offenes Kunstschwarmverfahren zur Faulbrutsanierung

  • Hallo Miteinander,
    ich betreibe mit meiner Kollegin seit einigen Jahren die Imkerei mit momentan 10 Völkern
    (auch wenn wir schon einiges gelernt haben sind wir gefühlt bestimmt noch lange Zeit Anfänger).
    Vor kurzem wurde unser Gebiet Sperrbezirk wegen AFB.
    Inzwischen war der Veterinär auch bei uns. Erst ganz begeistert: bei so tollen goldgelben Waben
    gibt es bestimmt keine Faulbrut...
    Und dann fand er auch bei uns ein Volk und der dazugehörige Ableger mit AFB.
    Momentan warten wir auf die Laborergebnisse für die restlichen Völker.
    (Im Sperrbezirk sind anscheinend sehr viele Imker betroffen, aber ich habe noch nicht gehört, dass
    man die Ausbruchsquelle gefunden hat)


    Ich habe hier im Forum nun schon rauf und runter alles mögliche dazu gelesen (sehr informativ für mich
    waren da vor allem die Beiträge von Henry). Natürlich auch sonst im Internet geguckt, was so alles
    getan und empfohlen wird.
    Was mich persönlich an vielen Methoden stört ist die Hungerphase mit sehr vielen toten Bienen und wenn
    man nicht sehr gut aufpasst, geht das ganze Volk ein.


    Nun habe ich mir folgendes pdf angesehen:
    http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=4&ved=0CC8QFjAD&url=http%3A%2F%2Fwww.llh.hessen.de%2Fdownloads%2Fbieneninstitut%2Farbeitsblaetter%2F03_krankheiten_seuchenrecht%2F312%2520-%2520Offenes%2520Kunstschwarmverfahren%2520zur%2520Faulbrutsanierung_0907_bbk%2520100921.pdf&ei=RUa9U5nQEoeg4gSA34GwDA&usg=AFQjCNG83ao6NDjocw8XnWSj26t-AFN0gA&bvm=bv.70138588,d.bGE&cad=rja


    Was mir bei der Methode gefällt ist erstens, dass ich mit meinem vorhandenen Material arbeiten kann und nicht wie ich es woanders gesehen habe, mir lauter
    Kunstschwarmkisten besorgen muss. Aber vor allem läuft es ohne Kellerhaft und mit viel geringerer Gefahr meines Erachtens, dass das Volk verhungert.


    Nun meine Fragen:
    Habt ihr schon mit der Methode gearbeitet?
    Was haltet ihr von der Methode?


    Und dann ganz unabhängig von der Methode.
    Unsere Völker haben sind entweder aus Schwärmen entstanden oder wir haben Ableger gebildet wo die Bienen sich selbst eine Königin gezogen haben.
    Anders ausgedrückt: Wir überlassen den Bienen, was für eine Königin sie wollen und kontrollieren auch nicht das Alter der Königinen.
    Wenn wir nun mehrere Völker für die Aktion zu einem Volk zusammen fassen, wie geht man dann am besten mit den Königinen um (Ich würde die vorher
    käfigen): Meine Intension wäre, zusammengelegten Völkern Ihre Königinen dazugeben und die bessere gewinne.


    Ich vermute mal, da bekomme ich hier viel Protest. Andererseits - woran soll ich die Vitalität der Königin erkennen?


    Ich danke Euch für Eure Meinungen


    Schöne Grüße
    Johannes

  • Hallo Johannes,
    was hast Du da verlinkt?
    Kannst Du die URL ohne google einstellen?
    In welchem Bundesland bist Du?
    In Hessen sind keine Kunstschwarmkisten nötig, normale Beuten reichen zum Einschlagen, aber dennoch muss man das gesamte Material (Holz) desinfizieren oder (Styropor) vernichten.
    Viele Grüße
    apirita

  • Hallo, Johannes,
    mein Beileid zu diesem Befund. Bevor Du nun viel herumsuchst - weißt Du denn dass der Amtsvet sich überhaupt auf sowas einlassen würde? Meines Erachtens bestimmt er über die Durchführung und wenn der das Verfahren ablehnt musst Du dennoch abschwefeln.


