Brutfreiheit im September

  • Hallo, liebes Forum,
    ich habe dieses Jahr an einem von vier Standorten Probleme mit den Wirtschaftsvölkern. Es handelt sich um den Standort mit 10 Völkern (Zander) in meinem Garten am Rand von Bayreuth.
    Ich glaube, es begann bereits im Mai. Nachdem hier die Völker gut ausgewintert hatten und im April fleißig vor allem Löwenzahnhonig eingetragen hatten, fiel mir auf, dass nur eines der 10 Völker in Schwarmstimmung kam. Im Vergleich dazu kamen 2013 ALLE 10 in Schwarmstimmung. 9 der 10 hatten im Mai eine 2013er Königin und eins eine 2012er Königin. Im weiteren Verlauf merkte ich auch, dass die Volksstärke nicht an die von 2013 heranreichte. Selbst an heißen Tagen hiengen keine großen Bärte vorm Flugloch.
    In der zweiten Julihälfte habe ich 2x mit AS behandelt. Im Schnitt fielen einige Hundert Milben, bei allen Völkern gab es nach den Behandlungen auch tote Bienen vorm Flugloch.
    Mitte August habe ich alle Völker durchgesehen.
    Es war nur sehr wenig Brut drin (0-3 Brutwaben, alle Völker zweizargig), 3 Völker hatten eine neue Königin (oder plötzlich ihr Rotes Plättchen verloren?), eins war Weisellos und komplett brutfrei.
    Da ich noch 2 Königinnen in EWKs hatte, habe ich eine über Zeitungspapier dort eingeweiselt und mich nach einer Woche der gelungenen Annahme vergewissert.
    Heute habe ich wieder durchgesehen. Der Königin gehts prächtig, das Volk ist gut eingefüttert, aber es gibt nicht eine einzige Brutzelle. Die Volkstärke ist inzwischen auf geschätzte 8000 Tiere gesunken.
    ähnliches gilt für die anderen Völker. Eines, welches seine Königin verloren hatte, besitzt inzwischen 2 Königinnen, wobei jede der beiden grade mal eine Wabe mit Brut versorgt. Ich dachte, ich sehe nicht recht.
    An den anderen 3 Ständen scheint alles ok zu sein.
    Nur hier fliegen sie kaum mehr, haben kaum oder wenig Brut und schwächeln.
    Krankheitszeichen sehe ich nicht oder kaum. Ein paar DWV Bienen habe ich im Sommer gesehen und auch ein paar mit k-Stellung der Flügel. Aber nicht extrem und auch nicht zur Zeit.
    Die Völker sind zu zwei Drittel eingefüttert und 3-4x mit AS (Schwammtuch) behandelt.
    Hat jemand eine Idee, was los sein könnte? Eine Brutkrankheit? Etwas anderes? Es betrifft zur Zeit tatsächlich nur die Wirtschaftsvölker. Zwei Ableger vom Mai, die hier noch stehen, entwickeln sich großartig.
    Keines der Wirtschaftsvölker ist Weisellos.
    Über eine Anregung wäre ich dankbar.
    Ein Unterschied zu den letzten Jahren fällt mir noch auf. Der Standort hier bekommt dieses Jahr weniger Sonne ab, da nahe Bäume heuer deutlich gewachsen sind und nur noch Vormittags direktes Sonnenlicht zu den Beuten durchlassen. Kann Lichtmangel die Situation erklären?
    Viele Grüße,
    Jogi

    "Er (der Mensch) nennts Vernunft und brauchts allein, um tierischer als jedes Tier zu sein"
    J.W. Goethe

  • Lieber Jogi,


    prüfe mal Deine Aufzeichnungen auf folgende Möglichkeiten:
    AS kann zu Brutstop der Kö führen + Brut schädigen -> Bienen räumen kranke + tote Larven aus, Kö fängt allmählich wieder an zu legen. Wenn dann sofort wieder AS-Schwammtuchhandgrante kommt und das mehrfach hintereinander, dann könnte behandlungsbedingt Brut fehlen (je nach dem, wie effektiv/brutschädigend die Behandlung jeweils war)?


    Unsere alten Hasen im IV sagen, daß der AS-Bedarf Jahr für Jahr steige und die Kö dadurch (teil-)geschädigt würden, d.h. eher ihre Leistungskraft verlören. Früher habe man mit 3- bis 4-jährigen Kö arbeiten können, heute max. mit 2-jährigen und auch bei denen gehe manchmal vorzeitig die Legefähigkeit zur Neige. Manche behaupten auch, unzureichende Standbegattungen seien Folge des propagierten Drohnenschneidens.


    Servus - Gottfried

  • Hallo Gottfried!
    Danke für deine Antwort. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die betroffenen Völker doch ein größeres Varroaproblem hatten als gedacht. Da ich heuer mit einem größeren Varroabefall gerechnet hatte, behandelte ich recht früh, direkt nach der letzten Schleuderung mitte Juli. Es war eigentlich ein bissl zu heiß zum Behandeln, aber ich habs trotzdem (nur hier am Stand) gemacht. Viele tote Bienen zeugten am nächsten Tag davon. Ich glaube, ich habe dabei einige Königinnen geschädigt. War dumm und wird mir so nicht mehr passieren. Zudem scheint die Behandlung nicht soooo effizient wie erhofft gewesen zu sein. Denn der Fall von einigen hundert Milben spiegelte nicht den wahren Befall wider. Auch die Zweite und dritte Behandlung nicht. Denn eine vierte Behandlung letzte Woche ließ Milben purzeln, wie ich es noch nicht hatte. Tausende bei den gefährdeten 4 Völkern.
    Ich glaube, ich habe an diesem Stand einfach falsch behandelt. Die erste, zu intensive Behandlung hat einige Völker geschwächt. Vermutlich konnten sich in der Folge dieser Schädigung die Milben noch besser vermehren. Nun wird es eng, obs diese Völker noch schaffen, bei einigen glaub ich nicht mehr dran. Es betrifft aber tatsächlich nur den Stand am Haus, der naturgemäß am intensivsten betreut wird. Wahrscheinlich überbetreut, falsch betreut. Nun. Ich werde diese Erfahrung mitnehmen und hoffentlich zur Gesundheit meiner Bienen umsetzen.
    Die schwachen Völker sind inzwischen wieder in Brut und tragen Pollen ein. Der Flug wird allmählich wieder stärker, die DWV Symptome gehen zurück. Aber die Zeit läuft ab und Schwächlinge werdens daher sicher bleiben. Zum Glück gehts den anderen allen gut.
    Grüße,
    Jogi

    "Er (der Mensch) nennts Vernunft und brauchts allein, um tierischer als jedes Tier zu sein"
    J.W. Goethe

  • AS-Verdampfung entzieht der Umgebung Wärme = kälteres Brutnest = längere Entwicklungszeit der Brut = mehr Zeit für die Varroenvermehrung = mehr Milben nach der Behandlung vorhanden = falsch gedeutet als Re-Invasion.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Also heizen die Bienen das Brutnest doch nicht auf konstant 35° auf?! Ich hätte jetzt ganz blöde erwartet, dass die Bienen dann einfach etwas mehr heizen, um das Brutnest dann doch wieder auf "Betriebstemperatur" zu bekommen.


    Meines Wissens wurde dies so auch hier im Forum mehrfach behauptet.
    Ihr versucht es einem Anfänger aber auch nicht leicht zu machen...

  • AS-Verdampfung entzieht der Umgebung Wärme = kälteres Brutnest = längere Entwicklungszeit der Brut = mehr Zeit für die Varroenvermehrung = mehr Milben nach der Behandlung vorhanden = falsch gedeutet als Re-Invasion.


    Hm, AS soll ja bis in die Brut hinein gegen die Milben wirken. Da wäre es doch unerheblich, wenn die Verdeckelungszeit sich um Stunden oder Tage (?) verlängern würde. Und gewirkt hatte die erste AS bei Jogi/Formica - Jogi schreibt ja von vielen toten Bienen. Da sollte es eigentlich die Milben in der Brut ebenso erwischt haben - oder wirkt AS doch nicht in die Brut hinein?
    Übrigens wird bei Tautz in Auswertung der HOBOS-messungen beschrieben, daß der Bien die Langlebigkeit der Winterbienen durch niedrigere Bruttemperatur (absichtlich) bewirkt.
    Könnt Ihr hier wissenschaftliche Quellen (in deutscher Sprache) angeben, die die These von der Innen-Re-Invasion belegen?


    Danke - Gottfried

  • AS-Verdampfung entzieht der Umgebung Wärme = kälteres Brutnest = längere Entwicklungszeit der Brut = mehr Zeit für die Varroenvermehrung = mehr Milben nach der Behandlung vorhanden = falsch gedeutet als Re-Invasion.


    Das sind doch alles nur Vermutungen,deshalb sollte man dies mit Vorsicht genießen und es nicht als Tatsache hier schreiben.Hier lesen viele Anfänger mit, sowas streut Verunsicherung.Ich z.B kann dies nicht bestätigen.Bei mir werden die Milben durch AS weniger und nicht mehr.

  • Bei mir werden die Milben durch AS weniger und nicht mehr.


    Hallo Boris!
    Das ist im Normalfall ja auch richtig. Deshalb behandelt man ja. Mit Normalfall meine ich schöne, starke, vitale Völker die mit normaler Milbenlast behandelt werden. Der kurzzeitige Temperaturabfall ist dann sicherlich weniger der Vermehrung der Varroa zuträglich als die Schädigung der Varroa durch die AS.
    Aber wenn ein Volk schon etwas Varroa geschädigt ist und die Volksstärke bereits zurück geht, kann das anders sein. In diesem Fall haben es die weniger gewordenen Bienen eventuell ohnehin bereits schwer, die 35 Grad zu halten. Gleichzeitig verändert die Virenlast ihr Verhalten und reduziert ihre Vitalität. Jetzt kommt ein Schwammtuch mit AS und bringt das ohnehin strauchelnde Volk in enorme Schwierigkeiten. Ich glaube, Schwammtuch wirkt nicht oder nur marginal in die Brut, da die Einwirkzeit zu kurz ist, die Diffusion durch den Deckel nicht der Abnahme der AS Konzentration hinterherkommt Damit unterscheidet sie sich von der Langzeitbehandlung, die in die Brut wirkt.
    Das strauchelnde Volk hat nun noch mehr Probleme für optimale Brutbedingungen zu sorgen. Die Entwicklungszeit der Puppen verlängert sich mit den bekannten Folgen. Aus 1000 Milben in der Verdeckelten Brut können dann in 14 Tagen 4000 Milben schlüpfen. Und dann: Exodus.
    Kurzum, die Behandlung mit AS ST ist meiner Meinung nach sehr wirksam, solange die Völker gesund sind UND sie korrekt, also bei nicht zu hoher Temperatur und 3x im Abstand von 7 Tagen erfolgt (oder 4x im Abstand von 5 Tagen). All diese Punkte habe ich nicht beachtet und daher trotz AS 4 halbtote Völker.
    Sind Völker bereits geschädigt müssen andere Methoden angewendet werden. Glaub ich.
    Grüße,
    Jogi

    "Er (der Mensch) nennts Vernunft und brauchts allein, um tierischer als jedes Tier zu sein"
    J.W. Goethe

  • Ich glaube, Schwammtuch wirkt nicht oder nur marginal in die Brut, da die Einwirkzeit zu kurz ist, die Diffusion durch den Deckel nicht der Abnahme der AS Konzentration hinterherkommt Damit unterscheidet sie sich von der Langzeitbehandlung, die in die Brut wirkt.


    Schwammtuch macht Schäden an der verdeckelten Bienenbrut, so hört man immer wieder. Dann hat die Behandlung (ausreichend) gewirkt, sagt z.B. Henry. Sollten das die mitverdeckelten Milben überleben?


    fragend - Gottfried

  • Die Bienen haben nur begrenzte Ressourcen - heizen oder die AS rausfächeln.
    Beides geht nicht gleichzeitig.


    Zumal schwache Völker in einer zu grossen Kiste: Habe mal einem Volk in einem nicht eingeengten 12-Kasten, welches auf 6 Dadantwaben sass und 3-4 Waben Brut hatte, ein Schwammtuch aufgelegt. Tags drauf hatten sie sich zur Seite verzogen und die Brut im Stich gelassen.