Braucht die Kündigung einer Landpacht eine Begründung?

  • Hallo Imkers,


    ich spiele mit dem Gedanken, bei ca. 3 ha Grünland eines Grundstückes, das der Vorbesitzer bis Ende 2016 verpachtet hatte, die Pacht zu kündigen und in Eigenregie zu bewirtschaften (oder eben nicht bzw. minimal) zu bewirtschaften.


    Inwieweit braucht es dazu eine Begründung, wenn man nicht selbst Landwirt ist? (ich negiere jetzt mal: Imker=Landwirt)
    Im speziellen beziehe ich das jetzt NICHT auf den derzeitigen Pächter, da dürfte der Grundsatz der Vertragsfreiheit bestehen. Aber ich meine zu wissen, dass Pachtverträge ebenso wie Käufe und Verkäufe von lw. Flächen der Genehmigung des *Landwirtschaftsamtes* bedürfen.


    Gibt es da Probleme? Und wenn ja, welche? Weiss das einer?


    Danke Euch bereits im Voraus!


    Gruß aus dem Erzgebirge

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • .... die Pacht zu kündigen und in Eigenregie zu bewirtschaften (oder eben nicht bzw. minimal) zu bewirtschaften.


    Inwieweit braucht es dazu eine Begründung, wenn man nicht selbst Landwirt ist? (ich negiere jetzt mal: Imker=Landwirt)


    Hallo Hagen,


    wenn Du 3 ha Land bewirtschaftest (wenn auch nur minimal), dann bist Du Landwirt (zumindest im Nebenerwerb) und musst ab 3000 m² bewirtschaftetem Grundbesitz Beiträge zur landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft abführen.


    Gruß Sven

  • ...ich glaub, ab irgendwo 2ha sogar zur lw. Rentenkasse....?
    Die Frage wäre jetzt: Bin ich im Moment der Pachtkündigung irgendwie *automatisch* Landwirt oder bedarf es der Anmeldung irgendwelcher Art irgendwo?

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Hallo ins Erzgebierge


    BG mußt du dafür zahlen , bist dann zwangsweise Mitglied und bezahls dann ab dem ersten Volk wenn sie es mitbekommen. Hast damit eine Meldepflicht deiner Völker. Pachtkündigung geht in den meisten Fällen nur bei Eigennutzung mit LW-Gewerbe. Krankenkasse könnte auch noch ein Problem sein. Mein Rat wäre mit dem Amt für Landw. in Verbindung setzen die müssen dich beraten und kennen den aktuellen stand der Dinge.


    MfG Frank

  • In NRW und NDS kannst du jeweils NUR bis zum 1.11. des laufenden Jahres für den nächsten 1. November einen Pachtvertrag kündigen, außer es wurden schriftlich andere Kündigungsbedingungen vereinbart, solange dem Berufsbauern daraus kein Nachteil entsteht.
    Eine Begründung der Kündigung ist nicht nötig, aber ein Berufsbauer kann sich ggfs. darauf berufen, daß der Pächter nicht die geforderte Gute Fachliche Praxis ausübte.
    Über den Rest sage ich lieber nix - Lw-Kranken-und Alterskasse hat schon etliche Höfe ruiniert, auch die, die "nur" im Nebenerwerb waren.
    Und es gibt ein Grünland-Umbruchverbot....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Danke erstmal für die Antworten, auch wenn sie meine Bedenken vermehren. Warum ich es machen will, ihr könnt es euch ja sicher denken: Diese *Wiese* schließt sich direkt an meinen Bienenstand an. Sie ist aber für die Bienen quasi wertlos, bis auf den Löwenzahn im Frühjahr, der allerdings meist noch blühend abgemäht wird. Wir kennen das ja zur Genüge.


    Ein Jahr Zeit zum Überlegen hab ich ja noch, mindestens. Zulang warten kann ich aber auch nicht, man wird schließlich selbst auch älter.


    Werde mich weiter umhören.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, zählen z.B. Streuobstwiesen nicht zu landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen. Da müsstest Du dann aber ein paar Bäumerl pflanzen und dich nochmal erkundigen, ich weiß nicht, ob das noch aktuell ist. Ansonsten kann man 3 Hektar Grünland auch ganz leicht unter 10 Imkerfreunden für 1 Cent pro m² und Jahr verpachten ;), die haben ja schließlich alle was davon.


    Gruß Sven

  • Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, zählen z.B. Streuobstwiesen nicht zu landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen. Da müsstest Du dann aber ein paar Bäumerl pflanzen und dich nochmal erkundigen, ich weiß nicht, ob das noch aktuell ist.....


    Gruß Sven



    u.a. das hatte ich vor und ziehe schon paar Jahre Bäumchen aus Sämlingen (die derzeit an Feldrainen usw. ausgepflanzt werden, die Überlebensrate ist aber gering, Wühlmäusen und Rehbock sei dank). Ob man diese dann auch für eine *offizielle Streuobstwiese* akzeptiert, ich weiss es nicht.
    Ich habe früher schon mal mit ner Tante vom Umweltamt gesprochen: weil ich ne Halle bauen wollte, sollten *Ausgleichsmaßnahmen* her, z.B. Streuobstwiese. Es gäbe Festlegungen, welche Sorten zulässig seien und sie seien von *zertifizierten* Vermehrungsbetrieben zu beziehen. (Wobei ich z. B. mit den im Rahmen der Aktion *Grünes Sachsen* Anfang der neunziger bezogenen Bäumen von solchen Betrieben gar nicht richtig zufrieden bin, die Eschen fallen dem Triebsterben zum Opfer, die Erlen haben auch ein Problem, die Wildkirschen haben die Schrotschusskrankheit o.ä. und gehen langsam aber sicher ein...)


    Wird wohl nüscht helfen, ich werde mit den Ämtern reden müssen, wobei man dann immer schlafende Hunde weckt.


    Vielleicht nehm ich das auch alles zu ernst.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Der ehemalige Pächter kam auf den Knien dahergerutscht: er zahlt jeden Preis, er verdirbt, er braucht den Mais usw.


    Dieses Jahr habe ich zum Entgiften (16 Jahre Mais) Sonnenblumen angesät. Einen Teil habe ich bereits freigehalten um zwei Reihen Bäumen anzupflanzen. Dann stehen nun meine Bienen dort und ein Teil wird als Gemüse- und Beerengarten vorbereitet.


    Nächstes Jahr werde ich seltene Getreidearten, Kartoffeln, Ölfrüchte usw. anbauen. Ist noch nicht ganz klar.


    Gruß
    Werner

  • Hallo,


    Du brauchst keine Begründung. Du kannst dich dann als Nebenerwerbslandwirt anmelden, kannst Streuobst anbauen, die Wiese blühen lassen und bekommst dann sogar noch Fördergelder zusätzlich zum verkauften Heu, wenn du bestimmte Dinge einhältst, wie Mähzeiten oder die Wiese ein bestimmte Blütenvielfalt bietet.
    (Was die Mähzeiten betrifft, bekommst du dann evtl. sogar Besuch zu den Fristen :) )


    Viel Spaß dann bei der Bewirtschaftung der Wiese ab 2017!


    Viele Grüße,
    Jana

  • Hallo


    Du brauchst keine Begründung, musst Dich aber an die Kündigungsfristen halten. In Pachtverträgen steht oft eine Frist von 3 Monaten vor Pachtende.
    Ist der Pachtvertrag mündlich oder kein -vertrag greifbar, gelten die diesbezüglichen Fristen des BGB, das sind so rund 2 Jahre.


    Du solltest Dir die Selbstbewirtschaftung aber gut überlegen. Inbesondere Obstbäume können eine spätere Wiederverpachtung erheblich erschweren.


    Quirin, der selbst sowohl Pächter als auch Verpächter ist

  • Bitte zwirbelt mal nicht mit so Halbinformationen herum! Es ist nicht einfach eine Pacht zu beenden. Das gibt praktisch immer Theater, wenn der Pächter als Vollerwerbslandwirt das nicht will. Es ist sinnvoll im entsprechenden Bundesland ganz konkrete Beratung in Anspruch zu nehmen. Leider ist die Beratungsstelle dazu das Landwirtschaftsamt mit deutlicher Voreingenommenheit. Dort ist die Beratung für Landwirte kostenlos und für Njcht-Landwirte nicht vorgesehen. Vielleicht muß man den Fall andersrum anfragen. Als Landwirt, den der Pächter nicht mehr will.


    Letztendlich wird man irgendwie die Flächen dem Vollerwerber entzuehen können, aber der Preis ist heiß. Pachtangelegenheiten führen nicht selten zu Handgreiflichkeiten und hintenrumigsten Missetaten.


    In Sachsen gibt es aktuell keinerlei neu beantragbare Fördermaßnahmen aus dem landwirtschaftlichen Naturschutz, also Agrarumweltförderungen, weil das Förderprogramm ab 2015 noch in der Entwurfsphase steckt.


    Die Aufwendungen für Rentenkasse und Berufsgenossenschaft, die dann selbst zu zahlende Grundsteuer und allerlei sonstige Kosten wie die Maßnahmen zur Wasserrahmenrichtlinie ect. holt sich der Eigennutzer auch zurück. Das darf bei aller Hoffnung auf Förderung nicht außer Acht gelassen werden, gerade, wenn die Flächen nicht wirklich bewirtschaftet werden sollen. Die Bewirtschaftung hat Vorrang, so sehr, daß Brache wieder gefördert wird.


    Was wie ein Widerspruch klingt, ist keiner, sondern so gewollt. Der Vollerwerbslandwirt soll Flächen in der Pacht halten um sie für Fördergeld zu pflegen. Er soll sie nicht einfach nur nicht pachten und dem Eigentümer durch Nichts-Tun die Verwaldung ermöglichen. Das ist Absicht.


    Anlegen von Wald wird auch gefördert.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder