Stauden schneiden und Identifikationsbitte

  • Hallo,
    ich weiß das es nicht zur Jahreszeit passt. Aber meine Frau und ich hatten heute eine Diskussion darüber wann und ob man Stauden schneidet um den Wildbienen etc eine optimale Hilfe anzubieten.
     
    Ich bin der Meinung das man Stauden garnicht schneiden soll. Die Wildbienen nutzen die toten Stängel dann als Überwinterungsplatz (oder die Brut derselben) und im nächsten Sommer/Frühjahr wachsen die Stauden zwischen den toten Stängeln durch. Bzw aus dem verholzten herraus.
    Meine Frau meint das wir die toten Stängel circa im März / April schneiden sollten damit die Stauden von den Altlasten nicht erdrückt werden.
    Leider hat keines unserer Gartenbücher oder Tante Google uns weitergeholfen. Ist hier vielleicht jemand der Ahnung hat?
    Des weiteren haben wir einen Strauch gefunden, welcher vor Bienen nur so überquoll. Leider wissen wir nicht was es ist. Hätten ihn aber gerne in unserem Garten. Vielleicht kann uns auch da jemand helfen??
    Vielen Dank schonmal
    Johannes

  • also erst mal zum Thema Stauden schneiden ... beobachtet das mal einen oder zwei Winter! Mein Eindruck(!) ist, dass Wildbienen bevorzugt waagrecht liegende "Nisthilfen" annehmen - das macht auch Sinn, da bleibt kein Wasser stehen. Ich schneide, bzw. rupfe die Überreste der Staudenste(ä)ngel meistens in den ersten schönen Tagen im Februar/März. Dabei habe ich noch nie Wildbienenwaben/Nester/whatever bemerkt .. die finde ich nur in Fensterspalten, Brennholzstapeln, ...


    Viele Stauden (= sommergrüne, nicht verholzende, aber winterharte, ausdauernde Pflanzen) verabschieden sich allmählich, wenn man ihnen die Konkurrenz und auch die eigenen dürren Stängel nicht vom Leibe hält, da spielt das gärtnerische Zuchtziel "horstig, nicht wuchernd" eine große Rolle. Die stehen sich buchstäblich selbst im Weg - nicht alle, aber viele. Zu spätes Entfernen stört die neuen Triebe ... ein Kompromiss wäre, jeweils abwechselnd einen Streifen im Spätwinter abmähen (Sense, Freischneider) und später unerwünschte Besiedler ausgrasen und den nächsten in Ruhe lassen, samt evtl. Bewohnern.


    Dein Strauch (verholzend) ist ein Viburnum vermutlich V. lantana (obwohl der rundlichere Blätter hat) oder eine Hybride. Ist der wintergrün?


    Marion

    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Also um mal Licht ins Dunkel zu bringen: Grundsätzlich korrekt ist, dass markhaltige Stengel von diversen Wildbienen als Nisthilfen genutzt werden. Allerdings eben nur ein einziges Mal, einmal bezogene Stengel werden nicht erneut genutzt da die Tiere ihre Nistgänge aktiv in das Mark beissen wollen. Diese Arten suchen ihre Nistgelegenheiten nach anderen Kriterien als die bekannteren Arten, die liegende, gebündelte und vor allem leere Röhren beziehen.
    Sie suchen dazu vereinzelte, vertikale Strukturen und zudem brauchen sie zugängliche, also angebrochene oder abgeschnittene Stengel (nur eine Art kann sich selber durch die Wand Zugang verschaffen) - ergo ist das Abschneiden, bündeln und irgendwo hinlegen oder auch hinstellen leider keine Lösung.
    Das macht deutlich dass also längst nicht alle Stauden bezogen werden können - die meisten werden gar nicht zugänglich sein (es sei denn, man schneidet sie liebevoll an). Es scheint auch gewisse Präferenzen für bestimmte Arten oder auch Gehölze zu geben (Totholz aus bestimmten Büschen wie Sommerflieder habe ich auch schon besiedelt befunden).


    Ergo: Ich würde dazu raten, eher mal Büsche mit markhalthaltigen Stengel zu pflanzen und schnonend zu schneiden und dabei das Totholz eben nicht komplett zu entfernen, sondern nur anzuschneiden anstatt nun die Staudenhalme stehen zu lassen und Krieg mit der Holden zu provozieren...letztlich werden nur sehr wenige davon überhaupt besiedelt werden.
    Man kann die Staudenabschnitte mit z.B. Kabelschellen auch einzeln und senkrecht an Zaunlatten oder am Wildbienenhotel unterbringen und dann alle paar Jahre (spätestens nach einmaliger Besiedlung) erneuern. Ein paar Halme kann man auch liegend im Wildbienenhotel unterbringen, manche scheinen sich da auch Überwinterungsquartiere reinzubeissen oder sie nutzen ehemalige Nistplätze dazu.


    Diese Nester sind übrigens nicht leicht zu finden, hier mal ein Zufallsfund aus dem Holunder:




    Herzliche Grüße
    Melanie


    P.S. Und falls die Du noch Ideen für Nisthilfen oder Hilfe beim Erkennen der Besiedler suchst:
    http://www.amazon.de/Melanie-v…ref=ntt_athr_dp_pel_pop_1

  • Wow, also ein grosses Dankeschön schon einmal an alle die sich die Arbeit gemacht haben.
    Ich denke die beste Lösung für uns wird die von Hymenoptera vorgeschlagene Variante sein, bei der wir markhaltige Stängel sammeln. Da wir sowieso gerade ein 4qm großes Insektenhotel als Sichtschutzzaun planen kann ich das da gut integrieren.
    Und danke auch für die Strauchidentifikation. Der wird 100% den Weg in unseren Spießeralbtraumgarten finden.
    Gruß aus Neuss
    Johannes