Neuregelung der Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen

  • Ich habe gerade einen neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung durchgesehen (Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung der Abgabenordnung an den Zollkodex der Union und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften, Bundestags-Drucksache 18/3017).
    Da wird auch der § 13a Einkommensteuergesetz (Ermittlung des Gewinns aus Land- und Forstwirtschaft nach Durchschnittssätzen) geändert.
    Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sollte künftig die Gewinnpauschalierung auch für Imker ohne landwirtschaftliche Flächen möglich sein und zwar bis 70 Völker. Das hatte der Bundesfinanzhof auf Basis der bisherigen Gesetzeslage ja verneint.


    Neu ist, dass die Ermittlung des Gewinns aus Land- und Forstwirtschaft nach Durchschnittssätzen auch möglich ist, "wenn nur Sondernutzungen bewirtschaftet werden". Dazu gehört nach Anlage 1a auch die Imkerei


    In der Begründung des Gesetzentwurfes heißt es:
    "Darüber hinaus wird die Durchschnittssatzgewinnermittlung für kleine Betriebe mit reinen Sondernutzungen erstmals seit dem Bestehen der Gewinnermittlungsart zugänglich gemacht."


    Weiß jemand schon Genaueres? Ich werde mir das noch mal gründlicher anschauen, sobald ich die Zeit finde.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • So, ich habe mir die Neuregelung jetzt noch mal genauer angeschaut.
    Das Ganze ist deswegen ein wenig schwierig einzuschätzen, weil die Gewinnermittlungsregelungen komplett geändert wurden. Die bisherigen Kommentare zu § 13 a Einkommensteuergesetz (EStG) sind also obsolet.


    Bevor ich zu den praktischen Folgen kommen, die etwas komplizierte Kasuistik (nur damit die Steuerfachleute unter Euch das überprüfen können):


    1. Imkerei ist eine sog. Sondernutzung.
    Als Sondernutzungen gelten nach dem neuen § 13 a Abs. 6 EStG die in § 160 Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 Buchstabe c bis e des Bewertungsgesetzes in Verbindung mit Anlage 1a Nummer 2 genannten Nutzungen. In § 160 Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 Buchstabe c bis e des Bewertungsgesetzes kommt die Imkerei nicht vor. Aber in Anlage 1a Nummer 2.


    2. Zahl der Völker Die Gewinnpauschalierung ist auch anzuwenden, "wenn nur Sondernutzungen bewirtschaftet werden und die in Anlage 1a Nummer 2 Spalte 2 genannten Grenzen nicht überschritten werden" (§ 13 a Abs. 2 Nr. 5 EStG neu). Diese Grenze liegt bei 70 Völkern.


    3. Höhe des pauschalen Gewinns
    "Bei Sondernutzungen, die die in Anlage 1a Nummer 2 Spalte 3 genannten Grenzen überschreiten, ist ein Gewinn von 1.000 Euro je Sondernutzung anzusetzen" (§ 13 a Abs. 6 EStG neu).
    Da die Imkerei nur eine Sondernutzung ist (auf die genaue Zahl der Völker kommt es nicht an), sind das insgesamt nur 1.000 Euro - wie gesagt bei mehr als 30 und nicht mehr als 70 Völkern.



    Praktische Folgen


    1. Imker, die nicht mehr als 70 Völker haben, dürfen den Gewinn pauschalieren. Bei mehr Völkern müssen Sie den Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder durch Bilanzierung ermitteln. Eine Bilanzierungspflicht besteht aber nur nach der Regelung des § 141 Abgabenordnung, also wenn der Gewinn über 50.000 EUR oder der Umsatz über 500.000 Euro liegt. Der Gewinn wird pauschal mit 1.000 EUR angesetzt.


    2. Imker mit nicht mehr als 30 Völkern bleiben von der Einkommensteuer befreit. Bisher haben manche Finanzämter das schon so gehandhabt, indem sie bis 30 Völker keine Gewinnerzielungsabsicht unterstellten. Künftig wäre das einheitlich gesetzlich geregelt.


    3. Imker mit mehr als 70 Völkern sind voll einkommensteuerpflichtig und können den Gewinn nicht pauschalieren.


    4. Die Neuregelung soll unabhängig von der Verabschiedung des Gesetzes zum 1.01.2015 in Kraft treten.


    5. Ich habe mich bei der Darstellung auf reine Imkereien beschränkt. Wenn landwirtschaftliche Flächen bewirtschaftet werden und andere Sondernutzungen bestehen, kann das Ergebnis anders aussehen.


    Fazit:
    Insgesamt eine deutliche Vereinfachung und Verbesserung für Nebenwerbsimkereien bis 70 Völker.
    Die steuerliche Belastung ist selbst bis 70 Völker überschaubar. Da die Imker auch umsatzsteuerlich privilegiert sind, haben sie dann praktisch keine Buchhaltungstätigkeiten mehr. Nur die Zahl der Völker muss nachgewiesen werden.


    Hinweis: Diese Einschätzung basiert auf dem Gesetztesentwurf. Man muss natürlich abwarten, bis der in Kraft tritt. Das sollte aber bei der derzeitigen Mehrheitslage im Bundesrat kein Thema sein. Es kann natürlich noch zu Änderungen kommen. Im Übrigen sollte man die entsprechende Erlässe der Finanzverwaltung dazu abwarten. Die Steuerklärung für 2015 muss man aber nicht vor Ende Mai 2016 abgeben, bis dahin wird dann schon Klarheit herrschen.


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,


    hast du eine Idee was sich für Imker ändert, die bisher bereits eine landwirtschaftliche Fläche bewirtschafteten, bis 166 Völker hielten und den 13a nutzten konnten?


    Viele Grüße
    Hansi

  • Hallo Hansi,


    ich bin mir da nicht sicher.
    Es heißt nämlich in dem neuen § 13a Abs. 1 Nr. 5 EStG, dass "die selbst bewirtschafteten Flächen der Sondernutzungen (Absatz 6) die in Anlage 1a Nummer 2 Spalte 2 genannten Grenzen nicht überschreiten" dürfen.
    Dort sind 70 Völker genannt. Aber sind Bienen "selbst bewirtschafteten Flächen der Sondernutzungen"?
    Ich vermute, dass das einfach nur ungeschickt formuliert ist. Wären nur die landwirtschaftlichen Nutzungen i.e.S. gemeint (also die Bewirtschaftung von Landflächen) gäbe es bei der Sondernutzung "Bienen" keine Obergrenze mehr. Das ist unwahrscheinlich.


    Bisher konntest Du den Gewinn nach Durchschnittsätzen ermitteln, weil
    - Du weniger als 20 Hektar an Flächen bewirtschaftet hast und
    - der Wert der selbst bewirtschafteten Sondernutzungen (Bienen) nicht mehr als 2 000 Deutsche Mark je Sondernutzung betrug (Das gilt bis 166 Völker, weil 166 Völker x DM 10,00 = DM 1.660,00 + Zuschlag von 20% =DM 332,00 ergeben DM 1.992,00.)


    Ich vermutet in der Tat, dass Du durch die Neuregelung schlechter gestellt bist, wenn Du mehr als 70 Völker hast. Dann müsstest Du den Ertrag wieder durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln.


    Ich hoffe das war nachvollziehbar


    Beste Grüße Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Weiterer Zeitplan des Gesetzgebungsverfahrens:
    Die abschließende 2. und 3. Lesung im Bundestag ist für den 5.12.2014 vorgesehen, so dass der Bundesrat am 19.12.2014 zustimmen könnte. Dieser straffe Zeitplan gilt allerdings nur dann, wenn nicht erhebliche Änderungen über den Vermittlungsausschuss eingebracht werden.
    Zu § 13a EStG hat der Bundesrat aber eine Reihe von Einwänden formuliert, die die Neuregelung wesentlich verändern könnten


    Ich bleibe dran.
    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Das Gesetz ist heute im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden. Der neue § 13a EStG tritt wie geplant am 1.01.2015 in Kraft.
    Gegenüber dem Regierungsentwurf (s.o.) gabe es keine Änderungen mehr.
    Das sind also recht gute Nachrichten für's neue Jahr.


    Die entsprechenden finanzbehördlichen Richtlinien und Erlässe werden wohl erst in der zweiten Jahreshälfte aktualisiert (so lange dauert das erfahrungsgemäß).
    Irgenwelche Kommentare habe ich dazu bisher nicht gefunden.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo,
    ihr kennt euch anscheinend aus.
    Frage 1
    Die 70 Völker sind doch plus Sicherheitsreserve. Waren das nicht 30 %?
    Frage 2
    Ich habe als "Neuanfänger" mit 40 Völkern eine Gewinnerzielungsabsicht angemeldet. Zur Zeit läuft bei mir also die Gewinn und Verlustrechnung. Lassen sich diese Anfangsverluste mit anderen selbstständigen Einkünften meiner Frau verrechnen. (Das Finanzamt hat am Telefon verneint. Mein Steuerberater sagt ja)
    Ein Rückantwort würde mich freuen.
    Ein guten Rutsch und Grüße aus Nürnberg
    Thomas

  • 1.
    Das Problem mit der "Sicherheitsreserve" sollte sich so nicht ergeben, weil nach Bewertungsgesetz grundsätzlich zum Beginn des Kalenderjahres bewertet wird. Da hat man keine Ableger mehr, die zur Völkerverstärkung oder Königinnennachzucht gedacht sind. Wobei noch die Frage ist, was mit "Sicherheitsreserve" gemeint ist. Auch Reservervölker liefern ja grundsätzlich Honig.


    2.
    Das FA hat hier wohl eine negative Gewinnprognose unterstellt (Liebhaberei). Oder hat es eine spezielle Begründung geliefert?


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang


    "2.
    Das FA hat hier wohl eine negative Gewinnprognose unterstellt (Liebhaberei). Oder hat es eine spezielle Begründung geliefert?"


    Ob Gewinn oder nur Hobby wird sich in den nächsten Jahren erweisen. Deswegen werden die Steuerbescheide meines Wissens nach vorläufig.
    Es geht um das Grundsätzliche.
    Diese Einkunftsart aus Landwirtschaft und Forsten also Imkerei. Kann diese mit einer anderen Einkunftsart wie zum Beispiel das gewerbliche Einkommen als selbständiger Ärztin verrechnet werden.
    Ich habe zwei unterschiedliche Auskünfte bekommen. Im Web habe ich nichts aussagefähiges gefunden. Die Imkerei ist doch keine "gewerbliche Tierzucht" Ich habe AUCH noch nicht die Steuererklärung 2014 abgegeben.
    Guten Rutsch
    ThomasK