Bienenvölker verjüngen bzw. vermehren für kleinen Hobbyimker

  • Hi,


    ich möchte über kurz oder lang (von) meine(n) Bienen vermehren, die Völker verjüngen und auch mal eine Bauerneuerung durchführen. Ich habe momentan zwei Bienenvölker und möchte nächstes Jahr noch ein drittes dazukaufen. Dann möchte ich von diesen nachziehen.


    Über kurz oder lang möchte ich (sag ich jetzt mal ;-)) über die fünf Völker nicht hinauskommen. In meinem Garten stehen die bisherigen Bienenvölker, da passen auch noch 3-5 zusätzlich hin. Möglichkeiten einen weiteren Stand in der Umgebung zu öffnen, wäre kein Problem, hätte halt nur die logistischen Probleme mit sich!



    Im Buch von Herrn Schwarz habe ich von der Flugling/Brutling Methode gelesen. Mit dieser würde ich das gern durchführen, wenn möglich. Eine Königinnenzucht mit Sammelbrutableger, 20+ Königinnen und Begattungseinheiten möchte ich eigentlich nicht anstreben. Wenn Vermehrung mit Flugling/Brutling, dann auch im Standmaß.
    Ob ich dann mit der "neuen" Kiste zu einer Belegstelle fahre oder hier lasse, habe ich noch nicht entschieden. Macht aber für die Vermehrung an sich ja erstmal keine Unterschiede?



    Bloß: Wenn ich die bestehenden Bienen mit der alten Königin in eine neue Kiste gesetzt habe, Milchsäurebehandelt, dann ist die alte Kiste ja weissellos.
    Nun bin ich mir nicht sicher, ob ich das Volk dann alleine nachschaffen lassen soll?
    Sofort eine neue, gekaufte Königin zusetzen?
    Eine Weisselzelle aus meinem besten Volk da reinhängen? (Wie komm ich an die?)
    Oder nachschaffen lassen was sie wollen und später im Jahr sowieso umweisseln?


    Bin mir etwas unsicher: Die "normale" Vermehrung mit Sammelbrutableger usw. ist sehr häufig erklärt und wird auch so von meinen Imkerpaten durchgeführt. Aber das ist doch viel zu aufwendig für mich, oder?
    Wieso sollte ich 20 Königinnen ziehen, wenn ich nur eine oder zwei brauche?
    Außerdem schwäche ich meine 2-3 Völker durch einen Sammelbrutableger wohl auch zu sehr, oder?


    Ich finde die Flugling/Brutling Methode halt sehr reizvoll, wie sie Schwarz beschreibt:


    - effektive Sommerbehandlung
    - komplette Bauerneuerung ODER Völkerverdopplung


    Aber wenn ich nur die Völker teile zur Sommerbehandlung und Bauerneuerung: Sollte ich dann die neue Königin drinlassen? Die alte? Wie scheide ich die aus?




    Manchmal erscheint mir das alles doch sehr kompliziert!



    Danke für eure Hilfe und noch einen schönen Sonntag,
    Marcel

  • Hallo Marcel,


    das ist doch recht simpel.
    Nicht so viele Knoten ins Hirn machen :wink: (sagt eine, die das auch im konkreten, persönlichen Fall seeeehr gut kann)


    Wenn es gute Ausgangsvölker sind, dann lässt Du sie nachziehen von ihrer eigenen Brut. Fertig.
    Wenn nicht, brichst Du die Zellen von der Brut, die Du nicht haben willst und lässt sie von zugegebenem Material Deines Lieblingsvolkes nachziehen (Rähmchen austauschen ginge dabei auch, um die Brutmenge gleichmäßig verteilt zu haben, da musst Du aber sorgfältig markieren/dokumentieren)


    Vielleicht möchtest Du auch aus Schwarmzellen vermehren, hast ein Volk, welches SZ hat; dann verteilst Du diese in die Brutlinge bzw. erstellst sie erst dann zum passenden Zeitpunkt. Die Schwarmzelle hat Vorsprung und die anderen brichst Du dann (Vorsicht, sonst Nachschwärme aus dem Brutling denkbar).


    Recht schön ist die gleichzeitige Wabenerneuerung mittels Totaler Brutentnahme, das kannst Du Dir dann auch noch überlegen. Die Option, Teile davon zurück zu vereinigen oder aufzulösen gibt es dabei auch, musst also nicht alles verdoppeln.


    Na ja,
    ist doch ganz einfach :-? Entscheiden musst Du Dich aber selbst :cool:


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ich finde die aktuellen Diskussionen sehr interessant. Auch wenn ich noch keine Völker vermehrt habe - ja noch nicht mal über den Winter habe ich sie gebracht - so beschäftigt es mich schon.


    Für das nächste Jahr würde ich aus meinen beiden Völkern Brutableger bilden, auch in der Hoffnung das mir kein Schwarm verloren geht.
    Die Idee eines kleinen Sammelbrutablegers und der Königinnenzucht in vier Schritten finde ich zwar sehr interessant, da aber bedarf es eines Volkes das "zuchtwürdig" ist. Mein "Killerbienen-Stechervolk", bei dem ich nach der Durchsicht 20 min warten muss bis die letzten Angriffswellen durch sind, scheidet schonmal aus.


    Vielleicht doch ein paar Königinnen zukaufen, auch um im übernächsten Jahr Völker für die Nachzucht zu haben?
    Ich weiß es noch nicht und die Zeit wird es zeigen...vielleicht habe ich im Frühjahr ja noch nicht einmal mehr Bienen.


    Völker oder Ableger zukaufen würde ich aber wohl nicht, denn mit je einem Ableger und einmal TUB oder einem Kunstschwarm, da könnte man eine zugekaufte unterbringen, sollte ich auch so von 2 auf 5 Völker kommen. Wenn das bei mir nicht klappen sollte, dann würde für mich gelten handwerkliche oder wissensbasierende Fehler zu suchen.


    So sind bisher zumindest meine Gedankenspiele für das nächste Jahr.


    Grüße Chris aus E

  • Hallo euch beiden!


    Danke für die Antworten:


    Marion : Werde das mit den Hirnknoten versuchen zu beherzigen. Aber da ich erst seit diesem Jahr Ableger habe, habe ich z.b. bei meinen eigenen Völkern noch nie eine Schwarmzelle gesehen... deshalb fällt es mir schwer abzuschätzen, wann es die gäbe, ob es die gäbe usw...


    Zwei Fragen noch:


    Wenn ich Flugling und Brutling später wieder unter dem Entfernen einer der Königinnen vereinigen will, wann und wie mache ich das am besten?
    Und was heißt dann, totale Brutentnahme in diesem Zusammenhang?
    Ich dachte, der "Flugling" hätte dann quasi überhaupt keine Brut mehr, ist das dann schon die Entnahme?



    Ich würde erstmal wirklich von meinen Völkern nachziehen. Das sind gute Völker (soweit ich das beurteilen kann) vom Zuchtkoordinator gekauft. Ich denke, der weiß, was er tut!



    Gruß,
    Marcel

  • ...


    Lieber Marcel bitte verzeih dem Drohn die folgende Sichtweise der Dinge und lass dir dadurch nicht Deine Freiheit, nehmen:wink:


    In anderen Freds hat der Drohn die Befürchtungen geäußert über Zucht und Vermehrung von Bienen durch Menschen die keine Ahnung haben von der Genetik der Bienen.
    Warum willst du vermehren wenn Du noch nicht mal die Arten der Königinentstehung kennst? Geschweige die Bienengenetik mit der Du es zu tun hast?
    Wäre es nicht sinnvoller dass Du Dir schon fertige Königinnen kaufst oder schenken lässt, bis Du die Bienen wirklich etwas besser kennst?


    dD


  • Mein "Killerbienen-Stechervolk", bei dem ich nach der Durchsicht 20 min warten muss bis die letzten Angriffswellen durch sind, scheidet schonmal aus.


    :cool: Könnte es sein, daß dein "Killerbienenvolk" durch eine gewisse Unerfahrung und Unsicherheit deinerseits so geworden ist?
    Die meisten Anfänger haben eine gewisse Grundangst, und arbeiten dann nicht so sorgfältig und langsam, wie sie es sollten, sondern werden eher hektisch.
    Und zweitens, wäschst du deine Bienenklamotten oft genug?
    Im Handschuh hält sich das Alarmpheromon ziemlich lange - im Sommer locker zwei Wochen.
    Die meisten Stecher werden nicht so geboren, sondern so gemacht.:Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Keine Ahnung...hektisch bin ich eher nicht - ich lass mich von ein paar wilden Damen doch nicht kirre machen. Auch bin ich beängstigend unempfindlich gegenüber Stichen, was beruhigend wirkt.
    Waschen könnte tatsächlich sein, wäre mal wieder nötig.
    Beim zweiten Volk habe ich die Erfahrungen aber noch nicht gemacht.
    Ich werd den Anzug mal für das Frühjahr waschen und dann berichten - dieses Jahr brauche ich den wohl nicht mehr.

  • Da muss ich dem Drohn einfach recht geben.
    Schrieb ich gestern bereits anderswo:


    ....
    Eine schwarmträge Linie. Imkern, ernten.
    .....oder ganz simpel
    Jungköniginnen begattet zukaufen. :u_idea_bulb02:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Marcel,
    versuche doch bitte erst einmal deine beiden Völker gesund über den Winter zu bekommen, dann hast Du schon viel gekonnt.
    im April / Mai 2015 währen dann deine Fragen noch einmal Interessant,
    aber da dann das Eine , nach dem Anderen.



    Gruß Jürgen

  • Hallo Chris,
    Weihnachten ist ein guter Zeitpunkt um den Strampler mal Mutti zum Waschen zu geben. Die Bienen verzeihen dir eher den Duft des wilden Ebers als den Duft von Waschmitteln.
    Ablegerbildung und Vermehrung sind eigentlich kein Hexenwerk aber deshalb sollte man als Anfänger nicht gleich die kompliziertesten Methoden kreativ miteinander verbinden. Macht es euch in den ersten Jahren nicht so schwer. Wenn ihr eine gute oder besonders gute Königin haben wollt, dann kauft halt eine. Und wenn ihr einfach nur Bienen haben wollt, dann macht einen Ableger und lasst die Bienen selbst nachziehen. Die können das meist besser als die meisten Neulinge. Und wenn es einen Stecher gibt, dann wechselt die Königin aus, gegen eine, na? Gekaufte.
    Und wenn ihr wissen wollt, wie das Nachziehen einfach und idiotensicher gemacht wird, dann fragt mich per PN oder seht mal beim Bienenzuchtverein Kandel auf die Internetseite. Wenn ihr mehr als vier Sätze braucht um die Methode zu beschreiben, ist sie zu kompliziert.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Vielen Dank für eure ganzen Antworten!


    Ich wollte nun wirklich nicht gleich losrennen und nächstes Jahr in die Hochzucht starten.


    Mir ging es erstmal um die Frage der Vermehrung der Völker, falls notwendig. Ich werde mich weiter einlesen und hab auch schon das Angebot bekommen, einem erfahrenen Züchter über die Schülter zu gucken!


    Viele Grüße,
    Marcel

  • Wo man gerade bei Zucht ist...lohnt sich der Aufwand für einen kleinen Imker überhaupt? Nennenswerte Erfolge sind dabei doch kaum zu erwarten, da ja auch nur wenig Völker da sind aus denen selektiert werden kann.
    Ich fand das unglaublich spannend einem Züchter beim umlarven zu zuschauen und die Königinnen in den Begattungskästen auf Stifte zu kontrollieren...alleine, dass es einen hörbaren Unterschied zwischen seinen Drohnen- und Wirtschaftsvölkern gab. An dem Nachmittag habe unglaublich viel gelernt...aber das Umhängen von 1-3 jungen Brutwaben in eine neue Beute im Standmaß, Deckel drauf und vier Wochen warten klingt weniger material- und zeitaufwendig. Für wenige Gläser Honig kann man ja auch ne fertige Königin bekommen.


    Ich warte jetzt erstmal den Winter ab und hoffe nicht doch wieder von vorne anfangen zu müssen. Der Rest zeigt sich im Frühjahr.