Oxalsäure ohne Zucker?

  • Die Wirkung sei mit Zucker besser. Je mehr Zucker in der Lösung, desto mehr werden aber auch die Bienen geschädigt. (Unter anderem ist deswegen Bienenwohl vermutlich etwas besser verträglich?)

  • (Unter anderem ist deswegen Bienenwohl vermutlich etwas besser verträglich?)


    Ist oder war? Jetzt enthält es ja auch Zucker: hier steht

    Zitat

    Inhaltsstoffe von Original BienenWohl: 1:1 Zuckerlösung , 3,5 % Oxalsäure, 1% Zitronensäure, Alkohole, ätherische Öle.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • Moin zusammen,
    Durch Zufall habe ich heute morgen beim Blättern in einem alten Bienenjournal (ich glaube, april 2014) einen Bericht über die Versuche von Dr. Eva Rademacher FU Berlin gelesen, bei denen sie Glycerol(Glycerin ) statt Zucker bei der Ox-Träufelung in der Lösung verwendet.( War ein Bericht über die Tagung der deutschen Bieneninstitute dieses Jahr )
    Am Telefon sagte sie mir, das diese Untersuchungen bisher nur in Vitro stattfanden und die Verteilung der OX-Lösung mittels EinzelBienen CT untersucht wurde.
    Es scheint zu funktionieren, und diesen Winter werden Untersuchungen an ganzen Bienenvölkern gemacht.
    Der Zucker, sagte sie mir, erhöht die Haftung auf der, mit dünnsten Wachsfilm überzogener Haut der Bienen, und wird durch Glycerin in verschieden Konzentrationen ersetzt.
    Der Zucker führt aber auch zu einer höheren Verweildauer der OX im Bienendarm, das zu Verätzungen dort führen kann.
    Im Rahmen der Untersuchungen wird auch der sublethale Effekt der OX-Träufelung untersucht, so Frau Rademacher.


    Gruß Michael

  • ...Der Zucker führt aber auch zu einer höheren Verweildauer der OX im Bienendarm, das zu Verätzungen dort führen kann.
    Im Rahmen der Untersuchungen wird auch der sublethale Effekt der OX-Träufelung untersucht, so Frau Rademacher.


    Gruß Michael


    Hallo Michael,


    danke für die Info!


    Gruß Jörg

  • Hallo, ich hole diesen Thread nochmal raus anlässlich eines Videos von Dr. Liebig und Pia Aumeier, was ich heute gesehen habe, >>Link hier<<.


    In Minute 33:50 bis 36:10 beschreibt Dr. Liebig, dass eine Beträufelung ohne Zucker nicht schlechter wirken würde als mit Zucker, der Milbenfall würde sich lediglich etwas hinauszögern. Die Oxalsäure werde durch Körperkontakt (also nicht über Honigmagen, nicht wegen dem Zucker) weitergegeben, und das um so besser, je enger die Bienen in der Traube sitzen. Dazu sagt er vorher noch, dass man am besten nicht "Tropfen" träufeln sollte, sondern besser einen feinen dünnen Strahl mit Spritze möglichst weit in die Wabengassen hineingeben sollte, damit das Mittel mit mehr Bienen in Kontakt komme. Außerdem sollten alle bienenbesetzten Wabengassen behandelt werden.


    Des Weiteren riet er im Vorfeld Imkern mit vielen Völkern zu der Möglichkeit, generell (nicht nur als Winterbehandlung, wenn ich das richtig verstanden habe), die Völker im brutfreien Zustand (wichtig) einfach nur von unten einzusprühen, und gleichzeitig von oben einen dünnen, feinen Strahl Oxalsäure mit der Spritze in die Völker zu geben. Das habe zwar eine 5-10 Prozent geringere Wirkung als jede Wabe einzeln ziehen und alle Bienen direkt einsprühen, aber sei in den meisten Fällen ausreichend bis zur Winterbehandlung und würde extrem viel Arbeitszeit einsparen.


    Was ziehe ich für mich da raus?


    Ich glaube, dass die Beträufelung ("Bespritzung") mit Zucker für die Bienen schädlicher ist als ohne Zucker, weil das Zeug wegen des Zuckers auch im Darm der Bienen landet, was mit der Methode ohne Zucker offenbar nicht oder nicht so sehr der Fall ist.


    Die Träufelbehandlung mit Zucker-Oxalsäure-Mischung wird lt. Anleitung/Zulassung mit einer Oxalsäure-Konzentration von 3,5% empfohlen.


    Entsprechend werde wahrscheinlich ich in eigenen Experimenten die erhältliche 5,7% Lösung auf 3,5% mit destilliertem Wasser und ohne Zucker herunterverdünnen und dann in der Winterbehandlung träufeln (dünnen Strahl spritzen) und dann schauen, ob der Wirkungsgrad hoch genug ist.


    Was haltet Ihr von den von Dr. Liebig geschilderten Erkenntnissen?


    Schöne Grüße - Matthias

    Es war alles sooo gut geplant. Und dann kam das Leben dazwischen...

  • Ja. 'Einfach Imkern, jetzt auch für Berufsimker'. Was sind schon 5-10% weniger Wirkung, wenn man davon leben muß? Wenn's schief geht, hat man danach ja richtig Zeit. Also nach dem Ausschmelzen. Imker mit richtig vielen Völkern' sind vielleicht einfach nicht seine Zielgruppe.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Entsprechend werde wahrscheinlich ich in eigenen Experimenten die erhältliche 5,7% Lösung auf 3,5% mit destilliertem Wasser und ohne Zucker herunterverdünnen und dann in der Winterbehandlung träufeln (dünnen Strahl spritzen) und dann schauen, ob der Wirkungsgrad hoch genug ist.

    Hat das LAVES schon gemacht, mit Zucker 90%, ohne Zucker 79%. Veröffentlicht 2016.

    Sind sogar 11% weniger Wirkungsgrad. Setz die mal ins Verhältnis zur möglichen Mortalitätsrate durch die Aufnahme von Oxalsäure in der Zuckerlösung und du weisst, welches die grössere Baustelle sein kann.

  • Stylex :Grundsätzlich sind die Erkenntnisse von Hr.Liebig nicht schlecht.Ich sehe gerne die auf youtube gestellten Filme.Die Träufelbehandlung im Sommer ist für mich neu. Es ist für mich angenehmer wie das sprühen.Ich traue diesem Sprühnebel trotz Maske und Handschuhe nicht so.Den Wirkungsgrad lasse ich ,für mich mal bei Seite.

    Eine Frage habe ich aber noch .Wieviel ml pro Wabengasse sind denn notwendig,vorausgesetzt die Bienen sitzen eng beisammen.Ich kann nirgends etwas im Netz finden.Vielleicht habt ihr ja einen Link für mich.Danke

  • Heense

    >>Link Träufelbehandlung pdf Datei<<

    >>Link Sprühbehandlung pdf<<

    Die "verkürzte Methode" ohne Zucker von oben träufeln 30-50ml, gleichzeitig von unten Traube einsprühen mit 20-50ml je nach Volksgröße, in dem oben verlinkten Video findest du die Methode ab 01:09:40.


    rase, Rainfarn

    Danke für Eure Einschätzung. Ich habe mir dieses Jahr die Puderzucker-Methode als Diagnosewerkzeug angewöhnt, bei jedem Volk vor der Entscheidung über den Behandlungsweg. Wenn ich nun einen sehr niedrigen Befall messe, reicht denke ich die ca. 85% effektive "Oben-Unten-Methode" als Sommerbehandlung sowie Träufeln ohne Zucker (von Rainfarn übernommen 79%) als Winterbehandlung aus, bei den höher befallenen Völkern ist es denke ich ratsam, jede Wabe einzeln zu ziehen und einzusprühen und ggf. herkömmlich mit Oxalsäure-Zuckerlösung zu behandeln.


    Ein zu überlegender Punkt ist m.E., dass man nicht einfach sein Behandlungskonzept nach Schema F durchzieht, sondern individuell entscheidet. Die Frage ist, wie ist das Aufwand-Nutzen-Verhältnis, wenn ich das so tue.


    Die Sommerbehandlung "von-oben-zuckerfrei-träufeln-von-unten-sprühen" (Wirkungsgrad war meine ich bei ca. 85% bei von oben und von unten) dauert vielleicht wenn man es durchzieht eine Minute, während jedes Rähmchen einzeln ziehen vielleicht drei Minuten dauert. Die Diagnose mit der Puderzuckermethode dauert vielleicht vier Minuten, wenn man immer zwei oder drei Dosen nebeneinander laufen lässt und Gas gibt.


    Eine TBE dauert pro Volk vielleicht 15 Minuten, wenn man gut ist, mit allem drum und dran.


    Wenn der Befall sehr niedrig ist, muss ich dann eine TBE machen? Oder entscheide ich in dem Fall für zwei-Jahres-Abstand (Wabenhygiene einräumig)?


    Es sind eine Menge Überlegungen erforderlich, und hier muss sich jeder verantwortungsbewußte Imker ein Behandlungskonzept überlegen, das funktioniert, oder jedes Frühjahr Bienen von Kollegen nachkaufen, die es draufhaben.


    Mit regelmäßigen Messungen mit einer guten Mess-Methode kann man den Erfolg dann prüfen. Warum ich hierbei z.B. skeptisch bei der so beliebten Windeldiagnose bin, habe ich an anderer Stelle schon geschrieben, unter anderem wird die Volksgröße gar nicht berücksichtigt - während bei Auswaschung oder Puderzuckermethode der Befall je 300 Bienen verlässlich gemessen werden kann (Auswaschung 100% genau, Puderzuckermethode 94% genau).


    Bei der TBE lässt sich ethisch auch z.B. darüber streiten, ob man die Brut nicht besser auslaufen lässt als sie direkt einzuschmelzen (auch hier ist eine Befallsdiagnose vor der TBE eine gute Entscheidungshilfe! Warum soll ich zigtausend Bienen abtöten, wenn der Befall bei z.B. unter zwei Prozent liegt? Dieses Jahr habe ich mit Fangwabe einfrieren und weisellose Brutscheunen auslaufen lassen gearbeitet, wie es nächstes Jahr wird, bin ich mir noch nicht ganz schlüssig, wahrscheinlich werde ich die Fangwaben dann mit in die Brut hineinwirkend AS behandeln und dann auslaufen lassen).


    Auch ich bin da jedenfalls auf meinem Weg, aus vielen gezeigten funktionierenden Methodiken (ein großes Dankeschön fürs Zeigen und Erklären!) ein für mich gut funktionierendes Konzept zusammenzustellen, und bis jetzt sieht das Resultat auch ganz gut aus.


    Schöne Grüße - Matthias

    Es war alles sooo gut geplant. Und dann kam das Leben dazwischen...

  • Wenn der Befall sehr niedrig ist, muss ich dann eine TBE machen? Oder entscheide ich in dem Fall für zwei-Jahres-Abstand (Wabenhygiene einräumig)?

    Ich mache die Behandlung komplett befallsunabhängig* & standweise.


    *(Ich behandel Waffen aber auch immer so, als wären sie geladen, d.h. alle meine Völker als wären sie vermilbt. Das spart viel Zeit und verhindert Ausfälle.)

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