Raps verhindert Obstbestäubung?

  • Hallo,
    ich sprach heute mit einem Betreiber eines Obstbauernhofs. Also, der Äpfel in groißem Stil anbaut, teils auf Streuobstwiesen.
    Er sagte, dass die Bienenvölker, die auf seinen Flächen stehen, durchstarten auf benachbarte Rapsfelder. Sie würden die Apfelbäume nicht bestäuben. Auch die Ernte von Obstblütenhonig werde so unmöglich.
    Kann das stimmen?
    Dann müssten doch alle Obstbetriebe, die Raps im Umkreis haben, Probleme mit der Bestäubung bekommen?
    Viele Grüße
    apirita

  • Hallo,
    kann ich mir schon gut vorstellen das sich die Biene für die ergiebigere Variante entscheidet.
    Wobei wir auch beides haben und die Äpfel sehr gut bestäubt waren.
    Guter Obstblütenhonig jedoch wirklich nur dort, wo Raps min. 4- 5 km weg ist.

  • Hallo apirita,
    das ist schon so, dass die Biene bevorzugt den Raps anfliegt und das Obst stehen lässt. Allerdings würde ich nicht grundsätzlich behaupten, dass es dann keine Bestäubung des Obstes gäbe. 1) wären da noch Hummeln und Solitärbienen, die zum Teil die besseren Bestäuber sind und daher in den letzten Jahren auch verstärkt eingesetzt werden, 2) die Obstblüte zieht sich im Schnitt über 20 Tage, beim Apfel blühen pro Blütenansatz 5 Einzelblüten nacheinander auf, da steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass da mal ne Biene vorbeikommt, 3) bei bestimmten Obstsorten spielt auch die Jungfernfrüchtigkeit (also ohne Bestäubung) eine nicht unerhebliche Rolle (vor allem bei Birnen).
    Und dann frag Deinen Obstbauern mal, wie er die Völker aufstellt: Stehen die irgendwo am Rand in Reih und Glied oder verteilt er die einzeln durch die Anlage? Letzteres würde sich deutlich bemerkbar machen! Hinzu kommt natürlich auch noch die Verteilung der Befruchtersorten in der Anlage. Gerade bei konventioneller Pflanzung, sortenweise in Reihen, bei denen dann ein relativ großer Abstand zu Befruchtern entsteht, macht sich der geringere Ertrag dann bemerkbar (im Vergleich mit der Streuobstwiese?). Allerdings werden die Früchte ja sowieso ausgedünnt, daher glaube ich nicht mal, dass das in's Gewicht fällt.


    Gruß,
    Reiner

  • Hallo,


    ob die Bienen die Obstbäume befliegen hängt auch von deren Größe ab. Bei meinem Nachbarn hängen soviele Äpfel an den alten großen Bäumen dran, wie niemals zuvor und bei meinen max. 3 m hohen Bäumchen ist fast garnix dran, was wohl daran liegt, dass die nicht tief genug wurzeln, um auch bei trockener Witterung zu honigen und damit die Bienen anzulocken.


    Und bei Rapsblütenspritzungen hat es sich dann auch ganz schnell erledigt mit den Flugbienen und ausreichender Bestäubungsleistung...


    Gruß Sven

  • Hallo Sven,
    mit der Größe der Bäume hat deren Fruchtbarkeit gar nichts zu tun!!! Gerade der Apfel hat seine aktivsten Wurzeln im 30cm-Bereich, da ist es egal, ob groß oder klein. Auswirkungen bezüglich der Tiefe der Wurzeln gibt es lediglich in Bezug auf die Standfestigkeit. So sind moderne "Industrie"-Bäume ja in der Regel auf schwach wachsenden Unterlagen veredelt, die Wurzeln sind dann tatsächlich auch ziemlich klein und sie müssen entsprechend angebunden werden. Tragen tun sie aber trotzdem.


    Vielleicht sind Deine Bäumchen noch gar nicht in der Ertragsphase, oder Du hast keine passenden Befruchter, oder Du hast letztes Jahr einen Vollertrag gehabt, oder Du hast voll auf Wachstum geschnitten oder... es gibt also wirklich viele Gründe für mangelnden Ertrag, der nix mit den Bienen zu tun hat.


    Gruß,
    Reiner

  • Ich habe die Bienen auf der dem Rapsfeld gegenüberliegenden Seite der Obstplantage hingestellt. Sie hätten also durch die blühenden Bäume hindurch fliegen müssen. Ich habe da auf die Faulheit gesetzt. Sie waren auch fleißig in den Bäumen unterwegs. (Aber auch im Raps, leider.)

  • Ich kann Helmuts Aussage nur bestätigen. Die Obstbäume vor der Haustür waren nicht so interessant wie die Rapsfelder ein Stück weiter. Ergebnis: statt schönem Blütenhonig kristallisierter Rapshonig in den Zellen.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • also ich kann dazu nur soviel sagen, dass zwar der Raps die attraktivere Trachtquelle ist, dass aber deshalb Apfelbäume überhaupt nicht befolgen und deshalb nicht bestäubt werden, daran zweifle ich ein wenig.


    Ich glaub es hängt eher mit dem zusammen, wann genau man wo beobachtet!


    schlechte Bestäubung bei Kirschen könnte auch daran liegen, dass die Bestäuberbäume fehlen


    Nur mal so als Beispiel aus meiner Obstanbaugegend hier, der Ortenau


    da blüht Kirsche, Apfel und Erdbeere oft gleichzeitig


    und (Früh) Morgens siehste die Bienen eigentlich nur in den Kirschen, später fast nur noch im Löwenzahn, gegen die Mittagszeit fast immer im Apfel und so gegen 16 Uhr sogar in den Erdbeeren


    Dieses Jahr gab es eine Stelle da war mitten drin ein Rapsfeld


    Doch ich fand die Bienen sowohl in den Kirschen, als auch im Apfel und den Erdbeeren


    Im Raps auch eher nur am Vormittag


    Alles wurde perfekt befruchtet und die Bäume krachen z.Z. unter der Last zusammen


    Wo es gelegentlich schief geht, hängt meiner Meinung nach eher mit dem hier Zusammen


    Und bei Rapsblütenspritzungen hat es sich dann auch ganz schnell erledigt mit den Flugbienen und ausreichender Bestäubungsleistung...

    :daumen:


    Bei uns gab es dieses Jahr an etlichen Stellen große Spritzschäden und dort hat es nun auch teilweise Ernteausfälle


    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=39447&highlight=ortenau

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Vielleicht sind Deine Bäumchen noch gar nicht in der Ertragsphase, oder Du hast keine passenden Befruchter, oder Du hast letztes Jahr einen Vollertrag gehabt, oder Du hast voll auf Wachstum geschnitten oder... es gibt also wirklich viele Gründe für mangelnden Ertrag, der nix mit den Bienen zu tun hat.


    Hallo Reiner,


    die Bäumchen haben schon gut getragen in den vergangenen Jahren, die verschiedenen Sorten sind auch so zusammengestellt, dass es mit der Befruchtung hinhauen sollte. Dass eine Blüte bzw. ein Apfel nur an einem möglichst waagrecht gewachsenem Vorjahresästchen gedeiht, ist mir auch bekannt, das ist aber ein Thema, was mindestens genauso umfassend ist, wie die Imkerei. "Industriebäumchen" hab ich nicht, wenns auch zum Teil moderne Sorten sind, sind die alle auf Sämlingen veredelt.


    Es ist aber trotzdem ein Bild, das man dieses Jahr überall im Ort sieht, an den kleinen Apfelbäumen sieht man kaum bis garkeine Früchte. Die großen alten Bäume tragen hingegen recht gut. Vielleicht sind in der Zeit des Überflusses die kleinen Bäumchen einfach nicht interessant genug für die Bienen, dass das deren Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte.


    christoph : Ich hab mir mal die Mühe gemacht nachzuschauen, welche Apfelsorten wie abschneiden. Vereinzelt Äpfel hängen an den Sorten: James Grieve, Boskoop, Alkmeene und Topas (allesamt Frühblüher) und garnix hängt bei den Sorten Gloster, Elstar, Rebella und Jonagold (allesamt mittelspät bis späte Blüte). Da bleiben dann auch keine Fragen mehr offen, warum letzgenannte Sorten hier garnix geworden sind. Da gabs keine Flugbienen mehr und die Hummeln hats auch erwischt :-(.


    Gruß Sven

  • Lieber Sven,


    lies mal in der Dissertation von Dr. Stefan Mandl besonders unter dem Stichwort Konditionierung nach:
    http://www.bestaeubungshandbuch.at/Bestaubungshandbuch01.pdf


    Er beschreibt dort, daß man schon beim Anwandern und der richtigen Tageszeitwahl für die Freigabe des Flugloches (zum Nektarmaximum der Zielkultur) die Bienen lenken kann. Auch beschreibt er "Lerneffekte" bei Bienenvölkern im Folgejahr - wie sich der Bien die Erfahrungen vom Vorjahr trotz mehrerer Generationenwechsel "merken" kann, ist mir unerklärlich - aber Bio-Berufsimker Dr. Mandl hat es beobachtet...


    Henry schrieb auch einmal von in der DDR angewandten Methoden der Duftlenkung (anfüttern mit Zuckerwasserauszug aus Blüten der Zielkultur). Da fehlen mir eigene Erfahrungen. Ich wüßte aber auch gern Genaueres über Zubereitung (Rezeptur/Konzentration sowohl für Zucker als auch Blüten, Erhitzen oder Kaltauszug/HMF-Problematik, Verweildauer der Blüten im Wasser oder Futter usw.) und Lenkungseffektivität.
    Das ist nun eine Frage an die alten Hasen, die wir aus Ordnungsgründen im neuen Thema "Duftlenkung" weiter diskutieren sollten.


    Servus - Gottfried

  • Hallo Sven,
    mit der Größe der Bäume hat deren Fruchtbarkeit gar nichts zu tun!!! Gerade der Apfel hat seine aktivsten Wurzeln im 30cm-Bereich, da ist es egal, ob groß oder klein.


    Würde ich nicht sagen dass die Größe des Baumes keine Rolle spielt. Die aktive Zone mag zwar beim Apfel dicht unter der Erde sein, trotzdem werden ja auch einzelne "tiefe" Wurzeln gebildet. Die sind bei einem großen Baum vermutlich tiefer und können den Baum bei Trockenheit aus der Tiefe mit Wasser versorgen.


    Konnte bei mir dieses Jahr übrigens nicht feststellen dass die Bäumse trotz Raps schlecht bestäubt worden wären. Schlimmer war der Frost während der Apfelblüte.

  • ..... Da bleiben dann auch keine Fragen mehr offen, warum letzgenannte Sorten hier garnix geworden sind. Da gabs keine Flugbienen mehr und die Hummeln hats auch erwischt :-(.


    ..Eigentor würden da einige dazu sagen

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!