Lesen im Wabenbau

  • Hallo,


    habe heute ein Wirtschaftsvolk durchgesehen, dessen Wabenbau mich stutzen ließ (normalerweise erklärt sich mir der Wabenbau aus der Vorgeschichte der Völkerführung, den Wabenbau zu "lesen" halte ich für das poetischste Vergnügen der Imkerei, aber hier muss ich passen und bitte um Interpretationshilfe - vielleicht bin ich auch nur etwas begriffstutzig.)


    Ich habe am Ostermontag (30.04. ?) dem damals 4-zargigen Volk (ohne ASG, sehr großes Brutnest) 6 vollständig verdeckelte Honigrahmen entnommen und durch MW ersetzt. Am 05.05. entdeckte ich ein bestiftetes Spielnäpfchen und bildete einen Brutableger (2 Brutrahmen, 2 Honigrahmen, 1 Pollenrahmen, alle mit vollem Bienenbesatz) und ersetzte durch MW und ausgeschleuderte Honigrahmen. Am 16.05. entdeckte ich vier bereits geschlossene Weiselzellen und bildete mit diesen einen weiteren umfangreichen Brutableger. Anstatt MW zu geben, engte ich auf drei Zargen ein.


    Heute bot sich folgendes Bild: Eine - wohl am 16.05. übersehene - Nachschaffungs-WZ auf altem Wabenbau: ausgefressen, vor dem Schlupf; dazu ein Spielnäpfchen mit fetter Larve kurz vor der Verdeckelung; zahlreiche unbestiftete SN am unteren Rahmenrand (keine Nachschaffungszellen); zahlreiche Rahmen mit jüngsten Stiften; keine "ordentlich" verlassene WZ (Schlupf) zu entdecken; in der obersten Zarge werden neue Brutflächen (Futterkränze) angelegt. Die Summe der Bienenmasse der Volkes und der beiden Ableger lässt eigentlich keine Differenz übrig für einen zusätzlichen Schwarm.


    Es handelt sich um mein bestes (sanft, sammelfreudig, aber leider auch recht viel Propolis produzierendes) Volk, deswegen entschied ich mich für Ablegerbildung vor Honigertrag. Meine Erklärung wäre, dass nach der Bildung des 2. Ablegers das Volk die übersehene WZ ausfraß. Aber warum blieb dann die fette Kö-Larve unbehelligt? Die Kö ist aus 2013.


    Dem Volk geht es gut. Den Ablegern auch. Also eigentlich alles in Butter. Aber ich kann mir das ganze nicht plausibel erklären.


    Gruß, Steffen

    Postlerhonig vom Briefträger

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von Steffen Felger () aus folgendem Grund: das Haar in der Suppe

  • Hallo,


    das ist bei der reinen Beschreibung ein bißchen seltsam und seitens Deiner Formulierungen.

    ...dessen Wabenbau mich stutzen ließ (normalerweise erklärt sich mir der Wabenbau aus der Vorgeschichte der Völkerführung, den Wabenbau zu "lesen" halte ich für das poetischste Vergnügen der Imkerei


    Wo geht es denn hier um Wabenbau? Ich verstehe Dich so, dass es um die Problematik der Anlage der Weiselzellen / Schwarmtriebigkeit etc. geht.


    ein bestiftetes Spielnäpfchen....

    Das ist dann eine Schwarmzelle per Definition :wink:

    vier bereits geschlossene Weiselzellen

    Was denn für Weiselzellen jetzt? Schwarmzellen? Weil dann kommt:

    wohl am 16.05. übersehene - Nachschaffungs-WZ auf altem Wabenbau

    Wie können die denn nachschaffen, Du hast doch geprüft und Stifte gehabt! Das ist also folglich keine Nachschaffungszelle.

    dazu ein Spielnäpfchen mit fetter Larve kurz vor der Verdeckelung

    Das ist wiederum kein Spielnäpfchen mehr. :wink: Und eine Larve meinst Du sicher auch nicht, sondern eine Steckmade?
    Bist Du sicher, dass die Zelle 8 Tage alt ist? Nicht vielleicht doch genau 5 Tage oder 6, also nach oder am 16.5. entstanden?


    Wie wäre es also mit jetzt stiller Umweiselung anstatt Schwarmprogramm?


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • ....Meine Erklärung wäre, dass nach der Bildung des 2. Ablegers das Volk die übersehene WZ ausfraß. Aber warum blieb dann die fette Kö-Larve unbehelligt? .....
    Gruß, Steffen


    Könnte am Wetter gelegen haben? Ich hatte den Eindruck, dass die Bienen tws. die Weiselzellenproduktion während der Kaltphase quasi auf Standby laufen ließen. Ich fand Zellen, der Größe nach wie kurz vor dem Verdeckeln, aber eben ausgeräumt. Daneben Näpfe mit frischen Maden.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Die Erzgebirger-Interpretation ist auch die meine, was mich daran irritiert ist, dass die Bienen dann wohl selbst nicht "wissen", was sie eigentlich wollen. Davon war ich bisher immer ausgegangen, dass die Bienen nicht unentschieden sind. Aber warum soll es ihnen anders gehen als uns Zweibeinern? --- Zu beetic: Wegen der "Nachschaffungszelle": Nach der Logik hast Du natürlich recht, und wenn man jetzt sagt, das kann nicht sein, dass sie aus Arbeiterinnenbrut nachgeschafft haben, weil ja später noch bestiftet wurde, dann bleiben trotzdem die ausgefressene Weiselzelle einerseits und die Streckmade andererseits, und zugleich kein Hinweis darauf, dass eine Jungkönigin geschlüpft ist. Stiller Umweiselungsversuch war mir auch in den Sinn gekommen. Ich war zwar mit dem Volk sehr zufrieden, aber die Bienen haben natürlich das Sagen und legen nicht meine Maßstäbe an. --- Wahrscheinlich habe ich das Volk durch Honig- und zweimalige Brutentnahme sowie Einengen zu sehr strapaziert. Ein Fall für den Bienenpsychiater. :oops: Werde wohl doch Stockkarten einführen müssen, damit ich auf einen Blick erkennen kann, was ich in einem Volk bereits angerichtet habe. Bisher notiere ich das alles nur für alle Völker fortlaufend in einer Kladde und ich war schon recht erstaunt, was ich da bereits alles manipuliert habe, als ich das alles nochmal durchlas, bevor ich diesen Thread anstieß.


    Keine gute Leistung jedenfalls. Gruß Steffen