Schnappschüsse Königinnenvermehrung

  • Der Nicot-Käfig kann auch zum Einweiseln genutzt werden.


    Näpfchen raus.


    Teig zum Ausfressen dafür rein.


    Und zum Einweiseln der Königin verwenden.

  • Hier ein paar aktuelle Impressionen von der Königinnenvermehrung in meiner Imkerei.


    Bei der Vermehrung halte ich mich an den 8 Tage-Plan, den Michael Palmer auf Grundlage von Kirk Webster entwickelt hat. Alle 8 Tage starte ich eine neue Serie, die ganze Saison lang.


    Meine Tochter hilft hier beim Umlarven. Den chinesischen Umlarvlöffel verwende ich nur zum Eintupfen von Gelée Royal. Ich larve nass um, setze die Larve also in einen Tropfen Gelée Royal. Meiner Erfahrung nach werden die Zellen so viel besser angenommen und die resultierenden Königinnen sind von besserer körperlicher Konstitution.



    Für eine Serie Ende Juli keine schlechte Annahme – ohne Nachlarven.



    Die Zellen sollten nicht zu lang und nicht zu kurz sein. Am besten werden erfahrungsgemäß die Königinnen, bei denen die Zellen schön gehämmert wurden, also eine Zellstruktur auf der Zelle eingehämmert wurde.



    Ein Startervolk kann bis zu 120 gute Zellen ziehen. Jetzt im Juli sind es eher so 90 Zellen pro Starter.




    Die Zellen kommen in den Brutschrank, sobald sie verdeckelt wurden. Zu diesem Zeitpunkt kann man sie noch vorsichtig bewegen. Die konstante Wärme und Luftfeuchte im Brutschrank bietet die idealen Bedingungen für eine optimale Entwicklung der Königinnen. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Königinnen aus einem Brutschrank besser sind, als wenn man sie weiter im Volk belässt. Besser bedeutet hier: die körperliche Konstitution ist voll entwickelt. Es sind immer dicke Brummer und sie sind innerhalb der genetischen Vorbedingung (ich habe auch Elgon-Könginnen) immer heller als die Königinnen aus einem Bienenvolk. (Die Bruttemperatur bestimmt auch die Farbe einer Biene, wie man aus Studien weiß.)



    Wir haben eine Methode entwickelt, um die jungen Königinnen direkt nach dem Schlupf zu füttern. Wir können die kleinen Babys über mehrere Tage im Brutschrank halten ohne sie direkt in ein Volk setzen zu müssen. Wir füttern eine Mischung aus Gelée Royal und einem festen Blütenhonig. Die Königinnen sollten nach dem Schlupf in spätestens zwei Stunden gefüttert werden. Das bedeutet für uns, auch nachts aufstehen und füttern. Meine Frau und ich wechseln uns ab, um die ganze Nacht zu füttern. Nach der ersten Fütterung sollten die Königinnen wieder nach zwei Stunden einen Nachschlag bekommen und von da an alle sechs Stunden. Hier auf dem Photo meine Tochter, die auch schon beim Füttern mithilft. (Gestern von einer jungen Königin gestochen worden. War tapfer, kein Problem.)



    Wie auf dem Photo oben zu sehen, stehen die Königinnenkäfige schräg auf dem Tablett. Der Käfig wird umgedreht, der Weiselnapf ist unten. Das ist notwendig, damit das warme Futter im Brutschrank nicht herausläuft und so die Königin verklebt. Auch wenn das Futter unten ist, darf der Käfig nicht gerade stehen, weil die Königin sich sonst ab und zu fallen läßt, wenn sie umher krabbelt. Und dann fällt sie ins Futter...und verklebt. Das ist eines der größten Probleme bei der Aufbewahrung im Brutschrank: die Königinnen verkleben im Futter.


    Schon nach der Geburt sind die von uns gezogenen Königinnen körperlich sehr imposant anzuschauen.



    Wir lassen die Königinnen bevorzugt erstmal schlüpfen, damit wir uns sie genau ansehen können. Und auf eventuelle Schäden zu prüfen (Fühler/Bein fehlt, Königin tot, etc.). Erst wenn sie geprüft wurde, kommt sie in eine Begattungseinheit.


    Eine andere Variante ist es, die schlupfreifen Zellen (ab zwei Tage vor dem errechneten Schlupf) auf Begattungseinheiten zu verteilen. Die Neuseeländer haben hierzu eine beheizte Transportbox entwickelt: Carricell.



    Diese enthält ein Kissen mit Schaumstoff, worin sich Löcher zur Aufnahme der Weiselzellen befinden:

  • In diese Löcher werden die schlupfreifen Zellen gesteckt:




    Unter dem Schaumstoffkissen befindet sich eine beheizte Platte, so daß die Zellen beim Transport zum Bienenstand nicht auskühlen. Die Box hat einen Autostecker um am Zigarettenanzünder angeschlossen zu werden und läuft auf 12 V.



    Sobald die Königinnen im Apidea...



    ...oder im MaxiPlus (Warré) begattet wurden und ein ordentliches Brutnest zeigen,...



    ...komme ich mit dem Tablett und sammle die fertigen Königinnen ein. Für den Versand oder für die Verwendung in meiner eigenen Imkerei.



    Nach der Begattung sind die Königinnen noch fetter. Natürlich schrumpfen sie während der Reise wieder, je länger sie im Käfig bleiben.



    Arbeitstisch...wo gehobelt wird, fallen Späne...




    Und ab in die Post.

  • Sehr eindrücklich!

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Und so werden Königinnen am allerbesten eingeweiselt: (bei mir 100 % Annahme. Ich habe keine Fehleinweiselungen mehr mit dieser Methode.)


    Das Volk oder der Ableger wird zwei Stunden vor dem Einweiseln entweiselt. Die alte Königin kommt zwei Stunden vorher raus: nicht früher und nicht (viel) später. Am besten geht das um 18-19 Uhr. Zwei-drei Stunden später kommt dann die neue Königin rein.


    Der Verschluss wird aufgebrochen.

    (Nicht aufbiegen: aufbrechen! Auch nicht die untere Klappe aufschieben, wie manche Pfennigfuchser es machen, um den Käfig nochmal nutzen zu können. Die Käfige kosten nun wirklich nicht viel.)



    Der Käfig wird dann mit der Königin und den Begleitbienen vorsichtig mit dem Boden in eine Wabe gedrückt. Mit dem Verschluss nach unten, wie gesagt Klappe auf aber unter Teigverschluss. Die Waben werden zusammengeschoben, so wird das Herunterfallen des Käfigs verhindert. Wenn der Käfig in die Wabe gedrückt wird, können die Bienen besser am Teigverschluss arbeiten und die Königin kann direkt auf eine Wabe laufen.



    Nach zwei Stunden nach dem Entweiseln (alte Königin raus) fühlen sich die Bienen weisellos. Aber sie haben dann zu dem Zeitpunkt noch keine eigenen Versuche gestartet, sich selbst eine Königin nachzuziehen. In diesem Zustand nehmen sie alles an, was irgendwie nach Königin aussieht. Alt, jung, begattet, unbegattet – egal.


    Wenn sie aber erstmal selbst versuchen, sich eine eigene Königin nachzuziehen, dann muss man als Imker gegen die Bienen ankämpfen, damit sie unsere Wunschkönigin annehmen. Meines Erachtens viel zu viel Mühe, vor allem wenn es so einfach und sicher geht.


    Theoretisch könnte man die Königinnen auch ohne Käfig in diesem Zustand zusetzen. Aber mit Käfig besteht weniger die Gefahr, daß die Bienen die neue Königin vor lauter Freude "erdrücken" oder doch noch eine alte grantige Bienenarbeiterin der Königin eine Antenne abbeißt. Mit dem Käfig unter Teigverschluss ist man auf der sicheren Seite.


    Teig nach unten, damit der Teig nicht auf die Königin und Begleitbienen tropft, zerläuft oder sonstige im Käfig herumklebt. Die aufrechte Position des Käfigs ist auch sonst die bevorzugte Transportlage für Käfige. Es reicht ja, wenn der Teig abflacht wenn der Käfig liegt: die Königin quetscht sich dann über dem Teig durch und bleibt stecken. Auch schon gesehen. Am besten daher aufrecht transportieren (Teig unten) und so auch in das Volk einhängen.

  • Respekt. Das ist doch mal eine gute Dokumentation.

    Und deine Königinen sehen echt sehr imposant aus. Habe hier auch 2 Königinen die, wie ich dachte, Monster sind, aber deine sind noch mal ein bisschen größer.

    Bin begeistert.

  • Der Verschluss wird aufgebrochen.

    (Nicht aufbiegen: aufbrechen! Auch nicht die untere Klappe aufschieben, wie manche Pfennigfuchser es machen, um den Käfig nochmal nutzen zu können. Die Käfige kosten nun wirklich nicht viel.)

    Ich als Pfennigfuchser schieb natürlich die Klappe auf! Man spart zwar auch Plastikmüll und ein paar Cent, aber vor allem ist seit ich das mache die Annahme besser. Ich vermute, weil es schneller geht.


    :)


    Schöne Dokumentation, Danke!


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Mann o Mann, sind das gelbe Mutantenmonster ?


    Ich dachte in meiner Naivität immer, alle Bienen sind eher dunkel. So ein bisschen gräulich, bräunlich, villeicht auch mal ein Orangeschimmer, aber halt ingesamt eher dunkel so wie die hier: