Samenmischung für stickstoffreichen Lössboden

  • Hallo,


    gibt es eine verläßliche Saatgutmischung für stickstoffreichen Boden? Die meisten Mischungen sind ja eher für magere Standorte zusammengestellt. Hier ist ein kleiner Acker dauerhaft stillgelegt worden, nachdem sich Anwohner über den massiven Eintrag von Ackerdistelsamen beschwert haben, wird das Grundstück jetzt vom Bauer nebenan (?) einmal im Jahr mit einem Herbizit gegen zweikeimblättrige mitbehandelt. Ergebnis: grüne Grasswüste mit Brennnesselinseln.


    Standort: volle Sonne, frischer, lehmiger Boden, Jahrzehnte mit Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide bespielt. Beste Bodenqualität. Anhand der Zeigerpflanzen vermutlich völlig überdüngt.


    Frage: gibt es eine passende, konkurrenzstarke Mischung ('gefällig') und ein Pflegekonzept?


    Ich wollte die Tage mal an die Verantwortlichen herantreten und suche im Vorfeld nach Alternativen und einem Konzept.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Ralf,
    wie mein Name ja sagt, ich kenn mich damit aus :lol:. Warum ist das Grundstück denn dauerhaft stillgelegt? Vielleicht kannst du ja das neue Greening in der Landwirtschaft nutzen, vielleicht springt der Landwirt ja drauf an. Inwieweit du maschinentechnisch ausgestattet bist weiss ich nicht. Maschinelle Bodenbearbeitung ist halt immer aufwändig, deshalb wird der Landwirt vermutlich zur Spritze greifen.
    Ansonsten, ich hab ja auch sehr stickstoffreiche Böden (nach 20Jahren immer noch :(). Mit der Mischung "Lebenraum Brache" hab ich nicht so richtig gute Erfahrung gemacht. War schon toll für Bienen und Wild, aber nur 2 Jahre, dann wurde es fade und ich hab die Wurzeln mit meinem 2Scharpflug fast nicht mehr umgedreht bekommen :eek:. Bei mir hat sich bewährt, ohne Chemie, Senf, Ölrettich, Phacelia, Sommerraps, Klee unterschiedlich gemischt. Lein möchte ich auch noch probieren. Die Disteln hab ich damit im Griff und an Brennesselnestern hat sich keiner zu stören. Mit anderen Blühmischungen hab ich leider noch keine Erfahrungen, bin gespannt was hier noch so empfohlen wird.


    VG Georg

  • Hanf wäre gut gegen "Unkraut" =D


    Kann man ansonsten nicht mit Weissklee und mehrmaligem Rückschnitt viel erreichen? Soviel ich weiss, wächst der Klee umso besser, wenn man ihn ein paar mal pro Jahr abmäht. Die Wurzel der Distel aber ist nach 1-2 Jahren ausgepowert, weil man ihr keine Zeit zur Regeneration gibt.


    Welche Distel ist es eigentlich?

  • @ rase:


    Nach dem Volksmund sollen die Disteln zwischen Blüte und Aussaat geschnitten werden - also kurz vor der Aussaat, da hier dann angeblich nichts mehr nachkommen sollte.


    Klee ist für mich eher in Richtung Nährstoffsammeln angesiedelt. Wennst die Nährstoffe raus haben willst, dann eher keine Kreuzblütler.


    Für die Dauerhaftigkeit deiner Wiese benötigst mindestens einen Rückschnitt, besser 2 immer zum gleichen Zeitpunkt. Kannst natürlich auch unterteilen, damit deine Pollenversorgung besser ist.


    Eigentlich reicht sehr wenig Saatgut als "Starter" der Rest erledigt sich mit den Jahren. Wennst Zeit hast, dann einfach nur mit dem Mähen (aber nicht Rasenmäher, sondern Balkenmäher, und dann am besten zu Heu trocknen, damit das Saatgut noch notreifen kann) beginnen, mit der Zeit wird es schon zum Bi(er)otop. Kannst auch den Humus abtragen.


    Aussähen kannst alles, aber wie schon gesagt, der Schnittpunkt wird dann darüber entscheiden, was endgültig bestehen wird.


    Gruß GM


    Bitte Vorsicht: Jetzt gibt es doch wieder Vogelfutter - da ist teilweise sogar noch Hanf drin - also Vorsicht beim sähen, kann Probleme bereiten.

  • Hallo,


    Danke für Eure Hilfe. Ich hab mir heute den Mund fusselig telefoniert, es sieht folgendermaßen aus:


    Das Grundstück gehört der Stadt und gehört zum Projekt 'Grünes Band NRW' und soll als Teil eines Grünkorridors mit 'Wildobst' bepflanzt und dann extensiv gepflegt werde (2x Jahr wird gemäht, das war's). Diese Woche geht es los. Die Gehölzliste liest sich brutal langweilig, Prunus spinosa, Malus sylvestris, ein paar Nußbäume. Dazu Cornus mas, C. saguinea, Rosa canina, sowas halt. Salix sind keine vorgesehen, 'wenn ich welche pflanze weiß davon niemand was, schaut aber auch keiner hin'. Ich werd mal ein paar S. alba und caprea stecken, feucht genug isses da.


    Ein Staudenflor ist nicht vorgesehen, die Brennessel- u. Reitgrassfläche wäre jetzt aus der Sicht der Stadt so fertig.


    Alles in Allem klingt das nach einem wirklich ungeliebten Projekt. Die Planer waren richtig begeistert und wollten mir helfen, aber je weiter ich in der Kette Planer-Kreisverwaltung-Stadtplanung-Ausführende Behörde kam, je lustloser wurde das. Jetzt warte ich mal ab, was passiert und melde mich in zwei Jahren nochmal, wenn der Topf aufgebraucht und guter Rat teuer ist.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • frag die doch mal nach einer Wildhecke, die sich selbst anlegt.


    Ihr geht her und werft Äste von Bäumen auf ne Schleppe und die Vögel bringen alles einheimische an. Wennst da dann im nächsten Jahr noch samen reinwirfst und es geht auf, kannst nix dazu - waren die Vögel. Der spezielle Namen für die Hecke: "Benjeshecke" oder auch "Totholzhecke" genannt.


    Ich glaube, die von der unteren Naturschutzbehörde sind dann gleich Feuer und Flamme *gg*


    Gruß GM


  • Hört sich doch gar nicht soo schlecht an ... die Gehölze sind jetzt nicht grundsätzlich verkehrt - was ich nicht ganz nachvollziehen kann sind die Nussbäume. Nach Anpflanzung sollte sich die Spritzerei auch erledigen, da spielen die (jungen) Bäume nicht mit. Dann noch zweimaliges Mähen und da kann sich durchaus interessantes etablieren. Wichtig wären halt immer gleiche Mähzeitpunkte (nicht kalendergleich sondern z.B. nach Blühende von X und nach Samenreife von Y - vielleicht kannst Du da ja als örtlicher Beobachter entsprechend anregen.
    Bei passendem Wetter hast Du direkt nach der Mahd die Möglichkeit gezielt zu säen - lückige Stellen mit einer Samen/Erde-Mischung ansäen und nach Möglichkeit angiessen. Nur Samen bringt nicht viel. Lichtkeimer nicht untermischen sondern zum Schluß obendrauf. Nach der Pflanzaktion sollten auch genügend offene Bodenflächen für Neusaat vorhanden sein.


    Mögliche Arten: Wiesensalbei, Weidenröschen, Schnittlauch, Löwenzahn kommt selbst, Dost, Oregano, div. Nepeta, Agastache, ... auch mal umschauen, was sonst so an den Rainen, Wiesen ... wächst und den Samen gezielt verbreiten


    gärtnerischen Gruß
    Marion

    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Hab heute zum Spaten gegriffen: 5x Salix caprea, 5x Salix smithiana und 5x Salix aurita. Da bin ich mal gespannt. Da ich wurzelnackt gekauft hab, mußte ich eh zurückschneiden und deshalb bleiben noch ca. 100 Steckhölzer. Das Frühjahr kann kommen :)


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife