Schleichendes Völkersterben ?

  • Hallo
    in den letzten 3 Tagen 4 Völker aufgelöst da sie fast keine Bienen zur Abwehr von Räubern hatten.Alle Völker hatten junge Weiseln und die Völker wurden 2x mir AS behandelt.Ich hatte in diesem Jahr große Maisflächen in der näheren Umgebung.Es wurde reichlich Pollen eingetragen und nun denke ich der Maispollen könnte die Ursache sein das fast keine Bienen mehr da sind!Ich habe aber auch Völker bei denen merkt man keine Schädigung.Der Milbenbefall ist gering und die Völker sind stark.Mich würde mal interresieren ob andere Imker auch schon solche Beobachtungen gemacht haben?


    Grüße aus Thüringen

  • Guten Morgen!


    Konntest Du Totenfall bei den besagten Völkern feststellen?
    Ich habe ähnliches erlebt - und es handelte sich ausschließlich um derbe Räuberei ( welche ich dieses Jahr das erste mal derart extrem erlebe)
    Was konntest Du bei der Auflösung in den Waben sehen? War noch Brut vorhanden?


    Du schreibst, dass Du 2x mit AS behandelt hast - welche Methode?


    LG: Anni

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Hallo
    Totenfall konnte ich nicht feststellen.Es waren nur noch eine Hand voll Bienen vorhanden und ein Faustgroßes Brutnest.Nur bei einem Volk fand ich die junge Weisel die ich zum Glück noch verwenden konnte.Das Brutnest bestand nur aus verdeckelter Brut und frischen Stiften.Die Entwicklungsstadien dazwischen fehlten.Die Behandlung mit AS führe ich seit es den Nassenheider Verdunster (standart Ausführung)gibt durch und habe immer gute Erfahrungen gemacht!Die Völker zeigten bei der Einfütterung anfang September keine Anzeichen von Schwäche und somit war ich auch erschrocken das die Völker jetzt in so einen Zustand sind.Die Einfütterung ging auch schnell über die Bühne denn die Völker hatten so viel Kleehonig eingetragen das ich mich entschlossen hatte ihn drin zu lassen.Die Völker brauchten nur noch 5-8 Liter Apiinvert und hatten somit genug Futtervorräte.


    Grüße aus Thüringen

  • Ich habe immer etwas Bedenken, wenn als erstes Vergiftungen vermutet werden. Naheliegender sind Varroaschäden (auch wenn behandelt wurde) und eine zu schwache Entwicklung der Völker im Spätsommer. Die Räuberei ist ja Folge, nicht Ursache.
    Wir stark waren denn die Völker zum Spätsommer? Hätten Sie nicht viel früher aufgelöst werden müssen?


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • ...ja, und bei so`n paar Bienen und so nem luschigen Brutnest ist der Milbenfall schon ne ganze Weile gering. Absolut. Relativ nicht...


    Schade wäre es nur, wenn sich keine Rückschlüsse auf evtl. Fehler oder Versäumnisse bei der Behandlung ziehen ließen, aus denen gelernt werden kann.


    Es ist genau andersherum wie die Ausrede der Milbe für andere Arten Schäden:


    Überall liest man zur Zeit von leeren Kisten und winzigen Resten und dann kommt das Argument des Maisfeldes etc.
    Ich hab auch jedes Jahr eins hier in der Nähe. Meine Kisten sind voll.
    Meine Kisten waren in der Anfangszeit aber auch mal leer :cry:, leider habe ich dort Varroaschadzeichen finden können, und eine Verantwortliche gesehen, sie stand hinter der Beute...


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Konventionelle Landwirtschaft: mindestens 1 mal pro Feld und Jahr Einsatz von Insektiziden, Herbiziden, Fungiziden, Halmstabilisatoren und anderen -regulatoren, Beizmittel und fruchtabhangige PSM kommen noch dazu, und Du schreibst " nicht Naheliegend"?!

  • Ich sehe den Bienenschwund in den Völkern, als Ursache für eine nicht optimale und unzeitgemäße Varroabehandlung. Ich finde auch eine Langzeitbehandlung mit AS nicht als optimal an, da es dadurch zu einem Brutstopp in den Völkern kommt, der Zustrom von Jungbienen ist unterbrochen, aber sehr wichtig für die Winterbienen.
    Eine dreimalige Behandlung maximal, ist meiner Meinung nach günstiger.
    Durch günstiges Wetter und gute Trachverhältnisse sind bei uns die Völker sehr stark in Brut gegangen, was auch die Vermehrung der Varroa wieder begünstigt hat.
    Ich warte dringend auf Wetter für die Winterbehandlung mit OS träufeln.


    Das neue Bienenjahr beginnt schon ab Juli, deshalb ist eine besondere Pflege und Aufmerksamkeit den Völkern im August und September zu schenken und das wird oft vergessen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • ...und dann kommt das Argument des Maisfeldes


    Besser so, als andersherum.


    Ich habe hier nicht ein Maisfeld sondern hunderte von Hektar davon. Und es ist nicht einfach, hier Bienen am Leben zu erhalten. Und ohne solche Blühstreifen gar nicht möglich. Mit oder ohne Varroabehandlung, das ist in einem solchen Umfeld nicht entscheidend. Wichtig ist, daß sie ständig Alternativen angeboten bekommen, was den Pollen angeht. Und daß die Völker auf keine Weise geschwächt werden, zu keiner Zeit. Alles, was dürftig gebildet wurde, ist zum Herbst hin platt. Es ist eine ständige Gratwanderung und damit ein echter Nervenkrieg.


    Es ist falsch alles auf die Pestizide abzustellen, aber ebenso falsch, alles auf die Varroa zu schieben. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Daß das Problem hinter dem Kasten steht, ist eine abgedroschene Phrase, die nichts mit den Vorgängen da draußen zu tun hat. Es ist eben nicht alles auf die Schwierigkeiten abzuschieben, mit denen Anfänger zu kämpfen haben. Mittlerweile halten auch die sehr erfahrenen Imker hier ihre Phrasen zurück und müssen erkennen, wie ihnen die Situation zusehends aus den Händen gleitet.


    Es wäre der Sache dienlicher, wenn die Ursachen in solchen Völkern gründlicher untersucht würden. Sehr viel gründlicher.

  • Es wäre der Sache dienlicher, wenn die Ursachen in solchen Völkern gründlicher untersucht würden. Sehr viel gründlicher.


    Da kann man nur zustimmen.
    Wenn kein auffälliger Totfall vorhanden ist, sollte die Diagnose aber bei den am meisten verbreiteten Faktoren beginnen und das sind nun mal die imkerischen Fehler - vor allem bei der Varroabehandlung.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Es ist eine ständige Gratwanderung und damit ein echter Nervenkrieg.


    Es gibt einfach Standorte, da sollte man keine Bienen mehr halten. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen, der Zeitaufwand ein Volk bei Laune zu halten steigt ins Unermessliche.


    Hinzu kommen dann noch andere Dinge, wie erhöhte Krankheitsanfälligkeit. Rund um Zwickau faults gewaltig in diesem Jahr, ein Ende ist nicht in Sicht. Mich wundert das nicht.


    Es wäre der Sache dienlicher, wenn die Ursachen in solchen Völkern gründlicher untersucht würden. Sehr viel gründlicher.


    Und dann? Dann wüsste man, dass der Standort cheyse ist und wandert mit den Bienen woanders hin. Nur wohin? In den wenigen verbliebenen paradiesischen Ecken wird man von den dort ansässigen Imkersleuten bestimmt mit offenen Armen empfangen :wink:


    Gruß Sven

  • Wenn kein auffälliger Totfall vorhanden ist, sollte die Diagnose aber bei den am meisten verbreiteten Faktoren beginnen und das sind nun mal die imkerischen Fehler


    Er schreibt doch beginnen, nicht alle anderen Ursachen ausschließen. PSM führt als Nebenwirkung beim Imker zum Tunnelblick. Natürlich gibt es die PSM Problematik, und genauso die imkerlichen Fehler.


    So wie für Bayer alles Bienensterben der Varroa anzulasten ist, so schieben einige Imker alle Probleme auf PSM. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, mir sind schon Fehler passiert, die Bienenvölker das Leben gekostet, oder es ihnen zumindest schwer gemacht haben. Nur weil es jetzt schick und landlust ist, Bienen zu 'haben', ist das trotzdem noch ein Unterfangen, welches mehr Wissen und Können erfordert als normale 'Hobbies'. Lehrgeld nicht als solches zu erkennen, weil an dieser Stelle zu leichtfertig 'PSM!' Gerufen wird ist falsch. Genauso, wie es den Bienen bescheiden geht, wenn an anderer Stelle leichtfertig alles auf die Varroa geschoben wird. Word.


    Beste Grüße,
    Ralf


    Ps.: Leere Kiste, eine handvoll verdeckelte Brut um diese Zeit? Varroa. Mach die Zellen auf und schau nach. Und behandel nächstes Jahr besser, konsequenter und rechtzeitig.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo
    was mir noch aufgefallen ist es sind nur Völker betroffen die in der Normbeute 52 untergebracht waren.In den Segeberger Magazinen sind die Völker stark.Ich vermute das auch die Langzeitbehandlungen in den Holzbeuten nicht optimal gewirkt haben zumindest in einigen Völkern.Zum Glück habe ich genügend Ableger die zur Zeit noch auf 10 NMW sitzen und ich hoffe das das so bleibt.


    Grüße aus Thüringen