Denkfrage: Antibiose bei AFB

  • Moin,


    wir haben paar Foristi mit Ahnung zu Antibiotika und Hygiene. Stellt Euch mal ein Volk vor das AFB positiv ist im Futterkranz. Gibt man ein Antibiotikum (AB) dazu werden alle Sporen im Larvendarm kurz nach ihrer Auskeimung daran versterben. Unaktivierte Sporen überdauern, vermehren sich aber nicht. Das Volk bliebe also infektiös erkrankte allerdings nicht. Die Vermehrung innerhalb des Volkes wäre gestoppt.


    Müßte dieses mit AB behandelte Volk nicht irgendwann mal von alleine sporenfrei und sauber geworden sein, wenn alle Vorräte umgelaufen und alle Waben ausgetauscht sind?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    als größtes Problem sehe ich:


    - viele Sporen werden über Jahre hinweg nicht keimen... diese wirst du zum Großteil mit der AB-Behandlung nicht abtöten können, man möchte ja eine Dauerbehandlung mit AB in jedem Fall vermeiden. (Einige Fungizide, bzw Antimykotika haben zwar sporizide Wirkungen, jedoch möchte man diese Mittelchen nicht in dieser Konzentration in den Völkern haben)


    Bestimmt wissen andere hierzu noch mehr... aber das zumindest als erster Ansatz.


    Liebe Grüße


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Müßte dieses mit AB behandelte Volk nicht irgendwann mal von alleine sporenfrei und sauber geworden sein, wenn alle Vorräte umgelaufen und alle Waben ausgetauscht sind?


    Eigentlich kannst du dir die Frage selbst beantworten, warum desinfizierst du denn die Beuten, verbrennst die Rähmchen, Imkerkittel und entsorgst das Werkzeug?


    Viele Grüße,


    Maxikaner

  • ... weil ich keine AB einsetzen darf. Deshalb werden ja auch bei anderen Seuchen Totalvernichtungen angeordnet. Erinnert Euch an die ersten Varrosefälle. Heute ist die Behandlung ganz normal und Bienen überleben nur behandelt.


    Entscheiden bei AFB ist doch, daß Sporen im Larvendarm keimen und wieder zu Sporen werden. Die Bacille ist ungefährlich und die Spore außerhalb der Larve auch.


    Irgendwann müßten doch die letzten Sporen von den Bienen gefunden und verfüttert worden sein. Keimten sie in AB-versorgten Larven wäre das dann ihr sicherer Tod.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hi Henry,


    hab ich jetzt einen Denkfehler, aber AFB ist so hoch ansteckend, dass die Übertragung üb kontaminierte Stockmeisel, Handschuhe oder Imkerjacken übertragen werden kann. Auch wenn nur die Futterkranzprobe positiv ist ( Honigkränze durch Stockmeisel verletzt z.B.)
    Deshalb wird alles bei Verdacht desinfiziert, offner Kunstschwarm etc.
    Wenn es damit getan wäre die Sporen aus dem Larvendarm auszuscheiden, wäre ja bei einem Anfangsverdacht ausreichend einfach das Wabenmaterial zu vernichten die Bienen als offene Kunstschwarm hungern zu lassen und danach wieder neue Mittelwände einsetzen und gut wäre es. Dann bräuchte man auch kein AB. Wie gesagt ich hoffe ich habe keinen Denkfehler.
    AB unterdrückt zwar die Symptome jedoch verhindert es nicht die Ausbreitung.
    Mit Bienen Antibiotikum hab ich wie fast alle hier keine Erfahrung, ich hab bloß einen Biologen im Bekanntenkreis ( Zoologisches Insitut) der Bienenantibiotikum zur Behandlung seiner Gottesanbeterinnen aus den ein USA importierte.
    Das Antibiotikum wirkte und bekämpfte den Erreger, jedoch wurden alle männlichen Tiere unfruchtbar, so dass eine komplette Zuchtserie (ca. 200 Tiere) für die Katz.

  • In anderen Ländern bekämpft man die Vervielfachung der AFB-Sporen durch Infektion an fremden Bienen mit Terramycin einem Oxytetracyclin bzw. einem AllerweltsAB. Es wird präventiv und nicht kurativ eingesetzt, aber es wird dabei nicht untersucht. Das bedeutet, daß natürlich unerkannt befallene Völker räventiv damit kuriert werden, die bereits Sporen beinhalten.


    Google mit AFB und Terramycin bringt Anleitungen aus Amerika und aller Welt noch und nöcher.


    Könnte es nicht sinnvoll sein, zum Beispiel die gesunden Völker im Sperrbezirk zu behandeln? Dann könnten die zwar paar Sporen anschleppen aber nicht durch Erkrankung vervielfachen. Blöderweise wären dann aber alle Futterkranzproben negativ, weil in der Petrischale nichts wäxt. Oder verträgt OTC das Kochen nicht?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • präventiv mit AB behandeln - toll....


    und die Bienen produzieren weiter Honig. Rückstände? Resistenzbildung?


    Tetracyclin ist kontraindiziert bei Kindern.


    Und wie sieht es aus mit der Aufhebung eines Sperrbezirks?


    Schön wäre es ja, wenn man dadurch die Ausbreitung eindämmen könnte,
    aber verliert man dadurch nicht die Kontrollmöglichkeiten?
    Und würde dann die Maßnahmen nicht mehr so strikt durchgeführt werden?


    Das sind Fragen, die mir durch den Kopf gehen.
    Von der Behandlung der AFB selbst verstehe ich Null, kann da also nicht mitreden.

  • Präventiver Einsatz von AB ist die wahrscheinlich sinnvollste Anwendung überhaupt. Erst garnicht krank zu werden und an der Populationsentwicklung eines Infektionskeimes teilzunehmen ist besser noch als heilen.


    Wir machen das tagtäglich. Wir waschen uns selbst dann die Hände, wenn Typhus oder Ruhr in unserer Nähe überhaupt nicht auftreten. Und wir fahren gut damit.


    Selbst im OP läßt man vor dem Schnitt schon ein AB reinlaufen. Präventiv. Eben damit gleich die erste fiese Bacille gleich die Hufe hoch reißt und nicht erst heckt und Toxine freisetzt und die Heilung stört. Weil wir uns nicht essen ist bei uns das ganz normal. Auch wenn wir nach Ägypten fahren werfen wid präventiv was gegen Durchfall ein und lassen uns impfen. Die Bienenlarve geht drauf und wird - obwohl gesund oder heilbar - verfeuert. Sie kann nichtmal schreien.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Woher der Sinneswandel Henry?
    2004 hast du noch dass zitiert


    ADIZ/die Biene 1/2004 Seite II oben (Originaltext in D.I.B. aktuell 5/2003)


    ...
    Die Verwendung von Antibiotika gegen Faulbrut ist nicht nur sinnlos, sondern vor allem auch verantwortungslos.
    Deutscher Honig gilt bisher als ein Honig, der frei von Faulbrutmedikamenten ist. Dies ist ein wichtiges Verkaufsargument.
    Der Deutsche Imkerbund setzt sich dafür ein, daß Echter Deutscher Honig frei von Antibiotika bleibt.

  • möglich, dass der präventive Einsatz in unmittelbarer Umgebung eines Faulbrutherdes sinnvoll ist.
    Ich befürchte aber einen zunehmend flächendeckenden Einsatz mit der ganzen Resistenzproblematik.


    Resistenzen haben meistens als Ursache "zu wenig" oder "nicht lange genug", und wer überprüft das?


    Händewaschen ist Hygiene, nicht Therapie.


    Weiß nicht, ob das hier passt, aber interessant:
    http://derstandard.at/13975221…ie-Amerikanische-Faulbrut
    die Resistenz der Bienen gegen AFB fördern.

  • Die Amis haben trotz weitläufigem präventiven Einsatz von Antibiotika trotzdem Probleme mit Faulbrut. Eben weil sich durch den übermäßigen Gebrauch der Antibiotika genannte Resistenzen gebildet haben. Am Ende steht man am Anfang.


    Man sollte aber über den Darm stärkende Präparate zur Prävention nachdenken. Da gibt es Eichenrindenextrakte, einige ätherische Öle und mehr. (Honig. :p) Der Darm ist bei den Bienen nunmal das Einfallstor schlechthin für Viren, Bakterien und Pilze.

  • Ich wollte gerade herausfinden, warum man mit Tetracylinen und Sulfonamiden bakteriostatisch wirkende Antibiotika gewählt hatte im Gegensatz zu bakterizid wirkenden.
    Ob das etwas mit der Nachweisbarkeit zu tun hat?


    Bin dabei auf diesen Artikel gestoßen:
    http://geb.uni-giessen.de/geb/…anFrithjof-2002-12-04.pdf


    Dort fand ich u.a. das hier:
    Seite 13
    "Man fand heraus, dass es Bienenzuchtlinien gibt, die schneller Sporen filtrieren als andere [59]. So
    sollten Ziele bei der Zucht auch ein gesteigertes Putzverhalten und eine schnellfiltrierende Bienen
    sein. Das Zuchtziel „Schnellfiltrierbarkeit“ ist allerdings schlecht überprüfbar.
    In den USA ist eine faulbrutresistente Biene gezüchtet worden. Leider war jedoch die Faulbrutresistenz mit einer erhöhten Stechlustigkeit gekoppelt, so dass diese Bienen nicht verwendet werden konnten, um sie in die vorhandene Bienenpopulation einzukreuzen [60].
    Man nimmt an, dass Larvenfutter einen bakteriziden Effekt auf die Sporen hat und ihr Auskeimen verhindert [61]"
    (Hervorhebung von mir)


    Schade!

  • Um noch mal auf die Eingangsfrage zurückzukommen:


    Müßte dieses mit AB behandelte Volk nicht irgendwann mal von alleine sporenfrei und sauber geworden sein, wenn alle Vorräte umgelaufen und alle Waben ausgetauscht sind?


    angenommen, das stimmt:


    Wie lange dauert es, bis die Bienen wirklich alles abgelutscht haben?
    Wie lange dauert es, bis alle Sporen einmal durch einen Larvendarm geschleust wurden?


    Und leider ist dieses eine behandelte Volk nicht isoliert. Verflug, Drohnen, Begegnungen in der Tracht....


    Wie weit werden Sporen transportiert?


    Einen wichtigen Satz hast du in deiner Eingangsfrage:
    "Das Volk bliebe also infektiös"


    Versuchst du nicht gerade das durch deine Arbeit zu verhindern?


    Und bei all den Diskussionen um AB und präventiv möchte ich an MRSA erinnern.

  • Hallo Doro,


    die Sporen werden nicht durch den Darm geschleust sondern die Bakterien. Die Spore ist ein Entwicklungsstadium.
    Eine befallene Zelle setzt ca. 2 Mrd. Sporen frei.
    Ein Antibiotikum kann nur auf die vegetativen Organismen (Bakterien) wirken und nicht auf die Sporen.
    Dass ist ja auch der Grund warum Antibiotikum zur Bekämpfung der AFB ungeeignet ist.


    Wie gut prophylaktische Antibiotikum gabe funktioniert, lässt sich in der Industriellen Geflügelzucht beobachten.



    Grüße,


    Maxikaner