Deckelwachs zurückgeben

  • Hallo Profis und Nachhal-tiger,


    Deckelwachs nebst honigverschmiertem Geschirr + Werkzeug von den Bienen in einer aufgesetzten Leerzarge sauberschlecken lassen, ist wohl ein alter Hut, das ist nach einem Tag erledigt. Ich bemerkte am 2. Schlecktag, daß die Bienen das Deckelwachs zu kleinen transportablen Stückchen zernagten (bis auf Wachsschuppengröße) und in den Stock abtransportierten. Ist das bloße Abfallbeseitigung oder verbauen die das Wachs gleich wieder?
    Für diese Recyclingvariante schien mir zu sprechen, daß nur minimale Reste im Gemüll landeten und wegen eisheiliger Kälte auch wenig ausgeflogen worden sein kann - dagegen aber bereits am 2. Tag rd. 1/3 des Deckelwachses "verschwunden" war. Flugbretter habe ich nicht, konnte also Gemüllauswurf direkt vor die Beute nicht beurteilen.
    Was sagt Eure Beobachtung bzw. Fachkenntnis - recyclen die Bienen das Deckelwachs oder betrachten sie es als zu beseitigenden Fremdkörper?


    fragend - Gottfried

  • Dann wäre das Gemüll aber vollgeschrotet und unten auch das Futter weg, meine ich.


    Tippe auf ein Damentrüppchen mit groben Eßmanieren aber mit Putzfimmel :wink:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Gottfried,


    ich beobachte das bei mir auch, dass z.B. wesentlich weniger Verdeckelungswachs aus geschlüpften Brutzellen auf der Windel landet, als eigentlich anfallen müsste. Ob die Bienen die Wachskrümel wiederverwenden oder aus der Beute tragen, kann ich dir allerdings nicht sagen. Der Beutenboden (dort wo kein Gitter ist) sowie das Flugbrett schauen jedenfalls aus wie geleckt, da wird sehr auf Sauberkeit geachtet.


    Ist das Flugbrett mit Krümeln übersäht, dann trifft wohl das zu, was Jörg vermutet.


    Gruß Sven

  • .......

    ...Flugbretter habe ich nicht, konnte also Gemüllauswurf direkt vor die Beute nicht beurteilen.......

    ......

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    Hans Kasper

  • Hallo,


    Räuberei schließe ich aus (kein Bienenflug, da zu kalt und Regen; außerdem müßten die Räuber erst an den Wachen vorbei (keine Kampfspuren vorhanden) und durch Brut- und Honigräume (dort lohnte es sich eher zu räubern), um schließlich in die aufgesetzten Leerzargen zu kommen mit dem Deckelwachs - das steht also nicht offen rum). Das Damentrüppchen saß ganz ruhig und stetig auf dem Tablett mit Deckelwachs und ließ sich mit der Feder nur schwer vertreiben.
    Ich vermute ja auch, daß sie das Deckelwachs wiederverwenden, aber ich wüßte es gerne genauer. Dann nämlich würde ich ihnen das immer aufsetzen, bis es jeweils alle ist. Mein recycling wäre längst nicht so sauber und rückstandsarm wie das von denen. noch immer fragend - Gottfried

  • außerdem: was sie nicht zu Wachs verstoffwechseln müssen, landet hoffentlich im Honigraum (für 1 kg Neuwachs verbrauchen sie 10 kg Honig, las ich im Weimar). Folglich Deckelwachsrecycling => mehr Futtersaft bzw. Honigertrag?

  • *hüstel*


    Also Bienen können ja Wabenwerk abschroten, Durchgänge und Lücken, Löcher erstellen, es "umarbeiten",
    wenn es in Form und Lage/Position schonmal passend ist aber total unprofihaft aus Bienensicht: so als Mittelwand nämlich. Auch dazu brauchen sie noch Eigenwachs, nur weniger.


    Von Transport und Recycling ist mir persönlich nichts bekannt.
    Im Gegenteil ist es eher so, dass seitens der Evolution und biologisch und hygienisch betrachtet, sowie auch aus Energiegründen, die Bienen offensichtlich bestrebt sind, neu zu bauen. Einen "Einsparmodus" mit Recyclingtruppe haben sie da nicht.


    Sonst würden des öfteren Waben irgendwo "verschwinden" und anderswo wieder neu auftauchen in der Beute oder den Beuten. Wabenklau!
    Auch wäre die Wachsmotte dann total arbeitslos :wink:


    Verlassene Behausungen enthalten das komplette Wabenwerk als Hinterlassenschaft.


    Die Krümelei wurde entfernt.

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    Hans Kasper

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  • Die Frage hab ich mir auch mal gestellt. Allerdings aus anderem Anlaß.
    Warum sind Mittelwände nachdem Ausbau kleiner?
    Frisch eingelötet liegen am Rand an. Haben die Bienen sie ausgebaut fehlt oft unten 1-2cm.


    Gruß Olli

  • *hüstel*


    Im Gegenteil ist es eher so, dass seitens der Evolution und biologisch und hygienisch betrachtet, sowie auch aus Energiegründen, die Bienen offensichtlich bestrebt sind, neu zu bauen. Einen "Einsparmodus" mit Recyclingtruppe haben sie da nicht.


    Die evolutionären und biologischen Gründe würde ich gern wissen. Energetisch und zeitlich wäre es doch weniger aufwändig zu recyclen, statt Wachs neu herzustellen oder? Hygienisch hätte ich als Biene keine Bedenken - es geht doch um frisches Deckelwachs, nicht um alte Schwarten. Brüten tun sie ja auch in viel älterem Wabenwerk, angeblich sogar lieber als in frischem. Frisch mit Propolis tapeziert, reicht denen dann. Und die Brut wird ohnehin gesondert und speziell beheizt, nicht etwa nur die Abwärme der Bautraube nachgenutzt - falls Du das unter Energiegründen meintest?
    Mittelwände ziehen sie doch auch aus, d.h. arbeiten überschüssiges Wachs um. Nur scheinen da die Transportwege kürzer. Das abgeschrotete Mittelwandgemüll ähnelt in seiner Körnung sehr dem zerschroteten Deckelwachs.
    Beim Schwärmen freilich transportieren sich Wachsschüppchen besser als abgenagte Wachsreste. Deshalb bleibt das alte Wabenwerk wohl zurück für die Motten.
    Aber wir spekulieren hier mehr oder weniger. Weiß oder beobachtete denn einer was Genaueres?
    Gottfried

  • Moin,


    mal überlegen, dass energetische Argumente meistens automatisch ein Selektionsvorteil sind ;-)


    Färb doch deckelwachs mal ein...


    Recycling ist aufwändiger. Spekulation ist das nicht, sonst würd landauf landab Wachs gereicht zur "Erleichterung" ;-)).
    Ein Mittelwandausbau, generell ein Bau oder Wachsarbeiten erfordert ganz schön Temperatur. Wachsproduktion am Ort des Geschehens, wo diese eh schon gegeben ist in geeigneter Form der hauchdünnen Wachsplättchen lässt sich dann sofort umsetzen.

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    Hans Kasper


  • Färb doch deckelwachs mal ein...


    Das will ich tun, aber erst nach dem letzten Abschleudern - besser verfärbtes Futter, als gestreifter Honig... Womit färben? Kaliumpermanganat? Ostereierfarben? Kakao/Schokolade? Die Farbe muß ja wachsgängig, also fett- und nicht wasserlöslich sein. Und wie färbe ich das Entdeckelungswachs (und nicht die anhaftenden Honigreste) ein, ohne die zarte mechanische Struktur zu zerstören?

  • .


    Ein Mittelwandausbau, generell ein Bau oder Wachsarbeiten erfordert ganz schön Temperatur. Wachsproduktion am Ort des Geschehens, wo diese eh schon gegeben ist in geeigneter Form der hauchdünnen Wachsplättchen lässt sich dann sofort umsetzen.


    Mit Wachs bauen erfordert Temperatur - ganz gleich, ob mit Schüppchen oder mit Recyclingmaterial. Aber beim Recycling könnten die Bienen den Herstellungsaufwand der Schüppchen einsparen (Honigverbrauch 10:1), sie müssen lediglich zerschroten und vom Tablett (= Honigeimerdeckel) auf den Oberträgern in die Wabengassen abtransportieren. Ich beobachtete die Putzkolonne, wie sie definitiv Wachsteilchen an wartende Kolleginnen am Tablettrand übergab. Die haben bestimmt Ingenieurinnen für Verfahrenstechnik dabei, nein, besser: die sind Naturtalente im Sparen, das fordert die selektierende Natur! Ich frage mich allerdings immer noch, was sie mit den Wachsteilchen im Stockdunkel machen: entsorgen oder wiederverwenden?