Refraktometer: Olivenöl statt teuere Kalibrierflüssikeit funktioniert!

  • Hallo,


    für alle, die den aktuellen Imkerfreund noch nicht gelesen haben und das nicht schon vorher gewusst haben:


    Man kann sein Refraktometer mit herkömmlichen Olivenöl kalibrieren und ich habe es mit zwei Refraktometern (eines zeigte richtig an, das andere zuviel) und mehreren Ölen ausprobiert: Es funktioniert! Die Messung mit dem Olivenöl hat die unterschiedlichen Werte der Honigmessung exakt widergegeben und bei jedem Öl gab es die selben Werte und Abweichungen.


    Der Wert von Olivenöl muss bei praktisch exakt 27% sein, dann ist das Gerät korrekt eingestelt.
    Einzige Voraussetzung: Die Skala muss diese 27% auch mindestens umfassen.
    Alternativ irgendwas mit Brix, aber das war bei mir nicht möglich, weshalb ich es nicht näher betrachtet habe.


    Viel Erfolg und Spaß beim künftigen Sparen der teueren Kalibrierflüssigkeit.


    Wer ähnliche (oder gegenteilige Erfahrungen) gemacht hat, wer Schwachpunkte dieses Vorgehens kennt, kann ja gerne hier ebenfalls anmerken.



    Gruß
    hornet

  • Hallo hornet!


    Vielen Dank für den Tipp! Hatte im britischen Imkerforum davon gelesen. Die verwenden Olivenöl aber wohl "nur" dafür, den Wert eines bereits richtig kalibrierten Refraktometers zu ermitteln, um diesen dann in Zukunft als Richtwert zu benutzen, da Olivenöl (im Gegensatz zu Honig) in seinen Eigenschaften relativ konstant ist.
    Das mit den 27% ist mir neu, hört sich super an. Jemand noch Erfahrungen damit gemacht?

  • Das Verfahren wird eigentlich angewendet, um schnell und mobil die Qualität des Olivenöls erster Pressung (Extra Vergine) zu überprüfen.
    Andere Öle oder verfälschte Öle weisen niedrigere Werte im Refarktometer auf, so zB bei meinem Bratöl 1,2,3 Omega!
    Dieses zeigt nur 25% auf der Wasserskala.


    Der Lebensmittelexperte, der das Verfahren der Bienenzeitschrift ADIZ/die biene/Imkerfreund mitgeteilt hat, ist selbst Imker und beruflich mit Olivenöl befasst.


    Wie die Redaktion auch mitgeteilt hat, wurde das Verfahren von Dr. Werner von der Ohe vom Bieneninstitut in Celle überprüft und bestätigt.


    Viele Grüße, Bienen-Freund

  • naja, da bei Olivenöl ungeheuer viel Panscherei betrieben wird, dürfte die Kalibrierung nicht sehr aussagekräftig sein. Man muss erstmal ein hochwertiges Olivenöl finden.
    Was spricht gegen Nelkenöl?

  • Nichts. Außer, dass du bei Nelkenöl einen Kalibrierstein benötigst, den du nie verlieren darfst.


    Du musst halt dein Öl beim Bauern des Vertrauens in Sizilien oder beim hiesigen Discounter kaufen.
    Diese Läden schneiden mit ihrem Olivenöl bei Tests in der Regel sehr gut ab.


    Die Methode ist doch für den Hausgebrauch.
    Wem das nicht genügt, der greife zum elektronischen Refraktometer.

  • Damit ich das richtig verstehe....


    Frage:


    Beim Nelkenöl und Stein ist der Stein die Konstante und das Nelkenöl sorgt für den Kontakt


    und beim Olivenöl ist das Öl die Konstante und wird wie Honig aufgetragen?


    Habe noch kein Refraktometer, deshalb die vielleicht naive Frage


    Gruß Doro

  • Ja genau. Das Olivenöl wird wie ein Tropfen Honig aufgetragen und direkt gemessen.
    Zufällig liegt eben der Brechungsindex dieses Öls noch innerhalb der Mess-Skala eines "normalen" Refraktometers.
    Bei mir haben zwei Olivenöle so funktioniert, und zeigten 27% auf der Wasserskala.
    Mein Refraktometer ist über viele Vergleichsmessungen zB bei der Honigprämierung gut kalibriert.
    Nur Mut, es kann nichts schiefgehen.
    Gruß, Bienen-Freund

  • Habs jetzt getestet, Refraktometer hat prompt die 27% ausgespuckt. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass der geerntete Honig wirklich 20% hat. Sch*****. Zum Glück nur 4 Gläser =P Den Rest sollen die mal schön selber futtern.

  • Ich habe hier den digitalen Refraktometer "ApiOptik Digital" von Holtermann, siehe
    http://www.holtermann-shop.de/…tegory/refraktometer.html


    Er lässt sich einfach mittels destilliertem Wasser justieren, was ich gerade gemacht habe: a) einmal mit destilliertem Wasser, das ich hier - z.B. für den Dampfwachsschmelzer - im 5 l-Kanister habe und b) mittels eines kleinen Fläschchens, das dem Refraktometer beilag, beides mit gleichem Ergebnis.


    Nun habe ich mein Olivenöl, letzte Woche frisch geöffnet, ein Olivenöl von Bertolli Extra Vergine "Gentile", es ist laut label ein "Natives Olivenöl extra" s. http://www.bertolli.de/produkt…oel-extra-vergine-gentile gemessen.


    Mein frisch justiertes Refraktometer zeigt aber 27,6-27,7 % Wasser an bei etwa 5 verschiedenen Messungen.


    Was ist nun falsch? Das Verfahren, mein Refraktometer oder das Olivenöl?


    Statt von "Kalibrieren" sollte man eher von "Justieren" sprechen, wenn man den Angaben hier trauen kann:
    http://www.atlascopco.com/tool…finition-kalibrieren.aspx

  • Mein frisch justiertes Refraktometer zeigt aber 27,6-27,7 % Wasser an bei etwa 5 verschiedenen Messungen.
    Was ist nun falsch? Das Verfahren, mein Refraktometer oder das Olivenöl?


    Sicherlich sollte man erst mal davon ausgehen, dass die vom Hersteller empfohlene Justierung die beste/genaueste ist.
    Und wenn Wasser geht, ist das ja noch billiger als Olivenöl.


    Allerdings ist schon interessant, dass du so stark unterschiedliche Werte aus einem einzigen Öl herausmisst. Denn bei den beiden Refraktometern die mir für zur Verfügung standen, konnte ich jedesmal fast exakt (<0,1% Abweichung) 27% messen und das über verschiedene Öle und zwei Refraktometer hinweg.


    Hat dein Gerät eine Zehnteleinteilung oder musst du die Zehntel selber grob abschätzen?
    Hast du also eher so eine Skala: Skala1
    oder eher so eine
    Skala2 (rechte Skala)


    Zumindest die rechte Skala erscheint mir reichlich unbrauchbar, z.B. wenn es darum geht, ob der Honig nun sicher unter 18% ist oder nicht.
    Ob man da so wirklich +-0,3% ablesen kann? So breit dürfte ja oft schon die Trennlinie sein!


    Gruß
    hornet

  • Hallo hornet,


    Clemens hat ein elektronische Refraktometer mit Digitalanzeige.
    Es ist nicht immer so, dass Elektronik besser ist als herkömmliche Technik. Unsere optischen R. werden von uns nun mit Olivenöl auf 27% eingestellt. D. h. justiert. Die Skala ist vom Gerätehersteller kalibriert. Das ist der Abstand von Strich zu Strich.
    Elektronische R. muss man nicht nur justieren, sondern auch kalibrieren. Der Bezugspunkt z. B. 27% wird justiert? Aber die Breite eines % es muss der Elektronik auch mitgeteilt werden. Das ist das Kalibrieren. Zur Überprüfung eines elektronischen R. muss man also mindestens 2 bekannte Werte messen. Eine Flüssigkeit z. B. mit 10% und eine 2 te mit z. B. 27%. Das Gerät muss lernen, wie gross ein % ist. Da die Sensoren nicht auf alle Ewigkeit stabil sind sollte diese Überprüfung schon hin und wieder erfolgen.
    Mein Tip,
    kauft ein nicht zu billiges optisches Refraktometer. Bienen halten ihre Stocktemperatur auch ohne Elektronik sehr genau ein. Sachen mit Strom sind nicht immer die Besseren.


    Grüsse
    Ulrich