Welcher Frühjahrshonig bleibt so lange flüssig?

  • Hallo liebes Forum,


    ich habe am 10. Mai, als bei uns der Raps so ziemlich durch war, die Honigräume meiner beiden Völker geschleudert. Heraus kamen gut 60kg Honig. Der Wasseranteil war (und ist) bei ca. 16%.


    Während bei Vereinskollegen, die zugegebenermaßen nicht um die Ecke wohnen, die erste Ernte innerhalb von Tagen fest wurde, ist bei meinem Honig bisher gar nichts passiert. Wenn man den Honig isst, dann hat man zwar ein bisschen Kristalle auf der Zunge, aber die sind wirklich gering.


    Was könnte das wohl sein, was die Bienen da eingetragen haben? Es scheint auf jeden Fall kein Raps zu sein. Konsistenz und Farbe sind das was ein Vereinskollege als "Langnese" bezeichnet hat. Der Geschmack ist würziger als beim Raps, aber nicht streng.
    Bei uns gibt es viele Obstbäume (Apfel, Pflaume, Kirsche), aber die waren deutlich vor dem Abernten durch und einen Großteil der Ernte haben die Bienen erst in den letzten 2 Wochen vorher eingetragen


    Die einzige auffällige Trachtquelle, die mir aufgefallen ist, waren große Rosskastanienbäume die in der Zeit geblüht haben. Aber ich denke nicht das 3, wenn auch große, Bäume reichen um Honigräume zu füllen. Aber es muss etwas gewesen sein, wofür sie den Raps links liegen ließen. Und es war auch nicht übermäßig trocken in der Zeit, so dass der Raps vielleicht nicht gehonigt hat.


    Was könnte es wohl sein? Und warte ich jetzt wirklich darauf, dass da etwas anfängt zu kristallisieren um zu rühren?


    Gruß
    Sebastian

  • Etwas, wofür die Bienen den Raps links liegen lassen, blüht um diese Zeit nicht.
    Es gibt aber ein paar Faktoren, die außer der Nektarzusammensetzung die Kristallisierung verzögern:
    - ein niedriger Wassergehalt (16% sind für Raps sehr niedrig, d.h so lange, dass er so trocken wird, kann man ihn kaum reifen lassen)
    - hohe Temperaturen im Lagerraum
    - wesentliche Beimischungen anderer Nektare (Deine Beschreibung spricht dafür)
    Dass der Honig zwar flüssig ist, man aber Kristalle auf der Zunge spürt, lässt darauf schließen, dass er gerade dabei ist auszukristallisieren, dass kann jetzt schnell gehen.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

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  • Hallo Wolfgang,


    vielen Dank für deine Hinweise.


    Kannst du mit das mit dem geringen Wassergehalt und der Reifung näher erklären? Während des Schleuderns habe ich 15,5% gemessen, allerdings nur in Stichproben im Sieb. Die 16% kamen dann nach rund 2,5 Wochen im Eimer, nach kräftigem Durchrühren um auszuschließen, dass sich flüssigerer Honig oben gehalten hat.


    Der Honig steht im Keller. Die Umgebungstemperatur liegt dort immer zwischen 13 und 17°C.


    Ich weiß, dass es unmöglich ist die Bienen aus dem Raps heraus zu halten. Und die nächsten Felder waren jetzt auch nicht sehr weit weg. Das eine 250 Meter und Sicht, das andere 500 Meter und Sicht. Trotzdem scheint der Rapsanteil relativ klein zu sein, sonst würde er wahrscheinlich deutlich schneller auskristallisieren. Die Kristalle auf der Zunge fühlten sind auch bisher wirklich wenig an. Auf einen Teelöffel 1-2 grobe Kristalle, statt wirklich vieler kleiner Kristalle.


    Mal schauen wie sich der Honig entwickelt :)

  • Anders als man denken könnte, kristallisiert Honig mit wenig Wasser langsamer. Der Grund ist, dass hier nicht einfach Zuckerkristalle entstehen, sondern eine Mischung aus Fruktose, Glukose und Wasser. Da man Rapshonig nicht gerne lange in den Waben lässt (weil er ja schnell auskristallisiert) ist ein so trockener (reifer) Rapshonig eher selten. Ich habe noch keinen unter 17% geerntet.
    Die genannten Temperaturen sind nicht dazu angetan, das Auskristallisieren nennenswert zu bremsen (ich dachte da an Temperaturen von über 20 Grad).
    Was den Rapsanteil anbelangt: Bäume (also hier Obst und Kastanie) sind bezüglich der Nektarproduktion weniger empfindlich gegen Trockenheit als Raps. Es wäre also schon möglich, dass der Raps gar nicht so ergiebig war.
    250 Meter sind übrigens sind keine Entferung. Bei mir war dieses Jahr der nächste Rapsschlag gut 2 Kilometer entfernt. Trotzdem hat der Honig die typische helle Rapsfarbe.


    Ansonsten ist meine Erfahrung, dass es nach einsetzender Kristallisation relativ schnell geht. Auch ein Honig, der sich bis dahin viel Zeit lässt, wird vergleichsweise schnell cremig, wenn er erst einmal angefangen hat. Beispiel: Mein Lindenhonig vom letzten Jahr fing erst nach 5 Wochen an zu kristallisieren; dann dauerte es aber nur eine Woche, bis er abfüllbereit war.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)