Wildbienen und Honigbienen

  • Hallo Imkergemeinde,
    ich hab mal eine Frage: ich könnte meine erste Beute auf einem eingezäunten Gelände unterstellen, dessen Besitzer aber bereits Wildbienen angesiedelt hat. Wäre das ein Problem oder vertragen sich Honigbienen und Wildbienen? Das Gelände ist etwa 3000 qm groß.
    Es wäre ansonsten ideal für mich.
    Danke und Gruß
    Brigitte.

  • Vertragen sich sehr gut. Meiner Beobachtung nach profitieren die Wildbienen von den Honigbienen, weil mehr bestäubt wird und das wiederum schafft über Jahre mehr Nahrung. Auch für die Wildbienen. Seit ich Bienen habe gibt es hier mehr und mehr Wildbienen.

  • Ganz so einfach ist es nicht, auch wenn es im Grunde einen wahren Kern hat.


    Wildbienen sind in der Regel Nahrungsspezialisten, auf wenige Arten oder Pflanzenfamilien spezialisiert. Dies macht Sinn in der Natur, da sie meist nur zu einer ganz bestimmten Jahreszeit vorkommen und daher eine derart enge Verbindung eingehen können.
    Honigbienen sind in der Regel Generalisten die alles, am liebsten Massentrachten anfliegen.
    Es gibt eine recht lesenswerte Dissertation von Hernn Evert zur intraspezifischen Konkurrenz von Honig- und Wildbienen.


    In naturnahen sensiblen Bereichen ohne nennenswerte Massentrachten haben meiner Meinung nach Honigbienen jedoch nichts zu suchen, eben weil sie Generalisten sind und somit auch Spezialisten verdrängen können.

  • Ich habe unzählige Wildbienen in Lehmwänden und bin froh darüber, da meine gezüchteten Damen lieber Massentrachten im Umfeld anfliegen und nur die wilden sich um meinen Hausgarten kümmern. Da werden von den Honigbienen selbst Apfel und Kirsche unmittelbar vor der Tür ignoriert.

  • Auf welcher Grundlage fußt denn diese Meinung?


    Unter anderem auf jener erwähnten Dissertation ( Evertz.S. (1993) Untersuchungen zur intraspezifischen Konkurrenz zwischen Honigbienen (Apis mellifera) und solitären Wildbienen (Hymenoptera, Apoidea). - Dissertation Uni Aachen 123 S.).
    Intraspezifische Konkurrenz zwischen Honigbienen und Wildbienen ist längst ( seit den frühen 80ér Jahren ) wissenschaftlich erforscht, in einer Vielzahl von Arbeiten, denn es war damals - als Hymenopterologie in Deutschland populär war wie kein anderes entomologisches Gebiet - Modethema in der Biologie.


    Gibt es keine Massentrachten, fliegen Honigbienen alles an, dies können Wildbienen nicht - es folgt eine Verdrängung. Evertz beschreibt eindeutig, dass die Wildbienen meist die Blüten verlassen, wenn sie zeitgleich von größeren Honigbienen besucht werden.


    Sicher waren früher auch Honigbienen hier heimisch aber da gab es eine kleinräumige, vielfältige Landschaft die den Wildbienen genug Ausweichflächen ließ.
    Dies ist heute zwar wieder besser als vor 10 Jahren, aber nichts desto Trotz sollten wir den Wildbienen nicht unnötig Konkurenz schaffen durch Honigbienen, die in Hinsicht auf den Honigertrag in diesen Gebieten ohnehin nicht optimal stehen.
    Dies gilt umso mehr, als das in diesen Gebieten eh kaum Kulturfolger unter den Wildbienenarten vorkommen, wie sie hier zur Bestimmung angefragt werden, es handelt sich in der Regel um auf diese seltenen Lebensräume hochspezialisierte Arten die es heutzutage schon schwer genug haben.
    Ich rede hier nicht von Kleinbiotopen von 3 oder 4 Hektar in die ohnehin Honigbienen einfliegen, ich rede hier von großräumigen Biotopen ohne nennenswerte Massentrachten in der Nähe, wie die Zentren von großen Truppenübungsplätzen in denen man die Bienen zur Konkurenz zwingen würde.


    Aus Wildbienensicht sind viele dieser Gebiete ja deswegen interessannt, weil sie nur spärlich bewachsen sind und großflächig den Boden offen liegen haben. Setzt man in ein solches, nur spärlich mit Blüten und deren Bestäubungsspezialisten versehenes Gebiet drei, vier Bienenvölker aus, übsersteigt die Honigbienenanzahl die der Wildbienen um ein zigfaches und der Schaden wird vom Imker meist unbeabsichtigt nicht bemerkt da er die Wildbienen nicht bestimmen kann, abgesehen von den ca. 50 Gartenarten.
    Zudem ist die Wildbienenanzahl in diesen Biotopen an das örtliche Nahrungs- und Nistplatzanbebot angepasst und nicht an einige hunderttausend Konkurrenten zumindest ist das zu hoffen und nötigenfalls wiederherzustellen.


    Sicherlich hast Du recht zu sagen in der Regel vertragen sich Wild- und Honigbienen aber dies ist nur ein Teil der Wahheit und zu verallgemeinert und trifft eher auf den Siedlungsraum und kleinräumige Naturschutzgebiete zu in denen die Honigbienen genug Massentrachten in der Umgebung finden.


    Es wäre aber falsch den Eindruck zu erwecken es wäre generell egal wo man seine Bienen aufstellt und auch dies sollte mal erwähnt werden.

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  • Hallo zusammen!


    Der Kollege Huhn vergleicht hier eine Art (Apis mellifera) mit einer Ordnung (Hymenoptera), der ja auch Apis angehört. Dieser Vergleich ist ziemlich unsinnig, da es auch unter den "Wildbienen" Generalisten gibt. Ansonsten könnte die von manchen Obsterzeugern favorisierte Gattung Rufa kaum zur Betäubung eingesetzt werden.
    Seitenhieb: Diese und auch die gekauften Hummelvölker kann man ungeniert vergiften, da ja kein Hahn danach kräht.


    Zum Thema: Über Konkurrenz zwischen Honigbienen und Wildbienen herumzuschwadronieren ist müßig, wenn keine Arten als konkrete Beispiele genannt werden können.


    Übrigens: Mich würde interessieren, wie methodisch einwandfrei festgestellt werden kann, ob solitäre Wildbienen reaktiv eine besuchte Blüte verlassen, bei Erscheinen von Konkurrenz. Ich hatte gelegentlich Mühe, selbst alleinbesuchende Honigbienen zu fotografieren, trotz Abstand den ich mit einem 200mm-Makroobjektiv an einer Kleinbildspiegelreflexkamera einhalten konnte.


    Mit freundlichen Grüßen


    Mit freundlichen Grüßen

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  • Literatur zur Ergänzung:
    Ingolf Steffan-Dewenter:
    "Wildbienen in der Agrarlandschaft: Habitatwahl, Sukzession, Bestäubungsleistung und Konkurrenz durch Honigbienen";
    Diss. 1998,
    ISBN 3-909192-04-1

  • Es wäre aber falsch den Eindruck zu erwecken es wäre generell egal wo man seine Bienen aufstellt und auch dies sollte mal erwähnt werden.


    Der Herr Huhn stellt hier Vergleiche an wonach keiner gefragt hat. Das Gelände zur Bienenaufstellung ist 3000 qm und kein Truppenübungsplatz. Auch sind es keine hunderttausende Konkurenten. Der Bienenflug wird sich Größtenteils außerhalb dieser 3000 qm abspielen und innerhalb des Bereiches nur Promillewerte erreichen. Deswegen ist es egal wo die Bienen aufgestellt werden. Vieleicht sollte der Herr Huhn sich erstmal Bienenflug ansehen, bevor er hier sein Urteil abgibt.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

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  • Also zur Beruhigung aller: es gibt genügend Massentrachten. Z.Zt. war es ja gerade der Raps. Wir haben Landwirtschaft in der Nähe sowie Streuobstwiesen, außerdem Einfamilienhäuser mit wunderschön blühenden Gärten. Da übertrumpft man sich ja gerne gegenseitig. ;-) 
    Ich denke, ich werde den mir angebotenen Bienenstandort nutzen.
    Schöne Woche....und Gruß.



  • Ich hatte gehofft die Diskussion sachlicher führen zu können.


    Ich bin selbst Imker und habe selbst meine Völker am Rande eines Naturschutzgebietes auf einem Demeterhof stehen und sehe dort keine Beeinträchtigung der Wildbienenfauna, ich will also niemand etwas.


    Ich persönlich vergleiche auch gar nichts, sondern ich berichte nur vom derzeit in einigen wissenschaftlichen Arbeiten belegtem aktuellen Wissensstand.
    Die Arbeit von Evertz kenne ich halt selbst persönlich, nicht nur als Zusammenfassung und hier wird nicht wie behauptet eine Art mit einer Ordnung verglichen, sondern ganz explizid, wie hier in der Frage gestellt, die Honigbiene in Konkurenz zu Wildbienen, dies sagt der Titel schon: ( Evertz.S. (1993) Untersuchungen zur intraspezifischen Konkurrenz zwischen Honigbienen (Apis mellifera) und solitären Wildbienen (Hymenoptera, Apoidea). - Dissertation Uni Aachen 123 S.)


    Klar gibt es auch Generalisten unter den Wildbienen aber die nahm ich ja ausdrücklich aus und bezeichnete sie etwas despektierlich als " Kulturvolger" und "Gartenarten".


    Ich ging ganz explizid auf Speizialisten ein, welche nicht im Siedlungsraum zuhause sind, sondern in Kerngebieten weit abseits vom Siedlungsraum von daher ist mir ebenfalls bekannte Arbeit von Herrn Ingolf Steffan-Dewenter hier nicht anzuwenden, denn dort geht es ausschließlich um Agrarlandschaft.


    Warum tat ich dies: - einfach aus dem Grund um zu relativieren.



    Wenn ich hier im Forum suchen würde, wäre es kein Problem 20 Threats zu finden in denen sich drüber aufgeregt wird, dass Behörden einen Bienenstandort im Naturschutzgebiet verweigern oder in denen pauschal behauptet wird Wildbienen und Honigbienen würden sich immer bestens vertragen. Dies ist eben nicht so.


    Auch ich sehe es so, dass in einer Vielzahl der in solchen Threats geschilderter Fälle eine Bienenstandgenehmigung ohne weiteres zu erteilen wäre, aber ich würde nicht für jeden Standort die Hand ins Feuer legen, da ich nicht weiss ob der Imker oder die Behörde in jedem Fall über die nötige Sachkenntnis verfügen um die Lage richtig einzuschätzen.


    Der Imker muss dies nicht, er muss sich nicht mit allen Wildbienen auskennen, die Behörde kann dies schon gar nicht, denn für sie geht es nicht nur um Bienen sondern um ganze Biotope und Verwaltungsangestellte sind in der Regel keine Biologen und/oder es liegen keine Hymenopterologischen Bestandkartierungen für jenes Gebiet vor.
    Es ist eben ökologisch verantwortlicher in solchen Fällen erst einmal die Ansiedlung zu untersagen, wenn man Schäden nicht absehen kann, als eine Genehmigung zu erteilen und zu sehen was passiert. So unsinnig die Bienenstandsverweigerung in 99% der Fälle sein mag, dies eine Prozent rechtfertigt diese Praxis in meinen Augen - aber all dies gehört hier nicht hin.
    Es soll lediglich darstellen, warum ich dachte hier ein wenig tiefer in die Materie dringen zu dürfen.


    Ich sah keinen Sinn darin diese Diskussion wie diese 20 Threats zu führen die lange inaktiv sind sondern ich nahm mir vor einen passenden Anlass abzuwarten um zu relativieren und dachte dies wäre mit diesen wenigen Sätzen getan.
    Es reichte aber anscheinend für die Einen nicht aus und war für die Anderen bereits Schwadronieren. Es geht immer, in jedem Threat um Einzelfälle und meist gibt es die pauschale Antwort der pauschalen Verträglichkeit und daher hielt ich die Gelegenheit für günstig zu sagen, dass dies eben nicht immer so ist. Vermutlich hätte ich dies noch deutlicher machen sollen.


    Liest man den Post so sieht man, dass in diesem speziellen Fall keine Beeinträchtigung von meiner Seite gesehen wird, auch wenn der Nachbar ein par Nisthilfen aufgestellt hat, die Arten die in einem solchen Raum vorkommen stört dies nicht.


    Ich ging jedoch davon aus, dass es für einige interessant ist zu wissen, dass eine pauschale Veträglichkeit nicht gegeben ist und man immer auf den Einzelfall achten muss und ging davon aus das dies deutlich genug war.


    Wie gesagt.: Ich will niemand etwas und schon gar keinen Stress verbreiten oder jemand persönlich angreifen, denn für einen Forenzoff ist mir meine Zeit zu kostbar, ich würde da auch nicht mitmachen.


    Ich ging halt davon aus, dass man - gerade in einem Fachforum - gerne tiefer in die Materie eindringen darf, wie auch ich dankbar bin, wenn jemand mir mehr Hintergründe vermittel, denn ich verstehe gerne wie Dinge funktionieren.



    Liebe Grüße



    Huhn

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