Mittelalterliche Trachten

  • Hallo Jungs und Mädels,
    kann mir jemand verraten, welche Trachten es um das Jahr 15oo n. Ch. in Mitteldeutschland gab. Wo sind die alten Imker, wenn man sie mal braucht? Es geht mir vor allem um den Bereich Saale/Elbe, also von Halle/Saale über Dessau bis Wittenberg. Welche Trachtpflanzen gab es zu dieser Zeit in dieser Gegend. Und wenn mir jetzt so ein Spaßvogel wieder Prügel anbietet, dann hoffe ich, er kommt mit dem zweimaligen Landesmeister im Zwergenweitwurf zurecht, gel.
    Viele Grüße
    Wolfgang :-)

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • :eek: hat er nen Wurmlochzugang ???

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Ich weiß es natürlich nicht,
    aber ich habe mal "Früchte im Mittelalter " gesucht
    und da kommt eine ganze Menge raus.


    Von Obst wie
    "Äpfel, Birnen, Kirschen, Walderdbeeren, Pflaumen, Zwetschgen, Maulbeeren und Quitten"
    oder " Weißdorn oder Eberesche", "Hasel- und Walnüsse"


    verschiedenen Kohlarten oder -verwandte,


    Kräuter wie " Senfarten, Salbei, Petersilie, Dill, Kümmel, Minze, Fenchel und Anis"


    http://de.wikipedia.org/wiki/Esskultur_des_Mittelalters


    oder hier:
    Äpfel, Birnen, Pflaumen, Zwetschgen, Weintrauben, Kirschen, Erdbeeren, Heidelbeeren, Holunderbeeren und -blüten, Pfirsiche, Himbeeren, Brombeeren, Mispeln, Quitten, Speierlinge, Elsbeeren, Berberitzen,Vogelkirschen, Mandeln, Feigen, Kastanien, Haselnüsse und Bucheckern.
    http://kunegunde.npage.de/speis/obstgemuese.html


    Vielleicht kann man aus solchen Esskulturseiten auf Trachten schließen


    Gruß Doro

  • Können können wir so einiges....wie groß waren die Bestände an Obstbäumen denn so 1500 bei der damaligen Bevölkerungsdichte und Siedlungsgröße ?

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Viel und genau kann ich es natürlich auch nicht sagen, aber vielleicht hilft es, ein wenig die Landschaft in Mitteleuropa um das Jahr 1500 darzustellen.
    Um 1500 hatte das heutige Deutschland bereits einen ausgesprochenen Kulturlandschaft-Charakter. Urwälder gab es kaum mehr, die meisten Flächen waren landwirtschaftlich genutzt, jedoch mit deutlichen Unterschieden zu heute. Zum einen gab es keine Flurbereinigung. Die einzelnen Felder waren durch dichte Hecken getrennt, wenig fruchtbare Böden lagen brach, Düngung war im Vergleich zu heute marginal und es wurde vorwiegend nach der Dreifelderwirtschaft gearbeitet. Der Ertrag pro Fläche war deutlich geringer, es gab kein gereinigtes Saatgut und es wurde neben Obst und Gemüse vor allem Getreide angebaut. Raps als sehr alte Kulturpflanze gab es glaube schon. Die Linde war sicher deutlich seltener, auch heute findet man sie ja vorwiegend als Allee-, Park- und Stadtbaum. Und das auch nur die einheimischen Arten.
    Weiterhin gab es natürlich auch noch keine Pflanzen aus Asien, Afrika oder Amerika, die heute rein Artenzahlmäßig einen großen Teil der Arten bei uns ausmachen.
    Die Äpfel und Kirschen waren als Frucht zwar kleiner, jedoch hatte die einzelne Blüte nicht weniger Nektar, weshalb man vom Ernteertrag sicher nicht auf die Nektarmenge schließen kann.
    Blühende Wiesen waren sicher sehr viel häufiger, wenn nicht sogar im Gesamtbild dominierend.
    In den deutlich kleineren Feldern fanden sich sowohl auf den brach liegenden als auch auf den bewirtschafteten Kornblume und Kornrade und viele andere Blühpflanzen.
    Durch die bereits seit 100 Jahren wütende Pest lagen viele Felder bereits seit Jahren oder Jahrzehnten nrach, die Sukzession hatte eingesetzt, Sträucher und noch kleine Bäume dominierten hier und boten noch vielen Arten Platz.
    Insgesamt denke ich daher folgendes.
    Massentrachten waren deutlich seltener. Wahrscheinlich nur Obstblüte und manchmal der Wald. Der Wald war jedoch noch deutlich mehr Laubwald, der insgesamt wohl weniger honigt als Fichte und Tanne. Jedoch fanden die Bienen wohl außerhalb dieser Massentrachten ein vielfältiges Angebot an Blühpflanzen. Ich denke, Hungern musten sie seltener, die Ernährung war vielfältiger, der Ertrag war wohl geringer. Dies lag aber auch an anderen Gründen. Zum einen wurde auf Honig überwintert und zum anderen waren die Völker viel kleiner. Mit "unseren" Völkern und raffiniertem Zucker hätte man je nach Standort ähnliche Erträge wie heute erzielen können?
    Kurzum, Obstblüte, Wald, Kornblume, Brom- und Himbeere sowie zahllose Sträucher und blühende Wisen mit Flockenblumen, Witwenblumen uva stellen die wesentliche Tracht dar. Denke ich.
    Obs stimmt, weiß ich nicht :-D

