Imkerei im Kindergarten

  • Hallo zusammen,


    ich heisse Daniel, bin 36 Jahre alt und lebe seit einiger Zeit in Hamburg. Ich habe zwei Söhne im Alter von 2 und 5 Jahren, die einen Kindergarten in Hamburg Blankenese besuchen. In diesem Kindergarten bin ich ehrenamtlich tätig.


    Es gibt bei uns im Kindergarten einen Erzieher, der sich mit tiergestützter Pädagogik beschäftigt. Deswegen haben wir schon eine Gruppe Hühner samt Hühnerstall und Auslaufgelände. Letztens begann eine Diskussion bezüglich Imkerei.
    Aufgrund des Beitrags den die Bienen für die Umwelt leisten und der Möglichkeit Kindern die Angst vor diesen Tieren zu nehmen, finde ich die Idee gut. Allerdings gibt es auf der anderen Seite Sicherheitsbedenken hauptsächlich für die Kinder, aber auch für die Bienen. Die Diskussion findet völlig losgelöst und frei von Fachwissen statt.


    Um schon einige Bedenken vorweg zu zerstreuen, lasst mich erwähnen dass wir das Projekt nur starten würden, wenn uns ein erfahrener Imker dabei helfen bzw. den Stock pflegen würde. Bevor ich mich auf diese Suche nach einem solchen Imker mache, möchte ich für mich selbst ein paar Informationen sammeln. Falls sich trotzdem hier ein erfahrener, interessierter Imker berufen fühlt, kann er/sie mich gerne kontaktieren.


    Die Gefahr eines Bienenstiches und möglicher allergischen Reaktionen sind nicht von der Hand zu weisen, allerdings scheint es mir so dass die Bienen sich sowieso in einem relativ großem Radius verteilen. Von daher ist die Frage wie präsent ein Bienenstock in seinem nächsten Umfeld überhaupt ist, sicherlich gerechtfertigt. Außerdem ist meines Wissens jeder Grundstücksbesitzer berechtigt einen Bienenstock zu besitzen. Ich kann mir nicht vorstellen dass der Gesetzgeber das so regeln würde, falls Bienen eine ernstzunehmende Gefahr darstellen würden.
    Wir haben einen ca. 24qm grossen Schuppen und überlegen uns den Bienenstock - unzugänglich für Kinder ohne Aufsicht - auf dessen Dach unter zu bringen. In nächster Nähe haben wir ein kleines Wäldchen (ca. 3000qm). Größere Wiesen gibt es in der unmittelbaren Umgebung (1 km) nicht. Ich habe gehört dass manche Imker ihre Bienen auf Friedhöfen unterbringen, so viele Blüten können wir mit Sicherheit nicht bieten. Ist unsere Infrastruktur für Bienen überhaupt interessant?


    So, dass einmal als Eckdaten für das Projekt, jetzt wäre ich für Kommentare und Ratschläge der Community dankbar. Besonders natürlich bezüglich Sicherheit für Kinder und Bienen.


    Viele Grüße,
    Daniel

  • Hallo Daniel,


    in Hamburg gibt es eine Expertin, eine erfahrene Praktikerin im Umgang mit Kindern und Bienen. Sie hat jüngst zwei Ratgeber aus ihrer Tätigkeit vorgelegt, Du findest ihren Namen und ihre E-Mail-E-Adresse hier:


    http://www.diebiene.de/westphal-schulimkerei
    http://www.diebiene.de/westphal-imkern-mit-kindern


    Ich würde mich an sie wenden und um einen Ortstermin bitten.
    Sie ist auch ehrenamtlich im Imker-Landesverband für Kindergarten- und Schulimkerei tätig.


    Viele Grüße, Bienen-Freund

  • Hallo,


    Meine Tochter ist jetzt 6 geworden und als Berufsimker- Kind schon oft gestochen worden.
    Im Juni dann der Anruf vom Kindergarten, ihr ginge es nach einem Stich in die Wade schlecht.
    Ich sage "So`n Quatsch...am Stich liegts nicht aber ich hol sie ab."
    10 Minuten später war ich da und ihr linke Gesichtshälfte glich einem Luftballon, sie hatte sich bereits übergeben.
    In der Klinik sagten uns die Ärzte das es gerade bei Kindern üblich sei, das sich eine Anaphylaxie erst im Laufe der ersten Lebensjahre richtig ausbildet.
    Wir als Imker und Eltern haben nie Bedenken gehabt. Nun, da ich weiss wie schnell die Organe anschwillen und sowas in 20 min. meine allerschlimmsten Alpträume wahr werden lassen kann, seh ich das anders.
    Gerade Kindergärten und Schulgruppen können unsere Bienen nur noch durch die großen Fensterflächen der Imkerei bewundern.
    Unsere Betriebshaftpflicht schließt solche "Schäden" in Millionenhöhe mit ein aber den betroffenden Eltern will ich nicht gegenüber stehen müssen!


    Gruss, Sanni

  • Danke schon einmal für die Hinweise. Ich habe inzwischen festgestellt dass ein etwas weiter entfernte Nachbar 2 Stöcke auf der Terrasse hat. Da war nichts von Bienen zu sehen (allerdings sagte er dass es auch nicht die Zeit dafür sei). Mal sehen, wir werden wohl noch ein bisschen diskutieren. Inzwischen habe ich auch einen Kontakt von einer Hamburger Imkerin, die anscheinend solch ein Projekt schon mal gemacht hat.


    Wir werden sehen. :)


    Grüße,
    Daniel

  • Hallo Daniel,
    ich habe Bedenken, auch weil es in einem Kindergarten nicht nur " vernünftige 6- Jährige gibt, sondern alles von 3 Wochen aufwärts. Und wenn man sich jetzt gerade fragt, ob es denn wirklich sein muss, dass eine 9-Jährige eine Uzzi ausprobieren darf, dann stellt sich für mich die Frage, ob Bienen im Kindergarten wirklich sein muss. So wie ich das sehe, kannst Du auch versuchen aus den Größeren eine Gruppe zu machen und mal diesen Nachbarn zu besuchen, der alles da hat und sich sicherlich freut, wenn zwei mal im Jahr eine Kiga-Gruppe vorbeischaut.
    Mein Rat, warte bis ins Schulalter. Wundere mich sowieso, dass hier noch niemand vorgeschlagen hat, schwangere Mütter zur Geburtsvorbereitung in ein Bienenhaus zu bringen. Das ruhige summen und die Gerüche, das wirkt sich sicherlich gut auf das Kind aus :-).
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Apipunktur heisst das Stichwort

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Hallo,
    wir haben hier am Lehrbienenstand hin und wieder Führungen für Kindergartenkinder. Ich denke, sie sind noch etwas klein für so was komplexes wie Imkerei. Sie können sich nicht lange konzentrieren. Von der Fingerfertigkeit her sind sie noch nicht so geschickt wie Schulkinder.
    Wer eine Lehr-Imkerei im Kindergarten aufmacht, muss fast alles selbst machen. Die Kinder sind noch zu klein, um wirklich Aufgaben zu übernehmen.
    Um die Kinder mit Bienen vertraut zu machen, sind Führungen und Besuche beim Nachbarimker vielleicht ausreichend.
    Grüße
    apirita

  • Bienen mit Schußwaffen zu vergleichen hinkt gewalltig. Versuche bloß mal mit einer Walther PPK Apfelblüten zu bestäuben oder mit einer Biene eine Fuxrüdin zu erlegen! Bienen sind wirklich harmloser als Waffen. Bei aller begründeter Allegieangst: Ab wann sollen denn die Kinder die Liebe zur Biene entwickeln dürfen?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Ja Henry,
    Du hast recht. Mir ging es dabei auch nicht direkt um diesen Vergleich, sondern um eine Mahnung, doch das Alter und die Altersstruktur bei einer Lehrveranstaltung nicht zu vergessen. Das ist ganz wichtig, wenn man etwas vermitteln will. Was soll eine Beute, auf einem Schuppendach den Kindern im Kindergarten wirklich bringen.
    Jedes Jahr ein Besuch beim Nachbarimker und blühende Blumen im Beet, das reicht vollkommen und ist auch alterswesensgemäß :-).
    Imkern ist ein tolles Hobby, es macht Spaß und sicherlich ist es wichtig, Kindern etwas davon zu vermitteln. Aber deshalb gibt es wohl kaum einen Kindergarten, der sich eine Kuh hält ( natürlich abgesichert und eingesperrt. Kein Kindergarten hält sich eine Ziegenherde, Schafe, zwei Säue oder einen Hanfacker. Dafür gibt es das Tiergehege und den Dealer deines Vertrauens.
    Und, seien wir mal ehrlich, nur um sein Hobby wärend der Arbeitszeit ausüben zu können, muss sich kein KIGA einen Schleuderraum einrichten und eine Beute auf einem Schuppendach aufstellen :-).
    Es ist einfach nur Blödsinn. Wie eben das hantieren mit einer Maschinenpistole, jedenfalls für 9-Jährige.
    So, und jetzt muss ich mal nach meinem 11-Jährigen sehen, ob er mit der Kettensäge klar kommt.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ja Ja, je früher das Kind Fremdsprachen lernt, schreiben lernt, lesen so wie so, umso sicherer wird es ein Akademiker. Deshalb haben die Kindergärten heute schon Bildungspläne und die Kinder, und die Eltern, denken, dass sie bei der Einschschulung schon unwahrscheinlich viel können und am besten die 1. Klasse überspringen sollten. Die hochintelliegenten Kinder können sich aber keine Schuhe binden, nicht selbst anziehen und nicht mal alleine auf Klo gehen. Länger wie 10 min sitzen geht schon gar nicht und nicht der Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit empfinden die Kits als Körperverletzung.


    Meiner Meinung nach sollten die Kinder im Kindergarten Kind sein, mehr nicht.


    Gruß
    Werner


  • Meiner Meinung nach sollten die Kinder im Kindergarten Kind sein, mehr nicht.


    Gruß
    Werner


    Gute Meinung! :daumen:
    Was aber nicht Henrys Meinung ausschließt: Bienen kennenlernen, als Teil der natürlichen Umwelt (auch als kleine Gefahr aus der Umwelt), können Kinder von Anfang an und nie "zu früh". Ich meine ausdrücklich kein Lernen im schulischen Sinne.
    Dazu braucht es nicht unbedingt eine eigene Imkerei im Kindergarten, eine freundliche Imkerei in der Nähe reicht auch.