Bienen finden Imkerhut zum Sterzeln - warum?

  • Hallo,


    habe am Samstag 24.05. ein drohnenbrütiges Volk aufgelöst. Es handelte sich dabei um einen Schwarm vom vom 25.04., der sich zunächst gut machte, aber dann doch nur eine auffällig langsame Entwicklung hinlegte und schließlich mit reiner Drohnenbrut (typisches Buckelbrutbild) überraschte. Habe wiederholt und länger nach einer Königin gesucht, nicht gefunden, dennoch bin ich nicht sicher, ob es sich um Drohnenbrütigkeit mit Afterweiseln oder mit einer unfruchtbaren Königin handelt.
    Wie auch immer, irgendwie sanieren erschien mir zu aufwändig und risikoreich, zumal es ja schon recht alte Bienen sind, also Abfegen.


    Beim Abfegen (flächig verteilt in hohes Gras 200m vom Stand entfernt) bildeten sich im Gras wie erwartet mehrere kleine Grüppchen von Bienen.


    Auffällig waren dann aber zwei Dinge:


    1) Daheim war überhaupt kein erhöhtes Flugaufkommen zu sehen, nirgendwo wurde eine Beute belagert oder ähnliches
    2) Ich hatte einen Helfer dabei und sobald dieser an den Grüppchen vorbeilief, wurde sein Imkerhut sofort von einem Bienenpelz sterzelnder Bienen besetzt. Abschütteln und weglaufen führte dazu, dass die Bienenwolke versuchte, den Hut zu verfolgen und sich erneut darauf niederzulassen. Dies ließ sich mehrfach wiederholen - es gab keine Aggressionen, die Bienen fanden nur den Hut unwiderstehlich und wollten darauf sterzeln.


    Habe ihn immer wieder intensiv nach einer möglichen Königin abgesucht, aber nichts gefunden.


    An meinem Hut gab es keine besonderen Bienenansammlungen.


    1. Frage:
    Was könnte da passiert sein, was die Bienen so fasziniert haben?
    Der selbe Hut des Helfers zeigte bei der Durchsicht anderer Völker danach keine Auffälligkeiten. Auch beim Fang eines Schwarmes am nächsten Tag erregte er keinerlei gesteigertes Interesse bei den Schwarmbienen.


    2: Frage:
    Deutet das Fehlen von Einbettelflugverkehr am Heimatstand darauf hin, dass sie es gar nicht versucht haben, sondern alle draußen geblieben sind? Oder ist das Einbetteln doch so unauffällig, wenn die Bienen vorher gut Honig tanken konnten (konnten sie!)?


    Momentan ist nur noch ein Grüppchen draußen, die machen keine Anstalten heimzufliegen, eine Art Schwarmtraube ist es aber auch nicht und sie hatten 2 Tage mit sehr warmen, trockenem Wetter und einer sehr milden Nacht Zeit dazu - verklammen musste keine Biene.


    Gruß
    hornet

  • Hallo hornet,


    beim Einfangen des Schwarms hier aus der Wiese war es genauso. Die Königin war definitiv am Boden, die Bienen ca in Fußmattengröße als Teppih in der Wiese, viele noch in der Luft.
    Niedergang auf den Boden ist eher untypisch. Ich war plötzlich auch bienenbesetzt, Schultern, Hut und Schleier voll, Sterzeln, Verfolgen.


    Die fanden mich am Sammelplatz sehr viel ansprechender als hohe Sammelgelegenheit: Weißer Baum mit Krempe, schön, nehmen wir. "Kommt alle her, wir setzen uns hier oben hin. Traube bilden."
    So hab ich mir das erklärt.
    Rettung war: Schwarmfangkorb mit Königin mit Restöffnung zum sammeln stehen lassen. Ständig abfegend bzw den Hut schüttelnd sich zügig aus dem Attraktivitätskreis entfernen.
    Dann haben sich alle wie geplant im Korb abgesetzt und zusammengetraubt.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Hornet,


    normalerweise ist es schon ziemlich auffällig, wenn sich Bienen in fremde Völker einbetteln. Es wird gesterzelt, die Bienen berüsseln und betasten einander. Manchmal kommt es auch zu Kämpfen, hatte ich erst vor ein paar Tagen, als ich eins meiner Völker abgefegt habe. Beim rechts benachbarten Schwarm gab es Tote, beim links benachbarten Ableger wurden sie freundlich eingelassen. Ich finde 200m vom Stand entfernt ziemlich weit, vielleicht hat's daran gelegen, daß sie sich erstmal auf Deinem Helfer niedergelassen haben.

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • zonia :
    Stimmt, meine Erfahrung ist auch, dass es SEHR auffällig ist. Und zwar bisher auch bei 200m Abstand.


    beetic : "Weißer Baum mit Krempe, schön, nehmen wir. "Kommt alle her, wir setzen uns hier oben hin. Traube bilden."


    Danke, das gefällt mir und nehme ich vorläufig mal als plausible Erklärung!
    Komisch nur, dass ich viel größer gewesen wäre als mein Helfer - also eigentlich attraktiver. Rein höhentechnisch gesehen :wink:


    Gruß
    hornet

  • Hi,
    das hatte ich auch schon. Ebenfalls drohnenbrütiges Volk abgekehrt. Hatte das Gefühl, dass mir Bienen auf dem Kopf sitzen, konnte aber nicht über Krempe des Schleiers gucken. Lief ein Stück des Wegs und fragte den nächstbesten Passanten: "Habe ich Bienen auf dem Kopf?"
    Blöder Blick, Antwort: "ja, ne ganze Menge", schnelles Entfernen.
    Dann habe ich in Zeitlupe den Schleier ausgezogen und die Bienen abgekehrt.
    Grüße
    apirita

  • Früher hieß es auch mal, man solle eine Schwarmfangkiste auf ein weisses Laken stellen. Signalfarbe, oder zumindest erkundungswürdiger Punkt im satten Grün? Schwestern darauf besser erkennbar? k. A.


    Ich glaube, auch simmerl schrieb in irgendeinem Thread davon, dass Weiß unter bestimmten Umständen anziehend wirke, finde es blos nicht mehr.


    Gruß aus dem Erzgebirge

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Habe gerade einen Schwarm "ueber Kopf" gefangen und da fielen mir beim Abfschuetteln viele auf die Muetze...die haben munter gesterzelt und auch fuer den Rest der Aktion war das Muetzchen ein total heisser Insidertipp bei den Damen...aber beim Schwarm wird ja schnell jeder noch so dumme Platz zum neuen Sammelpunkt erkoren ;-)



    Melanie

  • Vor allem Königinnen "lieben" helle Untergründe (und fliegen wieder auf...)

  • Hallo,


    habe am Samstag 24.05. ein drohnenbrütiges Volk aufgelöst. Es handelte sich dabei um einen Schwarm vom vom 25.04., der sich zunächst gut machte, aber dann doch nur eine auffällig langsame Entwicklung hinlegte und schließlich mit reiner Drohnenbrut (typisches Buckelbrutbild) überraschte. Habe wiederholt und länger nach einer Königin gesucht,


    hast du dich mal gefragt warum ein Schwarm so schnell drohnenbrütig wird?

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • hast du dich mal gefragt warum ein Schwarm so schnell drohnenbrütig wird?


    nein, da dieser Schwarm eine besondere, traurige Geschichte hatte und ich mich zuvor sogar gewundert habe, dass er sich überhaupt berappelt hat, da ich zunächst sogar davon ausging, dass die Königin sowieso verloren ist. Weil er sich nach dem Einschlagen dennoch normal verhalten und rasch ein erst mal gutes Brutnest angelegt hat, habe ich es weiter laufen lassen. Dass die Königin nun doch einen Schaden davon getragen hat oder unfruchtbar geblieben ist, wundert mich hier jedenfalls nicht. Externe Ursachen sind jedenfalls höchst unwahrscheinlich. Schon allein, weil andere Schwärme sich prächtig entwickeln.


    Gruß
    hornet