Kraftlose Bienen vor den Beuten - Vergiftung möglich?

  • Liebe Bienenfreunde,


    bisher habe ich bei Euch still mitgelesen, aber aktuell brennt mir eine Frage unter den Nägeln, weshalb ich mich jetzt hier mal zu Wort melden will.


    Ich habe gestern und heute eine beunruhigende Beobachtung gemacht. Viele Bienen kommen "entkräftet" nach Hause und schaffen es nicht mehr in die Stöcke. Gleiches bei den Bienen meines Nachbarn, ca. 100m weiter.


    Zur Situation: In unserer unmittelbaren Nähe haben wir jetzt, Mitte September, eine fette Massentracht. (Dank unserer Polit-Deppen gibt es doch ab 2015 diese ökologischen Vorrangflächen und den damit verbundenen Zwischenfruchtanbau zur Unzeit, neudeutsch als Greening bezeichnet.) Schon jetzt haben die Landwirte damit angefangen und nun stehen hier ca. 50 ha Buchweizen. Das sind Blühmischungen, es sind noch andere Pflanzen enthalten, stellenweise Sonnenblumen vorm Aufblühen, ansonsten Phacelia kurz vorm Aufblühen u. v. a.


    Die Bienen fliegen wie verrückt, hauptsächlich auf den Buchweizen, was man an den Beuten riechen kann, die Brutnester sind am Verhonigen, es ist nur wenig Brut in den Völkern...


    Gestern und heute kam ich an meinen Bienenwagen und viele Bienen saßen auf einem Brett unterhalb der Beuten. Wie es schien, schafften sie es irgendwie nicht mehr in die Beuten. Der Nordostwind blies sie dann herunter und so saßen vorm Bienenwagen im Gras heute schätzungsweise 1000 Bienen. Dort haben sie im Gras kleine Trauben gebildet bzw. sind verklammt. Direkt am Boden herrschten 15 °C, hab ein Thermometer hingelegt. Lufttemperatur mind. 17 °C.


    Ich habe die Bienen, die ich einsammeln konnte, in einen Schuhkarton gekehrt und sie dem stärksten Volk vors Flugloch gegeben, sie wurden reingelassen. Beim Betrachten der Bienen fand ich sie kraftlos. Manche liefen mit unnatürlich abgespreizten Flügeln herum, andere hatten Probleme, sich aus der Rückenlage in die Normallage zu bringen, sie hielten sich nicht richtig fest usw. Keine Biene hatte die Zunge draußen, es war nur diese Kraftlosigkeit, die auffällig war. Wenn ich mir vorstelle, daß jeden Tag so viele Bienen es nicht mehr nach Hause schaffen, wird mir ganz anders.


    Bei den Temperaturen sollten die Bienen doch auf jeden Fall in der Lage sein, die letzten Zentimeter bis zum Flugloch zu schaffen, oder?? Was ist denn da los? Ich bin nicht sicher, wo die Bienen nachmittags sind, im Buchweizen müßten sie ja hauptsächlich vormittags sein. Außerdem sind die Herren über Leben und Tod gerade wieder unermüdlich unterwegs, Raps-Nachauflauf totspritzen u. a.


    Nun meine Fragen, hat jemand ähnliche Beobachtungen gemacht und kann es sich um eine Vergiftung handeln, auch wenn die Zunge nicht raushängt?


    Haltet Ihr es für möglich, daß das Saatgut für diese Blühmischungen (speziell Buchweizen) gebeizt ist? Buchweizen ist in Osteuropa häufig, hier war er bisher selten. Buchweizen-Saatgut wird durchaus mit Neonikotinoiden gebeizt und das Saatgut kommt doch sicherlich aus Osteuropa.

  • Der Nordostwind blies sie dann herunter und so saßen vorm Bienenwagen im Gras heute schätzungsweise 1000 Bienen. Dort haben sie im Gras kleine Trauben gebildet bzw. sind verklammt. Direkt am Boden herrschten 15 °C, hab ein Thermometer hingelegt. Lufttemperatur mind. 17 °C.


    Hallo,


    das sind kritische Temperaturen für Bienen mit vollgefüllter Honigblase. Wenn an solchen Tagen die Sonne nicht wenigstens ab und zu mal scheint, sodass sich die Bienen aufwärmen können, dann wars das. Muss also nicht unbedingt was mit PSM zu tun haben.


    Gruß Sven

  • Buchweizen-Saatgut wird durchaus mit Neonikotinoiden gebeizt


    Um das rauszufinden, sollte man die klammen Bienen nach Braunschweig (Julius-Kühn-Institut) zur Untersuchung einschicken.
    Gefährlich ist vor allem das Totspritzen von Pflanzen auf Flächen, die nur pfluglos bearbeitet werden.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Danke für Eure Antworten, ja es sah nach Erschöpfung aus, sie fliegen wie irre in diesen Zwischenfruchtanbau. Auch die Pollenholer liegen erschöpft da. Da wären wohl große Flugbretter von Vorteil, am Bienenwagen habe ich dafür keine Lösung... Während der Rapsblüte hatten wir auch solche Temperaturen und da habe ich sowas nicht beobachtet... Und das mit Vergiftung ist auch nicht völlig abwegig, jedenfalls ist es nicht weit hergeholt, wir hatten dieses Jahr schon eine Vergiftung. Bei der Auswertung des Vorkommnisses mit dem betreffenden Landwirt stellten wir ziemliche Ahnungslosigkeit seinerseits fest, also zuzutrauen ist denen alles.


    Ja, hier wird fast ausschließlich pfluglos bearbeitet, Giftspritze ist billiger.


    Die politisch-lobbyistisch gewollten Massentrachten im Herbst werden noch zu einem großen Thema für Imker, ich tippe gerade einen Beitrag zu dem Thema.

  • Hallo,
    stellen Massentrachten um diese Zeit wirklich ein Problem dar?
    Kann ich mir nur schwer vorstellen, das funktioniert doch mit Springkraut schon seit vielen Jahren derart gut, dass man in entsprechenden Gegenden als einzige Nebenwirkung nicht mehr viel einfüttern muss! :p
    Und wenn der erste Frost spät kommt, geht die Springkrauttracht örtlich auch bis in den November.


    Jedenfalls besser Greening als kein Greening. Wenn du schon von "Politdeppen" redest, dann sind das eher die, die die Bauern mit Sprüchen wie "die Welt hungert und wir brauchen jeden Quadratmeter Acker für die Produktion" dazu aufstacheln, möglichst keine Stillegungsflächen mehr einzurichten. Wir haben zuviel und nicht zuwenig Landwirtschaftsflächen in unserem Land!


    Bei uns gibt's daher leider kaum noch Ackerrandstreifen und ähnliches, scheint sich hier nicht mehr zu lohnen seit man lieber den letzten Millimeter für Biogas-Mais aus dem Acker rausholen kann. Ohne Biobauern und andere gute Flächen sähe es bei uns daher schlecht aus.


    Gruß
    hornet

  • Hallo Spurbiene,


    so einen ähnlichen Fall hatte ich vor einigen Wochen. Es hatte um die 17 Grad und es kam kalter Ostwind auf. Daraufhin saßen hunderte Bienen mit Pollenpackerl im Gras vor den Beuten. Auch ich dachte erst an Vergiftung, sammelte viele Bienen auf. Da es Abend wurde ließ ich sie über Nacht im Honigglas. Am nächsten Tag kamen sie auf den Kachelofen und siehe da, alle flogen wieder ab und kehrten in die Völker zurück (einige konnte ich "verfolgen").


    Somit war für mich klar, daß es eher keine Vergiftung ist (es starb über Nacht keine einzige) sondern wohl der saukalte Ostwind schuld dran war. Auch Tage später fand ich noch verfrohrene Bienen, die wieder aufgewärmt heimflogen.


    Ich hoffe bei dir ist es ähnlich.

  • Auf die Idee das es abgearbeitete Bienen sind die eines natürlichen Todes sterben, wegen entsprechendes alters seid ihr noch nicht gekommen. Das ist doch bei Massentracht jetzt um diese Zeit wo die Völker sowieso an Volksstärke abnehmen doch das naheliegenste.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Hallo Hornet, nach dem Winter wird man es wissen. Bisher war spätestens Mitte September Schluß (Heide), da geht´s jetzt erst richtig los.


    Massentrachten sind unnatürlich. Diese Art Landwirtschaft gibt es erst ein halbes Jahrhundert und das ist zufällig der Zeitraum, in dem die Biene kaputtgewirtschaftet wurde.


    Meine kriegen sowieso kein Zuckerwasser, daher habe ich mich erstmal über das Selbsteinfüttern gefreut. Aber was nützt das, wenn nun jeden Tag Bienen vorm Wagen liegen, allein gestern schätzungsweise 1000, von nur 2 Völkern und 7 Ablegern wohlgemerkt. Wieviele unterwegs verklammen, sieht man schon gar nicht. In einigen ist nur noch ganz wenig Brut, das reicht niemals, um die Verluste auszugleichen. Heute werde ich erstmal eine Folie vor den Wagen legen und beim nächsten guten Wetter mit Einengen gegensteuern.


    Hornet, die Stillegungen bis 2009 waren gesetzlich vorgeschrieben. Von Aufstacheln kann also keine Rede sein!!!! Die Politdeppen haben die Zügel gelockert, zugunsten der Wirtschaft, so wird ein Schuh draus.

  • Auf die Idee das es abgearbeitete Bienen sind die eines natürlichen Todes sterben, ...


    Ich glaube nicht daß, altersschwache Bienen Pollen sammeln, um dann mit den Paketen an den Beinen kurz vorm Flugloch zu verklammen und in Trauben zusammengezogen zu sterben. Und schon gar nicht in der Menge, allein gestern um die 1000 Bienen, bei nur 2 Völkern und 7 Ablegern.

  • Hallo Spurbiene,


    sieh zu, daß Du den Bienen irgendeine Art von Anflughilfe bastelst.


    Ich hatte das vor zwei Jahren im Frühjahr. Sonniges Wetter, aber starker Wind. Die heimkommenden Bienen wurden durch den Wind ins Gras gedrückt und da saßen sie dann in Häufchen und verklammten.
    Ein eilig angebrachtes (ausreichend großes) Anflugbrett brachte sofortige Abhilfe.


    Gruß, Heike

    Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung, daß etwas anderes wichtiger ist als die Angst.
    (Ambrose Redmoon)