Kommerzielle Bienenhaltung: Ertragsrechnung - Eure Einschätzung

  • Hallo liebe Forengemeinde,


    mein Geschäftspartner (Imker) und ich möchten evt. in die kommerzielle Bienenhaltung einsteigen. Ich bin eher für den betriebswirtschaftlichen Zweig zuständig.


    Geplant sind im Endausbau ca. 100 - 150 Völker an verschiedenen Standorten verteilt. Eine Wanderung der Bauten ist möglich.
    Ich würde gerne eure Einschätzung bzgl. Ertragsrechnung hören. Das ganze soll in BW stattfinden.


    Annahmen:
    Aktuell geht unsere Planung von 25kg Honigertrag pro Jahr pro Volk im Durchschnitt aus. Der Ertrag kommt aus 2 ernten im Jahr. Die erste Ernte des Jahres ist wirtschaftlich weniger Wert als die zweite (Erste Ernte meistens aus Raps gewonnen). Hier wird mit ca. 2,50€ pro kg Honig als Verkaufspreis gerechnet. In der zweiten Ernte wird mit 3,00€ pro Kg Honig als Verkaufspreis gerechnet. Abnehmer soll ein Großhandel sein.


    Was meint ihr zu dieser Annahmen? Themen wie die fixen und laufenden Kosten, sowie Arbeitsaufwand, Bienensterben sollen erst einmal nicht Diskussion sein.


    Danke sehr & freundliche Grüße in die Runde.

  • Schleuderhonig zum Schleuderpreis, klasse Marketing-Idee und sehr hilfreich, endlich gibt es auch einheimischen Honig als Discountprodukt, vielleicht sogar in Plastiktüten verpackt, das spart weitere Kosten. Dass ich darauf noch nicht gekommen bin...


  • Dann solltest du dich mal mit jemand unterhalten der seinen Honig am Großhandel verschleudert. Es wird nie der versprochene Betrag ausbezahlt, so habe ich gehört, sondern immer aus irgenwelchen fadenscheinigen gründen der Betrag gekürtzt. Bei so wenigen Völkern solltet ihr eueren Honig schon zu einem vernüftigen Preis selbst vermarkten. Könnt ihr das nicht, dann lasst es ganz sein mit dem Imkern.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Hallo,


    uups - zum Glück habe ich es so gepostet. Es sind die falschen Preisannahmen. Die Annahmen sind aus dem europäischen Ausland verwendet worden, wo 2,50€ noch mehr Wert als hier. Entschuldigung dafür!
    Das Ziel ist es nicht Schleuderhonig zu Schleuderpreisen zu verkaufen!


    Gibt es hier Personen, die Ihren Honig an Großhändler verkaufen? Gerne auch via PN.


    Danke sehr & freundliche Grüße!

  • Mal ehrlich ,warum sollten wir Dir als unbekannten NO Nam betriebswirtschaftlich auf die Beine helfen.
    Gruß Peter


    Zusatz nach Hartmuts Einwand. Rentabilitätsrechnungen findest Du in Bernhads Beiträgen. Ich würde aber schon um die Ausfüllung des Profils bitten, nur darum kam es mir an.

  • Es ist nahezu unmöglich zu zweit im Vollerwerb von 150 Völkern Honigimkerei zu leben. Schon die reine Investition und der resultierende Schuldendienst lassen sich mit so wenigen Völkern nicht bedienen. Ich denke, es ist nicht zu viel verraten, wenn erzählt wird, daß ein Wandervolk 100kg Sortenhonig und einen Ableger bringen muß. Wandervölker fressen Diesel! Der Raps allein bezahlt die Imkerei. Die Robinie die laufenden Kosten. Die Linde die Vermarktung und erst die Spättracht sind Gewinn.


    Pro Beschäftigtem in der Honigimkerei müssen mindestens 100 besser 150 Ertragsvölker fliegen. In Imkereien mit wesentlich weniger Völkern wird massiv von der Substanz gelebt.


    Alleine 150 Völker benötigen 45.000€ für Beute, Rähmchen, Wachs ...


    Das bedeutet ohne Abschreibung schon 4.500 bloß an Zinsen. 4.500 Abschreibung für 10 Jahre dazu und Dir bleiben bei Deinen Annahmen grad 2.000 Euro für alles Andere und zum Leben und die Völker mußt Du als Schwärme fangen.


    Ich denke, Du solltest in einer Berufsimkerei ein sehr langes Praktikum oder die Lehre zum Tierwirt absolvieren. So wie Du das anfängst - so wird das nücht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Senfhead,


    Also kommt darauf an, wo ihr so rumwohnt.


    Als kleine Hilfestellung dient das Arbeitsblatt 932:


    http://www.llh.hessen.de/fachi…tschaft-organisation.html
    Wobei in dem Arbeitsblatt hier und da Änderungen vorgenommen werden können.


    Bei 150 Völkern je 25 Kg Honig zu 3 € sind das 11250€ Jahres_UMSATZ_, wenn ich dafür jetzt noch die Abschreibung von 100 Beuten, Miete für Lager und Wirtschaftsräume, Kosten für Winterfutter etc abziehe, weiß ich, dass ich von der Hälfte des Restes nicht meine Familie (nicht mal mich als Single) durch das Jahr bringen würde. Zum Vergleich: Der Regelsatz für ALG2 (Hatzvier) für 1 Single sind 391€ + Wohnkosten.


    Ohne eine Direktvermarktung wird nichts gehen. Selbst bei 4€ pro Glas an Weiterverkäufer, wären das 8€ je kg Honig. Da lohnt sich der Aufwand für Logistik und Gläser sicher mehr, als z.B. 300 Völker zu halten und den Honig für 3€ zu verkaufen.


    Stefan

  • Bin voll bei Henry :daumen:




    Es ist nahezu unmöglich zu zweit im Vollerwerb von 150 Völkern Honigimkerei zu leben. ...
    Pro Beschäftigtem in der Honigimkerei müssen mindestens 100 besser 150 Ertragsvölker fliegen.

    Rechne lieber mit 150 - 200.

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“