Erster Schwarm

  • Ich hab da mal ne etwas umfassende Frage. Folgende Situation. Dieses Jahr im Frühjahr ist bei meinen Eltern im Erzgebirge ein Bienenschwarm in eine Alte Linde eingezogen. Der Imker war leider zu spät da um den Schwarm zu fangen und meinte: "scheiß drauf, die überleben eh nich.":evil: Da mich das Thema Imkerei schon als Kind fasziniert hat, sah ich das als Wink des Schiksals. Ich hab die im ersten Monat mit ner Zuckerlösung, für die ich das Rezept im Inet gefunden hab gepusht. Hab mich dann eingehend mit dem Thema Imkerei beschäftigt und mir ein paar grundlegende Sachen besorgt. Mein Plan ist es: die Bienen, welche sich soweit von außen zu sehen prächtig entwickelt haben, im Herbst auf Milben zu behandeln und den im Frühjahr abgehenden Schwarm einzufangen.
    Meine Fragen sind nun folgende::confused:
    - Was muss ich beachten, zwecks Veterinäramt, bei gefangenen Schwärmen?
    - Ich selbst wohn in Thüringen. Ist das ein Problem nen gefangenen Schwarm über Bundeslandgrenzen zu bringen? Wegen der zuständigkeit der Ämter?
    - Worauf sollt ich noch achten, was ich selbst vielleicht noch gar nich auf dem Schirm hab?

  • Hallo v4mpy,


    als erstes Abklären, ob der Schwarm in einem AFB-Gebiet ist.
    Wenn ja, würde ich persönlich die Finger davon lassen.


    An sonsten mal beim Vetrinäramt (am zukünfitgen Standort) nachfragen, was die so wollen. Aber ich persönlich könnte mir vorstellen, dass Du mit einem Ableger von dem Imker billiger und mit weniger Streß an die Bienen kommst.


    Gruß GM


    PS: Bitte Profildaten ergänzen.

  • Wenn Du selbst Bienen hältst, muss Du das beim Veterinäramt melden, in manchen Bundesländern auch bei der Tierseuchenkasse.
    Wird der Schwarm in einen anderen Landkreis gebracht, muss der Amtsveterinär die AFB-Freiheit bescheinigen.
    Das wären die Pflichten den Behörden gegenüber.


    Was man als Neuimker/in noch auf dem Schirm haben sollte, ist natürlich alles Wissen, was man zu Imkerei so braucht.
    Willkommen im Club!


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo v4mpy,
    bevor Du jetzt alle Veterinärämter, BSV, TSK etc. scheu machst, beobachte diesen Schwarm in der Linde bzw. lasse ihn beobachten bis zum nächsten Frühjahr.
    Wenn er dann, was ich sehr hoffe, aus dem Winter gekommen ist, hast Du noch aussreichend Zeit Dir über das Schwarmfangen Gedanken zu machen.
    Wie hast Du dir die Behandlung "im Herbst" denn vorgestellt? Wir haben schon Herbst.
    Vielleicht melden sich hier einmal die Wildvölkerbeobachter, was sie so gemacht haben.
    Und nur Interesse halber, ich bin neugierig, was sind den die "grundlegenden Sachen" die Du schon mal besorgt hast.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • ...Wird der Schwarm in einen anderen Landkreis gebracht, muss der Amtsveterinär die AFB-Freiheit bescheinigen...


    Auszug aus der Bienenseuchenverordnung:


    § 1
    (1) Bienenvolk im Sinne der Verordnung sind die in einer Bienenwohnung lebenden Bienen mit ihrer Brut und ihren Waben.
    § 5
    (1) Der Besitzer oder die mit der Beaufsichtigung, Wartung und Pflege der Bienenvölker betrauten Personen haben für Bienenvölker,
    die an einen anderen Ort verbracht werden, unverzüglich nach dem Eintreffen der für den neuen Standort zuständigen Behörde oder
    einer von ihr beauftragten Stelle eine Bescheinigung des für den Herkunftsort zuständigen beamteten Tierarztes vorzulegen. Aus der
    Bescheinigung muss hervorgehen, dass die Bienen als frei von Amerikanischer Faulbrut befunden worden sind und der Herkunftsort
    der Bienen nicht in einem Faulbrut-Sperrbezirk liegt. Die Bescheinigung darf nicht vor dem 1. September des vorhergehenden
    Kalenderjahres ausgestellt und nicht älter als neun Monate sein.
    §11
    (1) Für den Sperrbezirk gilt folgendes:
    ...
    3. Bienenvölker, lebende oder tote Bienen, Waben, Wabenteile, Wabenabfälle, Wachs, Honig, Futtervorräte,
    Bienenwohnungen und benutzte Gerätschaften dürfen nicht aus den Bienenständen entfernt werden.


    Nach §1 sind Bienenvölker die in einer Bienenwohnung lebenden Bienen mit ihrer Brut und ihren Waben. Ein Schwarm ist deshalb kein Bienenvolk im Sinne der Bienenseuchenverordnung.
    Der §5 gilt für Bienenvölker. Da ein Schwarm kein Bienenvolk im Sinne der Bienenseuchenverordnung ist, gilt der §5 nicht für Schwärme. Es wäre auch nicht möglich festzustellen, dass ein Schwarm frei von der AFB ist, deshalb ist das so vernünftig.
    Wenn aber der Schwarm sich in einem Faulbrutsperrbezirk befindet, darf er nach §11 nicht von dort weggebracht werden. Hier wird auch deutlich, dass zwischen Völkern und Bienen unterschieden wird.


    Also Klartext: Wenn du einen Schwarm fängst und in einen anderen Landkreis bringen möchtest, musst du in Erfahrung bringen, ob sich der Ort, wo der Schwarm gefangen wurde, in einem Sperrbezirk befindet. Das erfährst du beim Veterinäramt des Landkreises. Wenn das nicht der Fall ist, kannst du ihn hinbringen, wo immer du willst, und brauchst niemanden weiter zu fragen. Du musst aber den neuen Stand, falls du einen mit diesem Schwarm eröffnest, bei dem zuständigen Veterinärsamt anmelden.


    Gruß Ralph

  • §11
    (1) Für den Sperrbezirk gilt folgendes:
    ...
    3. Bienenvölker, lebende oder tote Bienen, Waben, Wabenteile, Wabenabfälle, Wachs, Honig, Futtervorräte,
    Bienenwohnungen und benutzte Gerätschaften dürfen nicht aus den Bienenständen entfernt werden.


    Zwar unterscheidet §11 zwischen Bienenvölkern und einzelnen Bienen, bezieht sich dabei aber auf Bienen, Gerätschaften,etc. in Bienenständen.
    Ein Schwarm fliegt auch von selbst über Landesgrenzen.


    v4mpy :
    Klär trotzdem ab, ob sich die Linde in einem AFB-Sperrbezirk befindet.
    Die Auf-Milben-Behandlung lässt du dort im Baum mal lieber weg.
    Dann lässt du´s Frühjahr werden und besorgst dir zwischenzeitlich schon mal alle Gerätschaften, die du als Imker so brauchst.
    Und wenn du dann das Zeugs alles so beisammen hast, guckst du im Frühjahr, ob "Deine" Bienen in der Linde fleißig fliegen.
    Tun sie´s, dann verschaffst du dir bis Ende April etwas Wissen über mögliche Schwarmfang-Methoden und auch hierfür nötige Gerätschaften.
    Tja und dann...startest du dein erstes Imkerjahr...
    Ganz einfach...


    Herzliche Grüße
    Mirko

    Lärm- und Hektik-Allergiker und unheilbarer NostalgieImker
    "Ich bin nicht geneigt aus Dingen ein Problem zu machen,
    die ganz offenkundig nicht das Potential dafür besitzen."

  • Also... erstmal danke für die schnellen Antworten.
    @ Gerhard_Meusel
    Danke für den Hinweis auf den Sperrbezirk und selbst wenn ich so teurer komm, das is mehr was ideelles... meine Eltern hätten kein Problem damit gehabt den Ast abzusägen, und dann die armen Bienchen ihrem Schicksal zu überlassen find ich blöd. Und außerdem is das für mich wie gesagt der Schicksalswink.


    @ WFLP
    Danke für das nette Wilkommen. Werd mich dann hier mal schlau machen was die alles wollen.


    @ Eisvogel
    Also die Milbenbehandlung wollt ich mit diesen Api Life Var Blättchen machen, da ich ja nich an die Bienen im Stock rankomm und die Blättchen aber da drin Positionieren könnte. Was die bisher besorgten Materialien angeht. Ich hab zwei Beuten, Rämchen alles zum verdrahten und die Passenden Mittelwände. Smoker, Stockmeißel sind auch vorhanden. Im Frühjahr bekomm ich von dem Imker, der die im Baum gelassen hat noch drei ausgebaute Rämchen. Was noch fehlt, wird wenns mir auffällt über den Winter besorgt. Was die Ämter angeht, die bekommen bescheid, wenns soweit is. Ich möcht mich nur vorher Informieren um nix zu vergessen.


    @ Kleingartendrohn
    Also meinst du wenn ich zwecks Sperrbezirk grünes Licht hab reichts wenn ich die dann vom Veterinär am neuen Standort begutachten lass?


    @ Gerstunger
    Kannst du mir verraten, warum du die nich auf Milben behandeln würdest?

  • Also meinst du wenn ich zwecks Sperrbezirk grünes Licht hab reichts wenn ich die dann vom Veterinär am neuen Standort begutachten lass?


    Du sollst Deinen neuen Bienenstand ANMELDEN, mehr nicht. Der Veterinär wird nicht kommen und begutachten.
    Bei der Anmeldung sollten die vom Vet.-Amt Dich fragen, woher Du die Bienen hast und ob es ein Gesundheitszeugnis gibt. Da klärst Du sie dann auf, dass Du einen Schwarm (wahrscheinlich nicht aus AFB-Sperrgebiet) hast und es demzufolge kein Gesundheitszeugnis gibt und geben kann. (Manche Vet.-Ämter sind dann ganz verwirrt... weil sie das nicht so detailliert wissen).

  • Du sollst Deinen neuen Bienenstand ANMELDEN, mehr nicht. Der Veterinär wird nicht kommen und begutachten.
    Bei der Anmeldung sollten die vom Vet.-Amt Dich fragen, woher Du die Bienen hast und ob es ein Gesundheitszeugnis gibt. Da klärst Du sie dann auf, dass Du einen Schwarm (wahrscheinlich nicht aus AFB-Sperrgebiet) hast und es demzufolge kein Gesundheitszeugnis gibt und geben kann. (Manche Vet.-Ämter sind dann ganz verwirrt... weil sie das nicht so detailliert wissen).


    :daumen:

  • Hallo,
    eine Verständnisfrage: "In den Baum eingezogen" heißt was genau? Das "Ast absägen" verwirrt mich etwas.
    Wo sitzen die Bienen? An einem Ast (als Traube mit mittlerweile Wabenbau) oder in einem hohlen Baum / Baumstamm?
    Die Vorgehensweise unterscheidet sich doch wesentlich bei diesen beiden Möglichkeiten.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Einer der Hauptäste der alten Linde ist Hohl und über Ein Astloch zugänglich. Er war die letzten Jahre von Hornissen bewohnt, die ihn ausgefressen haben. Und in diesen sind die Bienen eingezogen. Das Astloch dient als Flugloch.

  • @ Gerstunger
    Kannst du mir verraten, warum du die nich auf Milben behandeln würdest?


    Weil ich keine Ahnung hab, wie du das anstellen willst...so durch´s Astloch... und weil ich nur Bienen behandele, die meine sind und in meiner Beute wohnen. Baum ist Wildnis, Schwarm ist Wildnis...
    und:

    ...da ich ja nich an die Bienen im Stock rankomm...


    ...Und weil im kommenden Frühjahr andere Schwärme erhältlich sind, falls dieser nicht durchkommt... vielleicht sogar von dem Imker, der diesen hier abgeschrieben hat...
    Irgendwie ging´s mir bei der Antwort um das Verhältnis von Nutzen zu Aufwand...:oops: :wink:


    Herzliche Grüße
    Mirko

    Lärm- und Hektik-Allergiker und unheilbarer NostalgieImker
    "Ich bin nicht geneigt aus Dingen ein Problem zu machen,
    die ganz offenkundig nicht das Potential dafür besitzen."