Senf Problematik

  • Hallo,
    Aktuell habe ich meine Bienen am Senffeld stehen.


    Wahrscheinlich wird es auch dieses Jahr wieder notwendig sein eine PSM Maßnahme gegen Glanzkäfer durchzuführen. Aktuell ist der Druck noch nicht so hoch, aber die Blüte hat auch gerade erst eingesetzt.
    Mein Vorteil ist, dass es der Betreib eines Verwandten ist. Ich arbeite dort auch immer zur Ernte und ab und zu. Deshalb kenne ich die Leute gut und auch den Spritzenfahrer.


    Die Bienen stehen direkt am Feldrand. Die Frage ist für mich ist halt, wie viel Meter um die Bienen herrum man auslassen sollte. Die Forderung muss aber auch realistisch sein. Als wir das erste mal Senf hatten haben wir nichts gespritzt, dem entsprechend war auch die Ernte. Zum Einsatz kommt Biscaya, was ja bekanntlich sehr gut für die Bienen ist; Ironie aus.


    Mfg Jakob

  • Moin Jakob,


    Du wirst es wohl nicht hören wollen, aber ich würde die Bienen da vor der Spritzung wegstellen. Wenn schon im Raps und damit im aufsteigenden Bienenjahr damit Probleme auftreten, wird das im Senf nicht besser sein.


    Oder Du versuchst, die Spritzung ganz zu verhindern:


    Der Käfer verursacht den Hauptschaden vor der Blüte, weil er sich an den Pollen in den Knopsen heranbeißt und dabei nicht auf den Fruchtknoten achtet. Bei offener Blüte frißt der einfach Pollen. Davon gibt es aber genug. Wenn er da noch schädlich werden soll, müssen wirklich Unmengen der Tiere da sein, und dann waren die auch schon vor der Blüte schädlich und da ist nur noch Geld für Biscaya hinterher zu schmeißen.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...


  • Hast Du einen (wissenschaftliche) Quelle für diese Theorie?

  • Moin Jakob,


    einem Agraringenieur darfst Du auch so mal glauben. Das ist keine Theorie, das ergibt sich aus der Biologie des Tieres. Der Schaden entsteht an den Knospen, sowohl durch Fraß der Käfer als auch der Larven.


    Eine unverdächtige, jedoch vielleicht nicht wissenschaftliche Quelle könnte dies hier sein: https://www.fibl.org/fileadmin…/1483-rapsglanzkaefer.pdf . Oder Du guckst hier: http://www.proplanta.de/Raps/R…en_Pflanze1150276359.html . Selbst hier http://www.agrar.basf.at/agrop…tion_detailpage_1797.html steht: "Eine Insektizidbehandlung ist nur bis zu Beginn der Blüte lohnend, die Schadschwelle ist stark von den jeweiligen Entwicklungsstadien abhängig." Hier http://m.agrar.basf.de/agropor…ts/pest_details_1968.html steht: "Die Käfer fressen die Knospen an um an ihre Hauptnahrungsquelle den Pollen zu gelangen. Es kann zum totalen Schotenverlust kommen. Blüht der Raps richtet der Käfer keine Schäden mehr an, sondern ist sogar der Bestäubung dienlich." Also: Hört auf Mother Mary...


    Lasst es sein.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • .....Die Frage ist für mich ist halt, wie viel Meter um die Bienen herrum man auslassen sollte. Die Forderung muss aber auch realistisch sein. .....
    Mfg Jakob


    Frag den Spritzenfahrer, den Du gut kennst. Der müsste es wissen.


    Der Pflanzenschutzbetrieb, der hier spritzt, sprach von einem Abstand von 60m, den sie versuchen einzuhalten, sofern sie die Standorte der Bienenstände kennen würden. Ob das eine interne Vereinbarung, eine Vorschrift oder nur eine beruhigende Aussage ist, weiss ich nicht.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Moin Hagen,


    aber warum überhaupt spritzen, wenn es eh zu spät ist? Wenn man vielleicht mit dem Onkel reden kann, und ihm Einsicht vermitteln? 60 m bei Spritzungen in attraktive Blüten bringen nicht viel.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Clas, es geht um Gelbself, nicht um Rapsprobleme, der Gelbsenf wird als Gelbfalle, ähnlich http://www.amazon.de/Neudorff-33434-Gelbtafeln-kleinformatig-St%C3%BCck/dp/B002CWCZWK/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1403098768&sr=8-2&keywords=gelbfallen benutzt um dann in den Gelbenblüten den Rapsgklanzkäfer zu erwischen mit Biscaya. Ähnlich einer TBE, wo der Imker dann auch die Milben entfernt und die Brutscheune und die TBE-Völker dann behandelt. Eine sogenannte "Spätsommerbehandlung":wink:


    dD

  • ...
    aber warum überhaupt spritzen, wenn es eh zu spät ist? ....
    Gruß Clas


    Moin Clas,


    ja warum? Des Drohns Erklärung bietet sich vllt. an, um die Überwinterungspopulation des Käfers zu vernichten/zu reduzieren.


    Ansonsten muss ich Deine Ansicht bejahen, eine gute landwirtschaftliche Praxis scheint es zu sein, den Befall frühzeitig zu ermitteln und bei Bedarf die Knospen zu spritzen. Ich hatte es glaub ich, in einem anderen Thread geschrieben, bei uns verfährt man jetzt so.


    Eines scheint bei mir so: Seit ein spezialisierter Betrieb die Spritzerei übernimmt, scheint a) weniger Spritzerei nötig und b) wird zu optimaleren Zeitpunkten behandelt.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Moin Markus,


    das ahne ich schon auch, dass sowas vorkommt. Ich weiß das sogar und halte es für nicht akzeptabel. Das sind aber in aller Regel Nachfrüchte nach Getreide, Kartoffel oder sonst einer frühräumenden Frucht, und die Äcker blühen deutlich später. So ab September, bis in den Frost. Was jetzt blüht, ist sowas wahrscheinlich nicht.


    Und Jakob schreibt: "Wahrscheinlich wird es auch dieses Jahr wieder notwendig sein eine PSM Maßnahme gegen Glanzkäfer durchzuführen. Aktuell ist der Druck noch nicht so hoch, aber die Blüte hat auch gerade erst eingesetzt." Demnach ginge es um Senfsaat, und da ist die Lage nicht so anders, als beim Raps. Jedenfalls halte ich es für sinnvoll, wenn Landwirte und solche, die es werden wollen, wissen: Rapsglanzkäfer entweder vor der Blüte oder nicht mehr spritzen. Wenn sich da alle dran hielten, wäre schon etwas gewonnen.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Moin, moin,


    doch, wird es, um die Käfer schon im Vorjahr zu beseitigen. Wie häufig das ist, kann ich nicht sagen, aber man sollte es für möglich halten und versuchen, abzuklären...


    Davon abgesehen, ist eine solche Zwischenfrucht, die kurz vor dem Winter nochmal Volltracht bietet, auch ohne dies den Bienen ungünstig, zumal der Honig auch wohl recht fest wird...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Davon abgesehen, ist eine solche Zwischenfrucht, die kurz vor dem Winter nochmal Volltracht bietet, auch ohne dies den Bienen ungünstig, zumal der Honig auch wohl recht fest wird...


    Gruß Clas


    Hallo Clas,


    das kann ich nicht bestätigen. Der Honig läßt sich sehr gut cremig rühren und ist einer der cremigsten Honige.


    Als Hauptfrucht für den Drusch mit Blühzeit im Juni/Juli ist der Senf eine gute und je nach Bestand ergiebige Tracht mit guter Pollenversorgung, gegen deren Anwanderung nichts spricht. Am besten ein Biofeld ohne Spritzung.

  • Nochmal zu der Biskaya-Spritzung. Biskaya ist ja B4 und darf deshalb zur Mittagszeit in die Vollblüte gespritzt werden. Und dabei kommt es - nach den Erfahrungen einiger Forumsmitglieder - mindestens zu Flugbienenverlusten. Wenn jetzt Dein Verwandter meint spritzen zu müssen und Du ihn nicht vom Gegenteil überzeugen kannst, bitte ihn abends kurz vor Sonnenuntergang nach Einstellen des Bienenflugs zu spritzen.
    Wir hatten dieses Jahr das selbe Problem: Eigentlich sollte nicht mehr gespritzt werden, wir sind angewandert, dann war wohl doch die Schadschwelle überschritten. Der Landwirt hat spätabends gespritzt, wir haben die Fluglöcher bis zum nächsten Vormittag (Abtrocknen des Taus) geschlossen. Wir hatten keine Flugbienenverluste, die Rapsvölker stehen Top da, stehen längst wieder am Heimatstand, sind die Stärksten und schleppen wie jeck aus der Linde. Und ich bin heilfroh, das alles gut gelaufen ist :thumbup: Zum Verschließen der Fluglöcher im Hochsommer kann ich allerdings nix sagen, bei uns waren die Temperaturen ja im Frühjahr niedriger. Viele Grüße, Brigitta