Extensive Betriebsweise

  • Hallo,


    dieses Thema erreicht mich ständig auf verschiedenste Weise, eben beim Rasenmähen hab ich versucht, meine Gedanken dazu mal zu sortieren.


    Die Unterhaltung fängt meistens mit der Bemerkung an, der Honig sei nicht so wichtig, es gehe mehr darum, den Bienen (die es heutzutage so schwer haben) zu helfen und etwas Gutes zu tun.


    Meine Meinung: Der Begriff 'extensive Betriebsweise' wird hauptsächlich von Anfängern benutzt, entspringt oft der Angst vor den eigenen Bienen, dient in der Regel als Ausrede für die eigene Faulheit und impliziert einige in meinen Augen völlig falsche Grundannahmen.


    Fehler Nr. 1: Extensive Bienenhaltung bedeutet, die Bienen einfach mal machen lassen, die wüßten schließlich selber am besten, was für sie gut wäre.


    Fehler Nr. 2: Extensive Bienenhaltung ist einfacher als intensive Bearbeitung


    Fehler Nr. 3: Extensive Bienenhaltung bedeutet weniger Arbeit


    Fehler Nr. 4: Jeder kann extensiv imkern


    Zu 1.) Was gut für die Bienen ist und was sich mit der heutigen Realität verträgt sind zwei Paar Schuhe. Wenn in der Nachbarschaft Raps-Monokulturen stehen oder Beton-Honig eingetragen wird, braucht die Biene jemand, der den Honig entnimmt und verwertbares Futter reicht. Gegen die Varroa hilft leider noch kein 'die Bienen mal machen lassen'; Schwärme sind zu Tode verurteilt und verbreiten im Sterben Krankheiten weiter. Faulbrut zu ignorieren oder nicht zu erkennen weil man die Bienen nicht stören möchte ist nicht tolerierbar. In unserer modernen Kulturlandschaft ist die Biene auf Pflege angewiesen, zu diskutieren bleibt lediglich der Grad.


    Zu 2.) Extensive Bienenhaltung ist einfacher als intensive Bearbeitung ist schlicht falsch, die in der Anzahl geringeren Eingriffe ins Volk verlangen nach einem viel größeren Wissen als Arbeiten nach Schema F, jemand der lange und gut mit vielen Völkern imkert kann versuchen, die Eingriffe zu reduzieren und trotzdem zu guten Ergebnissen zu kommen. Jemand der Anfängt und wenige Völker betreut tut damit weder sich noch den Bienen einen Gefallen, im schlimmsten Fall wird er auch noch Schuld Seuchen zu verbreiten und schädigt die Biene als solche und die anderen Imker. Jemand der extensive Bienenhaltung betreiben will kommt weiterhin um eine wirklich sorgfältige Zucht nicht umhin, sonst sind die Kisten am Ende der Saison leer.


    Zu 3.) Extensive Bienenhaltung bedeutet weniger Arbeit stimmt so auch nicht. Und sich drei Beuten mit Bienen in den Garten zu stellen und die machenlassen ist keine Betriebsweise, sondern mittelfristig Tierquälerei. Extensive Bienenhaltung setzt Zeit und gutes Material (viel Material!) voraus, Bienen und auch Behausung. Schwärme wollen eingefangen und untergebracht werden. Schön wenn man da auf Abruf verfügbar ist und auch immer im Vorratsschrank ein paar gründlich gereinigte Böden, Zargen und was man sonst so braucht findet. Wenn man nicht so auf Schwärme steht, heißt es züchten oder zumindest gezielt vermehren. Kostet Zeit und Mühe.


    Zu 4.) Fazit: Jeder kann extensiv imkern ist falsch, jeder kann stümpern, aber extensives Imkern setzt viiiiel Wissen, Erfahrung und eine brauchbare Umgebung voraus. Extensives Imkern ist die Königsdisziplin.


    Mein Rat: Leute, sorgt für gute Bienen an Euerem Stand, Bienen wo es Spaß macht zu imkern, lernt die Bienen machen zu lassen was sie besser können als Ihr und helft, wenn Ihr etwas besser könnt: Wer mal zugeschaut hat, wie schwer sich die Bienchen tun um tote Kollegen aus dem Stock zu befördern, Ihr stellt die Zarge zur Seite und habt das Bodenbrett in 20 sec. wieder sauber. Sowas. Kümmert Euch um Wabenhygiene und Bienengesundheit. Schaut rein, nicht aus Spaß und Egoismus, sondern um die Bienen verstehen zu lernen. Und auch wenn es Euch nicht darauf ankommt, gesunde Bienen denen es gut geht bringen mehr Honig als andere. Das hat mit 'Ausnutzen' und 'Profitmaximierung' erstmal nichts zu tun, das kann, muß aber nicht Hand in Hand gehen. Mir persönlich ist jemand lieber, der sich wirklich gut um seine Bienen kümmert, die Motive sind mir ziemlich egal (Die Vorstellung, das jemand imkert zur Gewinnmaximierung paßt nicht zu meinen gemachten Erfahrungen. Kann es natürlich geben, aber da böten sich doch andere Wege an als zu Imkern, oder?).


    Über ergänzende oder konträre Kommentare würde ich mich freuen!


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Das ist doch n Troll ! Mach zu Hartmut :daumen:

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“