• Moin, moin,


    meine Frage an die Erfahrenen: wie betreibt der Imker Duftlenkung seiner Völker auf bestimmte Zielkulturen?
    Henry schrieb einmal von einer in der DDR angewandten Methode: Anfüttern mit Zuckerwasserauszug aus Blüten der Zielkultur. Ich wüßte gern Genaueres über Zubereitung (Rezeptur/Konzentration sowohl für Zucker als auch Blüten, Erhitzen oder Kaltauszug/HMF-Problematik, Verweildauer der Blüten im Wasser oder Futter usw.) und Lenkungseffektivität.


    Servus - Gottfried

  • Dem Drohn seine Versuche haben gezeigt dass diese Methode der Duftlenkung nicht funktioniert.
    Laborversuche über Konditionierung lassen sich nicht in die Praxis übertragen.


    Bienen "sehen" den Nektar. Das Riechen der Blüten ist zweitrangig für sie ob sie die Tracht annehmen.


    dD

  • Leider dieses Jahr komplett verregnet, daher konnte ich dieses Rezept nicht ausprobieren:
    Robinienblüten über Nacht in 1:1 Zuckerwasser einlegen und früh am Morgen in die Fluglöcher gespritzt soll funktionieren...

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Hallo Gottfried


    Die Duftlenkung ist mir nur vom Rotklee aus dieser Zeit bekannt.
    Ich zitiere aus Imkerliche Fachkunde Seite 219.
    Bei Beginn der Rotkleeblüte sollte man eine Duftlenkung vornehmen.Dazu werden die einzelnen Kelche aus etwa 200 Blütenköpfen herausgezupft und mit heißem Wasser überbrüht.Diese Duftlösung wird zu 10l Zuckerlösung, die im Verhälnis 1:1 angesetzt wurde, hinzugefügt. Mit dieser Mischung werden die die Völker morgens bei Flugbeginn gefüttert. Jedes Volk erhält an zwei bis drei Tagen jeweils einen halben Liter. Zitat Ende.
    Im Rotklee hat sie Sinn gemacht.


    Ich bin der Meinung, die Duftlenkung ist bei normalem Trachtangebot unwirksam.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)


  • Im Rotklee hat sie Sinn gemacht.
    Ich bin der Meinung, die Duftlenkung ist bei normalem Trachtangebot unwirksam.


    Lieber Reinhard,
    wieso im Rotklee sinnvoll, sonst unwirksam? Weil unsere landläufigen Bienen den Rotklee ohne Lenkung ignorieren, wenn sie andere Blüten bekommen können, bei denen ihr Rüssel lang genug ist und sich so das seitliche Aufbeißen der Rotkleeblüten ersparen? Das spräche doch aber eher für eine deutliche Wirksamkeit der Duftlenkung?!



    Bienen "sehen" den Nektar. Das Riechen der Blüten ist zweitrangig für sie ob sie die Tracht annehmen.
    dD


    Lieber Drohn, wie meinst Du "sehen" - die Saftmale der Blüte optisch erkennen?
    Es sollte in der Praxis selbstverständlich sein, daß Duftlenkung nicht gegen, sondern möglichst mit den anderen Lenkungsfaktoren des jeweiligen Standortes eingesetzt wird (wie z.B. Bernhard schildert: Bienen so aufstellen, daß sie vor Erreichen des Rapses erst durch die Zielkultur Obst fliegen müssen). Würden auch da Deine Versuche die Unwirksamkeit der Duftlenkung erweisen? Leider kenne ich Deine Versuchsbedingungen nicht. Hast Du Du dabei ggf. bewußt gegen die anderen Lenkungsfaktoren versucht zu lenken, eben um die Wirksamkeit der Lenkung durch Blütenduft (gegen die andern Faktoren) zu testen?


    Fragend - Gottfried

  • ...und sich so das seitliche Aufbeißen der Rotkleeblüten ersparen?


    Hallo Gottfried,


    hier bei mir auf dem Grundstück waren den ganzen August mehr Bienen an den weißblühenden Taubnesseln zu sehen, als im angrenzenden Phaceliagarten...
    Die haben es sich quasi vorsätzlich selbst schwer gemacht, vielleicht stand in den Nesselblüten auch einfach der süssere Nektar, wer weiß das schon.


    Viele Grüße
    Sven

  • Lieber Sven,


    Pacelia honigt nicht immer, sondern enttäuscht ab und zu. Lies mal Gerhard Fuhrich:


    http://www.imkerverein-lehrte.de/archiv/arch172.htm
    Zitat:
    Als die rainfarnblättrige Phacelia, bei uns auch „Büschelschön“ oder „Bienenfreund“ genannt, in feldmäßigem Anbau auf größeren Flächen auftauchte, ließen mich Berichte in der Imkerpresse an dem eigentlich sprichwörtlich guten Ruf dieser Trachtpflanze zweifeln. Da hieß es u.a. „Feldversuch mit Phacelia endet mit enttäuschendem Ergebnis“ oder „Schädliche Phacelia“. Selten oder gar nicht wurde von einer guten Honigernte berichtet. Aus meiner Sicht – und aus der hiesigen Gegend – kann ich nur von Vorteilen berichten.


    Wie andere Pflanzen auch benötigt die Phacelia bestmögliche Voraussetzungen für die Nektarsekretion, weniger für eine Pollenabgabe. Sie ist also keine Wunderpflanze, und deshalb wird auch von unterschiedlichen Erträgen berichtet. Bezeichnend dürfte sein, dass das beste Waagstockergebnis (6.800 g Zunahme) an einem Tag Anfang Juli bei +31°C und einer Luftfeuchtigkeit von 74-90% (Gewitterluft) erzielt wurde.


    Wenn alle positiven Bedingungen zusammenkommen, kann man den Darstellungen in der Imkerliteratur beruhigt Glauben schenken, dass die Phacelia eine gute Trachtpflanze ist. Im Trachtpflanzenbuch von Maurizio/Schaper heißt es: Nektarabsonderung je Blüte innerhalb 24 Stunden 0,62-0,85mg (Raps 0,6 mg) Zuckergehalt 22-43% (Raps 44-59%) und mögliche Ernte je Hektar 214 bis 496 kg (Raps 40-200 kg).


    Aus der Phaceliatracht kommend, sehen die Bienen oftmals fast schwarz aus. Das rührt einmal von tiefblauen Pollen her, und zum anderen arbeiten sie ihr Haarkleid regelrecht ab. Um an die Nektarien heranzukommen, müssen die hochstehenden Staubgefässe „verdrängt“ werden. Die mehr robusten Hummeln, die die Pflanze ebenfalls sehr stark befliegen, haben es mit ihrem größeren Eigengewicht erheblich leichter. Zitatende


    Die weiße Taubnessel heißt nicht umsonst synonym Honigblume. Wie hoch der Zuckergehalt ihres Nektars und die Nektarmenge unter welchen Bedingungen ist, habe ich leider noch nicht gefunden.


    Servus - Gottfried

  • Hallo
    die Duftlenkung bei Rotklee war deshalb wirksamer, weil keine anderen Trachten vorhanden waren und so die Bienen aktiviert wurden, es ging ja auch besonders um die Bestäubung.


    Das die Duftlenkung in anderen Fällen unwirksam ist, das ist von mir nicht ganz richtig beschrieben.
    Wenn die Bienen durch die Duftlenkung auch auf die bestimmten Blüten fliegen, werden sie sich aber in kürzester Zeit auf eine andere Tracht einfliegen, wenn der Nektarertrag höher bzw lohnender ist.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • [quote='Drohn','https://neu.imkerforum.de/forum/thread/?postID=436678#post436678']Duftlenkung ist ein Imkermärchen...und ewig wurde es nachgeplappert.
    dD[/QUOTE


    Lieber Drohn,


    für Dein Postulat sieht man hier keinerlei Belege, nicht einmal einen nachvollziehbaren Hinweis.
    Die Versuche von Karl von Frisch, Gubin, Pritzsch u.a. waren doch nun wirklich keine Laboranordnungen und erst recht kein gedankenloses Nachplappern oder gar Plagiate.
    An dieser Stelle gebührt Bernhard ausdrücklicher Dank für seine stetige Bereitschaft, uns an seiner offenbar enzyplopädisch wohlgeordneten Bibliothek teilhaben zu lassen.


    Mit imkerlichen Grüßen - Gottfried

  • Einfach mal nachmachen!


    Honig der Vorjahrestracht auf die Oberträger schmieren nach der Anwanderung oder schon beim Aufsetzen der leeren HR. Und einfach zusehen. Anschließend über die Diskussion hier lächeln!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder