Was ist mit den Insekten überhaupt?

  • Woran hapert es?


    Fragst Du mich das? Warscheinlich erstmal an Einsicht, und falls doch vorhanden, an wirklichem politischen Willen würde ich behaupten. Kontrovers und komplex bis ins Detail ists allemal. Nimmt man mal das Thema Fleischverbrauch als Beispiel, wie möchte man denn diesen in den Industrieländern verringern? - Letztendlich gibt es immer diese 2 Möglichkeiten: Einsicht der Einzelnen oder staatliche Vorgaben: ersteres wird nur bedingt funktionieren (selten in der Masse), staatliche Vorgaben (wenn zumindest tlw. dort Einsicht herrscht) werden meist im Vorfeld von Interessensvertretern und "Bevormundungsgegnern" verhindert oder zu verhindern versucht.


    Beispiel Flächenverbrauch: hehre Ziele existieren ja bereits schon länger, schaut man sich den Wettbewerb der Regionen und Gemeinden an, sieht die Realität (zumindest sehe ich das so) anders aus, fängt bei Wohngebieten an und hört nicht erst bei Gewerbegebieten auf. Will man nach aktueller Diskussion den Wettbewerb zwischen den Bundesländern fördern, haben wir noch mehr Umzüge der Industrie, die meist irgendeine
    kleinere oder grössere Fläche neu versiegeln.


    Hier könnte man noch ewig diskutieren, vllt. bin ich aber auch in der Hinsicht einfach zu pessimistisch unterwegs.

  • So komplex ist die Beantwortung auch nicht. Die Erkenntnis kommt, wenn Du die Frage beantworten kannst: Warum gibt es eigentlich Überproduktion? Also: warum wird nicht nach tatsächlichem Bedarf orientiert produziert? Warum muß alles immer größer und immer noch größer werden?


    Warum muß als Beispiel ein Milchviehbetrieb immer weiter wachsen?

  • So komplex ist die Beantwortung auch nicht. Die Erkenntnis kommt, wenn Du die Frage beantworten kannst: Warum gibt es eigentlich Überproduktion? Also: warum wird nicht nach tatsächlichem Bedarf orientiert produziert? Warum muß alles immer größer und immer noch größer werden?


    Ich bin mir nicht sicher auf was Du hinaus möchtest. Dafür gibts doch diverse Gründe: Wachstum wg. Produktivitätszuwachs / Risiskoverteilung / falsche Anreize / letztendlich Gewinn, deswegen ja auch die geplante Obsoleszenz.


    Warum muß als Beispiel ein Milchviehbetrieb immer weiter wachsen?


    Das weiss ich nicht, falsche Förderung?

  • Fragen wir mal anders: wodurch wird denn die Größe eines Betriebes bei der Gründung bestimmt?

  • Verfügbare Mittel?! Marktmöglichkeiten?!


    Nein. Wenn Du jetzt selbst einen Betrieb gründen willst, wonach würdest Du die Betriebsgröße ausrichten? Nach deinem Eigenkapital?

  • Eigen- und Fremdkapital. Ansonsten warscheinlich erstmal orientiert an den eigenen Kapazitäten, bevor man über Personal nachdenken kann.

  • Warum muß als Beispiel ein Milchviehbetrieb immer weiter wachsen?


    Weil zum einen die Betriebe, die Milchkühe halten immer weniger werden und die Auflagen immer mehr, zum Beispiel Haltung in Laufställen, was hohe Investitionen erfordert und letztlich die Betriebsgrösse die Herstellungskosten beeinflusst.

  • Kürzen wir es ab:


    I. Zuallererst orientiert sich die Betriebsgröße am eigenen Lebensstandard des Betriebsgründers. Das heißt, was muß ich verdienen, um meinen Lebensstandard und denjenigen meiner Familie zu gewährleisten? Danach rechnet man aus, wieviele Einheiten benötigt werden, um diesen Lebensstandard zu finanzieren. So kommt man auf die Betriebsgröße Stufe I.


    II. Dann schaut man in das leere Portemonée und auf das Eigenkapital. So ein Milchviehbetrieb zu gründen, kostet richtig viel Geld. Sagen wir mal: eine runde Million Euro. Darin enthalten müssen ja Stallungen, die Viecher selbst, die Anlagen, die Pacht und der Betriebsleiterlohn sein. Und Steuern und Abgaben, etc. Wer eine Million Eigenkapital hat, wird wohl kaum einen Milchviehbetrieb gründen. Und andersherum: der größte Teil der Unternehmensgründer verfügt nicht über genügend Eigenkapital, um einen Betrieb eigenfinanziert zu gründen.


    Daraus folgt eine Aufnahme von einem Unternehmenskredit zur Betriebsgründung. Dieser verursacht viele weitere Kosten, wie Zinsen, wie Verwaltungsgebühren, Versicherungen, etc. Nun berechnest Du, wie viele Vieheinheiten notwendig sind, um genügend Umsatz und am Ende Gewinn zu generieren, um diese zusätzlichen Kosten der Fremdkapitalisierung zu tragen. Das ist dann die Betriebsgröße II. Eigenbedarf + Deckung der Fremdkapitalkosten.


    III: Nun haben Anlagen, Gebäude, Maschinen und andere Dinge die blöde Eigenschaft, irgendwann kaputtzugehen. Trotz aller Wartung. Das heißt, nach ein paar Jahren oder spätestens Jahrzehnten, kommen da riesige Kosten auf Dich zu. Nämlich Kosten fast so hoch wie zur Betriebsgründung. Der Kaufmann geht hin und greift diesen Kosten vor und bildet dafür Rücklagen. Dafür legt er jedes Jahr eine Summe X zur Seite, um später die Kosten zur Erneuerung möglichst zu großen Teilen aus dem bis dahin aufgebauten Eigenkapital zu decken. Nun muß er also hingehen und noch mehr Vieheinheiten aufstallen, um die in der Zukunft fällig werden Kosten zu decken. Das ist schon Betriebsgröße III. Eigenbedarf + Fremdkapitalkosten + Rücklagen.


    IV. Selbst wenn er gut rechnen kann, wird der Unternehmer in Zukunft immer und immer wieder Kredite neu aufnehmen müssen. Die Kosten für bezogene Kredite, Waren und Leistungen im Allgemeinen steigen an. Sprich: die Gewinnmargen werden regelmäßig immer kleiner. Klar kann er die Preise nach oben hin anpassen, um seine Kosten und seine Rücklagen zu decken - doch das machen die anderen Zulieferer auch. Und dann? Der Unternehmer ist gezwungen regelmäßig neue Kredite aufzunehmen und zu bedienen.


    Die Alternative wäre, nicht neu zu investieren. Dadurch zerfällt aber die Infrastruktur des Unternehmens, sprich die Funktionstüchtigkeit des Unternehmens. Mit dem Ausfall und Zerfall der Anlagen und Maschinen bröckelt der Betrieb langsam ins Aus. Die Produktion läßt nach und die Rechnungen können nicht mehr bezahlt werden. Die Folge ist die Insolvenz.


    Daher muß der Unternehmer einkalkulieren, daß er regelmäßig neue Kredite aufnimmt und regelmäßig neu investiert. Und regelmäßig die Produktion erweitern muß, um alle Rechnungen bezahlen zu können. Deswegen muß er regelmäßig immer größere Gesamtbeträge aufnehmen - und bedienen! Je größer aber die Summen werden, desto mehr Vieheinheiten sind dazu notwendig. Betriebsgröße IV ist daher kontinuierlich wachsend. Wachse oder stirb!


    Wie man sieht, ist in dem oben Gezeigten nirgends die Variable Bedarf des Abnehmers zu finden. Der Milchviehbetrieb produziert in erster Linie nicht für den Bedarf der Konsumenten. Der Betrieb produziert in erster Linie um seine Rechnungen zu begleichen und den eigenen Lebensstil zu finanzieren. Da die Rechnungen immer höher werden müssen - unter anderem durch immer größere zu bedienende Zinsbeträger, aber auch durch immer höher werdende Steuern und Abgaben (der Staat tritt ebenfalls als Kreditnehmer auf) -, muß auch immer mehr produziert werden. Egal was der Markt braucht oder nicht.


    Sicher kann ein Markt die Produktion irgendwann nicht mehr abnehmen. Deswegen werden immer mehr Produkte zu immer billiger werdenden Preisen angeboten. Die kleineren Gewinnmargen erzeugen...eine erhöhte Produktion und dadurch mehr Produktionseinheiten. Die kleineren Betriebe sterben aus, welche die immer größer werdenden Investitionsschritte nicht mitgehen. Oder der Staat springt ein und subventioniert die Produktion. (Er übernimmt die Bezahlung der Rechnungen.) Dazu nimmt der Staat aber auch Kredite auf - und deren Bezahlung drückt er dann der Allgemeinheit auf. Alle müssen dann über Abgaben und Steuern eben diese Kredite mitfinanzieren. Da der Staat aber ebenfalls immer neue und immer größere Kredite aufnehmen muß, er also auch im Wachstumszwang steckt, schraubt sich die Geschichte immer höher bis zum völligen Kollaps.


    Der Höhepunkt ist erreicht, wenn im Allgemeinen die Sparwut ausbricht und neue Kredite nicht mehr aufgenommen werden. Die notwendigen Investitionen zur Erneuerung werden nicht mehr getätigt, die Infrastruktur zerfällt, die Produktion sinkt, Rechnungen werden nicht mehr gezahlt und am Ende wird alles gepfändet.


    Darin stecken wir alle fest. Als Gesamtgesellschaft.


    Und deswegen wird am guten Menschenverstand vorbei produziert, als wenn es kein Morgen gibt. Es wird nicht nach Bedarf produziert, sondern nur zum Begleichen von Rechnungen. Das ist so im Kleinen wie im Großen. Jeder starrt am Ende des Monats auf das Konto und erwartet sehnsüchtig den Eingang des Lohns, um schnell die Rechnungen und Steuern zu bezahlen. Wehe, der Eingang kommt nicht! Nur dieser Druck zwingt uns alle an den Arbeitsplatz. Zwingt uns dazu, die Natur zu vergewaltigen und zu schädigen. Aus reinem Selbsterhalt in diesem System.


    Das System per se ist noch nicht mal schlecht, es sind aber in der Vergangenheit einige Fehler gemacht worden, die zu einem Mißbrauch des Systems Kapitalismus führten. Das System ist durch Zinsen und die zwingende Einhaltung von Zahlungsterminen immer darauf angelegt, daß es irgendwann zur Gesamtentschuldung - man kann hier weniger beschönigend auch von Enteignung sprechen - kommen muß. Durch den Eintritt des Staates als Kreditnehmer und unfehlbarer Schuldner - ohne Hinterlegung von pfändbaren Sicherheiten, wurde dieses System einfach zu stark beschleunigt. Das heißt, die Enteignung (und Zerstörung) kommt viel schneller als sonst in der menschlichen Geschichte. Während in den vergangenen Epochen noch hunderte von Jahren bis zum Zerfall des System benötigt wurden, sind wir gerade mal hundert Jahre dabei und schon am Ende. Turbokapitalismus. Durch die Geschwindigkeit, die wir an den Tag legen, entstehen so große Schäden, wie noch nie. Sowohl am Menschen als auch an der Natur. Natürlich sind wir im gleichen Zuge auch so produktiv wie nie zuvor. Dieser Überfluß ist natürlich hochattraktiv für uns Menschen! Doch das Alles wird wortwörtlich zu Staub vergehen, an dem Tage, an dem das Ganze kippt.


    Und dann werden wieder Bücher verbrannt, die Nachbarn bringen sich gegenseitig um und viel Leid ergeht über diese Welt. Im Prinzip vollkommen unnötig, wenn man doch endlich aus der Vergangenheit der Menschheit lernen wollte. Mittlerweile ist die Erkenntnis ja gereift, doch das System ist eben ein Eigenläufer und einzelne Individuen können da nicht mal eben aussteigen. Versuche ruhig mal, die Steuern und Abgaben nicht zu bezahlen! Die Rechnungen nicht zu bezahlen. Oder das Land auf dem Du lebst, das Haus in dem Du lebst, nicht zu bezahlen. Du wirst sehr schnell wieder zurechtgerückt und ins System gesteckt.


    Gut zu sehen auch bei den ernsthaft ökologisch wirtschaftenden Betrieben, die versuchen tatsächlich das Land zu bewirtschaften. Das ist ein hartes Brot und nur was für Extremisten. Das aber wäre wirkliche Landwirtschaft. Mit und für das Land zu wirtschaften.


    Nur ganze extrem kannst Du aussteigen: wild irgendwo eine Fläche Land besetzen und davon größtenteils leben. Da wirst Du aber wirklich mehr oder weniger alleine und sehr karg leben. Die Familie zieht da nicht mit und auch Freunde nicht. Deswegen bleibst Du drin, im goldenen Käfig des Überflusses. Ob Du willst oder nicht. Und deswegen wirst wachsen müssen, vor allem als Betrieb.


    Einen echten Ausstieg gibt es daraus nicht. Es müßten sich alle Menschen dieser Gesellschaft auf einmal entscheiden, von dem System abzulassen und dann sehr bescheiden zu leben. Von so einem Gesamtwillen ist aber nichts zu spüren. Eher geht es in die nächste Runde des Sozialismus, in welcher Form auch immer.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo,


    zurück zu den Insekten und den Autoscheiben.


    Gestern Abend war die Autobahn mal richtig frei und keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Also ließ ich es richtig laufen, soll ja auch den Rußpartikelfilter freibrennen. Siehe da, nach ca 10 min mit kanpp 200 waren plattgequetsche Insekten auf der Windschutzscheibe.


    Was folgern wir daraus: Die Insekten sind schneller geworden :p (Der Spruch hätte jetzt auch von einen allg. bek. Bienenforscher sein können:p


    Gruß
    Werner

  • Bernhard, vielen Dank dafür dass Du Dir die Mühe gemacht hast das so detailliert darzustellen. Ich kann dem nur beipflichten, aber das Wirtschaftssystem sehe ich auch als das an, das der Natur des Menschen am ehesten entspricht, das Streben nach mehr, besser, weiter - das liegt doch fast in jedem von uns; und in unserer Masse (und die ist bei dem Standart das tatsächliche Problem) liegt dann letztendlich das Bedrohliche fürs Gesamtsystem. Das Zinssystem nehme ich davon mal aus.
    Ich persönlich bin zu den Bienen gekommen, nachdem ich angefangen habe mich mit der Umgestaltung meines Gartens zu einem insektenfreundlicherem zu widmen, das hilft ein bisschen gegens deprimiert sein Marakain  :)