Bienen sterben in leerer Beute - warum?

  • Hallo,


    wahrscheinlich habe ich einen Fehler gemacht, aber erklären kann ich ihn noch nicht, vielleicht weiß jemand, was hier passiert.


    Also,
    habe am Samstag 24.05. ein drohnenbrütiges Volk aufgelöst (siehe diesen Beitrag).


    Beim Abfegen (flächig verteilt in hohes Gras 200m vom Stand entfernt) bildeten sich im Gras wie erwartet mehrere kleine Grüppchen von Bienen.
    Gewundert hat mich danach aber, dass daheim überhaupt kein erhöhtes Flugaufkommen zu sehen war, nirgendwo wurde eine Beute belagert oder ähnliches! Nur eine handvoll verwirrter Bienen suchte immer mal wieder die alte Beute. Anstelle der alten Beute war ein leerer Standplatz, ein Vollvolk daneben stand noch da wie zuvor.


    Soweit, so gut. Auch am nächsten Tag (erneut sehr warmes, bestes Flugwetter) keine Besonderheit, nur wenige Bienen, die umherirrten. Zum Abend hin hörte das dann auf.
    Da ich an diesem Nachmittag zum ersten Mal in diesem Jahr einen fremden (statt eigenen) Schwarm fangen durfte, habe ich in Erwartung weiterer Nachschwärme noch am Abend eine weitere, leere Beute mit zwei leeren, bereits leicht ausgebauten Mittelwänden als Reserve an den alten Standplatz gestellt und vergessen das Flugloch zu zumachen.


    Heute Morgen flogen eine Handvoll Bienen darum herum und waren auch innen. Habe vermutet, dass da ein paar letzte Irrläufer ihre alte Beute suchen und alles erst mal so gelassen. Was sollte sie auch in einer leeren Beute groß tun?
    Doch weit gefehlt - vorhin lagen etwa 50-100 tote Bienen auf dem Gitterboden und es liefen weitere innen umher und zeigten sich ziemlich unruhig.


    Was läuft hier schief? 
    Wer bekämpft sich da? Oder sind das Irrläufer, die nun verhungert sind, weil sie angesichts einer Beute am alten Platz nicht versucht haben, sich bei anderen Völkern einzubetteln?


    Gruß
    hornet

  • Hi Hornet,


    passiert kann ich dir nicht erklären, nur soviel dass in der guten imkerlichen Praxis keine Leeren Beuten offen rumstehen.
    Dass dies die Bienenseuchenschutzverordnung verbietet, brauch ich wohl nicht noch zusätzlich zu erwähnen.


    Grüße,


    Maxikaner

  • Hallo Hornet,


    ist 200 m nicht ein Bischen arg weit weg zum Abfegen?
    Wir haben es bei ca 10 m gemacht, eigentlich spricht man von 20 Metern.


    Vielleicht sind deine Bienen zu einem anderen Bienenstand geflogen,
    vielleicht haben sie sich sogar dem Schwarm angeschlossen, den du gefangen hasst.
    OK, das ist doch recht weit hergeholt, aber irgendwo müssen sie ja sein.


    Dass die in der leeren Beute verwirrt sind, wundert mich eigentlich nicht.
    Es ist nicht ihre und Futter wird wohl auch keins drin sein.


    Gruß Doro


    PS:
    es darf keine ehemals bewohnte Beute offen rumstehen.
    Von einer neuen steht nichts im Gesetz.
    Nächstes Mal halt nicht vergessen.

  • Maxikaner :
    War ja klar dass wieder so ein Kommentar kommt. Aber das ist Unsinn - es geht bei der Seuchenverordnung um Seuchen und damit um alte Beuten und bebrütete (=potenziell verseuchte) Waben:


    "Von Bienen nicht mehr besetzte Bienenwohnungen sind stets bienendicht verschlossen zu halten"


    Hier handelte es sich aber um eine NEUE Beute und praktisch neue Mittelwände, in denen weder Honig noch Brut jemals gewesen sind. Das ist für Seuchen genau so bedeutsam wie ein leeres Regenfass. Und zu guter Letzt schrieb ich ja "vergessen", nicht von Gewohnheit, ok?
    Also bitte wieder zum Thema.


    doro :
    200m müssen sein, da ich weder meinen Nachbarn noch mir im eigenen Garten tage- und wochenlang Bienengrüppchen am Boden zumuten will, die sich sich nicht von ihren Afterweiseln trennen können.
    An andere Beuten glaube ich nicht, da die abgefegten Bienen sicherlich zuallererst an ihren gewohnten, alten Standplatz zurückkehren und länger nach ihrer alten Beute suchen werden statt sich einfach so in Massen bei einem bisher völlig fremden Volk einzubetteln, ohne zuvor daheim nachgeschaut zu haben.
    Der Schwarm war erst am nächsten Tag und den habe ich vom Auszug bis zum Fang immer im Blick gehabt.


    Gruß
    hornet

  • Ach so, wusste nicht, dass das deine Bienen waren, der Schwarm.


    Ich dachte, wenn da ein Schwarm ist, dann sind da auch sicher andere Bienen in der Nähe.


    Erklärt aber immer noch nicht, wo deine Bienen geblieben sind.
    Normalerweise fliegen sie schon als erstes wieder nach Hause.


    Gruß Doro

  • Was läuft hier schief? 
    Wer bekämpft sich da? Oder sind das Irrläufer, die nun verhungert sind, weil sie angesichts einer Beute am alten Platz nicht versucht haben, sich bei anderen Völkern einzubetteln?


    Hallo Hornet,


    also das mit dem Einbetteln funktioniert bei mir nicht. Das gibt immer Krieg, wenn fremde Bienen in eine besetzte Beute wollen. Es hat nichtmal funktioniert, als ich letztens dem Königinnenableger zwei Tage nach Ablegerbildung noch 2 weitere Waben mit Brut und ansitzenden Bienen aus dem Ursprungsvolk dazugegen habe. Die Bienen im Kö-Ableger haben sämtliche ansitzenden Bienen gekillt, obwohls ihre Schwestern waren und diese am Geruch hätten noch identifiziert werden können.


    Und bei so leeren Beuten kommt es schonmal zu Konkurrenzkämpfen verschiedener Interessensgruppen, der Bienenwohnungsmarkt gibt wohl nicht viel her. Ich würd mal sagen, da kommt noch was angeschwärmt.


    Gruß Sven


  • Und bei so leeren Beuten kommt es schonmal zu Konkurrenzkämpfen verschiedener Interessensgruppen, der Bienenwohnungsmarkt gibt wohl nicht viel her.


    Hmmm....
    Dann wohnen deine Bienen wohl in einem Bienenballungsgebiet.
    Bei uns gibt es kaum Bienen aber viel altes Gemäuer.
    Kein Grund für die Bienen in so einen komischen viereckigen Kasten einzuziehen.
    wenn das ginge, würde ich mir glatt noch ne Kiste anschaffen.


    Bei mir haben sich bei dem einzigen drohnenbrütigen Volk bisher die Bienen am alten Platz gesammelt und sind in die Nachbarkiste regelrecht eingelaufen.
    Eine Karawane.
    Keine Kämpfe, überhaupt nicht.


    Gruß Doro

  • Die Bienen im Kö-Ableger haben sämtliche ansitzenden Bienen gekillt, obwohls ihre Schwestern waren und diese am Geruch hätten noch identifiziert werden können.


    Und bei so leeren Beuten kommt es schonmal zu Konkurrenzkämpfen verschiedener Interessensgruppen, der Bienenwohnungsmarkt gibt wohl nicht viel her. Ich würd mal sagen, da kommt noch was angeschwärmt.


    Oh, wieder mal Anlass: Woher weißt Du das?


    Achtung: Stußverbreitung!


    hornet : Das sind armeslige Bienen gewesen, die an ihren alten Standplatz geflogen sind.
    Weil dort wieder was stand. Die brauchten gar nicht kämpfen. Die haben dort nichts mehr gehabt: kein Volk, kein Wabenbau, keine Nahrung. Todesursache hast Du schon vermutet.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper


  • also das mit dem Einbetteln funktioniert bei mir nicht.


    Hast du denn dafür gesorgt, daß die abgekehrten Bienen auch eine volle Honigblase haben? Sonst haben sie ja nix zum einbetteln und dürfen nicht rein. Wer was mitbringt darf rein, Hungerleider müssen draußen bleiben... ;)



    Alex

  • Ich seh das auch so. Viel zu weit weg abgekehrt läßt Innendienstbienen auf der Suche nach rettender Unterkunft verhungern. Leere Beute gaukelt Hoffnung vor. Nicht gut!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • :roll:Manche reden sich dann Sonderbienen an die Backe. Besonders wehrig, besonders putzig, capice?
    Deshalb erkennt der Königinnenableger von solchen Sonderbienen nach zwei Tagen auch die zugehängten Ansitzenden nicht am Heimgeruch und meuchelt die. Die lassen keinen rein, so evolufit sind die!
    Theorie Marke Selbststrick

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ich seh das auch so. Viel zu weit weg abgekehrt läßt Innendienstbienen auf der Suche nach rettender Unterkunft verhungern. Leere Beute gaukelt Hoffnung vor. Nicht gut!


    Hallo Henry,


    keine Angst, ich versuche immer, aus Fehlern zu lernen und sie künftig zu vermeiden - sonst hätte ich hier auch nicht gefragt. Aber Fehler sind, weil man sie macht und es ist so nunmal passiert.


    Warum aber sollen Innendienstbienen in einer Beute am alten Standort verhungern, nur weil ich 200 statt 20m entfernt abgekehrt habe?


    Was meinst du überhaupt mit Innendienstbiene? Das abgefegte Volk war ein Schwarm und der war schon vier Wochen alt und er hatte noch keine einzige neue Arbeitsbiene produziert, somit waren alle Bienen bereits Altbienen die draußen eingeflogen waren - 200m sind da doch keine Entfernung. Letztes Jahr hatte ich beim Abfegen eines anderen drohnenbrütigen Ablegers die selben Stellen und Minuten nach dem Abfegen war die Nachbarbeute vollkommen braun vor Bienen.
    Und letztes Jahr haben sich die Grüppchen um die Afterweiseln fast 2 Monate lang im Gras gehalten, ehe Regenwetter ein Ende setzte. Die sind nicht verhungert. Bis heute abend war das Wetter heuer vergleichbar wie letztes Jahr. Verhungern schon einen Tag später trotz bestem Flugwetter und einer milden Nacht, meinst du wirklich?



    Ergänzung:
    Und wenn ich es mir recht überlege,


    wenn die Bienen tatsächlich verhungert sind, dann hätten sie das zwischen heute morgen und vorhin machen müssen. Mit anderen Worten, sie hatten eine leere Honigblase, warum auch immer. Vorgestern und gestern hätten sie sich noch nmit voller Honigblase einbetteln können, haben sie aber nicht gemacht, sie sind erst heute gekommen.
    Und mit der leeren Honigblase heute hätten sie sich aber auch nicht mehr in die Nachbarbeuten einbetteln können, wären also so oder so verhungert, selbst wenn ich diese Leerbeute nicht hingestellt hätte.
    Im Gegenteil, wenn sie es trotzdem versucht hätten, hätte es Kämpfe gegeben und dabei wären noch weitere Bienen meiner Nachbarvölker geschädigt worden.
    So gesehen könnte die Beute sogar sinnlose Opfer bei den Nachbarbeuten verhindert haben.


    Mich interessiert aber immer noch, warum das Abfegen in 200 statt 20m Entfernung irgendwie schlecht sein soll. Immerhin will man doch verhindern, dass Afterweiseln zurückkommen, da ist je weiter weg doch um so besser, oder? Und für die eingeflogenen, flugfähigen Normalbienen, die man zurück haben will, ist die Differenz von 180 m doch nur eine Frage von Sekunden.


    Gruß


    hornet

    Ja, spinn' i oder bien i?

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  • Danke Henry für den Stups.
    Hatte ich gerade total vergessen bei meiner Grübelei, wo die Bienen sein können.


    Die sind ja noch gar nicht eingeflogen und wissen nicht wo "zu Hause " ist.


    Normalerweise pass ich da schon auf. Nur im Moment war es futsch, fort, vergessen...


    Gruß Doro

  • Jungbienen, die vor die Beute fallen (wo sie nicht hingehören) oder die bei KS-Bildung oder whatever auf der Erde landen,
    die müßt ihr mal beobachten. Die rotten sich rettend aneinander, sie brauchen sehr lange, bis sie auffliegen, dann können sie von Glück sagen, wenn das Flugloch nah ist und am besten noch sterzelnde Kollegen dort.


    Wenn abgefegt wird, rotten sich Bienen auf dem Boden auch gern zusammen und bilden Träubchen. Nackte Bienen ab einer gewissen Zahl tun das. Deshalb ist es gut, viele kleine Portionen und die dann noch gestreut abzufegen, dann fliegen sie eher ab.
    Wer schnell macht und an einer Stelle, der hat weniger Rückflug bzw. weniger Einbettler.
    Der hat ewig hockende Bodentrauben.


    Drohnenbrütige haben auch Innendienstler. Die fliegen schließlich nicht automatisch alle draußen rum, weil sie jetzt alt genug sind und Ende. Die Altersstruktur bei lange nicht pflegenden Bienen ändert sich, der Bedarf an Tätigkeitsgruppen auch. Es rücken schließlich keine nach, die Ablösung stellen, also bleiben einige besetzt.
    Innendienstler können sich nicht draußen selbst versorgen, indem sie mal eben zu ner Blüte fliegen. Flugbienen übrigens auch nur begrenzt. Aus Eigenhunger und Erhaltungstrieb wird schließlich nicht gesammelt, sondern immer für die Gemeinschaft. Essen gibt es im Volk.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper