Puderzucker tödlich für Bienen?

  • Liebe Imker,


    gestern beschrieb ein Bio-Berufsimker unseres Vereins seine Beobachtung, daß die Bienen vermehrt sterben, wenn sie seiner Puderzucker-Diagnose mit HANDELSÜBLICHEM Puderzucker ausgesetzt werden (100g Bienen abgenommen von der vorletzten Wabe Dadant -> in 500g Joghurtbecher mit Gitterboden + handelsüblichem Puderzucker bestäubt -> nach einigen Minuten Einwirkzeit werden die Milben über den eingeklebten Gitterboden des Joghurtbechers zusammen mit dem überschüssigen Pu.Zucker herausgeschüttelt, ca. 30 bis 60 sec.).
    Mit selbstgemahlenem Puderzucker aus Bio-Zucker beobachte er diese Sterberate nicht.
    In der Diskussion wurde die Vermutung geäußert, daß handelsüblicher Puderzucker bspw. zur Restentfeuchtung wärmebehandelt sein und so erhöhten HMF-Gehalt aufweisen und demzufolge auf die behandelten Bienen tödlich wirken könne. Oder aber irgendwelche (undeklarierten) Riesel-/Verklumpungsschutz-Zusatzstoffe argwöhnt.


    Welche Erfahrungen bzw. Erklärungen habt ihr?


    Danke - Gottfried

  • Der Unterschied dürfte in der Teilchengröße liegen - mit einer Kaffeemühle kriegt man nicht so feinen Puderzucker hin, wie es die Industrie macht.
    Bei dem wirklich feinen Puderzucker kann es zu Tracheenverstopfung kommen = Biene tot, erstickt.


    An HMF kann es nicht liegen - das entsteht nur, wenn auch Säure vorhanden ist.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Liebe Sabi(e)ne,


    weißt Du das oder vermutest Du?
    Bei der Zuckerherstellung wird reichlich Säure verwendet (neben den Fruchtsäuren in den Rohstoffen), z.B.:
    Die Zuckerrüben werden nach der Ernte gereinigt und zerkleinert. Die entstehenden Zuckerrübenschnitzel werden in Extraktionstürmen mit heißem Wasser versetzt. Der enthaltene Zucker wird herausgelöst (Rohsaft). Mit Kalk und Kohlensäure werden Nichtzuckerstoffe im Saft gebunden und durch Filtration abgetrennt (Carbonkalk –> Düngemittel). Der so geklärte Dünnsaft enthält etwa 16 % Saccharose und ist hellgelb. Durch Verdampfungsapparate wird so lange Wasser entzogen, bis der Zuckergehalt im nun goldbraunen zähflüssigen Dicksaft ungefähr 75 % beträgt. Die weitere Eindickung geschieht mit so viel Unterdruck, dass das Wasser bereits bei 65–80 °C verdampft und der Zucker noch nicht karamellisiert. Nach Zusatz von Impfkristallen beginnt die Kristallisation, die bis zur gewünschten Kristallgröße läuft. In Zentrifugen wird der anhaftende Sirup (Melasse) von den Kristallen getrennt. Der weiße Zucker wird nun nochmals in Wasser gelöst und danach kristallisiert. Dadurch erhält man einen besonders reinen und weißen Zucker (Raffinade).[3]
    http://de.wikipedia.org/wiki/Zucker


    Der handelsübliche Puderzucker enthält 3% Maisstärke als Klumpschutz, der Bäcker(puder)zucker dagegeblich angeblich keinen Zusatz:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Puderzucker


    Und HMF entsteht doch bei der thermischen Zersetzung von Zucker, wobei Säuren (nur) als Katalysator wirken.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hydroxymethylfurfural
    Säuren und Hitze hat es bei der Zuckerherstellung doch eigentlich genug, sagt mein laienhaftes chemie-unterbelichtetes Gedächtnis...


    Fragend - Gottfried

  • Hallo Gottfried,


    nach Deiner Beschreibung kannst Du Dir Deine Frage selbst beantworten!


    Bei der Zuckerherstellung wird Säure verwendet. Also müßte sich HMF sowohl im Haushaltszucker (Bio oder nicht dürfte da Jacke wie Hose sein), als auch im Puderzucker wiederfinden. Ergo: Aus Haushaltszucker selbst gemachter Puderzucker sollte die selben Mengen HMF enthalten wie gekaufter Puderzucker.


    Zitat

    Und HMF entsteht doch bei der thermischen Zersetzung von Zucker, wobei Säuren (nur) als Katalysator wirken.


    Laienhaft ausgedrückt: Ein Katalysator schiebt eine chem. Reaktion an, die ohne ihn unter diesen Bedingungen nicht stattfinden würde.


    Wie Du schreibst wirkt Säure als Katalysator, und ohne Säure bräuchte es andere Bedingungen aus Zucker HMF zu machen.


    Also scheint es doch wie von Sabine postuliert, an der Korngröße zu liegen, oder an der Maisstärke, oder an was anderem.


    Grüße von Herrn Rübengrün


    P.S. Ich nehme zum zerpudern übrigens keine Kaffeemühle sondern einen Mörser

    Prüfet Alles und wählet das Beste!


    Erst kommt das Fressen, dann die Moral!

  • Hallo Gottfried,


    Ich zitier mal aus dem von dir verlinkten Wikipedia-Artikel

    Zitat

    Hexosen, insbesondere Fructose, bilden durch eine mehrfache (säurekatalysierte) Dehydratisierung das HMF.


    Haushaltszucker ist aber Sacharose. Die müsste erst (z.B. mittels Invertase) zu Glucose und Fructose aufgespalten werden, bevor HMF entstehen kann.


    Gruß
    Ludger


  • Bei der Zuckerherstellung wird Säure verwendet. Also müßte sich HMF sowohl im Haushaltszucker (Bio oder nicht dürfte da Jacke wie Hose sein), als auch im Puderzucker wiederfinden. Ergo: Aus Haushaltszucker selbst gemachter Puderzucker sollte die selben Mengen HMF enthalten wie gekaufter Puderzucker.


    So gesehen hat Herr Rübengrün freilich recht - unter der Annahme, daß der industrielle Puderzucker nicht noch einmal einer thermischen Zusatzbehandlung (Resttrocknung o.a.) unterzogen wird.


    Servus - Gottfried


  • Laienhaft ausgedrückt: Ein Katalysator schiebt eine chem. Reaktion an, die ohne ihn unter diesen Bedingungen nicht stattfinden würde.
    Wie Du schreibst wirkt Säure als Katalysator, und ohne Säure bräuchte es andere Bedingungen aus Zucker HMF zu machen.


    Säure(reste) wird es wohl überall geben. Ob die als Katalysator im strengen Sinn notwendige Abbau-Prozeßvoraussetzung sind oder (nur) Beschleunigungsfaktor, weiß ich leider nicht.


    Servus - Gottfried

  • Öhm, wenn sich in Zucker HMF wiederfinden ließe, dürften wir keine Einfütterung mit Zucker vornehmen, da ja ansonsten die Gefahr besteht, daß wir unsere Bienen mit dem selbstgemischten Futter (Zucker-Wasser) vergiften.


    Ich hab da eher das Gefühl, daß der Bio-Imker seinem Bio-Zucker einfach mehr vertraut als dem herkömmlichen Zucker/Puderzucker.


    Als Vergleich sollte ermal Bio-Zucker mahlen und benutzen und das gleiche mit handelsüblichen, nicht-bio-Zucker machen und nicht Puderzucker kaufen, ansonsten hinken die Vergleiche (Korngröße).

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:


  • Ich hab da eher das Gefühl, daß der Bio-Imker seinem Bio-Zucker einfach mehr vertraut als dem herkömmlichen Zucker/Puderzucker.
    Als Vergleich sollte ermal Bio-Zucker mahlen und benutzen und das gleiche mit handelsüblichen, nicht-bio-Zucker machen und nicht Puderzucker kaufen, ansonsten hinken die Vergleiche (Korngröße).


    Lieber Andreas,


    nicht ganz. Es war keine Frage des Vertrauens, sondern seine praktische Feststellung, daß die Bienen seinen anfangs zur Befallsprobe verwendeten handelsüblichen PuZu nicht vertrugen. Bio-Zucker vermahlt er nun, da er diesen ohnehin zur Fütterung vorrätig hat und seine Zertifizierbestimmungen zur Fütterung auch auf die Milbenprobe anwendet.
    Was Bio ist am Zucker, weiß ich nicht; vermute aber, daß da nur die Rohstoffe (Produktion, ggf. Transport) zertifiziert werden, das eigentliche Zuckergewinnungsverfahren dagegen gleich mit dem handelsüblichen Zucker ist und ggf. bei der Zertifizierung nur auf die Dokumention konsequenter Trennung von konventionellen Rohstoffen geachtet wird.


    Mit imkerlichen Grüßen - Gottfried