Harvard-Studie: Pestizide tragen Mitschuld am Bienensterben

  • Hallo Drihn,


    Der Drohn hätte sich einen Link auf diese Studie erhofft.
    So kann dieser Link leider als Propaganda abgestempelt werden können.


    Veröffentlichung über die Studie:
    in Bulletin of Insectology:
    Sub-lethal exposure to neonicotinoids impaired honey bees
    winterization before proceeding to colony collapse disorder


    Die Harvard School of Public Health gibt als Kontakt für weitere Informationen an:
    Marge Dwyer
    mhdwyer@hsph.harvard.edu


    Die eigentliche Studie habe ich ob meiner nur rudimentär vorhandenen Kentnisse der amerikanischen (englischen) Sprache nicht gefunden.


    Ich hoffe Dir trotzdem helfen zu können,
    .... schön das Du wieder da bist.


    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Danke Alex!


    Der Drohn liest diese Studie so, dass es keine Effekte gibt!


    Wie kommt nun der obige von dir genannte Artikel, zu der Aussage dass es Wirkungen geben könnte?


    Verstehst Du was der Drohn Dir hiermit kryptisch mitteilt?


    dD


    Die Dimension ist die


  • Dies ist die Veröffentlichung, mehr ist zur Zeit nicht zu haben.


    Ich habe die Zusammenfassung bereits übersetzt:



    Sublethale Gaben von Neonikotioiden beeinträchtigten die Einwinterung von Honigbienen vor dem Zusammenbruch der Völker durch Colony Collapse Disorder


    Chensheng LU, Kenneth M. WARCHOL, Richard A. CALLAHAN



    Zusammenfassung:


    Das Syndrom des Zusammenbruchs von Völkern von Honigbienen ( Apis mellifera L.) – Colony Collapse Disorder, CCD – hält sich immer noch in vielen Gebieten der Welt.


    Mit dieser Studie zeigen wir, daß gesunde Völker, die sublethalen Dosen der Neonikotinoide Imidacloprid und Clothianidin ausgesetzt sind, in ihrer Einwinterung betroffen sind, was daraufhin zu Völkerzusammenbruch - CCD – führt.


    Wir stellten fest, daß sich die Bienen in der unbehandelten und in der neonikotinbehandelten Gruppe während des Sommers und des Herbstes beinahe identisch entwickelten, und beobachteten keine akuten Krankheitserscheinungen oder Todesfälle in beiden Gruppen bis gegen ende des Winters.


    Doch am ende des Winters hatten die Bienen von sechs der zwölf neonikotinbehandelten Völker ihre Bienenstöcke verlassen, und gingen schlußendlich mit Symptomen wie sie für Colony Collapse Disorder beschrieben werden ein.


    Dahingegen haben wir genau das gegenteilige Phänomen in den Kontrollvölkern beobachtet, in denen anstelle des Kahlfliegens die Völker sich schnell mit neu schlüpfenden Bienen aufbauten.


    Nur eines der sechs Kontrollvölker ging ducrch eine nosemaartige Infektion verloren.


    Die Beobachtungen aus dieser Studie dürften dazu beitragen, die Mechanismen aufzuzeigen, mit denen sublethale Neonikotinaufnahmen das Verschwinden von Honigbienen aus ihren Bienenstöcken verursacht haben.



    Und hier die Beschreibung der Versuchsausführung:


    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=28601&p=418173#post418173



    Das Resultat der Studie ist ganz eindeutig:


    Schon zum zweiten Mal ist es Dr. Lu gelungen, durch Gaben von Neonics das Colony Collapse Disorder (leere Bienestöcke am Ende des Winters) auszulösen.
    Diejenigen behandelten Völker, die bis zum Versuchsende überlebten, hatten entweder keine Königin mehr oder keine Brut, waren also auch dem Tod geweiht.




    Bitte, Drohn, was soll das heißen, wenn du behauptest, daß es bei dieser Studie keine Effekte gibt?


    :confused:

  • Warum sind plötzlich am 29.12.2012 mehr Rähmchen mit Bienen besetzt in der Kontrollgruppe?...siehe Diagramm
    Wie soll so was bei Bienenvölker zu dieser Jahreszeit passieren?
    Sechs Versuchsvölker pro Gruppe ist auch schon sehr grenzwertig.
    Wurden die Gruppen randomisiert?
    Warum wurden die Daten einer Gruppe alle in einen Pool geschmissen, es waren so wenige, da wäre es ein leichtes jedes Versuchsvolk einzeln auf zu zeigen.
    etc., etc.....


    so schade wie es ist, aber solche Studien bewirken in der wissenschaftlichen Welt genau das Gegenteil für das sie gedacht sind, und genau dort sollten Effekte entstehen zum genauen forschen.



    dD

  • Könnte eine Falle sein. Wenn wir alle auf den Zug aufspringen und diese Studie hochhalten, ist es einfach uns Leichtgläubigkeit und wissenschaftliches Unverständnis nachzusagen.

  • Komisch, ich finde die Studie gar nicht so schlecht.
    Was natürlich Käse ist, ist eine graphische Darstellung, bei der ermittelte Einzelwerte durch Linien verbunden werden...das impliziert, es habe noch Zwischenwerte gegeben.


    Sie schreiben dazu:


    "As temperatures began to decrease in late October 2012, we observed a steady de-crease of bee cluster size in both control and neonicotinoid-treated colonies. While such decline was quickly
    reversed in the control colonies in January 2013, the neonicotinoid-treated hives continued to decline (figure 1). As shown in table 1, the numbers of frames containing bees were not significantly different among the
    treatments from 10/27/2012 to 12/29/2012 (one-way ANOVA), but became statistically significant different from 1/5/2013 to 4/4/2013 (one-way ANOVA, p < 0.0001)."


    Sicherlich ist die Volkszahl nicht der Hit - aber es gibt viele Studien zu dem Thema, die in diesem Niveau gefahren werden da sie eben auch sehr aufwendig sind. Schaut Euch mal die Vorgeschichte an:


    Sie haben mit 18 Völkern angefangen in 3 Imkereien, die in jeweils 2 Gruppen geteilt und mit Zuckerwasser resp. HFCS-Sirup gefüttert, wobei jede Gruppe aus 2 Neonic-Völkern (eines Imidacloprid, eines Clothianidin) und einer Kontrolle bestand.
    Als Dosis wurden 0,74 ng Imidacloprid resp. Clothianidin/Biene/Tag für 13 Wochen verfüttert, weit unter der LD50.
    Die Völker wurden medikamentös gegen Varroa und Nosema behandelt.
    Weder für Futtermittel noch Standort konnte ein Effekt ermittelt werden, dafür nahm die Volksstärke der sublethal behandelten Völker eben deutlicher ab als die Kontrollvölker (die zudem eine geringere Streuung aufweisen wie der Fehlerbalken zeigt).
    Die Tabelle 1 zeigt ganz gut dass es keine Effekte durch die Varroa gab; fig. 2 die vergleichbare Brutentwicklung.
    Letztlich zeigen sie nur Ähnlichkeiten der so überwinterten Völker zu denen mit CCD auf; bestätigen jedoch nicht eine höhere Belastung mit Nosema/Varroa (= geringere Immunabwehr) durch die Neonics.
    Die Autoren fragen sich, warum die Neonic-Völker eben nicht in der Lage sind, das Brutgeschäft zum Winterende adequat wieder aufzunehmen und vermuten, dass auch die Stärke des Winters (niedrigere Durchschnittstemperatur) diese Unfähigkeit eben verstärkt.


    Die Aussage
    "We conclude that when honey bees were exposed to either imidacloprid or clothianidin at a dose of 0.73 ng/bee/day for 13 consecutive weeks from July to September 2012, six of twelve previously healthy neonicotinoid-treated colonies died and all progressed to exhibit CCD symptoms during the winter months. "
    ist doch eigentlich ziemlich eindeutig.


    Da habe ich echt schon klapperige Studien gelesen...oder habe ich was überlesen?


    Melanie

  • Ne, paßt schon. Man muß trotzdem vorsichtig sein und sich nicht aufs Glatteis begeben. Es gibt stärkere und schwächere Studien (= angreifbar). Für die Argumentation ist das eh nebensächlich. Unsere Zulassungsbehörden wissen es ja auch besser als die Journale "Nature" und "Science" und bemängeln fehlende Wissenschaftlichkeit der darin veröffentlichten Studien über Neonics und Bienen/Hummeln. Es sind ja nur die Wissenschaftsjournale schlechthin...Was soll man dazu noch sagen?!


    Prinzipiell sind wissenschaftliche Studien nicht dazu ausgelegt, etwas zu beweisen oder "die Wahrheit" zu finden. Sie beschreiben ja hauptsächlich und dabei gibt man sich Mühe, möglichst genau zu beschreiben. Daß das nicht immer gelingt, zeigt der hohe Anteil an Studien die nach Jahren als überholt gelten.


    Mir gefällt an dieser konkreten Studie nicht, daß die schon wieder auf der Überwinterung von Bienenvölkern rumreiten. Das kommt einem ja bekannt vor, andere "Wissenschaftler" babbeln ja auch die ganze Zeit sehr betont von Überwinterungsverlusten und die dahinter steckenden Probleme. Von Verlusten und Effekten im Sommerhalbjahr wird äußerst ungern gesprochen...ich kann mir den Grund schon denken. Wenn man sich diese Dinge genauer ansehen würde, käme man viel schneller auf den Punkt, was unseren Völkern wirklich Probleme bereitet.


    Es ist also die thematische Nähe zu bekannten Propagandainhalten, die Halbherzigkeit des Versuchsaufbaus sowie die Verwendung weicher Begriffe wie CCD, die mich hier zögern lassen, die Studie in meine Argumentation zu verwenden. Höchstens als "weiterer Hinweis..."

  • Drohn, deine Argumente lassen sich alle ganz leicht widerlegen:


    Warum sind plötzlich am 29.12.2012 mehr Rähmchen mit Bienen besetzt in der Kontrollgruppe?...siehe Diagramm
    Wie soll so was bei Bienenvölker zu dieser Jahreszeit passieren?



    Nicht alle Bienenvölker hören im Winter gänzlich auf zu brüten.
    Abhänging von Bienenrasse und Klima gibt es große Unterschiede.
    Generell verstärkt sich die Bruttätigkeit wieder nach der Wintersonnenwende am 21. Dezember.


    Wir wissen nicht, welche Bienenrasse in der Studie verwendet wurde, und das Klima in Boston scheint auf jeden Fall sonniger zu sein als zum Beispiel das in Frankfurt:


    Frankfurt: http://www.iten-online.ch/klim…/massachusetts/boston.htm


    Boston: http://www.iten-online.ch/klim…deutschland/frankfurt.htm



    Außerdem ist die Größe der Wintertraube stark von der Außentemperatur abhängig. Da kann die Wintertraube an einem warmen Tag schon ein bißchen größer sein als an einem sehr kalten.


    Wichtig ist, daß in dieser Studie ein statistisch bewiesener Unterschied zwischen den behandelten und den unbehandelten Völkern gefunden wurde, und da die Völker immer am gleichen Tag kontrolliert wurden, lassen sich die Daten ganz legitim vergleichen.



    Zitat


    Sechs Versuchsvölker pro Gruppe ist auch schon sehr grenzwertig.
    Wurden die Gruppen randomisiert?


    Aus dem Statistikunterricht:


    Ein signifikantes, also wahrscheinlich wahrheitsgetreues Studienergebnis, kann auch mit einer kleinen Fallzahl erzielt werden, und zwar, wenn der Unterschied zwischen behandelten und nicht behandelten Gruppen sehr groß und eindeutig ist.
    Nur wenn kleine Unterschiede bewiesen werden sollen, ist eine große Fallzahl notwendig.


    In dieser Studie waren alle behandelten Völker nicht mehr überlebensfähig mit Anzeichen von CCD, während nur eines der Kontrollvölker an einem anderen Problem verstarb.


    Zusätzlich ist das schon die zweite Studie mit solch eindeutigen Ergebnissen.


    Statistisch gesehen steht die Studie!



    Zitat


    Warum wurden die Daten einer Gruppe alle in einen Pool geschmissen, es waren so wenige, da wäre es ein leichtes jedes Versuchsvolk einzeln auf zu zeigen.



    Es ist erlaubt und üblich, Gruppen die sich nicht voneinander unterscheiden, zu poolen.



    Zitat


    etc., etc.....


    OK, jetzt mal genauer, was hast du noch an der Studie auszusetzten? "etc. etc." ist mir ein bißchen zu wenig.



    Und vergiß bitte nicht, daß Dr. Lu ein Professor in Harvard ist, er weiß wie eine Studie durchzuführen ist.

  • Vor allem wenn die größte Bank der Welt solch eine Studie finanziert:cool:


    dD


    Also irgendwoher müssen die Finanzen wohl kommen. Und die Wells Fargo Foundation kann wohl kaum als größte Bank der Welt bezeichnet werden.


    https://www.wellsfargo.com/about/charitable/


    Auf jeden Fall ist das besser, als wenn die Finanzierung von der Pestizidindustrie kommt, weil dann sind die Ergebnisse immer fraglich.



    :roll:


  • Mir gefällt an dieser konkreten Studie nicht, daß die schon wieder auf der Überwinterung von Bienenvölkern rumreiten. Das kommt einem ja bekannt vor, andere "Wissenschaftler" babbeln ja auch die ganze Zeit sehr betont von Überwinterungsverlusten und die dahinter steckenden Probleme.



    Die Überwinterungsprobleme sind sehr real! 30%, 50%, 100% Verluste, ... heutzutage gibt es das alles. :-(


    Wir müssen froh sein, daß endlich ein Wissenschaftler genau dieses Problem aufgreift.


    Die Frühjahrsverluste lassen sich doch oft sehr gut erklären mit Abrieb bei der Maisaussaat oder Spritzungen in den Obstanlagen. Die Winterverluste waren bisher dagegen ein Enigma.



    Zitat


    Es ist also die thematische Nähe zu bekannten Propagandainhalten, die Halbherzigkeit des Versuchsaufbaus sowie die Verwendung weicher Begriffe wie CCD, die mich hier zögern lassen, die Studie in meine Argumentation zu verwenden. Höchstens als "weiterer Hinweis..."


    Welche Propaganda?
    Welche Halbherzigkeit? - Mach doch einmal einen Vorschlag für einen Versuch der mehr realistisch und immer noch finanzierbar ist!


    Und das Phänomen CCD ist tatsächlich sehr eindeutig beschrieben worden, von unzähligen Imkern, und es wurde von vielen Bienenforschern analysiert.



    Melanie hat recht, die Ergebnisse dieser Studie sind eindeutig.
    Die Studie bestätigt einen Zusammenhang zwischen Neonics die im Sommer aufgenommen wurden und Völkerzusammenbrüchen im darauffolgenden Winter.
    Jetzt müssen wir damit politischen Druck ausüben.


    :daumen: