich so pauschal nicht beantworten.


    Es gibt aber neben einem Zaun noch andere Möglichkeiten die jungen Pflanzen vor Verbiß zu schützen. Zum Beispiel CERTOSAN https://www.fluegel-gmbh.de/de…verbissschutz/?products=1


    Ausserdem solltest Du über einen Fegeschutz nachdenken. Die Rehböcke fegen nämlich die seltenen Pflanzen auch besonders gern. Guckst Du hier: http://www.grube.de/forstschut…zenschutz/fegeschutz.html


    zu 2. Solange der Wald Wald bleibt und es Dein Grund und Boden ist, brauchst Du rechtlich nichts zu beachten. Die Robinie ist zwar nicht heimisch und stammt aus Nordamerika, aber das tun Bäume wie Douglasie oder Sitkafichte auch.


    Grüße von Herrn Rübengrün

    Prüfet Alles und wählet das Beste!


    Erst kommt das Fressen, dann die Moral!

  • Solange der Wald Wald bleibt und es Dein Grund und Boden ist, brauchst Du rechtlich nichts zu beachten.


    Wo kein Kläger, da kein Richter, aber in freier Wildbahn darf man nicht alles anpflanzen......
    Bis bald
    Marcus

    39 Völker 30x Segeberger Hartpor 4x Einfachbeute , alle DN 1,5. 2xDadant US und 2x Zander und einmal Warre :O)

  • N'Abend


    Gute Idee, Robinien zu pflanzen, allerdings würde auch ich eher empfehlen eine Baumartenmischung zu pflanzen (Bergahorn, evtl. Feldahorn, Linde, Wildkirsche, Wildobst, Elsbeere, vielleicht auch Esskastanie oder Schlehe u.a. Sträucher). Je nach Größe und Anzahl der Lichtungen eher nur 1 Baumart je Lichtung. Baumschulen gibts in deiner Gegend oder im Internet (u.a. auch diese hier), bitte achte auf die sog. Herkunftsgebiete oder frag deinen Förster nach Empfehlungen.


    Je nach Größe der Lichtung kann es auch zu dunkel für Robinie sein, dann würden die anderen BA besser passen, die vertragen etwas Schatten, Robinie gar nicht. Frag deinen örtlichen Förster dazu, ob er dir bei einer Waldbegehung genaue Tips geben kann.


    Und ja, die Robinie bzw. die jungen Triebe werden gern verbissen. Mechanischer Schutz ist in meinen Augen das einzige, was dagegen hilft, also Zaun oder Einzelschutz. Einzelschutz nat. eher bei wenigen Pflanzen, Zaun eher bei größeren Flächen. Der Chemiekram wirkt nur in den Verkaufsprospekten wahre Wunder, im realen Waldleben muss man das Zeug ständig erneuern und es wirkt trotzdem nicht. Zumal ich nicht wirklich genau wissen will, was da drin ist.


    Zum Rechtlichen würde ich mal das für dich zuständige Waldgesetz im Internet suchen und nach den Stichworten "Aufforsten", "Verjüngung" "Voranbau" durchschauen. Auf den ersten Blick fällt mir aber bei deinem Vorhaben nix auf, was dem Forstrecht widersprechen sollte. Das Auspflanzen von Lichtungen mit Mischbaumarten in einer Kiefern-Monokultur ist gute fachliche Praxis, sogar auf jeden Fall eine Verbesserung des Waldstandortes, auch aus Naturschutzsicht und selbst mit Robinien. Keinesfalls verboten. Die Robinie ist seid 400J. in Dtl. forstwirtschaftlich etabliert, die viel beschrieenen Ausbreitungstendenzen sehe ich einfach nicht. Wir haben selbst Kiefernwald und angrenzend Flächen mit Robinien. Ja, sie treibt nach Absägen wieder aus, aber wenn da noch andere Bäume drüber sind, vergehen die Austriebe auch wieder nach einigen Jahren, weil sie zu wenig SChatten bekommen. Aussamen in andere Bestände hinein kann ich überhaupt nicht beobachten, die Robinie ist eine absolute Pionierpflanze, wenn die nur ein bisschen Schatten hat, wächst die nicht.


    Je besser die Lichtverhältnisse, desto größer übrigens auch die Stacheln. Aber ich arbeite seid 2006 in unserem Robinienwald und außer ein paar Holz(Stachel)splittern in den Händen hatte ich noch keine Probleme, zumal die auch bei anderen Holzarbeiten auftreten können. Man muss halt ein bisschen aufpassen, aber das sollte man bei der Waldarbeit sowieso. Das Holz ist gutes Brennholz und wenn die Stämme halbwegs grade sind, kann man sie übrigens auch schon bei geringen Dimensionen als Zaunspfähle im Wald nutzen oder gut vermarkten. Dickere, auch krumme Stämme werden in letzter Zeit oft auch von Spielplatzbauern gekauft. Falls das Holz schön grade ist, wird auch sehr schönes Sägeholz draus.


    Grüße, Robert, zufällig Robinienwaldbesitzer und Förster

  • Hallo
    "Darf ich als Grundstücksbesitzer im Außenbereich anpflanzen, was ich will?
    Nein. Wenn Sie kein land- oder forstwirtschaftliches Unternehmen betreiben, dürfen Sie gebietsfremde Pflanzen wildwachsender und nicht wildwachsender Arten (darunter zahlreiche bekannte Ziergehölze, „Exoten“ bzw. Neophyten) nur mit Genehmigung der Oberen Naturschutzbehörde in der freien Natur ansiedeln. Die Obere Naturschutzbehörde (Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt) kann die Genehmigung versagen, wenn die Gefahr einer Verfälschung der heimischen Pflanzenwelt oder eine Gefährdung des Bestandes oder der Verbreitung heimischer wildwachsender Pflanzen oder von Populationen solcher Arten nicht auszuschließen ist. " Quelle
    Irgendwo stand auch ein genauer Gesetztestext, also alles nicht so unkritisch.
    Bis bald
    Marcus

    39 Völker 30x Segeberger Hartpor 4x Einfachbeute , alle DN 1,5. 2xDadant US und 2x Zander und einmal Warre :O)

  • Wald ist aber nicht freie Natur, sondern Wald. Und da gelten die entsprechenden Waldgesetze, u.a. §11 BundesWG, §11 und §12 LWaldG Niedersachsen (mal als Bsp. für Norddtl.), hier mal ein Zitat aus §11 LWaldG-NS:


    "...Ordnungsgemäß ist die Forstwirtschaft, die nach den gesicherten Erkenntnissen der Wissenschaft und den bewährten Regeln der Praxis den Wald nutzt, verjüngt, pflegt und schützt..."


    Es gibt im dt. Forstrecht (und das ist das entscheidende im Wald) meines Wissens nach keinen Paragraphen, der den Anbau fremdländischer Baumarten verbietet. Sogar auf deinem Link steht weiter unten:


    "...Diese Baumarten gehören (mit Ausnahme land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke) grundsätzlich nicht in den Außenbereich...."


    Grüße, Robert