    Ansonsten: Ich kenne das Verfahren aus dem Vortrag von Guido Eich (In Berlin und auf dem Leipziger Tierärztekongress war er auch). Vom Prinzip her sehr schön (wenngleich ich schon das Problem hätte, dass ich faktisch kein Material hätte - ein Brutraum ist ein Brutraum, habe da nicht viel Material "auf Lager") aber natürlich viel, viel Arbeit wie jede Sanierung.


    Melanie

  • Moin Johannes,

    Was mir bei der Methode gefällt ist erstens, dass ich mit meinem vorhandenen Material arbeiten kann und nicht wie ich es woanders gesehen habe, mir lauter
    Kunstschwarmkisten besorgen muss. Aber vor allem läuft es ohne Kellerhaft und mit viel geringerer Gefahr meines Erachtens, dass das Volk verhungert.

    Das Verfahren hat auch deutliche Nachteile! So ist es praktisch nicht anzuwenden, wenn der Imker Hinterbehandler hat. Neues Material in sinnlos großem Stil muß angeschafft werden, wenn Großwabenvölker saniert werden, denn wer hat schon genug passende Zargen über?
    Das Risiko des unbemerkten Verhungerns ist durchaus gegeben und auch die Gefahr, daß bei Tracht der gewünschte Hunger nicht eintritt. Sogar ein Abschwärmen aus der Beute habe ich bei dem Verfahren erlebt, was logisch ist, bringt man doch ein Volk ohne Grund zu bleiben in einen Schwarmzustand. Das Zusammenlegen geht nur mit benachbarten Völkern und deutlich unharmonischer als bei Keller-KS. Zudem ist während der Sanierung Bienenflug am Stand, was sich als sehr unangenehm erwiesen hat, wenn nebenan ein Schmelzer läuft und Beutenteile geschrubbt werden. Auch ist die Sanierung mit dem Umsetzen der neuen Zargen eben nicht abgeschlossen, sondern es wird der alte Boden, die Hungerzarge, das Gitter und weiteres kontaminiertes Kleinmaterial am Stand frei, während die Bienen schon wieder in neuen oder sauberen Beuten fliegen.


    Der Keller hat seine Vorzüge. Bienen sind allesamt weg. Hunger wird eng überwacht und kontrolliert. Varrosebehandlung wird bereits in der Bildung integriert. Ein Ausgleich in der Volksstärke erfolgt, wenn man will sogar mit der Waage. Umweiseln geht problemlos. Alle Völker/Schwärme sind im selben Sanierungstatus. Standortwechsel ist möglich. Wesentlich weniger Material ist von Nöten. Mit dem Einschlagen und Füttern der Schwärme ist das Verfahren abgeschlossen und es gibt nichts Altes mehr am Stand. Wenn doch, wird es erkannt und oxidativ entsorgt.


    Aktuell löse ich so sogar ein Sperrgebiet komplett auf, weil die Kunstschwärme - saniert - in einem benachbarten Sperrgebiet aufgestellt werden und der Wanderstand komplett beräumt wird. Offen würde sowas nicht gehen! Offen wäre das ein logistischer Overkill und niemand könnte garantieren, daß nicht doch ein Zarge oder ein Boden wieder zum Einsatz kommt, der nicht gereinigt wurde.


    Beim Keller-Verfahren ist der Schnitt so deutlich, als finge der Imker mit neuen fetten Schwärmen ganz neu an. Manch einer trennt sich dann sogar von Hinterbehandlung, Wabenbock, Kittel und Handschuhen und schmeißt sogar verwaxmoderte Holzbeuten und wespennestige Ablegerkästen weg ... was er schon länger hätte tun wollen. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Melanie und apirita,
    ohne google - macht richtig Mühe, einen sauberen Link zu erhalten:
    http://www.llh-hessen.de/downl…ung_0907_bbk%20100921.pdf


    Ich wohne in Bayern. Bei der Begehung war ich nicht dabei. Aber meine Kollegin, die es als Selbstständige hier erwischt hat (siehe Henry) konnte mir erzählen,
    dass der Veterinär selbst Bienen hat und insgesamt waren wohl er und der erfahrene Imker, der die Völker untersuchten, sehr hilfsbereit und zugänglich.
    Es scheint auch so zu sein, dass wir zwar gesagt bekommen nach den Ergebnissen, was zu tun ist, aber es wird uns dabei nicht auf die Finger gesehen.
    Nach ca. 2 Monaten kommt dann wohl die Nachkontrolle und eventuell - natürlich bei wieder positiven Befund - nächstes Jahr noch ein Besuch.


    Das Kontrollgespann hat jedenfalls selbst davon erzählt, dass man Kunstschwärme erzeugen kann.
    Allerdings sagte er auch, dass unsere teilweise sehr kleinen Völker kaum dazu geeignet seien (sogar das doch starke befallene Volk soll zu klein für einen Kunstschwarm sein).
    Andererseits sagte er auch, dass es gerade die kleinen Völker kaum befällt, so dass die Möglichkeit gegeben ist, dass bei denen gar keine Sporenbelastung gegeben ist.


    Da stellt sich dann bei mir die Frage, ob man ein Risiko eingeht, wenn man - wenn ohne Befund, die kleinen Völker gar nicht anfasst, sprich saniert.
    Es gibt hier ein Bildungszentrum Triesdorf, das alle möglichen Landwirtschaftsbereiche abdeckt u.a. auch die Bienenzucht.
    Von denen kann man sich einen Anhänger ausleihen, auf dem alles drauf ist für die Sanierung mit Dampfwachsschmelzer, Kessel für Natronlauge und die Möglichkeiten,
    Holzbeuten auszubrennen. Das ganze kostet uns nichts, wenn wir eine Bestätigung vom Amtstierarzt erhalten.
    Die Triesdorfer sagen, dass man so ein Mobil normalerweise 3 Tage braucht - daran sieht man ja dann den Zeitaufwand.


    Noch mal ganz allgemein die Frage: Wenn ich auf einem Stand befallene Völker habe und der Rest ist nicht befallen.
    Saniere bzw. schwefle ich dann nur die befallenen Völker?
    Muss man bei den Völkern mit keinem Befund nichts machen?
    Besteht da nicht die Gefahr, dass durch die Nähe des Seuchenherds die auch befallen werden?


    Schließlich vergehen z.B. bei uns zwischen dem Besuch des Veterinärs und den Laborergebnissen 10-14 Tage. Und dann muss ja auch noch das Mobil geordert werden
    so dass es nicht unrealistisch ist mit bis zu 3 Wochen zu rechnen vom Besuch bis zum Beginn der Sanierung der zu dem Zeitpunkt bekannten befallenen Völker.


    Schöne Grüße
    Johannes

  • Wenn ich auf einem Stand befallene Völker habe und der Rest ist nicht befallen.
    Saniere bzw. schwefle ich dann nur die befallenen Völker?

    Das liegt im Auge des Amtstierarztes! Es ist durchaus sinnvoll in einem überwachten Sperrbezirk an einem Stand nur genau ein schwach- oder mittelgradig sporenhaltiges Volk zu sanieren, wenn ohnehin ein Nachkontrolle aller Völker am Stand erfolgen wird und wenn dieses eine Volk vielleicht auch noch eine nachvollziehbare Infektionsgeschichte hat. (Eckvolk, gefangener Schwarm, zugekaufte gebrauchte Beute ...)


    Ist ein Stand in umgekehrtem Zustand - haben wir also zig unterschiedlich stark infizierte Völker unterschiedlicher Größe und nur ein oder wenige negativ oder nicht auswertbar beprobte - dann würde ich immer die Sanierung - wie gesetztlich geregelt - auf dem ganzen Stand durchführen. Schon um die notwendigen Nachkontrollen auf die wenigen verbleibenden bzw. zu bildenden Völker zu reduzieren und den ganzen Prozeß beherrschbar zu halten. Ich halte überhaupt nix davon, völkerindividuell ein Problem des ganzen Standes lösen zu wollen. Das geht in aller Regel schief und ist dann noch ärgerlicher, als hätte man gleich alles ordentlich gemacht. Nichts ist tragischer als in der zweiten Nachkontrolle wieder positive Laborwerte zu haben und sich nicht erklären zu können, ob und was man nun falsch gemacht oder verwechselt hat.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
    (interessant - um mal abzuschweifen: schreibt man eine Antwort und klickt dann auf Vorschau und genau in diesem Moment kommt eine pm rein, dann muss man irgendwie die Meldung zur pm abarbeiten und danach landet man in den pm's und der geschriebene Text ist weg - so ein mist)


    Wir arbeiten mit Zander und die Honigräume sind abgeräumt. Der Veterinär hat bei uns 4 Standorte definiert, wovon bei 2 Standorten Befall festgestellt wurde (2 von 7 Völkern). Dabei ist der eine Befall
    ein Ableger vom anderen. Wenn die 2 anderen Standorte befundfrei sein sollten nach den Laborergebnissen, haben wir auf jeden Fall kein Materialproblem.


    Meine Bedenken beziehen sich hauptsächlich auf das Feststellen des Verhungerns im Keller - Du schreibst: "Hunger wird eng überwacht" - da kann ich dann wahrscheinlich auch keine lange Nachtpause
    einlegen? Und eine ganz praktische Frage dazu: wie kontrollierst Du? Wenn ich unten aufmache um nach den Totenfall zu sehen, kommen dann die Bienen nicht in einer Vielzahl raus und meine Frau
    bekommt einen Schreianfall ob all der Bienen in ihrem Keller?


    Wenn ich beim offenen Verfahren beim Freiflug immer nach Wabenbau schaue, kann ich dann nicht gleichzeitig mit Milchsäure behandeln?


    Ansonsten finde ich Deine Argumente sehr gut nachvollziehbar und bin mir wirklich unsicher, wie wir es machen sollen.
    Materialtechnisch habe ich erst befürchtet, dass wir es wie in diesem Film zu machen haben:
    https://tib.flowcenter.de/atibplayer/index.php?clid=9188
    und da gibt es eben für jedes Volk einen Kunstschwarmkasten.
    Aber apirita schreibt ja, dass das so nicht notwendig ist.


    Ich werde wohl mit meiner Kollegin weiter die Argumente abwägen und hin- und her überlegen, wie wir am besten zum Wohl unserer Bienen vorgehen.


    Noch eine andere ganz praktische Frage:
    Gehen wir davon aus, dass auf einem Standort neben dem befallenen Volk auch Völker stehen, die laut Laborergebnis frei von Sporen sind.
    Muss ich dann da gar nichts machen?
    Oder soll man die auch zum Kunstschwarm machen?
    Die Frage hat natürlich auch damit zu tun, dass aus vielen kleinen Völkern nur sehr wenige Kunstschwärme werden können, die eine Überlebenschance haben.


    Danke für Deine und Eure Mühe, uns zu unterstützen!
    Schöne Grüße
    Johannes

  • Hallo,
    ich bin zwar nicht Henry (der sich sicherlich auch noch melden wird) aber zu dem Thema Milchsäure kann ich Dir schon mal verraten, dass das beim offenen Verfahren nicht klappen kann. Das offene Verfahren sieht ja vor, die Tiere frei am Deckel bauen zu lassen und den Wabenbau regelmäßig zu entfernen, d.h. Du stößt jedesmal die Bienen ab.
    Für Milchsäure brauchst Du einlagig verteilt sitzende Bienen, flächig auf Waben und keinen Haufen wuselnder Tiere oder gar einen Schwarm. Mal abgesehen davon, dass Du einfach nie alle erwischst - ein Großteil ist unterwegs und sammelt, die tragen die Milben also spazieren.


    Interessante Diskussion, auch wenn es mich noch nie erwischt hat ist es gut, sich schon mal damit zu beschäftigen...die Einschläge kommen immer näher je dichter die Bienenvölkerzahl hier in Berlin wird.


    Vielleicht kannst Du Dir ja einfach auch simple Kunstschwarmkistenvarianten bauen....denke da an den beliebten IKEA-Papierkorb mit Deckel oder sowas. Letztlich können es sehr simple (aber bienendichte) Einwegvarianten sein, die Du am Ende entsorgen kannst. Nebst guter Begitterung und Belüftung sollten die eben auch gut einsehbar sein - da solltest Du nichts für aufmachen müssen. Die BeeBox ist z.B. sehr schön aber teuer und fürs Nachschauen auch eher schlecht geeignet. Vielleicht gibt es gangbare Pappkartonlösungen?


    Wenn der Keller dunkel und kühl ist, bleiben die eigentlich auch brav vor Ort...schwierig ist es wenn, irgendwo eine Funzel brennt - dann gibt es immer wieder so Helden, die versuchen, da den Ausweg zu finden um dem hungernden Volk Proviant zu holen und flugs ist der Keller voller desorientierter Bienen, die an allen Ecken und Enden verenden.


    Was immer du auch machst, mach mal Bilder und berichte!


    Drücke die Daumen!


    Melanie

  • Hallo,
    Du brauchst keine Kunstschwarmkästen, wenn Du die Bienen nach der Hungerphase/dem offenen Kunstschwarm im desinfizierte oder neue Beuten einschlägst und sofort danach die Beuten, in denen die Kunstschwärme waren, ebenfalls wieder desinfizierst. Das ist also eine langandauernde Geschichte.
    Ansonsten würde ich Henry folgen, wenn ich Du wäre.
    Grüße
    apirita

  • Und so geht das Malheur weiter:
    Meine Imkerkollegin hat eben mit dem Veterinär telefoniert, der ihr die Ergebnisse gesagt hat.
    Alle 11 Völker sind befallen. Die 2 Völker, bei denen er bei der Begehung die Faulbrut festgestellt hat verlangt er, dass diese getötet werden.
    Bei den anderen Völkern gestattet er uns das Kunstschwarmverfahren.
    (Er hat sich wohl so geäußert, dass er nach seiner Erfahrung eigentlich immer verlangt, dass alle Völker getötet werden, aber weil wir relativ
    neue Ware haben und alles recht sauber aussah und weil wir keinen Bienenstand (???) haben gestattet er uns eben den Kunstschwarm).


    Wir haben einen Standort wo 3 Ableger stehen, wovon einer geschwefelt werden muss.
    Sein Vorschlag ist, dass wir die 2 anderen Ableger auch töten.
    Begründung: Extra wegen dieser 3 Völker mußte er den Sperrbezirk erweitern (war vorher nicht bekannt, dass da Völker stehen).
    Anscheinend möchte er mit der Maßnahme "Völker töten" den Sperrbezirk sofort wieder verkleinern können.
    Wir sind da verständlicherweise nicht so begeistert.
    Andererseits sind die 2 übrigen Ableger zu klein für einen Kunstschwarm.
    Ich würde ja am liebsten die 2 Völker mit anderen Völkern zusammenlegen und dazu die Völker innerhalb des Sperrbezirks "verschieben".
    Das will er aber wohl nicht gestatten.


    Wo ich immer noch nicht weiß, wie ich es machen soll, ist die Königinnenauswahl. Wir können ja alle Königinnen käfigen.
    Am Schluss haben wir durch Zusammenlegen um überhaupt auf Bienenmasse zu kommen viel weniger Völker. Wie macht man das mit
    den überzähligen Königinnen? Unsere Königinnen sind nicht gezeichnet und wir wissen grob das Alter. Sollen wir einfach junge Königinnen
    aus Ablegern bevorzugen? Oder mehrere Königinnen in den Kunstschwarm gekäfigt einführen und der Bien wählt?


    Was mir noch viel mehr sorgen für die Zukunft macht: es geht im Ort das Gerücht um dass verschiedene Imker ihre Völker aus den Sperrbezirk
    verstellt haben. Wissen tue ich nichts, aber damit muss ich fürchten, dass der Mist weiter geht.
    Der Veterinär war nämlich auch sehr verwundert, dass wir in jedem Volk die Belastung haben, hat er so nicht erwartet. Starke Völker die schwache
    ausrauben OK, aber warum auch in schwachen Völkern und Ablegern?


    Soweit erstmal für heute. Der Veterinär trifft sich mit meiner Kollegin und mir am Freitag und will alles mit uns nochmal durchsprechen.
    Soweit ich hier die Forumsbeiträge verstanden habe gibt es ja keinen zwingenden Grund, ein befallenes Volk zu töten, denn wenn ich
    die Brut entferne und den Bien hungern lasse, bin ich doch die Sporen nahezu los, oder.
    Oder soll ich von einer Anfälligkeit meiner Bienen ausgehen und diese deshalb töten? Dann müßte ich es doch mit allen tun, wenn alle die Belastung haben?


    Schöne Grüße
    Johannes

  • Hallo, Johannes,
    oh weh, das klingt arg!
    Mal sehen was Dir die Experten raten, die das schon durch haben...könnte mir vorstellen, dass man da eher Königinnen rausnimmt...zumindest die noch bekannten alten Damen.
    Und die schwachen Ableger werden wohl Besuch bekommen haben von den starken, kranken Völkern...so haben sie sich das auf dem Stand weggeholt!


    Meiner Kenntnis nach ist die AFB-Infektionsanfälligkeit eher vom Erreger als von den Bienen abhängig aber insgesamt noch zu wenig verstanden - prophylaktisches Abschwefeln wegen vermuteter Anfälligkeit würde ich nicht als begründet ansehen.


    Mein Beileid, so ein M...


    Melanie

  • Hallo Johannes,


    auch mein Mitleid hast du, auch wenn Dir das nix bringt.


    ... verstanden habe gibt es ja keinen zwingenden Grund, ein befallenes Volk zu töten, denn wenn ich
    die Brut entferne und den Bien hungern lasse, bin ich doch die Sporen nahezu los, oder.


    Das ist eine gute Frage. Der Erreger bzw. die Sporen sind in der Lage jahrzehntelang zu überleben. Ist die Krankheit tatsächlich im Volk ausgebrochen, finden sich die Erreger auch tausendfach im Haarkleid der Bienen. Und wie man die da rausbekommen will mit dem Kunstschwarmverfahren ist mir ein Rätsel.



    Oder soll ich von einer Anfälligkeit meiner Bienen ausgehen und diese deshalb töten? Dann müßte ich es doch mit allen tun, wenn alle die Belastung haben?


    Nicht unbedingt Anfälligkeit der Bienen, aber eben Anfälligkeit schwach gebildeter bzw. vorgeschädigter Völker durch z.B. PSM. Starke Völker sind in der Lage, die abgestorbene Brut zu erkennen und aus dem Volk zu räumen, bevor die millionenfache Sporenbildung einsetzt. Ist die Bienenmasse zu gering, gelingt das eben nicht mehr. Daher würde ich an deiner Stelle schauen, eher etwas weniger, dafür umso stärkere Kunstschwärme zu bilden.


    Viel Glück dabei!


    Gruß Sven

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  • Hallo Johannes!


    Prinzipiell würde ich die alten Königinnen eher verwerfen als die neuen.
    Das ist aber "relativ". Hast Du ne bewährte "alte", dann ist die sicher besser als eine unbekannte "neue".


    Sei beim zusammenlegen der Völker nicht so sparsam und mach da einen ordentlichen Schnitt.
    Der Dr. L. (?) weiß schon was er so sagt!


    Ich würde mit ihm sprechen zwecks der Zusammenlegung der beiden Ableger mit den Bienen ins Zentrum des Sperrbezirkes.
    Aber falls er das nicht will?
    Abschwefeln!


    Und mach starke Kunstschwärme!
    Weniger ist mehr!
    Und dann geht dir nicht gleich das Material aus.


    Und außerdem würde ich den Gerüchten zwecks Abwanderung nachgehen.
    Nicht dass die AFB weiter verschleppt wird in der Gegend!
    Aus falsch verstandener Tierliebe...


    Und wegen der Anfälligkeit: Das kann jeden erwischen!


    Und am besten machst Du dir eine Liste mit allen Fragen und Möglichkeiten, die du dir so vorstellst.
    Damit zeigst Du Verständnis und Fachkenntnis!
    Nicht jeder Bienenhalter hat das und ist ein Imker.


    Also: Liste machen und nachfragen!

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Lieber Johannes,
    das ist wirklich eine blöde Sache, ich kann Dich gut verstehen, wir haben das Ganze ja hier schon durchexerziert.
    Die Ableger würde ich drangeben, dann hast Du den Vet. auf Deiner Seite, der Sperrbezirk muss nicht ausgeweitet werden.
    Dass es alle 11 Völker betrifft, ist wirklich übel.
    Ich drücke die Daumen, dass der Verbreitungsherd für die AFB bald gefunden wird.
    Nein, Du kannst nicht davon ausgehen, dass Deine Bienen "besonders anfällig" sind. Nein, Faulbrutlarven werden nicht alle ausgeräumt. Es gibt auch 2 Typen von AFB (ERIC I und II), je nachdem ist die Ausräumrate eh unterschiedlich.
    AFB kann jeden treffen. Standhygiene ist eine wichtige Prävention, aber bei Euch ist ja wohl eh alles neuwertig.
    Leider bringt die AFB auch immer Streit unter den Imkern, wilde Gerüchte etc. Wenn Du nicht sicher weißt, dass jemand abgewandert ist, finde ich es schwierig, solche Vermutungen zu verbreiten.
    Hier bei uns gab es leider viele Anschuldigungen und menschlich trauriges Verhalten... Das bringt so eine schwierige Situation wohl mit sich.
    Alles Gute für die Sanierung
    apirita