Robinie, Schwärme, und Wandern

  • Eine kleine Freitagnachmittagsgeschichte:


    Randbedingungen:
    Einer meiner Stände (derzeit 15 Völker) befindet sich auf einem historischen Wissenschaftspark, auf dem in eingezäuntem Waldgelände mehr als 1000 Leute arbeiten. Es gibt dort eine Kindertagesstätte in einem historischen Gebäude. Das Gelände ist waldumsäumt, mit prima Robinienbeständen. Daneben, auf der anderen Seite des Parks befindet sich der grosse Friedhof der Stadt. Seit einigen Tagen honigt die Robinie prächtig.


    Der Geschichte erster Teil:
    Gestern (Do) morgen Katastrophenalarm: Bieneninvasion im Garten der KiTa. Die Kinder wurden in den Keller evakuiert. Als vermeidlich Verantwortlicher gerufen, finde ich einen dicken Schwarm an der nächsten Eiche. Beim Anstellen der Leiter etc. macht sich der Schwarm schon wieder davon. Kritische Anmerkungen der KiTa-Leiterinnen: Gefährdungspotenzial ! Eine kurze Inspektion meines Standes: kein Schwarm raus. Heute (Fr) morgen gegen 10.00 wiederholt sich die Katastrophe: neuerlicher Schwarm, neue Evakuierung. Diesmal hängt er hoch, > 25 m, keine Chance. Er hängt immer noch. Versuch, die Kindergärtnerinnen zu beruhigen, Kinder aus dem Keller freigelassen. Als alle wieder im Garten spielten und ich mich entschuldigend verabschiede: Dritte Invasion. Die dritte Armee hängt wieder hoch, immer noch. Drohung der Kita-Leute: Mein Stand (ca. 150 m weit weg) gehöre nicht da hin - Eingabe bei der Verwaltung angekündigt. Neuerliche Inspektion meines Standes: kein Schwarm von mir.


    Der Geschichte zweiter Teil:
    Zum seelischen Ausgleich: In der Mittagspause Spaziergang mit Bautz (DD, liegt sonst unter meinem Schreibtisch). Da stehen innerhalb des (öffentlichen) Friedhofs (für Jäger: befriedeter Bezirk) 28 Völker auf Paletten, profimässig vergurtet: ein Wanderimker (ca. 200m auf der anderen Seite zur Kita). Adresse, Wanderbescheinigung, etc. alles nicht vorhanden. Ein kurzer Blick über die Fluglöcher: vermutlich Schwärme aus 6 Völkern abgegangen. Anruf beim Wanderwart: weiss von nichts. Anruf beim Veterinäramt der Stadt (13:30): ausser einer Person niemand mehr da. Diese wäre aber geneigt, die Info am Montagmorgen weiterzuleiten. Anruf bei den Friedhofsbehörden: Fr. 13:40 (keiner mehr zu erreichen).


    Fazit: Gemessen am allgemeinen Standard scheinen meine Bienen recht fleissig. Daß einer anwandert: geschenkt. Daß einer nicht auf Schwärme aufpasst: egal. Dass einer die Wanderordnung nicht befolgt: (vielleicht) verziehen. Daß ich aber deswegen möglicherweise meinen besten Stand räumen muß, bringt mich in Wallung.


    Schönes Wochenende


    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Zitat

    Was ist Deine Frage? Warum solltest Du Deinen Stand räumen? Welche Begründung? Gab es Bienen schon vor dem KIGA?


    Ich habe gar keine Frage. Eigentlich wollte ich bloss eine Geschichte erzählen. Manchmal überkommt einen das so ...


    Der Stand soll geräumt werden, weil die Erzieherinnen eine durch Bienen erzeugte körperliche Gefahr für die in ihrer Obhut befindlichen Kinder sehen. Der Stand existiert seit vier Jahren, die KiTA schon ein bisschen länger. Die KITA-Leute haben in dieser Zeit von meinen Völkern überhaupt nichts mitgekriegt, weil 100 m Wald dazwischen liegen und weil sie ganz selten schwärmen. Vom normalen Flugverkehr ganz weit ab. Trotzdem sind sie schwer zu überzeugen, die KITA-Leute, meine ich ...


    Man würde sich andersrum wünschen, dass Erzieherinnen 3 bis 6 Jahre alten Kindern so einen Schwarmakt beobachtend erklären würden. So "guckt mal, was die tolles machen" statt "grosse Gefahr, alles in Deckung". Also ein souveränes Behüten, kein angstvolles. Ich bleib' mit ihnen im Gespräch.


    Danke fürs Interesse,


    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

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  • 6 abgeschwärmte Völker aus 28 Völkern ist höchstens Halbprofi...genauso wie fehlende Angaben am Wanderstand semi-professionell sind.

  • Also ein souveränes Behüten, kein angstvolles. Ich bleib' mit ihnen im Gespräch.


    :daumen:


    ... leider haben die allermeisten Nicht-Imker panische Angst vor Bienen. Hatte erst gestern wieder so ein Erlebnis. Da bekam ich Besuch und bei mir im Schuppen waren so ca. 2 Dutzend Bienen... und schon kehrten die Besucher wieder um ...


    Und Kindergärtnerinnen dürften auch vor allem daran denken, was mit ihnen passiert, wenn doch ein Kind mal gestochen wird...... die Ämter und Helicopter-Eltern würden sie doch sofort "lynchen" ...


    Wir leben nunmal in einer Gesellschaft, die sich von ihren natürlichen Wurzeln inzwischen sehr weit entfernt hat.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Baudus,


    welche Angaben des Besitzers gehören an den Wanderstand ?
    Von welcher rechtlich wirksamen Wanderordnung ist hier die Rede ?


    freundlichen Gruß
    Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Hallo Freunde,
    stimmt, von den Kindergärtnerinnen hätte ich auch ein anderes Verhalten erwartet. Da offensichtlich keinerlei imkerliche Fachkentnisse vorhanden sind, ist es deine Aufgabe, diese zu vermitteln. Du bist schließlich der Imker vor Ort.
    Natürlich sind die fehlenden Angaben des Wanderimkers liederlich.
    Aber 6 Schwärme aus 28 Völkern, das ist bei Wanderimkern wohl ein normaler Anteil. In diesem Jahr hätte ich sogar mehr vermutet. Und was genau soll er machen aus 2oo km entfernung oder mehr und voll im Arbeitsstreß?
    Er ist ja nicht Wanderimker geworden, weil er täglich seine Völker durchsehen will.
    Du solltest, wenn möglich und immer recht freundlich, den Kindergärtnerinnen den anderen Stand zeigen und deinen. Du solltest sie über Schwärme und ihre Gewohnheiten, ihre Funktion aufklären und auch den Kindern etwas über Bienen erzälen und zeigen. Nicht so wie ich, sondern informativ und mit Fingerspitzengefühl. Vielleicht gewinnst Du ja auch gleich noch einen Absatzmarkt.
    Viele Grüße und viel Glück
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.


  • welche Angaben des Besitzers gehören an den Wanderstand ?

    Nö.



    paragraph 5a

    :daumen: JA



    Bleibt nur noch die Frage:


    Von welcher rechtlich wirksamen Wanderordnung ist hier die Rede ?

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Hi Molle,


    also die Telefonnummer wäre theoretisch keine Pflicht, der Rest aber schon.
    Hier noch mal der Gesetzestext.



    "Der Besitzer von Bienenvölkern, die nur vorübergehend an einen anderen Ort verbracht werden, hat an dem Bienenstand ein Schild mit seinem Namen und seiner Anschrift sowie der Zahl der Bienenvölker in deutlicher und haltbarer Schrift gut sichtbar anzubringen. Er hat dafür zu sorgen, dass die Bienenvölker in seiner Gegenwart oder im Beisein eines von ihm Beauftragten von dem beamteten Tierarzt untersucht werden können, soweit eine solche Untersuchung aus Gründen der Seuchenbekämpfung erforderlich ist."


    Ein mir bekannter Imker hat wegen weglassen von Anschrift und nicht Anmeldung beim Amt 180€ Geldbuße bekommen mit der Androhung bei nochmaligen verstoß, es 8.000€ werden könnten.


    Könntest du mir bitte erklären wo du bei diesem Pargraphen Spielraum siehst?
    Mir ist das leider nicht klar.


    Grüße,



    Maxikaner

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  • Moin Maxi,


    ich sehe nicht den Hauch eines Spielraumes bei diesem Paragraphen!
    Vergleiche doch noch mal die bei Dir aufgeführten Punkte mit dem §5a - jetzt mal die Tel.Nr. schon rausgenommen.


    welche Angaben des Besitzers gehören an den Wanderstand ?


    Gruß aus dem Land in dem Luftschlösser und Schwärme fliegen :lol:

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“