Imkerausbildung ja oder nein

  • Die erfahrenen Imker unter Euch in allen Ehren... Ihr mögt sicherlich Recht haben, aber geholfen ist dem Knigge damit auch nicht. :mad:


    Die Sache ist doch so... wenn ich Tierpfleger werden will, muss ich vorher nicht erstmal zur Probe Giraffen halten - Allerdings kann ich mich ohne weiteres um eine Ausbildungsstelle kümmern. Trotzdem kann ich noch lange keinen Zoo leiten auch wenn ich genug Geld hätte mir einen zu kaufen.
    Wenn Du die finanzielle Möglichkeit hast aus Deinem Beruf auszusteigen und mit Lehrlingsgehalt auszukommen - go for it. Es ist DEIN Leben. Wenn Du merkst es ist nichts für Dich, dann ist es ein Problem das Du mit Dir und Deinem Lehrbetrieb ausmachen musst... So wie bei Steinverbindungstechnikern, Metzgern oder was auch immer eben auch.


    Hobby- und Berufsimkern winken gleichermaßen ab, wenn man auf welche Art und Weise auch immer den Anschein erweckt aus den Bienen Profit schlagen zu wollen (noch dazu bevor man die erste Kiste vor sich gesehen hat). Vermutlich weil man erst im Ansatz damit einen Groschen "Gewinn" erzielen kann/wird, wenn man viel Geld, noch viel, viel, viel mehr Zeit, noch viel viel viel viel mehr Herzblut und noch viel, viel, viel, viel, viel. viel mehr Demut investiert/gezeigt hat. Weder Material noch Wissen(!) liegen an Weihnachten unterm Baum. Die Erkenntnis gewinnt man recht schnell WENN man dann erstmal Bienen hat. Und genau da schließt sich der Kreis...


    Wenn Du Dir den krassen Schnitt erlauben kannst und davon überzeugt bist, dass es Dein Weg ist - geh ihn doch einfach. Das musst Du selbst wissen. Allerdings wird Dir die breite Masse hier versichern können, dass Du nicht vom einen auf den anderen Tag Deinen Lebensunterhalt damit verdienen wirst.
    Ich kann es mir nicht leisten meinen Beruf ruhen zu lassen und habe mich deshalb für den "sanften" Weg entschieden. Ich halte Bienen... so wie es die Zeit, die Frau und das Geld zulassen. Ich hab nen Haufen Geld gebraucht und habe dabei noch kein größeres Gerät angeschafft (Schleuder, Rührgerät o.ä.). Ich versuche zu lernen... in der Praxis und in der Theorie. Wenn ich glaube eine Kleinigkeit verstanden zu haben, tut sich eine neue Tür auf, die einen noch größeren Raum öffnet. Mein Pate unterhält sich mit mir auf dem Niveau auf dem ich es verstehe... Wenn er sich mit seinen alten Kollegen unterhält sieht man schnell, dass es noch einige Stufen zu nehmen gibt für mich. Vielleicht kann man auch mal sportlich zwei Stufen auf einmal nehmen, aber früher oder später fällst Du, wenn Du zu schnell die Treppe hoch rennst.


    Fazit: Mit meinem Beruf verdiene ich die Kohle, die ich in meiner "Imkerei" versenke. Es kommt dabei auch viel zurück... aber nur äußerst wenig fürs Bankkonto. Der Gewinn liegt im Geist, im Herzen, in der Erholung... und und und. Schminke es Dir ab damit kurzfristig Geld zu verdienen, es sei denn Du bist ein windiger Geschäftsmann. Dann brauchst aber keine Bienen, sondern kannst den Honig auch so ein-/verkaufen. Dann sind aber 99% aller anderen Geschäfte, bessere Geschäfte... Umgekehrt gesagt: Wenn Du in den letzten 5 Jahren den theoretischen Grundstein gelegt hast, dann hol Dir endlich Bienen, weil es viele Dinge in der Realität klärt. Und nochwas... Du brauchst nen Paten :daumen:


    Du wirst grad ziemlich verstochen hier... aber das lässt nach.


    Gruß
    Flo

  • Und wie sieht dein Angebot für Interessierte die sich über die Berufsimkerei informieren wollen aus? Unter den aktuellen Bedingungen kann man ja nur davon abraten.


    ich glaub der Flo hat es wirklich auf den Punkt gebracht.


    Also mir selber fällt es sehr schwer jemandem ein Patentrezept zu vermitteln. Noch schwerer ist es für mich, wenn man dem Gegenüber auch noch alle imkerlichen Begriffe erklären muss. In meinen Augen gibt es Patentlösungen im Bereich der Imkerei nicht. Es wird aber (ein Stück weit) von Menschen wie dem Knigge im Grunde erwartet, doch ich selber kann das nicht leisten. Daher auch meine Verweise auf "einfach Imkern". Dort wird ja sehr gerne der Eindruck vermittelt, man hat Patentlösungen parat. Im gleichen Atemzug wird aber auch über Berufsimker, welche von der Norm abweichen, kein gutes Wort gelassen, so mein persönlicher Eindruck.


    Für die Vermittlung von Grundwissen gibt es zum Einen hier das Forum. Zumindest für die Theorie. Für die wirkliche Praxis gibt es dann auch die Vereine und deren Jungimkerschulung. Wenn es dann um die Optimierung geht, da Engagiere ich mich ja und bringe mich auch ein. Zugegeben hier im Forum weniger, aber an anderer Stelle schon.


    Bisher hab ich persönlich sehr selten die Situation gehabt, dass jemand ohne jegliche praktischen Vorkenntnisse in die Berufsmäßige Imkerei einsteigen will. Von den wenigen Fällen die mir bekannt sind, ist es tatsächlich schief gelaufen.


    Ehrlich gesagt hab ich da auch immer schon großes Bauchweh gehabt.


    Generell ist z.Z. eine Situation, bei der man besser die Finger davon lässt. Obwohl der Markt im Moment gute Rahmenbedingungen stellt, die Nachfrage nach Imkerei-Produkte ist groß. Bei der jetzigen noch sehr offenen PSM Situation ist ein deutliches mehr an Können gefragt, als es vor Jahren noch der Fall war. Unter diesen Voraussetzungen Einzusteigen ist daher sehr sehr waghalsig und auch sehr sehr kostspielig.


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • ...Fazit: Mit meinem Beruf verdiene ich die Kohle, die ich in meiner "Imkerei" versenke. Es kommt dabei auch viel zurück... aber nur äußerst wenig fürs Bankkonto. Der Gewinn liegt im Geist, im Herzen, in der Erholung... und und und. Schminke es Dir ab damit kurzfristig Geld zu verdienen...


    Top!


    Gruß Jörg, auch Gewinner

  • Einen wundervollen Samstag wünsche ich Euch,
    tut mir leid, dass ich mich erst jetzt wieder zu Wort melde, aber die Woche war stressig und irgendwie bin ich einfach net dazu gekommen.
    Aber, ich hole nun einfach mal alles hier in einem Post nach.


    Vor weg, vielen Dank, für die zahlreichen Antworten, auch wenn viele doch recht barsch waren. Ich glaube, ihr habt mich zum Teil missverstanden. Aber wie dem auch sei, ich denke, das meiste wurde dann von Anderen wieder relativiert.


    Radix (29.10.): Wie kommst du auf die Idee, dass ich sofort für Großabnehmer produzieren möchte. Es war lediglich eine Frage, die ich in den Raum gestellt habe. Generell ging es bei meinem Post in erster Linie nur um Erfahrungen und Meinungen –nicht mehr und nicht weniger.
    Ich weiß, dass mir die Bienen sehr gefallen und frage mich halt einfach schon seit längerem, ob der Schritt zum Berufsimker sinnvoll ist oder nicht. Bei der Imker stellt sich diese Frage einfach aus dem Grund, weil man sowohl als Hobby imkern kann, wie auch als Beruf. Diese Frage stellt sich für wen, der Dachdecker oder Architekt werden will nun mal nicht, da fängt man die Ausbildung oder das Studium an und gut ist. In der Imkerei kann man halt auch den „sanften“ Weg (von euch so genannt *g*) gehen, in dem man als Hobby mit ein paar Völkern anfängt und dann eben schaut, wohin die Reise geht.
    Vor weg, genau für diesen Weg habe ich mich nun auch entschieden. Ich werde mir kommendes Jahr Bienen kaufen, ma gucken, vielleicht zwei bis drei Völker, oder fünf. Wie das Geld, der Platz und die Umstände es eben her geben.
    So, ich lese mal weiter …


    Während des Lesens merke ich gerade, dass die meisten Beiträge gar net so fies gemeint waren, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Danke.


    Arghs, hier hat sich in den letzten Tagen echt viel getan. Ich kann und werde leider nicht auf jeden Poster einzeln eingehen, da es oft Wiederholungen gibt etc.. Aber an dieser Stelle noch einmal danke, ihr habt mir in Summe wirklich sehr gut geholfen!! Also diese Nachricht hier quasi als eine Summenantwort sehen, in der sich jeder angesprochen fühlen darf, der etwas geschrieben hat =).


    „Er“ hat sich zumindest schon über Ausbildungsstellen informiert gehabt und auch schon telefoniert und weiß, wohin er seine Bewerbung schicken müsste, damit er ne Stelle bekommt =). Nur, ist halt doch nen gewaltiger Schritt … mit Ende 20 noch mal bei quasi 0 anzufangen. Deswegen jetzt, auch nach Rücksprache mit der Familie, erst einmal die Beschaffung von vielleicht fünf Völkern und dann ma gucken, wie es weiter gehen wird =) … Und noch mal schnell an der Stelle, ich wollte niemals reich werden, es geht darum, dass ich von dem erwirtschafteten leben kann =).


    Und Jup, der Flo hats wirklich auf den Punkt gebracht =). Vielleicht auch deswegen, weil er sich in der selben Situation befunden hat, in der ich mich derzeit befinde. Dankeschön!!


    So, ich lass das jetzt erst einmal sacken und schau mir die PN's an, da haben sich nämlich auch welche gesammelt.

  • Moin,


    vielleicht kann ich aus meiner Anfängersicht mit Rückgriff auf das, was mein Arbeitskollege mir gelegentlich mitteilt, auch etwas weiterhelfen.


    Aus meinem persönlichen Bekanntenkreis nebst Umfeld kamen etliche Fragen, die Frage war meist die gleiche:
    "Lohnt sich das?" "Rentiert sich das?" "Kommt denn was bei rum?" :roll:


    Scheinbar denkt jemand, der bei Imkerei zuerst und ausschließlich an Honig denkt, automatisch auch nur an den Verdienst, den man evtl. erwirtschaften kann. Dass da viel mehr hintersteckt, sehen die natürlich nicht, warum auch, sie sehen verständlicherweise nur den Honig auf dem Frühstückstisch. Ich selbst habe mir die Bienen nicht für den Honig angeschafft, denn den kann ich bequemer und ohne jegliche Zusatzverpflichtung beim Imker kaufen. Der Honig ist "Beifang", auch wenn ich generell nie auf Honig verzichten würde.


    Ich habe nun auch schon einige Gläser aus meiner Honigernte verkaufen können und es wird sogar schon vorbestellt, oder man bittet mich um Rückstellung von Gläsern. Das, was reingekommen ist, kommt in ein extra Honigglas und wandert meist restlos in den Imkerbedarf - wenn das Zubehör nicht aus dem Portemonnaie gezahlt wird, ist das schon ein gutes Gefühl. Damit sind noch im ersten, laufenden Jahr schon einige Ausgaben wieder relativiert worden.
    Da ich kein Kaufmann bin, kann ich nur sagen, dass es noch eine Weile im kaufmännischen Verlustbereich bleiben wird, wenn ich so denken und rechnen würde (müsste). Ich kennen nun den Aufwand für meine Bienen im Garten und müsste richtig zulegen, um mit wenig Einsatz Gewinn als Nebenverdienst erzielen zu können. Man kann damit als Anfänger keinen Gewinn erzielen, nicht im ersten, nicht im zweiten und vermutlich wohl auch nicht im sechsten Jahr nach Beginn.


    Nun mein Kollege:
    Er hat einen sicheren Job, den er eigentlich gern macht - bis auf die gelegentlichen Dinge, die jeden bei der Arbeit nerven. Er hatte 7 oder 8 Völker teilweise auf Wanderständen, zu denen dann noch 7 oder 8 weitere Völker seines Onkels kamen, der aus Gesundheitsgründen aufgeben musste. Alles nebenher, vor und nach der Hauptarbeit. Er ist seit ca. 8 Jahren Imker und sagt, dass es sich mittlerweile selbst trägt - als Nebenerwerb, bzw. als Hobby, in das er nicht ständig nachschieben muss, sofern alles gut läuft. Er sagt oft, dass er am liebsten hinschmeissen würde, weil der Aufwand sehr hoch ist und nie weniger wird - irgendwas ist immer.


    Er hatte auch schon ernsthafte Gedanken daran verschwendet, seine Imkerei hauptberuflich zu betreiben, aber immer unter dem Aspekt, dass alles gut mitläuft, und das ist genau das Problem, dass man manche Dinge nicht garantiert bekommen kann. So sind ihm vor einigen Wochen aus Wettergründen mindestens drei Völker eingegangenm, weil er schlicht keine Chance hatte, sich darum zu kümmern. Und das tut dann schon weh, wenn man so engagiert ist, wie er. Man muss auf jeden Fall eine ganze Zeit lang mehr investieren, als man rausholen kann.


    Zum Schluß:
    Ich würde dir aus meiner jetzigen Sicht nach dem ersten relativ erfolgreichen und erfreulichem Jahr dazu raten, den nächstmöglichen Grundkurs mitzumachen und nicht sofort mit 5, sondern erstmal mit zwei, maximal drei Völkern einzusteigen. Auch mit zwei Völkern kann man schnell überfordert sein, so dass man nicht mehr weiß, wo rechts und links ist. Das hält auch den finanziellen Aufwand erst mal in überschaubaren Grenzen. Und stell dich darauf ein, dass das eine oder andere Hobby evtl. zurückgeschraubt werden muss. Ich weiß nicht, ob dein Grundstück oder von Verwandten das zulässt, aber es ist meiner Meinung nach ein riesiger Vorteil, wenn man seine Bienen zu Anfang (oder auch generell) auf eigenem Grund halten kann.


    Gruß Andreas

  • Moin,
    . So sind ihm vor einigen Wochen aus Wettergründen mindestens drei Völker eingegangenm, weil er schlicht keine Chance hatte, sich darum zu kümmern.


    Hi Andreas,


    hat die Beuten der Blitz getroffen oder was ist passiert? Ein Volk geht bestimmt nicht aus "Wettergründen " ein, das hat andere Gründe, die meistens auch hinter der Beute zu finden sind.
    Und zum Thema kümmern, was würdest du zu jemanden sagen, der sich einen Hund anschafft und ihn dann verhungern lässt weil er keine Zeit dafür hat? Ich würde es als asozial bezeichnen und genauso bezeichne ich auch jemanden der Bienenvölker aus was für Gründen auch immer eingehen lässt, weil er keine Zeit hat.


    Das hat nichts mit Berufsimkerei oder Hobby zu tun, sondern etwas mit Verantwortung einem Lebewesen gegenüber.



    Grüße,


    Maxikaner

  • Natürlich,
    hinkt der Vergleich mit dem Hund gleich mal aus zwei Gründen.
    Um viele Tiere muss man sich täglich kümmern, sonst verhungern, verdursten sie, oder sie versch...ßen einem die Wohnung bevor sie sie komplett zerlegen.
    Bei Bienen ist das nicht so. Auch wenn man die notwendigen Arbeiten nicht komplett ausfallen oder wochenlang nach hinten schieben kann, so sollte es doch einige Tage Spiel geben. Was da wettertechnisch zum Problem werden kann ist außer dem Blitzschlag vielleicht die nicht vorhandene Möglichkeit, den Standort zu erreichen. Ich denk jetzt mal speziell an meine Bienen im Hochwassergebiet oder in Gegenden, wo ich mit meinem Astra evtl. über Regenzeiten nicht hin komme. Ich ernte zwar bekannter Maßen nicht rekordverdächtige Mengen an Honig, aber verhungern muss ein Volk im Sommer nicht ( zwei Bruträume, Honigkränze, kein Pressing ). Wenns im Winter verhungert hat der Depp ( speziell ich ) wieder mal hinter der Beute gestanden. Um die Varroa muss man sich kümmern, rechtzeitig und richtig. Aber Grundsätzlich kommt das Bienenvolk ohne tägliche oder wöchentliche Durchsicht schon eine ganze Zeit lang aus.
    Ein rechtzeitiges Eingreifen in eine ungewollte oder fatale Entwicklung ist dann zwar nicht möglich, aber manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ein regelmäßiges Eingreifen von Anfängern oder mir die Situation oder die Entwicklung wirklich immer verbessert.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der hier in Ossiland wohl nicht viel Aufmerksamkeit bekäme für eine Flitzeraktion mit Schleier und Smoker.

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.