Kosten- und Leistungsrechnung in der Imkerei

  • Hallo Miteinander,


    in dem Thread Kommerzielle Bienenhaltung: Ertragsrechnung - Eure Einschätzung hatte ich angeboten, meine Excel-Tabelle zur Berechnung der Kosten zu teilen. Die Excel-Tabelle kann hier heruntergeladen werden.


    Die Tabelle ist nicht geschützt, es kann also jeder alles verändern. Zellen, die gelb hinterlegt sind, sind nach den eigenen Angaben auszufüllen. Alle anderen Zellen sollten sich dann per Verlinkung selbst berechnen.


    Die Tabelle hat bisher 4 Seiten. Umsatz, variable Kosten, fixe Kosten und eine Zusammenfassung.


    Unter Umsatz werden die Erntemengen/zugekaufte Mengen und der Preis für ein pro 500g Glas erfasst. Wobei ich davon ausgehe, dass der geerntete Honig auch komplett in einem Jahr verkauft wird.


    Unter den variablen Kosten erfasse ich die Kosten, die ein Glas verursacht: Glas, Einlage, Etikett, sowie auf ein Pfund runtergebrochen die Kosten für den zugekauften Honig.


    Bei den fixen Kosten erfasse ich die Kosten die, die unabhängig von der produzierten Menge (Gläser) anfallen. Es geht los mit den Abschreibungen. Wobei die Grundlage für die Abschreibungen die Wiederbeschaffungskosten und nicht der Kaufpreis ist. (Die Kosten in der Zukunft muss ich heute verdienen, sonst kann ich mir die neue Schleuder in der Zukunft nicht leisten)


    Danach folgen die kalkulatorischen Zinsen. Das durchschnittlich gebundene Kapital könnte ich ja auch anderweitig anlegen und Zinsen bekommen. Wobei man über den Zinssatz von 4% sicherlich diskutieren kann ;-)


    Weiter folgen sonstige Kosten.


    Insgesamt habe ich in diesem Beispiel fixe Kosten von € 4.251,34.




    In der Zusammenfassung versuche ich die Daten auf einer Seite aufzuarbeiten. So sieht man, dass die variablen Kosten pro Glas mit € 0,41 (Glas, Einlage, Etikett) zu buche schlagen.
    Die Fixkosten müssen dann durch den Gesamtdeckungsbeitrag gedeckt werden.


    Das ist die erste Version und sicherlich noch verbesserungsfähig. So fehlen bei den variablen Kosten die Kosten für den Deckel.
    Die Fixkosten verteile ich auch auf den zugekauften Honig. Dabei verursacht dieser Honig diese Kosten (Schleuder, Beuten usw.) gar nicht, muss diese Kosten aber "mitverdienen".
    Die Kosten für Fütterung und Varroabehandlung fehlen ebenfalls und müssen noch nachgepflegt werden.


    Die o.g. Punkte werde ich noch nachholen und eine neue Version dann bereitstellen. Wer sonst noch Kosten vermisst oder die Übersicht bzw. das Handling einfacher gestalten möchte, der ist herzlich eingeladen. Wenn sich hier ein Controller versteckt, der darf sich jetzt auch gerne melden ! :daumen:


    Sobald ein wenig Input zusammengekommen ist, werde ich die Tabelle überarbeiten.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Hallo Christian,


    habe nur mal so grob deine Kalkulation angeschaut.


    Eines ist mir allerdings aufgefallen, Du rechnest 1:1 die Rücklaufgläser. Wenn Du die Gläser als "Pfandware" behandelst sei bitte vorsichtig.


    Hierzu kann ich mir mehrere Szenarien vorstellen:


    - die Honiggläser werden, ähnlich wie Wurstgläser, zweckentfremdet
    - bei Pfandzahlungen z.B. 0,50€ bekommst auch die Gläser vom Nachbarn
    - sind die Gläser richtig sauber
    - wie desinfizierst die Rückläufer
    - getrennte Lagerung
    - Deckel wiederverwertbar
    - Arbeitszeit
    - etc.


    Alles was bei uns "außer" Haus geht ist deshalb Müll. Wir hatten schon Gläser mit Farbresten zurück bekommen, was in den sauberen alles war will ich gar nicht wissen. Aber es waren immer die guten Freunde von denen man es nie vermutet hätte.


    Gruß GM


    PS: alle Eingaben auf einer Seite wäre bestimmt von Vorteil.

  • Ich verkaufe in 2 Gläsergrößen, noch 250g, muss also mehr rechnen. Kann man das mit einarbeiten?

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi


  • Zucker Kosten sind nicht dabei?!?!


    Wie gesagt, nicht nur für die Fütterung, sondern auch für die Varroabehandlung. Pflege ich aber noch nach. Denke, es gibt noch einige mehr an Kosten, die ich bisher vergessen habe. Die Excel- Tabelle soll aber in aller erste Linie zum nachdenken der eigenen Kosten nachdenken.


    Ich verkaufe in 2 Gläsergrößen, noch 250g, muss also mehr rechnen. Kann man das mit einarbeiten?


    Auch das kann man noch ergänzen.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Die Afa-Zeiträume finde ich teilweise recht mutig angesetzt (25 Jahre für die Schleuder!).
    Mittelwände sind zweifellos Umlaufvermögen, werden also nicht abgeschrieben. Sie sind ja auch schwerlich wieder zu entnehmen.
    Was einmal eingelötet ist, muss man als Verbrauch buchen.
    Neben dem Winterfutter fehlen auch die Kosten für die Varoa-Medikamente und sonstiges Kleinmaterial.
    Auch eine Menge Kleinwerkzeuge fehlen (Smoker, Einlöttrafo usf.)
    Worin lagerst Du denn den Honig (mindestens bis zum Abfüllen)? Da ist nur eine Abfüllkanne aufgelistet.
    Was auch nie fehlen sollte, ist ein Posten "Sonstiges". Bei aller Akribie vergisst man gern, was außer der Reihe so anfällt


    Was ich gar nicht verstehe, ist der Ansatz des kalkulatorischen Unternehmerlohns. Das macht der nur Sinn, wenn man ein Unternehmen aus Sicht eines Kapitalanlegers betrachtet; das ist bei einer Kleinimkerei natürlich Unsinn. Oder als Opportunitätskosten, was bei einem Hobby auch nicht wirklich passt.
    Zum anderen verstehe ich überhaupt nicht, wie Du zu dem Betrag kommt.
    Der kalkulatorische Unternehmerlohn sind ja die Kosten, die man ansetzen müsste, wenn die Arbeit des Unternehmers ein bezahlter Mitarbeiter machen würde. Meinst Du ernsthaft, das sind bei 20 Völkern nur 2.000 Euro im Jahr?


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

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  • Die Afa-Zeiträume finde ich teilweise recht mutig angesetzt (25 Jahre für die Schleuder!).


    Die kann doch jeder ansetzen, wie er möchte, deshalb ist die Tabelle ja auch frei formatierbar. Über den Zeitraum lässt sich sicherlich diskutieren. 25 Jahre a zwei Schleuderungen a 2 Tage macht 100 Tage in Betrieb in 25 Jahren. Ist das jetzt so abwegig?!?
    In der KLR wird versucht die Realität abzubilden. Daher wird auch nicht mit AfA-Tabellen gearbeitet.



    Mittelwände sind zweifellos Umlaufvermögen, werden also nicht abgeschrieben. Sie sind ja auch schwerlich wieder zu entnehmen.
    Was einmal eingelötet ist, muss man als Verbrauch buchen.


    Danke für den Hinweis



    Neben dem Winterfutter fehlen auch die Kosten für die Varoa-Medikamente und sonstiges Kleinmaterial.
    Auch eine Menge Kleinwerkzeuge fehlen (Smoker, Einlöttrafo usf.)
    Worin lagerst Du denn den Honig (mindestens bis zum Abfüllen)? Da ist nur eine Abfüllkanne aufgelistet.


    Wie oben schon geschrieben, das kommt noch.



    Was auch nie fehlen sollte ist ein Posten "Sonstiges". Bei aller Akribie vergisst man gern, was außer der Reihe so anfällt


    Unter Sonstiges werde ich noch eine Position Sonstiges einfügen




    Was ich gar nicht verstehe, ist der Ansatz des kalkulatorischen Unternehmerlohns. Zum einen macht der nur Sinn, wenn man ein Unternehmen aus Sicht eines Kapitalanlegers betrachtet; das ist bei einer Kleinimkerei natürlich Unsinn.
    Zum anderen verstehe ich überhaupt nicht, wie Du zu dem Betrag kommt.
    Der kalkulatorische Unternehmerlohn sind ja die Kosten, die man ansetzen müsste, wenn die Arbeit des Unternehmers ein bezahlter Mitarbeiter machen würde. Meinst Du ernsthaft, das sind bei 20 Völkern nur 2.000 Euro im Jahr?


    Den Betrag habe ich mir aus den Fingern gesaugt! Wie alle anderen Werte auch (werde meine Kalkulation sicher nicht offen legen). Das muss jeder für seine Imkerei selber entscheiden. Wir sind hier in der KLR und nicht im externen Rechnungswesen.
    Was hat das denn mit einem Kapitalanleger zu tun? Ein Kapitalanleger wird in den seltensten Fällen Einblicke in die Kalkulation erhalten. Jeder, der eine marktübliche Vergütung seines "Arbeitslohns" haben möchte, muss dies in den Preisen einrechnen. Daher der kalkulatorische Unternehmerlohn.
    Ob Du ihn dann auf € 0,00 setzt, sei Dir überlassen.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Die übliche AfA für welche Geräte kann man sehr gut den Info-Seiten von Kirchhain entnehmen, z.B. "Erzeugungskosten für 1kg Honig". Die haben für die Schleuder eine AfA von 5%, gehen also von 20 Jahren Nutzungsdauer aus. Dafür sind bei denen die Beuten recht langlebig mit 10 Jahren.

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    Gruß
    holmi


  • Den Betrag habe ich mir aus den Fingern gesaugt!


    Ja eben! Dann kann man sich den ebensogut schenken.

    Wie alle anderen Werte auch (werde meine Kalkulation sicher nicht offen legen). Das muss jeder für seine Imkerei selber entscheiden.


    Nein. Wenn man kalkulatorische Kosten ansetzt, dann genauso wie Sachkosten. Es entscheidet ja auch nicht jeder für seine Imkerei, was die Beuten kosten.
    Es muss also ein ortsüblicher Lohn angesetzt werden, wenn der kalkulatorische Unternehmerlohn aus Sicht des Kapitalanlegers ermittelt wird. D. h. für den Fall, dass man nicht selbst mitarbeitet
    Wird er bezogen auf die eigenen Opportunitätskosten ermittelt, wäre der Lohn anzusetzten, den man anderswo in gleicher Zeit mit anderer Arbeit verdienen würde. Auch das kommt wohl nicht hin.
    Der Begriff kalkulatorischer Unternehmerlohn ist in der Kostenrechnung durchaus definiert. Meine Empfehlung: Lass ihn einfach weg. Der macht hier keinen Sinn und liefert nur unsinnige Ergebnisse.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Meine ersten Beuten sind jetzt 10 Jahre alt, aber wenn sie noch länger leben sollen, dann muss man eben nochmal nachstreichen. D.h. wieder in Farbe investieren.

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    Gruß
    holmi

  • Wobei die Farbe ja wesentlich günstiger sein dürfte, als die Beuten selbst. Kann allerdings nicht beurteilen, ob Farbe reichen würde, meine sind ja noch nicht so alt, 10 Jahre kamen mir nur spontan kurz vor. Mal schauen.