Ist "phoretisch" der richtige Begriff?

  • Hallo miteinander,


    angeregt durch einen anderen Thread habe ich mal nachgesehen, was "phoretisch" denn nun wirklich heißt:


    Phoresie ist eine der Formen der Probiose. In einer Probiose leben zwei Organismen verschiedener Art zusammen. Während die eine daraus einen Nutzen zieht, hat die andere davon weder einen Vor- noch einen Nachteil. Bei einer phoretischen Beziehung hat die eine Art den Nutzen eines Transport-Vehikels, die andere Art sollte das nicht stören.


    Soweit ich das sehe, hat aber die adulte Biene sehr wohl einen Nachteil von der Varroa-Milbe, die an ihr dran hängt. Sie beißt Wunden, saugt an der Biene, überträgt Krankheiten und schädigt möglicherweise ihr Orientierungsvermögen.


    Unter den oben genannten Aspekten ist es für mich sehr fraglich, ob "phoretische Phase" der richtige Ausdruck ist.


    Dazu möglicherweise passend gibt es aktuell einen interessanten Artikel in der neuesten englischen Ausgabe von National Geographic. Darin wird von allen möglichen Parasiten berichtet, die das Verhalten des Wirts so beeinflussen, dass es dem Parasiten nützt. So gibt es zB einen Wurm, der Grillen infiziert. Grillen sind definitiv Landtiere, aber der Wurm braucht, wenn er in der Grille fertig gewachsen ist, Wasser als Lebensraum. Wenn der Wurm fertig ist, hüpft die Grille vollkommen wesensfremd in den nächsten Tümpel, wo sie ertrinkt und der Wurm die tote Grille verlässt. Ist das beobachtete verminderte Orientierungsvermögen bei den Bienen auch so ein Effekt? Weiß jemand etwas, wie das im ursprünglichen Wirt der Varroa war?


    Viele Grüße
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Hallo Kikibee,


    hast Du auch "phoretische Phase" nachgesehen? Wenn sich alle anderen einig sind wie man einen betimmten Zustand bennennt macht es nach meiner erfahrung durchaus Sinn sich dem anzuschließen, eben damit keine Begriffsverwirrung entsteht.


    Die Orientierungslosigkeit unserer Bienen soll doch von den Pflanzenschutzmitteln verursacht werden und nicht von der Varroa. Oder irre ich mich?
    Es macht für einen Parasiten der sich nur in Bienenstöcken fortpflanzen kann ja auch keinen Sinn dafür zu sorgen, dass die Biene nicht mehr dorthin zurückfindet.


    Gruß
    Holger

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Ja. Das Flug- Sammel und Orientierungsverhalten der erwachsenen Bienen ändert sich.
    Dazu gibts Studien. Ich kann grad aber nichts suchen/ verlinken.
    Die befallenen und vor allem stark befallenen Bienen fliegen mehr und verfliegen sich auch.
    Im Sinne einer Ausbringung und Übertragung in neue Völker ist das im Sinne der Varroa

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Studie fand ich auf die Schnelle auch nicht,
    aber einen kurzen Beitrag dazu:
    http://derstandard.at/13735128…aendert-Gehirn-von-Bienen


    "...Das geht aus einer Studie des Französischen Instituts für Agrarforschung (INRA) hervor, die in der Zeitschrift "BMC Ecology" veröffentlicht ist...."


    "...Die INRA-Forscher infizierten einzelne Tiere mit der Milbe - in der Folge veränderten sich die Aktivität von 455 Genen im Gehirn der Bienen. Einige dieser Gene spielen bei Nervenfunktionen und Nahrungssuche eine Rolle...."


    oder hier:
    http://www.forschung-frankfurt…uenewald_Seite_25_31.pdf?


    "...Bienen lernen einen Duft als Signal-reiz für eine Belohnung. Sind sie von Varroaparasiten
    befallen, nimmt ihre Fähigkeit zur Sensibilisierung und
    Habituation ab..."


    Gruß Doro

  • Jetzt habe ich ja das Problem,
    dass ich selbst meinem Nachbarn nicht zutraue, einen Eimer Wasser umzutreten. Gestern z.B. hat ein Arbeiter vom Bauhof versucht, auf meinem Grundstück einen Poller einzubauen. Natürlich ohne mich vorher zu fragen. Ist einfach praktischer, damit kein Auto am offiziellen Poller vorbei über mein Grundstück die kleine Schlippe befahren kann ( die nach 2o m übrigens mit zwei Pollern zwischen Hecke und Garage absolut Autodicht ist ). Da baut man dann schon mal einen anderen nicht zum offiziellen Poller passenden in einer anderen Farbe, nur weil man ihn wohl noch herumliegen hatte auf fremde Grundstücke. Wenn jetzt ein gestandener Arbeiter in orangener Montur und einigen grauen Haaren mit einem orangenen Transporter und Werkzeug ausgestattet, so blöd ist, wie soll so eine Varroazecke darüber nachdenken, wie sie die Biene am besten schädigt, damit sich die Biene zwar verfliegt, aber welch Wunder in der gesamten Landschaft noch bevor der Sprit ausgeht wenigstens noch ein anderes Volk findet?
    Denkt doch bitte nicht, dass Bienen oder Varroen so kompliziert denken, das können vielleicht einige Pferde, ihr wisst schon, wegen der größeren Köpfe und so.
    OK. wenn sich in mir eine Made festgefressen und mein Inneres fast völlig ausgehöhlt hat, ich dadurch Sodbrennen bekomme, dann schmeiße ich mich vielleicht ins nächjste Wasserloch, aber ich finde doch nicht zwischen all den gut versteckten wenigen Wasserlöchern ausgerechnet das, wo noch keine Maden drin sind.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der denkt, wir sollten nicht so schlecht über Varroen, Bienen und Bakterien denken, nur weil wir so denken würden

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Wenn jetzt ein gestandener Arbeiter in orangener Montur und einigen grauen Haaren mit einem orangenen Transporter und Werkzeug ausgestattet, so blöd ist, wie soll so eine Varroazecke darüber nachdenken, wie sie die Biene am besten schädigt, damit sich die Biene zwar verfliegt, aber welch Wunder in der gesamten Landschaft noch bevor der Sprit ausgeht wenigstens noch ein anderes Volk findet?


    Najaaaaa - 'ner Bienenzecke mit orangener Montur und grauen Haaren (Transporter und Werkzeuge hat sie) würdest Du dann mehr zutrauen? Sie muss ja nicht selber denken oder gar philosophieren, es muss ja nur funktionieren! Zecken, die irgendeinen Stoff absondern, der Bienen verwirrt oder nicht mehr heimfinden lässt (oder den eigenen Stockgeruch vergessen lässt oder neugieriger auf die Nachbarn werden lässt oder oder oder), verbreiten sich halt besser in der Fläche. Von der Überwindung der Inzuchtbeschränkung für die Milbe im immer selben Volk mal ganz zu schweigen. Dass so ein System sich ausbreitet, ist dann nur noch eine Frage der Selektion.


    Sei froh und glücklich, dass die Varroa darüber nicht nachdenken können muss! Sonst wäre die finstere Schlussfolgerung, dass nicht nur der Bauarbeiter, sondern auch Du die komplette Biochemie Deines Körpers verstehen müsstest, um einige Minuten zu überleben... ;-)


    Kikibee

    With lots of room for improvement.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Kikibee () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Denkt doch bitte nicht, dass Bienen oder Varroen so kompliziert denken...Wolfgang, der denkt, wir sollten nicht so schlecht über Varroen, Bienen und Bakterien denken, nur weil wir so denken würden


    Nö, davon ist gar nicht auzugehen, denn das tun sie sowieso nicht - sie funktionieren einfach.
    Jedoch mit Varroa anders als ohne, angebissen und besetzt anderes als nicht.


    Das lässt sich offensichtlich sogar beweisen. Bei anderen Spezies sogar auch (s.o.),
    wie gesagt: Mehr Unruhe, mehr Fliegerei, mehr Verflug bei weniger Orientierung,
    das führt zu Mehranteil abwesender Bienen, weniger Rükkehrern.
    Was daraus resultiert, kann man sich ausmalen.


    Studie dazu z.B. hier


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • ...da steht aber auch ganz am Schluss, dass bei der recht neuen Problematik der Varroatose eine Adaptation nicht anzunehmen ist und ggf. eine schlechtere neurale Fähigkeit bei erkrankten erwachsenen Bienen eine generelle Antwort auf die Erkrankung sein kann.
    Macht Sinn: wer krank ist fliegt raus, sollte eher abhauen und womöglich nicht wiederkommen :wink:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper