Weiterführung OT-Thema PSM aus "Kommerzielle Bienenzucht"

  • Bitte hier weiterdiskutieren. Danke.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Hier ein interessanter Link zur Badischen Zeitung:
    http://www.badische-zeitung.de…im-dilemma--91065134.html


    Beizen ist nur auf den ersten Blick gut und billig!


    Dadurch, dass präventiv gebeizt wird, obwohl noch keine Schadschwelle erreicht wird(ein grasser Widerspruch zur guten fachlichen Praxis) können sich schon Resistenzen entwickeln ohne dass eine Bekämpfung des Schädlings überhaupt notwendig gewesen wäre. Bei Ackern und Fruchtfolgen bauen sich keine Resistenzen auf. Im aktuellen Spiegel (Unkraut vergeht nicht, 39/2014) ist wieder einmal so ein Problem beschrieben, wo ein sogenanntes "Herbizidresistentes Superunkraut" die ganze Nische besetzt und nicht mehr chemisch bekämpft werden kann.
    Unsere Bienen können aber keine Resistenzen gegen diese Mittel entwickeln(die das PSM überlebende Arbeiterin kann sich ja nicht fortpflanzen). Wenn man dann noch in ein paar Jahren feststellt, dass diese Mittel unser Trinkwasser vergiften(das Bundesamt für Risikobewertung sagt immer "nach heutigem Kenntnisstand" sind die Mittel unbedenklich) dann sind wohl wieder die Behörden schuld. Dann muss man eben(wie beim Nitrat) den Grenzwert erhöhen, damit das Wasser wieder "unbedenklich" ist. Der volkswirtschaftliche Schaden trägt dann wieder die Allgemeinheit. Dies ist auch richtig so, denn wir haben ja auch diese Art der Landwirtschaft subventioniert.



    Bee ökologisch

  • Der Typ vom Industrieverband Agrar beschwert sich hier ja darüber, dass die EU sich von der Risikobasierenden Bewertung von PSM verabschiedet hat und zu einer Gefahrenbasierenden übergegangen ist.
    Die EU hat sich wohl sehr genau überlegt was sie da tut und auch das Neonic-Verbot ist keine reine Willkür!


    Solche Verbote führen eben zu großen Nachteilen für die Agrochemie die sich natürlich gegen jede Gängelung wehrt.


    Doch der Dechet hätte den Vergleich mit den Autos besser nicht gemacht.


    Denn fürs Autofahren gibt es ja weltweit klare Regeln, damit die Gefahr so gering wie möglich gehalten wird.


    Nimmt man Dechtes Darstellung zu 2008 und überträgt diese aufs Auto
    könnte das folgendes bedeuten:


    Man wurde geblitzt, als man beim Rot über die Ampel fuhr. Danach stellte sich heraus, dass man auch noch einen Unfall gebaut hat mit Todesfolge, den der Fahrer auch noch vertuschen wollte in dem er versuchte durch freiwillige Zahlung den Schaden zu regulieren.


    Als man den Unfallhergang genauestens rekonstruierte, kam folgendes heraus. Man fuhr nicht nur bei Rot über die Ampel, sondern auch noch viel zu schnell. Der Fahrer bestritt dies und konnte es belegen.


    Weitere Ermittlungen ergaben jedoch, dass das Auto zwar schon sehr betagt war und aus einer Zeit ist, wo Betriebs-Bremsen noch keine Pflicht waren, also nur eine Handbremse hat und dass das Auto aber auch total durchgerostet war.


    Es gab schon 6 Jahre zuvor einen vergleichbaren Unfall in Italien, der aber letztlich sehr gut vertuscht werden konnte bzw. nicht ganz klar war ob das Opfer damals nicht selbst schuld war. Noch 8 Jahre weiter zurück gab es einen ähnlichen Unfall in Frankreich der zunächst gleichfalls vertuscht werden konnte, aber dann doch aufflog, weil die Geschädigten sich vehement wehrten und auch zu allem auch noch die Politik einschalteten. In diesem Land existiert seit her ein Fahrverbot. Doch weil sich damals eben auch Politiker in die Unfallaufklärung einmischten, war nie richtig bekannt geworden, was da genau passierte. Auch (Schweige) Zahlungen spielten eine Rolle.


    Weitere Untersuchungen nach den letzten Unfall (2008) ergaben nun, dass alle TÜV Gutachten selber geschrieben wurden und auch die allgemeine Betriebserlaubnis basierte nur auf selbst erstellten, unzureichenden und geschönten Gutachten. Bei der Tagung der TÜV Prüfer in Italien hatte man im September 2002 zwar festgestellt, dass dieses Auto zwar keine Betriebsbremse hatte und daher durchaus eine erhöhte Gefahr für Fußgänger entstehen kann, doch bei einem zweiten TÜV Termin konnte der Fahrer den Italiener durch Tests glaubhaft machen, dass es nicht am fehlen einer Bremse liegt sondern daran, dass das Unfallopfer damals durch Krankheit stark beeinträchtigt und auch noch alkoholisiert war, also auch zum Unfall mit dazu beigetragen hatte, weil es plötzlich in die Fahrbahn gelaufen ist und dort schon vor dem Unfall umgefallen ist. Es wurde daher sehr schnell still um diesen Unfall.


    Gleichzeitig wurden gerade hier in Deutschland sehr viele Gutachten und auch eine Langzeitstudie in Auftrag gegeben, bei denen die Gefahr der Fußgänger auf den Autoverkehr untersucht wurden, speziell von Diabetikern. Und es wurden in vielen dieser Gutachten festgestellt, dass gerade von Diabetikern und Alkoholikern die größte Unfall-Gefahr aus geht und bei allen vergleichbaren Unfällen in irgend einer Form beteiligt waren.


    Das alles ist schon ein Skandal für sich!


    Doch der aller größte Gipfel ist aber jetzt, dass der UNFALLVERURSACHER
    nun auch noch klagt, weil ihm jetzt der Führerschein nun für die ganze EU eingezogen wurde!


    mit der Begründung man brauche Rechtssicherheit und außerdem hätte man
    jetzt in allen (Europäischen) Autos freiwillig eine gut funktionierende
    Betriebsbremse nachgerüstet, so dass es ja ab jetzt keine Unfälle mehr
    geben könne.


    Man muss wohl zur Entschuldigung von Dechet sagen, dass er kein
    Autofahrer ist, also die Details nicht so gut kennt!

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Mal nen kurzen Abschweif zur Beize und altes Saatgut.


    Früher (noch mitte der 80-ziger Jahre) konnte man nur Beizmittel in Pulverform kaufen, welches in der Sähmaschine direkt eingerührt wurde. Irgendwann später, durfte nur noch mit Flüssigbeize gearbeitet werden, weil der Staub der Beize als gesundheitsgefährdend eingestuft wurde (Probleme für viele das flüssige Zeugs ins Saatgut zu bringen, danach wieder zu trocknen und dann in die Maschine). Des weiteren war im Gespräch Lizenzgebühren einzuführen (für selbst gezogenes Saatgut). Resultat - Saatgut kaufen und keine Probleme ;-(


    Als 2. Schine muß der technische Fortschritt gesehen werden. Früher wurde das Saatgut über eine Walze befördert und fiel auf dem Boden. Ich sag jetzt mal ab mitte der 90-ziger wurden die Sähmaschinen zu Drillmaschinen, die mittels Luft über Schläuche zum Boden befördert wird. (Verneblung, verblasen, etc.)


    Generell ist der Ansatz, mit möglichst wenig Aufwand den Keimprozess zu schützen mittels Beize gering, nur das Saatgut wird behandelt und die Ausbringung ist da wo es unbedingt nötig ist.


    Jetzt kommen aber die neuen Mittel und neuen Züchtungen, die nicht mehr alleine die direkte Umgebung vom Korn beim Keimprozess schützen, zum Einsatz. Das Mittel dringt über das Korn und den Wurzeln direkt in die Pflanze ein bzw. wurde die Pflanze, mittels Kreuzung oder anderer Methoden zur Veränderung der DNA, dazu gebracht, Insektengifte selbst zu produzieren. Inwieweit diese Insektengifte in der Ernte und in welchem Ausmaß vorhanden sind, sei dahingestellt.


    Saatgut ohne Beize zu beziehen ist in der heutigen Zeit leider ein Problem. Es ist immer eine "Sonderbestellung" beim Erzeuger, der wiederum selbst ein Problem hat. Die Zertifizierung fehlt ihm weil keine Beize dran ist. Und wie schon dargestellt, selbst ohne Beize hat man das Problem, welche Gifte produziert die Pflanze sowieso - Thema Glutenunverträglichkeit. Es ist mittlerweile Fraglich, ob wirklich die sog. Glutenallergie von den Gluten ausgelöst wird oder doch von den "ATI's" (ATI = Adenosin-Triphosphat-Amylase).


    Jede Pflanze versuchte sich schon seit Urzeiten vor den Fressfeinden zu schützen - Im Gegenzug entwickelten mit der Evolution alle Pflanzen Symbiosen. Und das in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Als das am besten geschützte Saatgut wird dem Apfel nachgesagt. Der schutz besteht in der Dicke des Fruchtfleisches - Somit ist der kleine Räuber satt, bevor er das Saatgut erreicht.


    Wenn ich allerdings jetzt versuche auf altes Saatgut zurückzugreifen, habe ich nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Aufgrund von ungewollten Kreuzungen hat sich das Saatgut, welches auch immer, verändert. Das heute als "alte Sorte" angebotenes Saatgut ist meist eine Rückzüchtung. Und zu guter letzt ist solch eine Ernte unverkäuflich und sogar verschenken unter Strafe gestellt. Da hier keine Sortenzulassungen mehr vorhanden sind. Einzelstücke können zwar käuflich erworben werden z.B. bei Manufaktuum, allerdings verpflichtet sich der Käufer die Produkte als Kunst in die Vitrine zu stellen.


    Einziger Ausweg, für alte Sorten eine Zulassung beantragen, was das jetzt kostet ist unklar, Schätzungen gehen ab 6-stellige Beträge aufwärts...


    Falls jemand einen praktikablen Ausweg hat wäre ich dankbar. Aufgrund dieser Methoden gehen (bzw. sind bereits) viele regional einheimische Sorten ausgestorben.


    Gruß GM

  • es gibt für mich ein paar Fragen aus der ganzen Art der "modernen" Landbewirtschaftung


    Seit wann weiß ein Landwirt schon beim (Früh) Bestellen des Saatgutes, dass ein Schädling eine gewisse nicht tragbare Schadschwelle überschreitet?


    Wie kann man das machen bzw. wie soll das funktionieren?


    die nächste Frage ist dann, wie kann man Selektion betreiben, wenn man z.B. durch diese Beizen Würzelschädlinge fernhält?


    oder will man bewusst Wurzelschädlingsanfälligkeit vermehren?


    hat einer der Fungizide herstellt und gleichzeitig Pflanzen züchtet ein großes Interesse daran, Pflanzen in den Verkehr zu bringen, die einen hohen Ertrag bringen und gleichzeitig hohe Pilzrestistenzen haben?


    hat er bestimmt nicht


    es wäre kontraproduktiv


    insofern ist das mit dem Gluten auch


    wer verkauft ANTI-ALLERGIEKAS?


    Die Chemie Leute haben sehr schlaue Geschäftsmodelle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo Toyotafan,


    beim Bestellen vom Saatgut, weißt natürlich nicht wie das Saatgut sein wird, allerdings kannst generell sagen, bei einer vernünftigen Bodenbearbeitung/Felderwirtschaft kommst weitestgehends ohne Hilfsstoffe hin.


    Bodenbearbeitung, z.B. wenn das Feld abgeerntet ist, gleich Lockern (in besonderen Fällen flach Pflügen) und Neusaat. (Hauptsächlich beim Mais, die restlichen Stoppeln sofort einarbeiten, am besten mit Fräße zuerst flach und dann tief Ackern). Felderwirtschaft - was nützt es wenn Du z.B. jedes Jahr auf dem gleichen Stück Kartoffeln anbaust. Die Kartoffelkäfer überwintern direkt im zukünftigen Schlaraffenland und der Boden wird müde (ausgelaugt). Besser, Kartoffeln immer jährlich wechselnd anbauen und am Besten nicht in direkter Nachbarschaft. Bei uns geht das noch, da wir relativ kleine Flächen haben aufgrund der "fränkischen Erbteilung". Das ist der erste Schritt für eine nachhaltige und chemiefreie Landwirtschaft.


    Wennst jetzt im Vorjahr keine Schädlinge hast, kannst im nächsten Jahr einfach im Rotationsverfahren weitermachen - Bei Schädlingen musst überlegen andere Rotation, anderes Saatgut (anstatt Getreide z.B. Hackfrüchte) etc..


    Wurzelschädlinge hast seltenst im Saatgut, sondern im Boden. Die Überwintern auf deinen Acker bzw. bei Nachbarn meist auf den Böden, auf denen die Wirtsfrucht stand. Hat wer das Zeug, dann ist das Wachstum so gestört, dass die Ernte nicht nach hause gebracht wird. Ist einfach zu teuer.


    Jemand der Fungizide herstellt und Pilzresistenzen züchtet hat ein bedingtes Interesse daran. Hört sich auf dem ersten Blick als eigene Konkurenz an, aber bisher hat das mit den Resistenzen nur bedingt funktioniert. Sagen wir mal die ersten 3 ??? max. 10 ??? Jahre gehts gut und dann hat die Natur sich schon angepasst. Also was musst dann erneut spritzen und da funktioneren die alten Mittel bedingt nicht mehr. Als wirst gezwungen die "neuen" Mittel zu kaufen oder die Dosis deutlich zu erhöhen. (Denke mal am Film "The 6th Day".) Um Fungizide zu reduzieren gibt es eine einfache Möglichkeit, die u.U. sogar den Geldbeutel der Landwirte schont. Raps wurde früher mit ca. 15 kg Saatgut pro ha gesäht. Heute gehen bereits Ratschläge in Richtung 4 - 8 kg pro ha. Sagen wir einmal, das ist die Hälfte. Problem ist hierbei schon die Ausbringung. Und dennoch bleibt der Ertrag nahezu identisch, allerdings passiert am Acker etwas anderes. Zu Beginn des Wachstums hast Du deutlich weniger Pflanzen, diese trocken am Morgen schneller (Tau) und somit wird das Pilzwachstum aufgrund der schlechteren Bedingungen gemindert. Zu einem späteren Zeitpunkt werden allerdings die Pflanzen deutlich kräftiger und können mehr Licht aufnhemen. (doppeltes Wasser und "doppeltes" Licht pro Pflanze) Der ausschlaggebende Effekt, dass Du auf Spritzmittel verzichtest, liegt darin, dass der dichte Bewuchs sich auf einer kürzeren Zeitraum erstreckt. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Aber auffallend, vorausgesetzt Du schaffst die geringere Menge auf die Fläche zu bringen, ist, dass Du im Vergleich zu deinen Nachbarn viel später mit spritzen anfangen musst. - Ähnlich bei Kartoffeln, größerer Abstand der Saatknollen, Anzahl der Kartoffeln weniger, dafür aber deutlich größer -> Vom Ertrag her kauf ein Unterschied. (Alles im bedingten Rahmen) Aber wie immer, Du musst deinen Bestand kontrollieren und nicht nach Kalender arbeiten. Wennst merkst, da geht was schief, kannst sagen, ich warte noch oder ich muss handeln - ähnlich beim Auffüttern der Bienenvölker. Manchmal hilfe die Natur sich, manchmal siehst schon frühzeitig, dass das nichts werden kann.


    Hast Du z.B. die Kohlfliege im Garten, dann sagt man du darfst die nächsten Jahre keine Kreuzblütler anbauen. (Raps, Kohl, etc.) Eine andere Möglichkeit ist, diese mittels gewissen Pflanzen zu vertreiben. (Ich weiß jetzt nicht, wie die genau nach Sorten im hochdeutschen heißen, wird irgendwann mal folgen.) So, jetzt sehe ich schon die Frage auf Deiner Stirn: Warum pflanze ich im Garten nicht gleich diese "Gartenfreunde" zwischen den Kohlrabis, Blaukraut, etc. - Richtig, es paßt nicht ins Konzept und der Denkweise der Landbevölkerung vor Ort. Und hier war schon im letzten Jahr ein Garten, dieses Jahr muss auch hier das Gemüsebeet sein.


    Ach ja, noch so ganz nebenbei, Umstellen von Konventionell auf Bio geht nicht von heute auf morgen. Mit Dünger und Spritzmittel werden die Bodenbewohner deutlich reduziert. Habe mit 5 kg Kunstdünger ca. 500 qm Blumenwiese vernichtet *schäm* - wollte einfach den Düngerstreuer leer machen, und habs ausgewaschen, damit das Teil nicht kaputtgeht. Wer es kennt - es sieht richtig ulkig aus, Mitten in der wiese eine komische Form ohne Blumen. Mal sehen wie lange es dauert, ich hoffe 2016 ist das wieder weg. Leider geht es nur noch mit wenigen Pflanzen ohne Kunstdünger auszukommen. Die meisten Sorten können die Nährstoffe aus dem Boden nicht aufnehmen, weiss der Geier wie die das hinbekommen haben. Evt. find ich mal noch den passenden Naturdünger.


    Gruß GM

  • ... Die meisten Sorten können die Nährstoffe aus dem Boden nicht aufnehmen, weiss der Geier wie die das hinbekommen haben....


    sie haben es jetzt auch geschafft, dass der Mais Fungizide braucht


    das gab es bis jetzt noch nie


    ich bin bloß Imker


    daher kann ich auf die Ackerbaulichen Dinge nicht viel sagen


    Aber ich glaub schon, dass es da intern Zuchtbestrebungen gibt, Pflanzen zu haben die PSM brauchen in irgend einer Form!


    unabhängig von GVO


    Das liegt ganz einfach auch am Geschäftsmodell der Agro-Chemie


    und auch daran, dass sich am Verkauf der PSM viele Hände bedienen

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!