    "Er (der Mensch) nennts Vernunft und brauchts allein, um tierischer als jedes Tier zu sein"
    J.W. Goethe

  • Hallo Formica,


    Es kann sein dass ich mich mit der Jahreszahl verhau aber es müsste zwischen dem 15. und 16 Jahrhundert gewesen sein.
    Dort gab es weniger Waldflächen als jetzt. Im 15 Jahrhundert gab es eine lang anhaltende Kälteperiode (kleine Eiszeit) die einen extremem Holzverbauch zur Folge hatte.
    Aufgrund der massiven Rohdung wurden und Bayern im 16. Jahrhundert Forstgesetze erlassen die die Aufforstung regelten.
    Der Wald war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr der Urwald der er mal war.
    Ich denke wie Formica, dass die übrig gebliebenen Bienen auf alle Beerensträucher bevorzugt geflogen sind.


    Die erste durch den Menschen genutzte Massentracht war die Lüneburgerheide wenn ich richtig informiert bin,
    Wobei dir dass für den Bereich um Halle jetzt auch nichts nützt :wink:


    Viele Grüße,


    Maxikaner

  • Die kleine Eiszeit war 16./17. Jahrhundert. Um 1500 war noch recht warm.
    Die massiven Rodungen des 14./15. Jahrhunderts gingen auf die Bevölkerungsexplosion zurück.

    "Er (der Mensch) nennts Vernunft und brauchts allein, um tierischer als jedes Tier zu sein"
    J.W. Goethe

  • Es kann sein dass ich mich mit der Jahreszahl verhau aber es müsste zwischen dem 15. und 16 Jahrhundert gewesen sein.
    Dort gab es weniger Waldflächen als jetzt. Im 15 Jahrhundert gab es eine lang anhaltende Kälteperiode (kleine Eiszeit) die einen extremem Holzverbauch zur Folge hatte.


    Der Beginn der kleinen Eiszeit ist umstritten. Sicher spielten bei dem Schwund bzw. der Umstrukturierung der Wälder mehrere Faktoren eine Rolle. Neben der von Dir erwähnten Nutzung zur Energieversorgung und der Rohstoffgewinnung für Hausbau und Gewerbe wurde Wald als Weidefläche für Nutztiere gebraucht http://de.wikipedia.org/wiki/Waldweide.
    Ich denke auch, daß es damals in freier Natur vor allem viele Wildkräuter und Wildobst gab. Neben für Bienen interessanten Nutzpflanzen wurden Pflanzen zum Färben, Gespinstpflanzen wie Lein und Mohn als Ölpflanze angebaut. In den zahlreichen Klostergärten gab es im Spätmittelalter neben Kräutern auch schon viele Zierpflanzen.
    Wolfgang Interessantes Thema! So einen spätmittelalterlichen Honig hätte ich auch gern mal probiert... Du mußt wohl mal ein bischen Heimatforschung betreiben, um Deine Frage beantwortet zu bekommen. Wie sah es um 1500 in Halle, Dessau und Wittenberg aus?

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Oh, vielen Dank,
    das hat mir schon weitergeholfen. Jetzt brauche ich nur noch einen Pollologen oder einen Pollinator. Nach dem, was ich bisher gefunden habe, werde ich mit einer Mischung aus Buchweizen, Kornblumen, Obst, Haselnuss, Wildblumen, Mandeln und Rosen nicht so falsch liegen. Das meiste davon gibt es auch heute noch, hat man den richtigen Standort und den richtigen Moment.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Mit Heimatforschung,
    ist das so eine Sache. Meine Heimat ist eigentlich die Hinterpfalz und da gab es immer nur Wald, Moor und später Kartoffeln und Chio-chips. Meine geschichtliche Heimat, also die Heimat meiner Vorfahren kann ich leider nur bis 1607 zurückverfolgen. Da gab es einen Vorfahren in Faulquemont, was mittlerweile Frankreich ist und einen in der Steiermark, damals rückten die Türken an, und er ab.
    Von Luthers Heimat weiß ich nicht viel. Nur soviel, er war kein Kostverächter. Ich bin sicher, dass die Magdeburger Börde auch damals schon fruchtbar war. Es gibt hier auch eine Heide, die Dübener und an den Grundsätzlichen Bedingungen entlang von Saale und Elbe dürfte sich auch nicht so viel geändert haben. Ich tippe also auf Weideland, Buchweizen und Obst. Die Obstblüte war aber damals für die damaligen Bienen noch zu früh. Allerdings sieht es für mich nach der Ansicht alter Gemälde aus der Zeit so aus, als hätte man damals schon Ableger gemacht um dann den Rest des Volkes komplett aufzulösen und allen Honig und vor allem das Wachs zu ernten.
    Viele Grüße
    Wolfgang

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