Standortkapazitäten und Völkerzahl

  • Liebe Imkers,


    aktuell komme ich aus einer Diskussion mit einer Imkerin, die wesensgemäße Bienenhaltung betreibt und die mit mir und einer weiteren Imkerin einen Standort teilt. Der Standort ist ein Bauernhof, der neben ca. 100 Apfelbäumen, einem großen Kräutergarten div. Gemüseanbau betreibt. Das Ganze liegt in einem Landschaftsschutzgebiet am Stadtrand mit angrenzender Blumengärtnerei, einem Friedhof, Wald, Feldern (hin und wieder auch Raps) und Wiesen, die - wie in Norddeutschland üblich - mit sog. Knicks abgegrenzt sind (Hecken und einige Bäume) und einer langen Lindenallee in 1 km Reichweite.


    Nun kommt die Argumentation, dass unsere insgesamt 9 Völker für dieses Gebiet zu viele seien und die Bienen "sich nicht ausreichend versorgen können". Die Aussage stützt sich im Wesentlichen darauf, dass die drei Völker meiner Nachbarin, nicht ausreichend Honig für den Winter eingetragen hätten und ab August zugefüttert werden musste. Im Umkreis von ca. 5 km gibt es noch einen Imker, der ca. 20 Völker betreut und wandert.


    Bei meinen 5 Völkern (Buckfast/Carnica-Mischung in 1,5 DNM-Kästen aus Styropor) und dem meiner Kollegin, die gerade anfängt und der ich einen Carnica-Schwarm zum Start geschenkt habe, ist makroskopisch alles wie es sein soll: meine Völker haben im Laufe des Jahres im Durchschnitt ca. 30 kg Honig pro Volk eingetragen - und das, obwohl 3 Schwärme ausgezogen sind. Der verschenkte Schwarm hat sich bestens entwickelt und sogar noch Lindentracht "gebunkert". Diese Völker wurden nach der Honigernte im Juli mit Sirup aufgefüttert, und gg. Varroa behandelt - so wie empfohlen.


    Ich respektiere die Motive anderer Imker (hier als "gender neutral" zu verstehen) - aus welchen Gründen sie diese oder jene Betriebsweise wählen. Ich bin aber skeptisch, was die Ursache-Wirkungsbeziehung Standort / Völkerzahl - Honigeintrag angeht. Da spielen m.E. viele Faktoren eine Rolle, z.B. das "Gengerüst", welches eine Kö mitbringt, Schwarmverhalten u.v.m.
     
    Nach der langen Vorrede nun die Frage an die Expert(inn)en: Wieviel Völker verträgt ein Standort mit - aus meiner Sicht - gutem Trachtangebot ? Natürlich lässt sich das nicht aus der Entfernung für diesen speziellen Standort abschätzen, jedoch interessiert mich Eure Erfahrung !


    Herzlichen Dank !


    beemax

  • beemax :


    wenn ich richtig informiert bin, wird von Dir gefordert (zumindest innerhalb einer Ortsbebauung) 50 qm Grund für jedes Bienenvolk zu haben. Dann können die Nachbarn nix dagegen machen.


    Hätte da ne andere Frage an Dich:


    Sind alle in Reihe aufgestellt? - d.H. die in der Mitte verfliegen sich bei der Heimkehr leichter als die am Rand
    Sind die Standorte identisch? (Wind, Sonne, Wand, etc.)
    Wurden die Varroabehandlung gleichzeitig durchgeführt und mit gleichen Mitteln?


    Gruß GM

  • Also in meiner Gegend hab ich meine Stände mit 20/Stand festgemacht das ist meiner Meinung nach in meiner Ecke genügend für einen Dauerstand. Aber wie du schon sagst, je nach Umgebung kann das schon zuviel sein oder auch noch mehr möglich.

    Carnica und Buckfast in Segeberger Styro DN u. DN 1,5

  • Bitte meine Worte nicht falsch interpretieren, aber welche Bienen hat deine Nachbarin, Landrasse die 365te Inzucht, von der Sorte Superschnarch?
    Habe im Verein einen lieben Kollegen, imkert schon 30 Jahre, seine Mädels haben nix gebracht, meine 30kg und das in der fränkischen Schweiz, wo die Landwirtschaft 25 Jahre hintendrann ist.

  • Der Standort ist ein Bauernhof, der neben ca. 100 Apfelbäumen, einem großen Kräutergarten div. Gemüseanbau betreibt. Das Ganze liegt in einem Landschaftsschutzgebiet am Stadtrand mit angrenzender Blumengärtnerei, einem Friedhof, Wald, Feldern (hin und wieder auch Raps) und Wiesen, die - wie in Norddeutschland üblich - mit sog. Knicks abgegrenzt sind (Hecken und einige Bäume) und einer langen Lindenallee in 1 km Reichweite.


    Hört sich nach einem sehr guten Standort an, an dem auch 20 Völker ganzjährig "satt" werden dürften. Sieht man ja auch daran, dass Du von Deinen Völkern gut geerntet hast. Hängt natürlich auch immer vom Wetter während der Tracht ab und auch von der Volksstärke. Ohne Schwärme wäre es wahrscheinlich noch mehr geworden.
    Wenn Deine Imkerkollegin nichts erntet bzw. sogar noch zufüttern muß, sind wahrscheinlich ihre Völker zu klein. Das kann natürlich an der Betriebsweise liegen, aber auch an schlechten Königinnen oder die Völker haben ein Problem mit Krankheiten/Varroa.
    Viele Grüße, Brigitta

  • 100 Apfelbäumen,


    20 Bäume ernähren ein Volk...für eine Woche im Jahr. 100 Bäume = 5 Völker.


    einem großen Kräutergarten div. Gemüseanbau betreibt.


    Trachtmäßig uninteressant.


    langen Lindenallee in 1 km Reichweite.


    Unter welchen Bedingungen honigt die Linde und sind diese Voraussetzungen bei euch gegeben? Wie lange blüht die Linde? Zwei Wochen? Und wie viele Wochen hat das Bienenjahr?


    52 Wochen hat das Jahr, 28 Wochen das Bienenjahr. Immerhin, für ganze drei-vier Wochen hast Du Tracht, bei der was übrig bleibt. Was ist mit den restlichen 25 Wochen?


    Wenn ein Volk nur 30 Kilogramm im Jahr einträgt, dann hungert es die meiste Zeit des Jahres.

  • Ich habe rund 50 Völker am Stand. Mein Nachbarimker 300 Meter Luftlinie hat 15 Völker, ein anderer in unmittelbarer Umgebung 10. Dann war da noch einer, der hatte 400 Meter weiter 8 Völker.In Zeiten von guter Tracht von meiner Gegend völlig unproblematisch. In Zeiten schlechter Tracht sicherlich problematisch. Wenn ich mir das anhöre was Du schreibst, und wenn ich mir deinen Honigertrag anschaue: Nicht mal nachdenken. Es ist einfach lächerlich, wenn eine Nachbarimkerin meint, 9 Völker wären zu viel für einen Standort. Ich nehme an, dass Du 30 kg geerntet hast. Dann haben sie natürlich viel mehr eingetragen.

  • Ja, Raps vielleicht noch. Aber der Rest? Ist doch Gänseblümchen...


    30 kg? Das ist etwas mehr als eine DNM-Zarge voll...

  • 30 kg? Das ist etwas mehr als eine DNM-Zarge voll...


    Muss das am Trachtangebot liegen? Vielleicht die Bienen-Abstammung, die Betreibsweise ... schlechtes Wetter, (zu) kleine Völker eingewintert. Wenn da jetzt 100 ha Mais und Getreide drumrum sind ok. Aber am Stadtrand, mit Wald, NSG ... kann ich mir nicht vorstellen, dass das für 20 Völker nicht reichen soll.

  • Warum hungern per se Völker, bei denen bei Standimkerei 30 kg geerntet wurden, könnte das mal genauer erklärt werden, Bernhard? Oder meintest Du damit speziell das Problem der oben angedeuteten Trachtlücken, bei denen nix los ist?


    Kann man das so pauschal sagen? Kommt doch drauf an, wo und wie oder? Vielen Imkeranfängern wird schließlich was von durschnittlich 20 kg pro Volk berichtet bei Standimkerei. Das wären ja schlechte Zeugnisse...


    Zu der geschilderten Situation ist außerdem zu sagen, dass die an sich schon wackelig ist, weil da noch ein Imker mit 20 Völkern "im Boot" sitzt. Eure Flugkreise überschneiden sich schließlich.


    Grüße


    Marion,


    die grad grob für 3 km zusammenrechnet und auf bestimmt ca 50 Völker kommt, meine bis zu 60 kg ohne Raps, Füttern tu ich nur die Hälfte aus Sirup - Hosiana!

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Moin,
    ich finde, ihr rechnet grad mit Äpfeln und Birnen durcheinander.:oops:
    Wenn ein Volk im ganzen Jahr nur 30kg überhaupt einträgt, dann ist das nicht grad viel, und wirklich eher Subsistenzwirtschaft am Rande des Verhungerns.


    Aber nehmt mal ne Landkarte eurer Gegend, und malt mal die Flugkreise da rein, von 1km Durchmesser bis hin zu 10km um die jeweiligen Stände, und fahrt mal rum, und seht euch an, was da alles steht, zu verschiedenen Jahreszeiten.
    Ihr werdet euch wundern, was da alles für die Bienen zu finden ist.


    Das gibt nur in den seltensten Fällen Sortenhonige, aber das ist ja kein "Muß".
    Und es gibt auch schlechte Jahre.
    Als Standard 20 oder 30kg jedes Jahr im Honigraum zu erwarten, finde ich für Standimkereien eher ein bißchen zu hoch gegriffen - außer man sitzt im Raps.
    Der Verein hier hat für letztes Jahr einen Durchschnitt von 16,8kg ausgerechnet, was bedeutet, daß 10 Völker 320 Gläser bringen - ich finde, damit kann man leben...:daumen:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen