Wespenhölle

  • Liebe Imkerinnen und Imker,
    Wir wissen nicht mehr weiter. Wir haben eine kleine urbane Dachimkerei mit 6 Völkern DNM, Segeberger Beuten. Dieses Jahr wurde zunächst ein Volk unseres Nachbarn durch Wespen angegriffen und ausgeraubt. Er musste es auflösen. Dann war ein zugegeben relativ schwaches Volk von uns Opfer der Angriffe. Sie greifen mittlerweile alles an, was sich bewegt. Es werden immer wieder Bienen von den Fluglöchern auch der starken Völker weggerissen und zerfleischt. Auch anfliegende Bienen werden in der Luft attackiert. Und das in großer Zahl. Wir haben Angst um die Völker.
    An Gegemaßnahmen haben wir Folgendes unternommen: Verkleinerung der Fluglöcher bis hin zu ganz klein, so dass nur 1-2 Bienen durchkommen, das Aufstellen von Wespenfallen als Ultima Ratio. Aber es nützt nicht allzu viel.
    Hat jemand noch gute ratschläge. Wir sind danbkbar.
    Gruss, Dominik

  • Dort steht in jedem Absatz " ohne vernünftigen Grund". Ist der Grund genug seine Völker zu schützen oder eher nicht ?


    Wenn man unrecht mit unrecht bekämpft wird dann recht daraus?


    Solange Wespen nicht im Stock ein und ausfliegen ist alles im Rahmen.
    Ich hab dieses Jahr auffällig viele Hornissen am Stand, die schnappen sich immer Bienen aus der Luft und verspeisen diese genüsslich. In meinen Augen gehört dass einfach zur Natur....
    Der Nebeneffekt ist, ich hab Dank Hornissen keine Wespen :wink:
    Wie geschrieben solange die Wespen nicht in den Stock fliegen würde ich alles so lassen.
    Wenn Sie anfangen Völker trotz kleines Flugloch zu räubern würde ich die Völker wegstellen.
    Wenn der Imker der eigentlich sich den Naturschutz auf die Fahne schreibt anfängt geschützte Tierarten zu töten, hat das in meinen Augen einen blöden Beigeschmack.


    Grüße,


    Maxikaner

  • Maxikaner : bitte leite mal den Schutzstatus der Sächsischen Wespe aus dem Bundesnaturschutzgesetz her! Wenn Dir das gelingt, wärst Du mal Vorreiter und ich hätte Argumente gegen Ämter und Schädlingsbekämpfer.


    @TO: ersten Ratschlag befolgen oder die Völker vom Dach holen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hi Henry,


    Leider hat die Sächsische Wespe keinen besonderen Schutzstatus wie z.B. Hornissen, so dass man auch nichts herleiten kann.
    Dennoch bin ich der Meinung dass der Laie nicht dazu befugt sein sollte einfach ein Wespennest zu entfernen.
    Denn der Laie weiß nicht was er gerade entfernt und ob diese Art evtl. zwar nicht geschützt aber dennoch bedroht ist.
    Vorallem würde nicht die Möglichkeit der Umsiedelung geprüft.
    Ich finde es eben scheinheilig wenn Imker vom aktiven Umweltschutz sprechen, Bauern für den Pestiziedeinsatz kritisieren und kaum fangen Wespen ein paar Bienen wird direkt empfohlen die Nester zu suchen und zu zerstören.
    In den 70er Jahren brachten Imker ha Weise E605 aus um Bienenwolf Kolonien auszurotten. Der Bienenwolf ist meines Wissen so vom aussterben bedroht aber ich glaube auch nicht von Gesetzwegen geschützt.
    Ich hab in dem Zusammenhang mal gelesen, dass ein Bienenvolk den Verlust von 60.000 Arbeiterinnen problemlos kompensieren kann.


    Deshalb kann man wirklich nur an den Verstand appellieren und falls es wirklich so massive Probleme mit Wespen gibt die Völker vorübergehend wegstellen.

  • Ich denke das man die Verluste durch die Wespen tollerieren kann/muss. Wenn die Völker dadurch eingehen, oder die Wespen in den Völkeren ein und ausgehen, haben die Bienen ein anderes Problem.
    Bei uns fangen ganze Meisenfamilien an und abfliegende Bienen und fressen sie. Das bringen die Altvögel ihren Jungen bei. Was sollen wir da machen "Leimruten"? (Ironie). An einem anderen Stand fangen Hornissen die Bienen. Es ist schon ein tolles Schauspiel, auch wenn mir die Bienen leid tun. Aber so ist es nun mal.
    Ich sehe mich als Naturschützer und nicht als Wespenvernichter. Zumal die Wespenvölker und auch die Hornissen auf dem absteigenden Ast sind.

    Man kann auch ohne die Imkerei leben. Nur nicht so schön!

  • Hallo zusammen!


    Ich stimme Harald voll und ganz zu.
    Bienenvölker, die Wespen nichts mehr entgegenzusetzen haben, sodass selbige schlimmstenfalls sogar bis ins Volk vordringen können, die haben unabhängig von den Wespen elementare Probleme.
    Daher sehe ich Wespen als Indikator für die Völkergesundheit bzw. für mangelnde Vitalität und damit einhergehende Verteidigungsfähigkeit.
    Ich empfinde sie zwar phasenweise auch als immens störend bei der Arbeit an den Völkern, besonders da sie durch ihre stetigen Störungen die Völker unter immensen Stress im Bereich des Flugloches setzen, unter dessen Folgen dann tw. auch die Optik des Imkers leiden kann :wink:.
    Aber so ist die Natur und ich freue mich grundsätzlich über Wespen, die eine nicht zu unterschätzende Rolle auch bei der Regulierung gewisser Schadinsekten spielen. Wenn an den Bienen Schwierigkeiten auftreten, so meine Meinung, ist der Imker gefragt, ohne die Wespen zu schädigen, seine Völker zu schützen und am Leben zu halten. Wie auch immer.
    Das selbe im Übrigen bei den Hornissen. Ich habe ein Nest unmittelbar neben dem Bienenstand und immer mal wieder einzelne Hornissen vor den Beuten, die sicherlich auch Bienen wegfangen. Na und? That`s life und die Hornisse ist hier scheinbar wieder auf dem Vormarsch, sodass ich alles Vernünftige und Vertretbare aus menschlicher Sicht tue, um diese wundervollen Tiere zu schützen und zu fördern.


    Im Falle der in Einzelfällen hier im Forum schon geschilderten, massenhaften Wespeninvasionen, die ich im Übrigen überhaupt nicht einschätzen kann und zu denen ich daher nicht Stellung nehmen möchte, sind evtl. drastische Massnahmen erforderlich, dass mag sein. Aber dem zum Trotz kann das gezielte Töten der Tiere oder gar Nester mittels Fallen nicht der zu beschreitende Weg sein! Unabhängig von rechtlichen Vorgaben sollte da die Moral, Ethik und Verantwortung für unsere Natur in den Vordergrund rücken. Gefahr für Leib und Leben natürlich ausgenommen.


    Schöne Grüße
    Patrick, dieses Jahr mit nur sehr wenigen Wespen

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Liebe Imkerinnen und Imker,
    ich bin auch eher Bewahrer und nicht Zerstörer. Vermutlich bleibt nichts anderes übrig, als das Volk aufzulösen. Es ist fürs Imkerherz bloß schwer mitanzusehen, wie sich die Wespen über die Bienen hermachen.
    Natürlich gab es einen Grund /Fehler der im Vorfeld passiert ist. Es gab eine kleine Räuberei bei diesem, im übrigen sehr starken Volk. Daraufhin habe ich das Flugloch minimiert bei eingelegter Windel. Es war aber während der 2. AS-60%-Behandlung, (2 Nasseheider Verdunster in 2 Zargen). Daraufhin sind durch die zu geringe Belüftung etwa 2/3 der Bienen und alle Brut gestorben. Das wurde von mir zu spät bemerkt und der rest des Volkes war nicht stark genug, den Eingang gegen die Wespen zu verteidigen. Meine anderen Völker verlieren zwar auch immer wieder Wächterbienen an die Wespen, ihnen gelingt bisher aber nicht das Eindringen in die Beuten.

  • Hallo Dominik,
    die Bienen plagen sich derzeit mit den Wespen, was auch in Berlin regional unterschiedlich ausgeprägt ist.
    Solange Du sicher bist, dass Dein Volk weiselrichtig ist würde ich nicht viel machen. Bei engem Flugloch sollte es auch einem kleinen Volk gelingen dies ausreichend zu verteidigen.
    Wenn Du jetzt auflöst erhöhst Du dadurch den Wespendruck auf Deine verbleibenden Völker und schaffst damit den nächsten Kandidaten zum auflösen?
     
    LG
    Andreas, der nun schnell wieder den PC ausmachen muss und seinen Rücken nach dem Missgeschick bei der Obsternte schonen muss :(

  • Andreas : 2/3 der Bienen tot - steht da. Alle Brut tot - steht da. 1/3 der Bienen geschädigt - steht da nicht ist aber wahrscheinlich.


    Gehen wir von einem Volk mit 30.000 Bienen aus - es war ein Zweizarger. Dann reden wir über ein Schwärmchen von 1kg.


    Würdest Du jetzt (7. September) einen Schwarm von 1kg zur Überwinterung einfüttern wollen? Das Minimum sind nach Liebig 5.000 Bienen auf ihrer Brut.


    Mehr als ein Versuch ist das nicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Die Frage ist dann auch, wann sich die Wespen sowieso an den anderen Völkern probieren müssen,
    weil dieses hier nicht mehr ist -
    dürfte recht schnell soweit sein, befürchte ich.


    Ich hatte letztes Jahr quälende Wespenbelagerungen (für Imker und Völker),
    dieses Jahr Hornissen. Mehr? die waren zuletzt auch da aber seltener.


    Jedenfalls gibt es hier kaum eine Wespe, was mir ganz persönlich super gut gefällt.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper