Bildung Kunstschwarm / Flugling

  • Moinsen zusammen!


    Ich wollte dieses Jahr noch ein neues Volk aus meinen Wirtschaftsvölkern per KS / Flugling bilden. Eine neue Königin hab ich hierzu bestellt. Diese kann ich nach Bedarf abholen. Soweit so gut. Anfangs hatte ich an einen normalen Kunstschwarm gedacht. Nun ist mir noch eine andere Möglichkeit eingefallen, zu der ich von Euch mal die Meinung wissen wollte.


    Ich habe also zwei Wirtschaftsvölker an einem Standort stehen. Bei einem sind drei, bei dem anderen zwei HR aufgesetzt (alles in Dadant). Brut hab ich bei beiden auf 7 Brutwaben. Sind keine superstarken, aber auch keine schwachen Völker.


    Ich wollte nun bei der Bildung wie folgt vorgehen:


    - An einem Tag mit voraussichtlich guten Flugwetter stelle ich ein Volk früh Morgens an eine andere Stelle. An der alten Stelle stelle ich eine neue Beute komplett mit MW samt Königin im festen Zusetzkäfig.
    - Auf die Beute stelle ich von beiden Völkern alle 5 HR über eine Bienenflucht.
    - Das alte Volk stelle ich am nächsten oder übernächsten Tag einen anderen Stellplatz außerhalb des Flugradius. Somit sind die Flugbienen komplett in der neuen Beute.


    Nun meine Fragen:


    - Wird so etwas funktionieren - auch ohne kellerhaft?
    - Sollte ich alternativ Bienen aus dem Brutraum zufegen und das neue Volk dann an einen anderen Standort verbringen?


    Schönen Gruß
    Frank

  • Hallo Frank,


    das nennt man einen Flugling und das funktioniert. Ich würde aber die Honigräume beim Spendervolk lassen, da der Honig für die Reifung die Brutwärme braucht. Außerdem würde ich dem Flugling nicht nur Mittelwände sondern auch ausgebaute Leerwaben geben, wo sollte sonst die Königin Eier legen? Bis die zufliegenden Altbienen die Wachsdrüsen aktivieren, dauert es einige Tage. Schließlich muss auch die Futtersituation beachtet werden: Bei fehlender Tracht muss flüssig gefüttert werden. Das Verstellen der alten Beute kannst du einsparen.


    Gruß Ralph

  • Moinsen Ralph,


    du hast hier übersehen, dass ich das ganze zur Honigernte durchführen würde. Es würden also die Bienen durch die Bienenflucht direkt aus den HR in die neue Beute laufen. Ausgebaute Waben hat man bei Dadant ja nicht rumliegen. Zumindest keine für den Brutraum. Bis ich die neue Königin freigebe würden ja schon ein paar Tage Zeit vergehen, in der die Bienen die MW ausbauen können. Das gleiche Verfahren nutzt man ja zur totalen Bauerneuerung.


    Mir ging es vor allem um die Bienenmasse sowie um die Bienen aus den verschiedenen HR. Muss ich denn noch Bienen aus den Bruträumen zufegen oder reicht die Bienenmasse soweit aus? Da gehen die Meinungen in den Fachbüchern doch schon auseinander.

  • Mir ging es vor allem um die Bienenmasse sowie um die Bienen aus den verschiedenen HR. Muss ich denn noch Bienen aus den Bruträumen zufegen oder reicht die Bienenmasse soweit aus? Da gehen die Meinungen in den Fachbüchern doch schon auseinander.


    Es sollten im Juli (zum Zeitpunkt der Ernte) halt so 2,5 kg Bienen für einen Kunstschwarm sein. Keine Ahnung ob die Menge in deinen Honigräumen rumlungert. Dazu wirst du auch keine Antwort in Fachbüchern finden.


    Gehst du den Weg über den Kunstschwarm, dann kannst du die Bienen abwiegen und bist dir sicher, dass es von der Menge hinkommt.


    Stefan

  • Lass das den Bernhard nicht lesen. Dazu hatte er sich gerade in einem anderen Fred schon aufgeregt.


    Weil ich das Ergebnis jetzt schon kenne und leider auch viel zu häufig helfen muß, diesen Mist zu reparieren. Grrr.....

  • Jepp. Ich weiß, was Du gemeint hast, Bernhard.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • du hast hier übersehen, dass ich das ganze zur Honigernte durchführen würde. Es würden also die Bienen durch die Bienenflucht direkt aus den HR in die neue Beute laufen. ...
    Mir ging es vor allem um die Bienenmasse sowie um die Bienen aus den verschiedenen HR. Muss ich denn noch Bienen aus den Bruträumen zufegen oder reicht die Bienenmasse soweit aus? Da gehen die Meinungen in den Fachbüchern doch schon auseinander.


    Ich habe ja mal Versuche zur Bildung von Kleinvölkern mit 200g Anfang Juni gemacht, allerdings in Styropor. Für Holzbeuten sollte man diese Menge verdoppeln, also 400g. Nach ca. 3 Wochen, also ungefähr um das heutige Datum, beginnt der erste Brutsatz zu schlüpfen mit ca. 800g Bienen. Diese Bienenmenge wächst nach weiteren 3 Wochen um weitere ca. 800g an.
    Du hast nun noch Bauverzögerung, bis die Königin legen kann, sagen wir 1 Woche, was du mit mehr Bienen ausgleichen musst, geschätzt um 1/3 von 800g, also ca. 300g, macht 1100g.
    Mach den Versuch einfach. Kontrolliere nach wenigen Tagen nach Sicht von oben ohne Waben zu entnehmen, ob eine Bienenmenge vorhanden ist, die man als Volk bezeichnen kann. Prüfe das Volk nach 14 Tagen mit der Liebefelder Schätzmethode. Passieren kann dabei eigentlich nichts Schlimmes, außer dass du evtl. nachverstärken musst. Bei der Schätzung solltest du auf mindestens 11000 Bienen kommen, ansonsten solltest du nachverstärken.
    Ich würde jetzt keine Bienen zufegen.


    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    deinen Beitrag hatte ich ganz vergessen. Vielen Dank dafür. Ich denke ich versuche es damit einfach mal. Wenn es nicht reicht, kann ich ja das Volk mit einem anderen wieder vereinigen. Eines der Wirtschaftsvölker sollte noch ggf. umgeweiselt werden. Kommt noch auf den Honigertrag an. Wenn der doch passen sollte, darf die Königin noch ein Jahr ran. Sonst wäre die halt fällig. Bin schon am überlegen, ob ich das ganze mit KS ganz bleiben lasse und nur nen kleinen Ableger im Standardmaß bilde. Das ganze dann später direkt zum umweiseln vereinigen.


    Eine Frage noch zur Kellerhaft. Bei einer normalen KS bildung wird immer geschrieben, das man die zusammengewürfelten Bienen zur besseren Bindung (und zum Vergessen des Beutenstandortes) in den Keller stellen muss. Wenn ich nun die von mir oben vorgeschlagene Methode wähle, habe ich Bienen aus zwei Völkern zusammen gewürfelt, aber die Kellerhaft weg gelassen. Das Problem des Abfluges gibt es ja so nicht, aber was ist mit der Bindung an die Königin? Ist die dann nicht so stark? Das stand eigentlich hinter der Frage mit der Kellerhaft. Weniger das Thema des Bienenabfluges.


    Gruß
    Frank

  • Hallo Frank,


    Folgendes klappt nach meiner Erfahrung:
    Alle Waben in eine andere Beute, statt dessen Leerwaben. Gekäfigte Königin außen neben das Flugloch. Die heimkehrenden Flugbienen und die Wächter interessieren sich zunächst kaum für die Königin, einzelne versuchen sie zu attackieren. Nach Ausbruch der Weiselunruhe dreht sich das Bild: Die Bienen entdecken die Königin, belagern den Käfig und versuchen, die noch misstrauische Königin zu füttern. Der Käfig wird mit Futterteigpfropf in die Beute gegeben, 14 Tage später nachgeschaut, Königin ist in Eilage.
    Deine Situation ist unterscheidet sich davon durch Mittelwände statt Leerwaben. Da sind die Honigraumbienen hilfreich, die du zugeben wirst, da die vermutlich schneller ihre Wachsdrüsen aktivieren können als die Altbienen.
    Ansonsten sehe ich nicht, was die Bienen daran hindern sollte, die Königin anzunehmen: Sie sind hoffnungslos weisellos und mit den Honigraumbienen hast du auch noch eine ausgesprochen friedliche Fraktion dabei. Die Bindung der Bienen untereinander und zur Königin kommt in der Beute zustande. Wo sollten die Bienen auch hin? Für die Flugbienen ist das ihre Heimat und die Jungbienen aus dem Honigraum neigen ohnehin dazu, zu einem Haufen zusammenzukriechen.


    Gruß Ralph

  • ...eine Frage am Rande im Zusammenhang mit Kunstschwärmen:


    Mir wurde hier aus dem Verein der Tipp gegeben, doch die Bienenbärte abzufegen zur Bildung von Kunstschwärmen. Wie sind die zusammengesetzt in puncto Altersstruktur, macht das Sinn? Die heißen Tage stehen uns ja wohl noch bevor!


    @ Hobbit: Hallo Frank!
    Wir hatten uns ja auch schon geschrieben... :-)


    Bernhards Tipp musste ich notgedrungen nachvollziehen, da mir die Völker bis auf eines im letzten Dezember geklaut wurden. Ich wollte nicht ganz neu anfangen und habe im Frühjahr fünf neue gekauft. Jetzt stehen bei mir zwölf Völker (Schwärme, KS und Ableger mitgerechnet) in der Lichtung hinter meinem Büro. Zuzüglich der Völker am Außenstand im Kleingarten von Freunden...Wohlbehütet und fast täglich bresucht. Und aus dem Vergleich der Völker kann ich Dir, wie Du weißt, selbst auch noch Anfänger im zweiten Jahr sagen: Manche Möglichkeiten nur nutzen, wenn Du aus dem Vollen schöpfen kannst! Meine Anfängererfahrung!


    Schönen Gruß


    Peter,


    der sich, spontan wie immer, noch ein paar Tage Zeit lässt, um zu überlegen, wer mit wem vereingt wird, um lebenspralle Völker ein- und auszuwintern.

  • Moinsen zusammen!


    Kurzes Zwischenfazit: Da bei einem meiner Ableger die Königin abhanden gekommen ist (warum auch immer) und die Nachschaffung nicht geklappt hat, habe ich mich spontan dazu entschlossen, den Ableger mit der neuen Königin zu retten. Somit hat sich das Thema KS für dieses Jahr erledigt. Auch dank der Beiträge von diversen Altimkern bin ich zu dem Schluss gekommen, dass meine beiden Wirtschaftsvölker nicht so stark sind, als das ich hieraus drei machen könnte.


    Vielen Dank für die kontroversen Beiträge. Hat mir sehr geholfen. So gehe ich nun mit 6 bis dahin hoffentlich starken Völkern in den Winter.


    Schönen Gruß
    Frank