2 Jahre und 6-7x geschwärmt - Schwarmteufel oder Spitzenkönigin?

  • Hallo,


    ich hatte ja schon öfter von meinen kleinen Schwarmteufeln berichtet, insbesondere von einem Volk, das 2013 einen so genannten "Heidschwarm" gebildet hat, also einen Schwarm, der noch im selben Jahr seinerseits schwärmt. Wen es interessiert, kann ja im Forum unter "Heidschwarm" und meinem Benutzernamen suchen.


    Ich habe jetzt im Rückblick mal rekonstruiert, dass diese Königin aus dem Jahre 2012 stammt, als ich einen fremden Schwarm eingefangen habe.
    Ich weiß nicht, ob das ein Vor- oder Nachschwarm war.
    Jedoch ist diese Königin im folgenden Jahr, also 2013 erneut geschwärmt, hat ein vitales Volk zurückgelassen und einen starkes neues gegründet.
    Nur genau 21 Tage !! später ist sie erneut geschwärmt und hat ein drittes Volk gebildet, das sogar noch einen Honigraum vollmachte.


    2014 ist genau diese Königin erneut aus diesem Volk geschwärmt, das wieder aus allen Nähten platzte und bereits 2 HR gefüllt hatte. Leider entwischte der Schwarm und gründete ein Wildvolk beim Nachbarn, das immer noch existiert.
    Dieses Volk entsandte nur 30 Tage später erneut einen Vorschwarm (mit der bewussten Königin) und 3 weitere Nachschwärme. Den Vorschwarm konnte ich wieder einfangen, es stellt derzeit schon wieder mein stärkstes Volk dar und platzt schon wieder aus allen Nähten und hat als einziges noch einen HR drauf, der sich gerade mit Springkrauthonig füllt.


    So und jetzt habe ich gestern eine einzige Weiselzelle am unteren Rand einer der vielen Brutbretter gefunden, die "nass" war mit einer jüngsten Made!


    Kann man sagen, ob das jetzt eine Schwarmzelle oder eine stille Umweiselungszelle oder einfach nur ein Unfall ist?
    Nur eine Zelle wäre für Schwarm doch etwas wenig, stilles Umweiseln angesichts der überbordenden Vitalität und Zufriedenheit der Bienen bisher eher unwahrscheinlich, oder?
    Oder will dieses Volk tatsächlich allen Ernstes heuer noch "regulär" ein neues Volk gründen und ein drittes Mal schwärmen,
    obwohl kaum noch Drohnen unterwegs sind, erst recht nicht in zwei Wochen?
    Ich finde es schon bemerkenswert, dass eine Königin 2 Jahre hintereinander drei starke Völker gründet und es sogar noch mit einem Vierten probieren will. Mir bekannte Imker kannten noch nicht mal das Phänomen Heidschwarm, also eines schwärmenden Schwarms im selben Jahr und hier wäre um ein Haar sogar noch ein Schwarm vom Heidschwarm entstanden! Und ich möchte wirklich betonen, dass weder die neuen noch die abgeschwärmten Völker dieser Königin nennenswert im Honigertrag gegenüber den anderen Völkern abgesunken sind, eher sogar im Gegenteil.


    Leider, leider muss ich genau diese Königin umweiseln, da sie zu einer Kalkbrutlinie gehört, die heuer erstmals stärker offenbar geworden ist und mir wurde geraten, diese konsequent auszumerzen, da das Problem mit jeder Generation schlimmer werden würde und sich obendrein auch dominant vererbt, was ich weder meinen Völkern noch den Nachbarn zumuten will. Nun ja, und die extreme Schwarmlust macht ja auch nicht gerade die pure Freude, so ehrlich muss ich schon auch sein.


    Aber immerhin kann ich mit diesem Posting dieser bemerkenswerten Königin über ihr heutiges Ende hinaus im virtuellen Raum eine Art virtuellen Gedenkstein bieten! Lebe wohl im Bienenhimmel!


    Anmerkungen, Hinweise und Ratschläge sind willkommen!


    Gruß
    hornet

  • DU bestimmst, welche Eigenschaften deiner Bienen dir wichtig sind!


    Klar,
    bisher wollte ich aber das Imkern lernen, da waren manche Dinge nicht so wichtig oder wurden von mir falsch eingeschätzt.
    Jetzt allmählich bekomme ich eine Ahnung, welche Punkte wichtiger sind als andere und mache ich mich daran, bestimmte Dinge zu optimieren, weshalb ich ja heute auch einige umgeweiselt habe.


    Was machen denn die Töchter, wollen die auch so gern schwärmen?


    Alle mehr oder weniger ähnlich: vital, explosive Brutentwicklung und rasches Erstarken und große Brutbretter, aber auch ebenso rasches Ansetzen von Schwarmzellen. Zuvor meist rasches An- und Volltragen von ein bis zwei Honigräumen und mit Beginn der Schwarmstimmung schlagartiges Nachlassen der Honigraum-Aktivitäten. Sitzen dann nur noch drin und wärmen den Honig bis zur Abreise. Immerhin, wenn ich die Schwärme fangen konnte (meist der Fall), dann haben die noch im selben Jahr immer noch einen oder zwei weitere HR vollgemacht, so gesehen also kaum Honigverlust, aber viel Mehrarbeit und Materialeinsatz. Zum Heidschwarm haben es die andere aber noch nicht gebracht, das war immer nur die eine.


    Da ich meine Bienen fast direkt an einer Belegstelle habe, sollte zumindest das Blut der Drohnen eine gewisse Schwarmträgheit einbringen, bemerkt habe ich davon aber leider noch nichts.


    Gruß
    hornet

  • Du solltest diese Genetik unbedingt erhalten - ich hab in den letzten Jahren schon zu viele Völker gesehen, deren Power nur noch knapp zur Umweiselung ausreichte, in der Hoffnung, daß es mit ner neuen Mama und wilden Drohnen wieder besser wird.


    Die Bienen haben gewaltige Probleme mit den PSM, von denen viele hormonartig wirken.


    Wenn du ein Volk mit so einem "vigor" hast, ärgere dich nicht, sondern freu dich, daß es das noch gibt.
    Ja, ich verstehe, daß es deinen Ertrag schmälert, aber genau solche vitalen Völker brauchen wir doch.
    Jedes Gen, was ausselektiert wird, verringert die Lebenskraft der Bienen.
    Und das ist ja wohl das letzte, worauf wir hinarbeiten sollen.....
    Also, bitte NICHT killen!

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Gewünscht waren Anmerkungen:


    Du wusstest nicht (mehr), ob es ganz ursprünglich ein Vor- oder ein Nachschwarm war.
    Hast Du die allererste Königin dieses Schwarms eindeutig gezeichnet gehabt?

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Und stilles Umweiseln ist für einen Vorschwarm mit Köngin vom Vorjahr sogar schon fast typisch oder?. Sollte die Odyssee der Dame stimmen, dann erst recht.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von beetic ()

  • Wenn ich dich richtig verstehe, hast du die Königin 2012 durch einen Schwarm bekommen. Ich würde dann sogar davon ausgehen, dass sie aus 2011 stammt. Dann ist eine Umweiselung eher wahrscheinlich. Lass sie doch machen..........
    LG Katrin

  • Hallo Imkerfreunde


    nach dem Bericht von Hornet, kann man davon ausgehen das es sich bei diesem Volk um ein "Fleischvolk" handelt, mit einem geringen Ertrag an Honig, da ja sehr viel Bienen produziert werden. Die angesetzte Weiselzelle muß nichts bedeuten, ich würde sie als Sicherheitszelle betrachten, die wie schon beschrieben zur Umweiselung dienen könnte, das heißt das 2 Königinnen im Volk sind, bis sie in Brut geht. Bei guter Spättracht bis in den Herbst, auch noch als Schwarmzelle, wo ich aber eher denke, das sie ausgebissen wird.
    Ich habe auch ein Volk das durch Schwärme auffällt, also dieses Jahr 2 Mal geschwärmt, Nach dem Abschwärmen habe ich alle Weiselzellen ausgebrochen und eine Edelzelle eingehangen, muß aber etwas übersehen haben, denn es viel ein Nachschwarm mit 2 Königinnen. Ich habe nochmal alle angesetzten Weiselzellen ausgebrochen und den Schwarm mit 1 Königin wieder in die Beute geschlagen. Was ich für eine Königin in der Beute habe weis ich nicht. Das einzige gute ist, das ein schöner Honigkranz dann ein Pollengürtel und dann das Brutnest vorhanden ist.


    Das fazit ist, Schwarmvölker sollten ncht gefördert werden.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Du solltest diese Genetik unbedingt erhalten
    Also, bitte NICHT killen!


    Hallo sabi(e)ne,


    NOCH lebt sie, gekäfigt als Backup in einem Honigraum über einem Volk, sozusagen einem Kurzzeit-Pflegevolk. Dort hängt sie zusammen mit den anderen gekäfigten Königinnen, die dort ein paar Tage zur Sicherheit bleiben, bis fest steht, ob die einzelnen Umweiselungen geklappt haben.


    Ich denke aber, genau diese Königin werde ich wohl keinesfalls weiter vermehren, da sie sehr zur Kalkbrut neigt und dieses Problem erachte ich seit einiger Zeit und auch nach Hinweisen von dem Imkermeister, der mir gelegentlich zur Seite steht als etwas größer als gemeinhin angenommen. Mit der Schwarmtriebigkeit alleine könnte ich ja noch leben, z.B. indem ich so ein Volk nebenher auch noch mitlaufen lasse, aber dann noch Kalkbrut, nein, das ist mir zu gefährlich und arbeitsintensiv.


    beetic :
    Nein, gezeichnet war diese Königin nicht - ich gehe aber aufgrund der jeweils sehr kurzen vergangenen Zeiträume bis zum jeweils nächsten Schwarm davon aus, dass es "die selbe" ist. Theoretisch könnte es aber schon sein, dass sie im Herbst 2012 und 2013 jeweils nach dem letzten Schwarm still umgeweiselt wurde und im nächsten Jahr in Wirklichkeit jeweils eine Tochter am Werk war.


    Angesichts der völlig identischen phänologischen Ausprägung von Schwarmverhalten und dem immer sofort maximalen Brutbild glaube ich das aber eher nicht - eine junge Königin fängt nicht gleich mit 100% an, sondern steigert sich allmählich. Und im Spätsommer gibt es nicht mehr viele Drohnen, ob da die Begattung so optimal gewesen wäre wie es für solche Brutbilder gleich vom Frühling an sicherlich erforderlich ist?


    Und jeweils zwischen Frühling und letztem Schwarm konnte sie keinesfalls unbemerkt umgeweiselt worden sein, dazu hätte die Zeit einfach nicht gereicht, schon gleich gar nicht für solche "110-Prozentige"-Brutbretter, weil junge Königinnen meiner Erfahrung nach eine ganze Weile brauchen, bis sie voll legen und die maximale Leistung kommt ja sogar erst im nächsten Jahr.



    Müritzbiene :
    habe sie doch 2 Jahre machen lassen - leider muss ich sie umweiseln wegen Kalkbrut. Dass ich dann auch noch eine Schwarmmaschine weniger am Stand habe ist nur ein Nebeneffekt auf den ich ohne Kalkbrut vielleicht sogar verzichtet hätte!
    Und dass das Volk womöglich selbst schon vorhatte still umzuweiseln, ist Zufall und wurde von mir nur bemerkt, als ich das Volk vorgestern intensiv durchsucht habe, um die Königin für die künstliche Umweiselung zu käfigen. Wäre das nicht gewesen, hätte ich gar nichts bemerkt. Weder eine stille Umweiselung noch einen eventuellen Abbruch der selbigen durch die Bienen später.



    Drobi :
    Fleischvolk sicher, aber über Honigertrag konnte ich nicht klagen, wie gesagt, das Volk fiel hier eher noch positiv auf vor allem aber wohl auch, weil immer unheimlich viele Bienen am Start waren.
    Buckfast haben ja auch mehr Honigertrag deswegen aber verbrauchen halt auch mehr. Wenn Tracht herrscht, haben sie also mehr Honigertrag. Wenn die Tracht aber schwächelt, fallen sie zurück weil ihr Verbrauch den Eintrag übersteigt während die schwächer-brütigen Völker auch ihren Verbrauch zurückfahren und daher unter dem Strich weniger verlieren.


    Gruß
    hornet

  • ich finde diesen Faden sehr interessant, denn nach jahrelanger Auslese auf Schwarmträgheit hast Du uns eine selten gewordene Beobachtung vermittelt.


    Aber was nun in der Praxis tun ? Am Ende liegt das bei Dir und Deinen imkerlichen Zielen.
    Aber wenn Du die Geduld hast - mitunter überlagert EINE unerwünschte Eigenschaft ("Schwarmteufel" oder "Stecher") eine Reihe guter Eigenschaften, die man dann ebenfalls vernichtet.


    Vieleicht gelingt es Dir, von den Nachkommen der einen Königin Töchter oder Enkelinnen zu ziehen, die weniger schwarmlustig und kalkbrütig sind und daneben z.B. den Sammeleifer der "Linie" beibehalten haben.

  • Hallo allerseits,


    also ich möchte mit einem so schwarmfreudigen Volk nicht Imkern. Der Mittelweg wäre gut, denn was willst du mit so einem Schwarmteufel?
    Auch wenn es bestimmt Vitale Bienen sind, ein vernünftiges Arbeiten ist damit nicht möglich, außer man fängt halt gerne Schwärme.
    Ich hab eine Linie (von Luffi) diese ist unglaublich Brutstark. Da sind Mitte Ende Mai gebildete Ableger (mit 2 Brutwaben gebildet) jetzt so Stark dass sie 10 Zanderwaben voll besetzen und es faktisch fast keinen Unterschied zu abgeschleuderten Wirtschaftsvölkern gibt.
    Jedoch hat diese Linie doch noch einen Schwarmtrieb, den man aber mit rechtzeitigen erweitern bzw. Zellenbrechen ganz gut Herr werden kann. Wichtig ist sie zeigt keine Tendenz zum Schwarmdusel.
    Ebenso passt die Sanftmut und der Honigertrag.
    Von Brutstarken Völkern möchte ich Honig und keine Schwärme ernten.
    Es handelt sich um diese Linie http://perso.fundp.ac.be/~jvan…er/pedgr/ped_LS_2012.html
    Es ist der Anatolica Breeder A701, mittlerweile im Buckfaststamm eingebunden und zur B701 geworden.


    Das ist für mich die absolute lieblings Linie.


    Viele Grüße,


    Maxikaner

  • hornet : ich nähme sie SOFORT - solche Königinnen sind Rohdiamanten, in denen noch ne Menge steckt, was woanders schon großflächenmäßig ausgemendelt wurde.
    Und Kalkbrut ist mit warmen trockenen Standorten und warmen(!) Beuten eigentlich kein Problem.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • :lol: Es ist echt lustig - ich hab schon so oft gefragt, wer mir seine 2- oder 3jährigen oder sonstigen Problemköniginnen verkauft - da kommt NIX.
    Anscheinend reicht mein Interesse, um deren Wert deutlich zu steigern, und man behält sie dann doch lieber selbst (oder killt sie stillschweigend).
    Worin liegt das Problem, sie mir zu verkaufen, wenn ihr sie doch nicht mehr wollt? :confused:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen