Rähmchen ohne Schleuder

  • Hallo an alle Erfahrenen,


    als diesjähriger Einsteiger habe ich derzeit vier Völker, die auf durchgängig 2/3 Zander sitzen. Mir schwebt vor, langfristig 6-8 Völker auf der Wiese stehen zu haben und den Honig als Presshonig zu ernten, weil ich erstens keine riesige Schleuder herumstehen haben kann/mag und das, was ich bisher zu Presshonig gelesen habe, für meine Zwecke eigentlich ganz lecker und vernünftig klingt. Außerdem könnte ich so eine Obstpresse auch für ihren eigentlichen Zweck gut brauchen.


    Zur eigentlichen Realisierung habe ich aber noch einige Fragen:


    Wenn ich Presshonig herstellen will, dann brauche ich dafür nach meinem Verständnis Waben ohne Draht, also Naturbau. Den könnte ich dann auch alternativ direkt als Wabenhonig ernten. Soweit OK. Damit der Naturbau „ordentlich“ in den 2/3-Zanderrähmchen ausgeführt wird, sollte ich diese Naturbau-Rähmchen (mit Anfangsstreifen) zwischen Rähmchen mit bereits ausgebauter Wabe oder zumindest mit Mittelwänden stecken. Auch verstanden. Ich habe auch inhaltlich keine Probleme damit, Mittelwände dort hineinzuhängen.


    ABER: Was mache ich dann mit den dabei auch entstehenden Honigwaben auf Mittelwänden mit Draht, wenn ich doch eigentlich gar keine Schleuder anschaffen möchte?


    ODER: Wie komme ich an eine ausreichende Anzahl der benötigten „Leit“-Waben in Naturbau, wenn ich diese doch mitsamt Waben-/Presshonig ernten möchte?


    Ist es realistisch, als Anfänger komplett auf Naturbau zu setzen (sieht beim Stöbern in alten Threads nicht so aus) oder sollte ich das nur schrittweise einführen? Oder nur immer mal einzelne Waben zwischendrin als Naturbau ausführen lassen? Was wieder zur ersten Frage führt ...:confused:

    Irgendwie denke ich gerade immer im Kreis herum, ohne zu einer Lösung zu kommen. Habt Ihr einen Tipp, wie ich im Frühjahr sinnvoll vorgehen sollte?


    Herzlichen Dank für jeden hilfreichen Tipp
    von Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Naturbau zwischen Mittelwänden funzt nicht. Für Naturbau brauchst du Anfangsstreifen und die lässt du dann komplett ausbauen. Kostet aber Honig, sprich, du wirst nicht so viel ernten können wie normal. Dafür kannst du die Waben reinen Gewissens für Wabenhonig verwenden. Ich würde den Draht aus den Rähmchen nehmen. Hält trotzdem.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • als diesjähriger Einsteiger habe ich derzeit vier Völker, die auf durchgängig 2/3 Zander sitzen. Mir schwebt vor, langfristig 6-8 Völker auf der Wiese stehen zu haben und den Honig als Presshonig zu ernten, weil ich erstens keine riesige Schleuder herumstehen haben kann/mag und das, was ich bisher zu Presshonig gelesen habe, für meine Zwecke eigentlich ganz lecker und vernünftig klingt. Außerdem könnte ich so eine Obstpresse auch für ihren eigentlichen Zweck gut brauchen.



    Also eine 3 Wabenschleuder ist geschätzte 50x50cm groß und 1,20m hoch. Wenn du 6-8 Völker halten und deren Honig ernten willst, dann sind das auch 6-8 Honigeimer (25kg) voll. Die aufgestapelt locker den doppelten Platz brauchen. Dann noch Gläser und anderen Imkerkrams.
    Ich denke eine 400€ 3-Wabenschleuder wird platzmäßig nicht ins Gewicht fallen.
    Ich selbst habe 10 Völker, bringe meinen Imkerkram in einem Gartenhäuschen unter, da stehen jetzt:
    20 Honigzargen, Honigschleuder, Rähmchen für nächstes Jahr, Wachsschmelzer, Bienenfutter....
    Die Honigschleuder selbst (20W Radialschleuder) nimmt gerade mal 5% des Stauraumes aus.


    Und ehrlich gesagt, ist die eigene Honigschleuder bei 10 Völkern schon fast Luxus, da würde auch eine ausgeborgte über den Verein (oder einem Imkerkollegen) locker reichen. Die Ernte von 10 Völkern schafft man locker an 1 Tag zu schleudern.


    Zum Naturbau:
    Ist so ne Sache, ich würde keine Naturbauwaben (Anfangsstreifen) neben Mittelwänden benutzen, schon gar nicht im Honigraum. Da ziehen die Bienen die vorhandenen Mittelwände auf die doppelte Länge aus, bevor neue Waben gezogen werden. Schon passen die neuen Waben nicht mehr so recht in das nächste leere Rähmchen.
    Ich selbst habe auch Naturbau im Honigraum, überlege jedoch, ob ich nächstes Jahr nicht doch Mittelwände aus eigenem Wachs verwenden sollte.
    Eine aufgesetzte Leerzarge nur mit Anfangsstreifen (wie von mir dieses Jahr verwendet) wird wesentlich später angenommen.


    Stefan

  • Hallo Holmi,


    dann stimmt das bisschen, was ich zu dem Thema meinte verstanden zu haben, auch nicht? Ich dachte, man kann nicht einfach eine Zarge mit Anfangsstreifen aufsetzen, weil dann krumm und schief gebaut wird. Statt dessen müsste man zumindest eine Wabe oder Mittelwand einhängen, damit die Bienen raufklettern können und abgucken können, wie "gerade" geht. Oder besser noch mehr als eine Mittelwand oder Wabe.


    Und was konkret heißt eigentlich weniger Honig? 10 %, die Hälfte, drei Viertel oder 90 %? Ich muss nicht davon leben, aber ein bisschen Honigernte erhöht den Spass schon.


    Viele Grüße
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Stefan hat es schön in dem Abschnitt "Zum Naturbau" beschrieben. Die Bienen "gucken" sich nichts ab. Du gibst mit den Anfangsstreifen die Richtung vor. Aber sie würden auf den Mittelwänden die Zellen lang ausziehen zu sog. Dickwaben und die leeren Rähmchen bleiben leer. Weniger Honig heißt nach meiner Schätzung 1/4 bis 1/3 weniger. Denn die Wachsproduktion braucht Energie und die liefert nun mal der gesammelte Nektar. Wenn es dir auf Honig nicht ankommt, dann ist der Naturbau für Waben- oder Presshonig die bessere Wahl. Ich habe nur noch Naturbau, hänge in den ersten Honigraum aber gern schon ausgebaute Waben, die ich spätestens im 2. Jahr ja habe. Auch hier hat Stefan recht: ein Raum nur mit Anfangsstreifen wird nicht so schnell angenommen. Die Hürde muss man am Anfang nehmen.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • dann stimmt das bisschen, was ich zu dem Thema meinte verstanden zu haben, auch nicht? Ich dachte, man kann nicht einfach eine Zarge mit Anfangsstreifen aufsetzen, weil dann krumm und schief gebaut wird. Statt dessen müsste man zumindest eine Wabe oder Mittelwand einhängen, damit die Bienen raufklettern können und abgucken können, wie "gerade" geht.


    Das meinte ich: Die Bienen bleiben (im Vergleich zu Honigräumen mit Mittelwänden/ausgebauten Waben) länger im Brutraum, bis sie dann einen komplett leeren Honigraum annehmen. Ich habe die Maße von 2/3Zander nicht im Kopf, dürften aber auch so um die 16cm hohe Rähmchen sein, also ähnlich hoch wie meine Rähmchen.


    Gerade Bauen können die Bienen schon, wenn die Beute gerade steht, dann auch gerade in Rähmchen rein ;).




    Und was konkret heißt eigentlich weniger Honig? 10 %, die Hälfte, drei Viertel oder 90 %? Ich muss nicht davon leben, aber ein bisschen Honigernte erhöht den Spass schon.


    Also ich hatte diesen Frühling 4 Völker, geerntet habe ich 2mal rund 25kg (insgesamt). Leider sind mir durch Umzug im Mai 3 Völker abgeschwärmt (waren halt 140km zum Bienenstand, da lohnte sich die wöchentliche Kontrolle nicht)
    Wenn du mir jetzt noch sagst, wieviel ich dieses Jahr geerntet hätte, wenn ich mit Mittelwänden gearbeitet hätte, dann kann ich dir die %-Zahl ausrechnen *zwinker*


    Stefan

  • Danke Holmi und Stefan,


    das heißt, ich muss halt am Anfang eine Zarge mit Anfangsstreifen aufsetzen und eben länger warten, bis die Bienen sich hinaufbequemen. Ok, wenn es so besser funktioniert.


    Woher habe ich aber im zweiten Jahr ausgebaute Waben, wenn ich nicht schleudere? Die sind doch dann schon wieder entweder mit dem Wabenhonig verspeist oder mit dem Presshonig zermatscht?


    Ich glaube, ich stehe gerade auf dem Schlauch...
    Kikibee


    Mit einem Drittel weniger Honig kann ich gut leben.

    With lots of room for improvement.


  • das heißt, ich muss halt am Anfang eine Zarge mit Anfangsstreifen aufsetzen und eben länger warten, bis die Bienen sich hinaufbequemen. Ok, wenn es so besser funktioniert.


    Japp, genau so habe ich es dieses Jahr gemacht, allerdings habe ich jetzt 4-5 Honigzargen mit ausgebauten Rähmchen für nächstes Jahr.
    Du müsstest also jedes Jahr wieder von neuem mit Leerrähmchen anfangen. Mit den "üblichen Problemen":
    Bienen drängen sich im Brutraum, Honigraum wird nicht so schnell angenommen, frischer Nektar im Brutnest gelagert, Schwarmtrieb setzt (früher) ein...


    Wobei du bei Presshonig ja Wachs für Mittelwände hättest. Würde mir (mit meinem eigenem Wachskreislauf) jedoch zuviel Arbeit machen, Mittelwände herstellen und einlöten. Da sind fertige Honigwaben einfacher zu handhaben.


    Stefan

  • Hm, durchgängig prickelnd sind die Optionen alle nicht. Es hat wohl seinen Grund, warum das kaum einer macht. Leihschleuder is nich. Der Verein hat keine Schleuder zu verleihen und die Schleuder des Imkerpaten passt nicht in mein Auto. Außerdem hätte der Reiz der Presse darin bestanden, dass sich das Ding hinterher auch in der Küche gut reinigen ließe und man einfach auch mal nur ein oder zwei Zargen an einem Abend pressen könnte.


    Wenn ich das richtig sehe, gibt es folgende Möglichkeiten:


    1) Ich lasse die Bienen alles jedes Jahr neu in Naturbau machen und nehme hin, dass sie sich dabei zieren, den Honigraum anzunehmen, dass sie weniger Honig herstellen, weil sie auch Wachs produzieren müssen und dass weniger Honig herauskommt, weil sie diesen erst mal in den Brutraum stecken. Dazu kommt, dass sie eher schwärmen. Den entstehenden Honig kann ich wahlweise als Waben- oder als Presshonig ernten.


    2) Ich lasse die Bienen zwar ausschließlich Naturbau errichten, zerstöre aber die Waben nicht bei der Ernte. Stattdessen schleudere ich zumindest einen Teil der Waben ab, wofür ich dann doch eine Schleuder bräuchte. Der Vorteil besteht darin, dass die Bienen eher in den Honigraum gehen, dass sie etwas mehr Honig produzieren und dieser auch dort ist, wo ich ihn haben möchte. Vielleicht schwärmen sie nicht so schnell. Den Honig kann ich zum Teil auch als Wabenhonig ernten.


    3) Ich gebe den Bienen Mittelwände. Diese stelle ich entweder aus eigenem Wachs her oder ich kaufe sie. Die Ernte für Presshonig lässt sich ggf. durch Rausschneiden oder Erwärmen der Drähte realisieren. Alternativ müsste ich die Drähte rausziehen, was bedeutet, dass ich hinterher wieder neu drahten muss. Oder ich könnte die etwas dickeren selbstgebastelten Drähte verwenden, die eingehängt werden. Wabenhonig gibt es damit nur, wenn ich zwischendurch Naturbau-Rähmchen hineinhänge.


    Optimal klingt keines von den dreien… Wenn ich Mittelwände verwenden würde, würde ich auch schleudern. Jede Mittelwand – noch dazu selbst hergestellte - nur einmal zu verwenden, wäre mir zu teuer bzw. zu aufwändig.


    Gibt es bei Version eins Aussicht darauf, dass die Bienen das mit der Zarge voller Anfangsstreifen irgendwann „kapieren“? Kann man die Schwärmerei in den Griff bekommen, wenn man die Bienen realistisch nur zweimal pro Woche besuchen kann?


    Ich seh es schon kommen, dass ich irgendwann eine Presse UND eine Schleuder herumstehen habe. Die Presse könnte man auf die Schleuder oben drauf stellen. Gibt es für Honigschleudern eine Zweitverwendung?


    Mit zerbröselndem Kopf
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Hallo Kikibee,


    ich frage mich was eigentlich wirklich gegen eine Schleuder spricht? Die Kosten bekommst Du recht schnell wieder rein und das bisschen Platz sollte eigentlich auch nicht auch das riesen Thema sein...


    Naturbau: Wenn ich das richtig verstehe, dann geht es Dir ja "nur" um Naturbau im Honigraum oder? Das ist doch eigentlich ganz einfach. Die Bienen gehen von unten (Brutraum) nach oben (Honigraum). Wenn dazwischen nix ist, dann können sie da nicht wirklich gut hinkommen. Deshalb brauchen sie mindestens ein paar "Steigwaben". Daneben könnte man z.B. MIttelwände oder Anfangsstreifen hängen, oder eben alles abwechselnd. Das Problem wird dann nur (wie es Stefan schon schrieb), daß sie ersten Waben zu Dickwaben ausbauen und die Anfangsstreifen nur ganz dünn. Das kann man aber regeln, indem man die Rähmchen zu Anfang recht eng zusammenschiebt und dann später etwas mehr auseinander und vielleicht ein Rähmchen pro HR wieder heraus nimmt. Außerdem bauen die Bienen bei starker Tracht gern sehr große Zellen. Das wäre aber im HR natürlich kein Problem.


    Mein Tipp: Macht Dir das Leben nicht schwerer, als es ist und kombiniere die Möglichkeiten der Honigernte - gute, erhaltenswerte HR-Waben schleudern, schöne Waben zu Wabenhonig und vermurkst ausgebaute Waben in die Obstpresse...


    Das bringt Dir schönen Honig in verschiedenen "Sorten" und schöne Naturbau-HR-Waben.


    Gruß Jörg

  • Hallo Jörg,


    sicher hast Du recht. Ich dachte nur, ich fang mal bescheiden an - ohne Geräte-Overkill. Aber da scheint es ein Gesetz zu geben, dass das nicht geht:


    Am Anfang war der Wunsch nach mehr als einem kleinen Obstbaum. Dann kam die Idee einer Obstwiese, dann war die Wiese da und es mussten viele Bäume gefällt werden. Zuerst mit der Handsäge, dann mit der Akkusäge, inzwischen mit der Motorsäge. Selbstverständlich mit Schnittschutz und allem Drumherum. Dann war da viel Holz, erst die Axt, dann der Holzspalter, demnächst kommt der Kaminofen ins Haus, dazu muss noch der Schornstein kommen. Dann war die Wiese schön licht, aber wenig Obst am Baum. Da schrie die Wiese nach Bienen. Also gab es einen Imkerkurs, viele sinnlose Exkursionen in den Bastelkeller, diverse nicht preiswerte Einkäufe. Jetzt sind die Bienen da, dann wird da hoffentlich Honig sein und der Honig soll rauskommen!


    Danke Euch allen, die Ihr mir beim Gedanken sortieren geholfen habt!
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • :lol: Das hört sich nach den berühmten Geistern an, die gerufen wurden. So isses oder kann es sein.


    Das kommt auf Deine Vorstellung und Deine Konsequenz an!


    Selbstverständlich kannst Du mit einer Presse Deinen Honig ernten.
    Du nimmst im HR einfach Rähmchen ohne Draht, da kannst Du auch Mittelwände benutzen, was den Vorteil hat, dass der Ausbau schneller geht und nun mal ein Aufstieg geboten wird. Dazu kommt die genau passende MW in die Nut oben und unten im Rähmchen, fertig. Ich mach das bei meinen Dadant Honigraumrähmchen immer so.


    Die Alternative heißt Naturbau mit Anfangsstreifen und Aufsetzen, dann bietest Du ihnen seitlich eine MW als Aufstieg. Diese kannst Du erst noch einmal umdrehen, vorher enger an die Wand rücken etc. Wenn die Beute gerade steht und die Abstände stimmen, bauen die Dir die Honigrähmchen gerade mit Naturbau.
    Zur Ernte schneidest Du aus und presst. Naturbau auch Wabenhonig, wenn Du den verkauft bekommst (?).


    Wer presst oder Waben zerschneidet und Tropfhonig erntet, muss sich klar sein, dass er nun mal keine Leerwaben zum Aufsetzen oder Zargentausch erhält. Die Wabenerneuerung im Brutraum muss dann bei zweizargiger Betriebsweise auch anders laufen. Auch muss dieser Imker mehr Geduld, Bescheidenheit, Bereitschaft zu geringeren Honigmengen und Gematsche haben. Putzwillen sollte man auch mitbringen.


    So wie Du aber hier Deine Geister geschildert hast, gebe ich Dir schon mal Brief und Siegel, dass Du nächstes Jahr eine Schleuder besitzen wirst :lol:


    Grüße


    Marion,


    die meint, eine schöne Obstpresse ist nie eine Fehlanschaffung...

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper