Zusammenbruch Varrose = AFB-Fehlalarm

  • Moin,


    aktuell brechen hier bereits starke Sommervölker an Varrose zusammen und verlassen Brutnester, die sich teilweise über 5 Waben erstrecken. Der Befall der Zellen - in denen sich Puppen befinden - mit Milben ist teilweise deutlich erhöht. Es treten auch glatte schwarze und DWV-Bienen auf und zusammenbrechenden Völker werden binnen weniger Stunden oder Tage trotz engster Fluglöcher bis aufs Wachs ausgeräubert. Diese leeren Völker haben danach fast normalen Bienenflug, wobei es sich ausschließlich um Räuber und Versprengte handelt. Es kommt dann auch nicht mehr zu den klassischen Räuberzeichen, weil jegliche Abwehr oder ein Propolisieren des Flugloches fehlt. Da die großen verlassenen Brutflächen lückenhaft erscheinen, da die zwischenliegenden Futterzellen leer beräubert wurden und die Zelldeckel eingefallen oder löchrig sind und sich in offenen Zellen Reste von Brut befinden, wird oft fälschlicherweise die AFB verdächtigt. Deshalb weise ich erneut darauf hin, daß


    in AFB-Zellen die Larven zu 100% vor den Puppenstadien absterben.


    Dabei ist es egal, ob es ERIC I oder II -Infektionen sind, die zum Tod der Larve führen. Bei ERIC I oder II geht es darum, ob die Larve vor oder nach der Verdeckelung stirbt. In keinen Fall jedoch erreicht sie ein Lebensalter in dem sie ein Exoskelett ausbildet, eine Taille hat oder gar Fühler oder Augen erkennbar wären. Hat der Zellinhalt also bereits Struktur, dann kann es (in dieser Zelle) keine Faulbrut sein, denn das Überleben des 11 Tages ab Ei oder des 8 Tages ab frühester Infektion (= Futteraufnahme) ist der klare und eindeutige Beweis dafür, daß diese Biene nicht an AFB verstorben ist.


    Im Gegensatz dazu kann eine Milbe erst eine eingesponnene Larve nach der Häutung schädigen. Erst dann gibt es eine Stelle, die die Milbe anstechen und an der sie saugend eine Vireninfektion übertragen kann. Es ist also an der einzelnen gedeckelten Zelle sehr genau und sicher zu erkennen, um welche Ursache es sich bei der Abwägung Varrose oder Faulbrut handelt, selbst wenn keine Milbe mehr gefunden wird.


    Ich will nicht ausschließen, daß eine Milbe sich in den Futterfleck einer mit Faulbrutsporen gefütterter Larve verkriecht und dann mit Schrecken feststellt, daß über ihr der Bacillus Larvae Larvae schneller war und sie nun im Schleime eingemauert ist. Es kann also durchaus sein, daß das Volk Milben und Faulbrut zur Genüge hat. Ich kann aber ganz sicher ausschließen, daß Puppen an AFB erkrankten.


    Bitte denkt auch an den charakteristischen hellen Kotfleck im Zellendach. Den verursachen nur Milben. AFB Rückstände befinden sich am Grund und sind braun.


    PS: Ich habe bereits mehrere Völker in bzw. nach der Goldrute auflösen bzw. abräumen müssen - eindeutige Varroaschäden. Diese Völker hatten teilweise lange Zeit einen Milbenfall im nur leicht erhöhten Bereich. Sämtliche nach der Linde sofort behandelten oder brutfrei neu gebildeten Völker stehen prima da. Ich kann also die Berufsimker durchaus verstehen, wenn sie nach Behandlungsmitteln "zwischen" den Trachten suchen. Ich suche auch.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry, danke für die Warnung. Beobachte hier das gleiche. Viel Varroa (in Altvölkern), viel Räuberei. Behandle gerade nochmal. Viele Grüße, Brigitta

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von brigitta ()

  • Bei mir ist es da zum Glück wie immer ruhig. Hatte über 14 Tage +- 2-3 Fallmilben gezählt und auch beim ST lagen dann zwischen 20 und 30 auf dem Einschub.
    Lediglich 1 Volk hatte Anfang August vermehrten Fall und wurde daher schon dort behandelt, wobei nur 45 auf dem Einschub lagen und letzte Woche rieselte es dann über 800 nach ST 60%. Ist jedoch auch Kalkbrutbehaftet und die Bienenzahl hat die letzten 14 Tage stark abgenommen. Ohne erneute Kontrolle und Behandlung wäre es in 2-3 Wochen sicher das von Henry angesprochene Bild gewesen.


    Gruß
    Markus

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Hallo,
    danke für die Warnung. Dachte schon an Anfängerfehler. Nach der Dritten Behandlung immer noch Milben ohne Ende. Räuberei seit einigen Tagen im Gange, bei allen Völkern lungern den ganzen Tag bis zu 20 Bienen ununterbrochen am Eingang herum, vermutlich um Räuber abzuwehren. Ansonsten sehr starke Völker.
    Viele Grüße

  • Hallo !


    Danke für den Beitrag !


    Das Wissen ist da, aber so klar und eindeutig wurde es noch nicht beschrieben.


    Der Beitrag gehört zu den BestOff Imkerforum ...


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Danke nochmal,


    hier soll in ca. 6,5 km Luftlinie die Faulbrut ausgebrochen sein. Und auf genau die Variante ist zu hoffen, zeitlioch wäre es sehr passend.
    Schön auch, dass die Opis dort nun anfangen, ihre Völker bei der Seuchenkasse anzumelden, wie ich hörte :roll:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper