Kalkbrut im September, was tun?

  • Hallo zusammen,
     
    mir bereitet derzeit ein Volk Sorgen, das sich den ganzen Sommer über nicht so entwickelt hat, wie ich es erwartet hätte. Es war als Ableger aus dem letzten Jahr in die Saison gestartet und ich hatte schon Ende April einen Königinnenableger wegen akuter Schwarmstimmung gemacht. Dieser Ableger hat das Muttervolk im Laufe des Jahres locker überholt und ist mittlerweile wesentlich stärker. Das Restvolk hatte nun also den ganzen Sommer über eine Königin aus der belassenen Schwarmzelle. Die ganze Saison über war es aber das unleidigste Volk am Stand, auch schon bevor die Brut der neuen Königin geschlüpft war (der Königinnenableger ist dagegen sehr friedlich). Obwohl die neue Königin fleißig stiftete, schien mir das Volk immer schwächer zu werden. Ich kontrollierte es wöchentlich auf Schwarmzellen und brach Vorhandene, daher denke ich, dass kein Schwarm abgegangen sein dürfte. Der Varroafall war bei diesem Volk stets sehr niedrig, verglichen mit seinen Nachbarn (sowohl natürlich, als auch nach Behandlung).
    - Anfang Juli, zum Zeitpunkt der ersten Behandlung mit dem Nassenheider waren auf der Schublade keine Anzeichen von Kalkbrut zu erkennen.
    - Ende Juli weiselte ich dieses Volk mit einer Zuchtweisel um, um sanftere Bienen zu bekommen.
    - Mitte August begann ich mit der Auffütterung und schob die Schublade zur Milbenkontrolle ein. Diese war daraufhin sehr feucht und angeschimmelt, als ob es massig Kondenswasser durch das Futter gegeben hatte. Das war aber bei allen Völkern der Fall.
    - Ende August, zum Beginn der zweiten Behandlung, fielen mir dann die Kalkbrutmumien auf der Schublade auf. Daraufhin engte ich das Volk auf eine Zarge ein.
    - Jetzt nach Ende der Behandlung waren wieder einige Mumien auf der Schublade. Beim Ziehen von zwei Brutwaben fand ich ein löchriges Brutnest und Kalkbrutmumien in den Zellen und außerdem einige tote Bienen, die ihre Rüssel aus den offenen Zellen streckten (siehe Foto).

    Was haltet ihr davon? Woran kann es liegen, dass diese Bienen in den Zellen, nach dem Öffnen des Zelldeckels starben?
    Und was sollte man in diesem Fall tun? Vermutlich dürfte Abkehren noch das Beste sein, was man tun kann, oder? Besteht in diesem Fall eine Gefahr für die Nachbarvölker, ebenfalls an Kalkbrut zu erkranken?


    Ich freue mich über Anregungen und Tipps, danke!


    Grüße
    Tobi

  • Hallo Tobbes,


    Du hast da wohl mehr mit Varroa, als mit Kalkbrut zu tun. Wenn beides zusammen kommt, und das um diese Jahreszeit, ist es wohl das Gescheiteste,
    das Volk abzuschwefeln, nicht abzukehren. Es sind eh viele Altbienen, die Dir beim Abkehren nur ihre Probleme in die anderen Völker tragen.
    Ansonsten geht Kalkbrut unter normalen Bedingungen nicht von Kasten zu Kasten.
    Trotzdem die bebrüteten Waben nicht weiterbenutzen!


    Viele Grüße


    Quirin

  • Hallo,


    ich sehe keine Kalkbrutmumien in den Zellen, wo meintest Du denn, wo die sein sollen?


    Bist Du sicher, dass Du Kalkbrut gefunden hast oder nur vertrocknete, ausgeräumte Brut? Kalkbrut geht so, oder auch so.


    Ich sehe auf dem Foto leider auch viel Varroa-Sch..... an den Zellendächern kleben. Die toten Bienen in den Zellen haben den Schlupf nicht geschafft; wie sehen die denn aus? Alle Flügel und Hinterleiber normal?

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hi,
    mein Bild zeigt nur die Stelle, an der die toten Bienen in den Zellen saßen. Auf dem Bodenschieber und dem Gitterboden fanden sich genau solche Mumien, wie in deinem ersten Foto und in einigen Zellen fand ich sie so vor, wie auf dem zweiten Foto.
    Varroa würde natürlich auch die schwache Entwicklung erklären. Was mich daran eben wundert, ist der natürliche Varroatotenfall von einer Milbe pro Tag vor der zweiten Behandlung und der Fall von 50M während der Behandlung. Ich hatte die zweite Behandlung eigentlich nur durchgeführt, weil das Volk im vergangenen Herbst einen sehr hohen Varroafall gehabt hatte und mir die Kombination aus Unleidigkeit und schwacher Volksentwicklung verdächtig vorkam.
    Ich habe leider versäumt, die toten Bienen aus ihren Zellen zu ziehen und auf Varroaschäden zu kontrollieren, weil ich so auf die Kalkbrut fixiert war. Falls sich herausstellen sollte, dass eher Varroa als Kalkbrut der Auslöser des Problems ist, müsste ich das Volk also abschwefeln?
    Ich hatte beim Ziehen der Waben auch nach Varroakot Ausschau gehalten, konnte aber nicht sicher welchen entdecken. Er ist doch weiß-gelblich und klebt an der Zellendecke, oder?


    Grüße Tobi

  • Hallo zusammen,
     
    . Obwohl die neue Königin fleißig stiftete, schien mir das Volk immer schwächer zu werden. Ich kontrollierte es wöchentlich auf Schwarmzellen und brach Vorhandene,
    Grüße
    Tobi


    Wenn ein Volk schwächer wird, macht es keine Schwarmzellen. Sondern Umweiselungszellen. Und die lässt man gefälligst stehen.

  • - Ende Juli weiselte ich dieses Volk mit einer Zuchtweisel um, um sanftere Bienen zu bekommen.
    Grüße
    Tobi


    Hättest mal die Bienen machen lassen sollen. Und nicht das, was der Verein sagt.


    Was hast du nun? Eine gekaufte Königinn und trotzdem stehst du am Ende ohne Volk da. Das wäre dir schlimmstenfalls auch passiert wenn du nichts gemacht hättest...nur billgier

  • Die Schimpftirade war (wieder mal) unnötig und destruktiv.


    Ich sehe die Entwicklung (aus der Ferne) folgendermaßen:


    1) Es war eine früh gezogene Königin (Ende April). Frühzucht ist Mühzucht. Vermutlich war die Königin daher nicht so besonders gelungen. Das ist insofern wahrscheinlich, weil das Flugwetter diesen Mai nicht so besonders war.


    2) Wenn die Königin Ende April angesetzt wurde, dann dauert es mindestens bis Juni bis das Volk wieder aufgrund schlüpfender Brut wieder erstarken kann. Nun war der Mai dieses Jahr aber ziemlich kühl und nektarlos. Zu einer Zeit, in der das Volk wenig Brut und daher wenig Wärme hatte. Hier wird das Volk bereits durch die Faktoren eine Anlage für die Faktorenkrankheit Kalkbrut und Nosema angesetzt haben.


    3) Das Volk erstarkte also langsam wieder im Juni - nur um Anfang Juli mit einer Langzeitbehandlung mit Ameisensäure wieder mal geschwächt zu werden. (Falsches Mittel der Wahl!)


    4) Dann wurde obendrein auch noch die Königin zu einem unpassenden Zeitpunkt getauscht. Ende Juli ist kein besonders guter Zeitpunkt, um Königinnen einzuweiseln. (Juli, August und September nicht.)


    Die Stechwut rührte aus einer Mischung aus Hunger und Kälte, Unzufriedenheit über die mangelhafte Königin und die Mißhandlung mit Ameisensäure her. Im Mai war es kalt und es hat fast gar keine Tracht gegeben. Und dann - wenn ich es richtig verstanden habe - wurde das Volk die ganze Zeit auf zwei Zargen geführt? Viel zu viel Raum für einen Mickerling. Die Faktorenkrankheit Kalkbrut ist da nur eine logische Konsequenz der fortgeführten Schwächung des Volkes.


    Wie wäre es besser gelaufen:


    1) Das Volk hätte sofort eingeengt werden müssen. Eine Zarge für die Brut Maximum.
    2) Das Volk hätte im Mai gefüttert werden müssen.
    3) Die Tüchtigkeit der Königin hätte früher festgestellt und sichergestellt werden müssen. Der Ersatz hätte viel früher erfolgen müssen. (Mai oder Anfang Juni.)
    4) Die Varroabehandlung hätte mit einem dem schwachen Zustand des Volkes angepaßten Mittel erfolgen müssen.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Alles richtig, was geschrieben wurde. Das Bild würde ich aber folgendermaßen interpretieren: Das Volk war zu schwach, um die Brut zu wärmen. Es hat sich daher von der gezeigten Wabe zurückgezogen. Daher sind die Jungbienen beim Schlüpfen verklammt. Wenn man Brut kurz vom Schlüpfen entnimmt und ohne Bienen außerhalb des Volks lagert, erhält man ein ähnliches Bild.
    Deshalb wäre es wichtig gewesen, das Volk eng zu halten, wie es Bernhard geschrieben hat.


    Gruß Ralph

  • Hi,


    zunächst einmal vielen Dank für die ausführlichen Antworten und Ratschläge!
    Ich kreide mir auf jeden Fall selbst an, dass ich die Volksstärke nicht richtig beurteilt habe, sonst hätte ich früher eingegriffen. Was das Hungern angeht, das war auch mein erster Verdacht, als die Laune so schlecht war, aber ich bezweifle es, denn Mitte Mai konnte ich den HR mit ca. 15kg Honig ernten, ohne dabei die BR anzutatsten und auch Anfang Juni notierte ich mir: "HR ganz gut besucht. Die meisten Waben ca. halb voll mit Honig"
    Viel mehr wurde es dann aber auch nicht mehr. Mitte Juni notierte ich mir das erste Mal, dass das Volk schwächer sei, als erwartet und der untere BR quasi brutfrei. Hier hätte ich sicher handeln müssen.
    Am 13.7. (welch denkwürdiger Tag ;) ) entnahm ich den HR, das Volk hatte laut Waage noch ca. 7kg Futter und bekam direkt eine Futtergabe. Die folgende Windeldiagnose ergab ca. 10M/Tag, bei der folgenden Behandlung fielen ca. 200M.
    Das Volk wog demnach:
    am 17.7. 34kg
    am 23.7 32kg
    am 22.8. 27kg
    Das Flugloch war klein, keine Anzeichen für Räuberei entdeckt. Am 22.8. habe ich natürlich gefüttert, mit ca. 13kg Sirup.
    Am 27.8. notierte ich mir "5M an 5 Tagen, natürlicher Fall". Vermutlich war es unsinnig, daraufhin nochmal zu behandeln. Ich hatte allerdings ziemlich genau die gleichen Zahlen bei diesem Volk letztes Jahr und dann plötzlich Ende Oktober einen Milbenfall von ca. 20/Tag, nachdem ich nicht noch einmal behandelt hatte. Daher hatte ich ein bisschen die Ameisen im Verdacht, die ich bei diesem Volk immer mal auf der Windel sehe und wollte "auf Nummer sicher gehen". Naja, nach den 180ml AS lagen jetzt nur ca. 50M auf der Schublade. Alles in allem werde ich nicht so recht schlau aus der ganzen Geschichte, aber vermutlich ist es eine Kombination aus verschiedenen Faktoren und Fehlern meinerseits. Ich werde mir in jedem Fall auch die Sache mit der ungünstigen und evtl. unnötigen Umweiselung zu Herzen nehmen. Vielleicht fällt ja noch jemandem etwas auf anhand der Zahlen, ich hoffe, sie verwirren nicht. ;)
    Unabhängig davon bin ich noch immer unsicher, wie ich mit dem Volk weiter verfahren soll. Abschwefeln würde ich gerne nur dann, wenn ein Auflösen eine akute Gefahr für die Nachbarvölker darstellt.
    Ich habe übrigens eine Live-Webcam, die zufälligerweise genau das Flugloch dieses Volkes filmt. Wenn jemand sich das Bild ansehen mag, freue ich mich über eine PN. :Biene:


    Grüße Tobi

  • Also der Vorschlag mit dem Webcamvideo war jetzt nicht zu Unterhaltungszwecken gedacht, ihr habt sicher alle genug eigene Fluglöcher zum Betrachten! [emoji1] [emoji1]
    Ich dachte, vielleicht kann jemand Rückschlüsse aus dem Verhalten der Bienen ziehen. Wollte ich nur nochmal ergänzen, sonst mag das Angebot etwas sinnlos erscheinen.
    Ich bin jedenfalls nach wie vor für Anregungen dankbar, wie mit dem Volk zu verfahren ist. Bin selbst noch zu keiner finalen Entscheidung gelangt.


    Viele Grüße
    Tobi

  • Hallo Tobi,


    leider hast du keinen Link auf deine Webcam eingestellt. Eine Betrachtung zu realisieren ist dann etwas schwierig.
    Noch einmal zu deinem Problem: Wenn du Ende Juli die Reinzuchtkönigin eingeweiselt hattest, und das Volk jetzt kalkbrütig ist, dann wird sie nichts taugen. Liegt aber wirklich Kalkbrut vor? Wenn du nicht sicher bist, frag einen erfahrenen Imker, am besten einen BSV. Wenn wirklich Kalkbrut vorliegt und das Volk weniger als 10000 Bienen hat, dann sollte es erlöst werden. Wenn es mehr als 10000 Bienen hat, würde ich es einwintern und die Problemlösung auf das Frühjahr verschieben. Wenn keine Kalkbrut vorliegt, aber der Bestand weniger als 10000 Bienen beträgt, dann würde ich es aus anderen Völkern verstärken, um die Reinzuchtkönigin einwintern zu können. Wegen der derzeit schon kühlen Nächte würde ich aber nicht schlüpfende Brut (die könnte verkühlen) sondern Jungbienen über das Flugloch zugeben. Bei der Jungbienenzugabe das Flugloch weit halten, nach Einzug der Bienen dann maximal verengen, da die Bienenzugabe mit Räubereigefahr verbunden ist.


    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    danke für deine Antwort! Ich wollte den Link bloß nicht direkt in den Thread posten, ich schicke ihn dir nochmal per PN. Wenn es dich interessiert, kannst du ja mal einen Blick drauf werfen.
    Ich werde jetzt so vorgehen, wie du es beschrieben hast, die Volksstärke schätzen und entsprechend handeln.


    ...dann sollte es erlöst werden...


    Damit meinst du schon abschwefeln, nicht auflösen, oder?


    Grüße Tobi

  • Eine richtige Kalkbrutwabe ist das jedenfalls nicht, was da im Eröffnungspost zu sehen ist.
    So ganz untypisch ist aber der Fund einzelner Kalkbrutmumien bei einem stark geschwächten Volk auch wieder nicht, wenn die Brut verkühlt. Das wird auch i.d.R. dazu führen, dass man Flügeldeformation etc. findet, was allgemein der Varroa zugeschrieben wird.


    Man sollte die verbliebenen Brutzellen öffnen und die Bienen/Larven auf Varroen untersuchen.


    Meine persönliche Meinung: Das Volk steht straff auf der Kippe. Kann sein, in zwei/drei Tagen ist die Sache sowieso erledigt.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)