Viele Pollen im Honigraum

  • Hallo Leute, ich hab seit ca 4 Wochen meine Völker aufgesetzt. Nun hab ich in der Osterwoche mal alles durchgeschaut und mußte feststellen das ziemlich viele Pollen im HR eingetragen sind.
    Is das so normal? Meine HR sind schon alle gut voll. Wollte eigentlich diese Woche schleudern aber das Wetter macht Mir einen Strich durch die Rechnung.
    Danke für Eure Antworten
    :Biene:

  • Hallo,
    hier gibt es in der Sache zwei Meinungen. Ich habe die Erfahrung das bei der Einengung des Brutraumes Pollen in den Honigraum gelangen. Dies wird von anderer Seite widersprochen. Mehr Platz im Brutraum geben wäre meine Empfehlung. Das neue Pollenmanagement.


    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Na na, wir sprechen doch nicht von Einengung sondern von Anpassung. :) Außerdem ist es völlig unerheblich, ob mit oder ohne Anpassung des Brutraumes.


    Es gibt noch weitere Gründe, warum Pollen im Honigraum landen. Als da wären: Brutwaben nach oben hängen. Die riechen nach Brut, ergo wird dort auch Pollen eingelagert. Oder auch beliebt: Flugloch im Honigraum über Absperrgitter. Usw. usf. Unterm Strich ist es aber meistens die Daddelei und Geigelei des Imkers, die den Pollen in den Honigraum bringen. Bis auf den kleinen Kranz über dem Absperrgitter wie von Rudi beschrieben. Der ist normal und ein gutes Zeichen. Je weniger man am Brutnest rumdaddelt und je weniger man den Aufbau und Umfang des Brutnestes verändert, desto besser funktioniert das im Allgemeinen und hier im Speziellen.


    PS: Je unangepaßter der Brutraum, desto mehr Geigelei ist notwendig, um die Bienen vom Schwärmen abzuhalten.

  • Zitat

    Na na, wir sprechen doch nicht von Einengung sondern von Anpassung.


    Hallo Bernhard,
    bei den Imkern wird Anpassung benützt wie in Industrie und Handel das schöne Tarnwort "reformiert". Der Landwirt trägt aus dem Stall nicht das Futter. Der "verantwortungsvolle, den Bienen zugeneigte Imker" lässt den Bienen Futter und Pollen zum Verzehr, so wie heute es benötigt wird, im Brutraum. Ich ärgere mich noch ständig über die Honigräume, welche ständig gelassen werden mussten. Dieses Jahr habe ich den Eindruck, dass Völker ohne Anpassung mehr sammeln.


    Zitat

    PS: Je unangepaßter der Brutraum, desto mehr Geigelei ist notwendig, um die Bienen vom Schwärmen abzuhalten

    Ein Brutraum ist immer angepasst. Deshalb ist schon der Ausdruck falsch. Das mit dem Schwärmen stimmt so auch nicht. Meine Buckifreunde würden dazu sagen: "Man muss halt eine andere Biene haben. Eine solche, die brutraumfern trägt und sich leichter führen lässt.:lol:


    Also, weg mit der Honiggier, den Bienen zu liebe. Man muss mit den Bienen teilen können.:lol: Das neue Pollenmanagement ist angesagt.:daumen: Sorry, das ist alt und gerade nicht modern.


    :lol::lol::lol:


    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Bei Mir sind aber keine alten Brutwaben in den HR gehängt worden! Habe dieses Jahr alles mit neuen Rähmchen und Mittelwänden bestückt!
    Sollte ich einfach einen zweiten BR aufsetzen,um so mehr platz für Bien und Pollen zu schaffen?

  • Herbert, Du willst mir das Hippie-Imkern schmackhaft machen, oder was?! :lol: Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wo ich doch im Stabilbau - ohne Rähmchen-, ohne Absperrgitter und ohne den ganzen Trallala ein jahrzehntlang unterwegs war. Ich kenne das also zur Genüge und ich kenne auch die Unterschiede.


    Die Philosophie der vielen und unbegrenzten Bruträume wird ja auch so von Tim Ives, von Dee Lusby (beide aus dem Amiland) oder Oscar Perone (Argentinien) so gepredigt. Auf deren Anregung hin, habe ich mit großvolumigen Beuten herumexperimentiert und auch große Türme gebaut. Ohne Absperrgitter.



    Ich bin ja neugierig und habe mir die Sache sehr genau angesehen, auch Bienen abgefegt, um die Bienenmasse zu vergleichen und den Umfang der bebrüteten Zellen usw. usf.


    Für mich ist das langjährige Fazit, daß es dem Volk überhaupt keinen Vorteil bringt, auf so viel Wabenmaterial zu sitzen. Die ganzen Versprechungen, was Schwarmstimmung, Friedfertigkeit, Sammelleistung, Volksstärke, ja sogar Varroaresistenz usw. betreffen, und neuerdings: "Pollenmanagement" - ist alles Humbug. Mit Verlaub.


    Hier mal ein aktueller Fall. Ein auf drei Zargen überwintertes Volk kurz nach der Auswinterung. Die Waben standen so übereinander im Volk. Mehr oder weniger mittig.



    Aus dem Bild wird das noch nicht so ersichtlich, die seitlichen Waben in der Beute hatten fast nur Pollen und wenig/keine Brut. Das Gleiche hatte ich dieses (und letztes) Jahr auch in einer Trogbeute, die ich probehalber (ich experimentiere sehr viel) mit Leerwaben und oder Mittelwänden im Brutnest erweiterte. Da und dort ein Pollendesaster! Wenn man 8-10 Pollenwaben DNM aus dem Volk zieht, und immer noch 8 Waben mit Brut und Pollen vermischt hat, dann ist etwas schiefgelaufen! Und diese Völker sind definitiv früher in Schwarmstimmung. Das kann ich ganz genau beobachten. Auch bei Schwesterköniginnen! Von wegen alles auf die Genetik schieben.


    Mir wird ja nur selten zugehört in dieser Sache, aber die Einführung von Breitwaben waren eine Honk-Idee. DNM und Zander und der ganze Rest - alles zu breit. Dadurch reizt man die seitliche Anlagerung von Nektar und Pollen, was sehr leicht zum Verhonigen und Verpollen führt und damit zur Legenot. Und dann stellt man auch noch zu allem Unglück zwei solcher Breitwaben übereinander! Furchtbar. Und dann wird da noch lustig Mittelwände/Leerwaben hinzugegeben und sonstige Daddelei im Brutnest veranstaltet. Nach dem Motto: erst deformieren wir das Brutnest und dann verhackstückeln wir es noch. Das sich dem durch Stabilbau geübten Auge bietende Bild ist geradezu deprimierend! Und als Krönung wird nachdem man das Brutnest verunstaltet hat, obendrein bei der ersten gefundenen Zelle die alte Königin rausgehauen! Und das, obwohl das Volk noch im Wachstum ist und noch viel mehr Potential hat.


    Wenn man diese Dinge aber mal gesehen und erkannt hat - im Stabilbau zu imkern anzufangen, bietet da einige Chancen dazu - dann ist der angepaßte Brutraum das Nonplusultra, um ein harmonisches und bienengerechtes Brutnest zu gewährleisten. Wenn man denn die Anpassung auch verstanden hat und nicht in den Kategorien: Einengen, Pressen und Honiggier hängen bleibt. Das hat damit überhaupt nix zu tun. Im Gegenteil ist das Anpassen des Brutraumes eine äußerst bienengerechte Betriebsweise. Und das schreibe ich hier mit voller Überzeugung und mit dem Erfahrungschatz eines Bienenhippies.


    Die unterschiedlichen Ergebnisse bei Anfängern der Betriebsweise des angepaßten Brutraumes resultieren aus Missverständnissen der Grundprinzipien. Ich habe für mich folgende Dinge mitgenommen:


    1) Das überwinterte Volk braucht sehr lange Zeit nur eine einzige Brutnestgröße. Wenn man das mal durchrechnet, dann kommt in etwa das heraus:



    Wie zu sehen ist, schwankt die Anzahl der Brutzellen (vierte Spalte von rechts) in diesem Jahr um den Wert 26.000 Brutzellen herum - und geht im Mai sogar noch zurück! (Das ist auf ein vorhergehendes Kälteloch zurückzuführen.)


    Deswegen ist es sehr sinnvoll, den Brutraum nach der Überwinterung auf die von Bienen besetzten Waben anzupassen. Das führt zu einem kompakten Brutnest - und dann gibt es auch keine verkühlte Brut an den kälteren Frühlingstagen. Und es ist nicht nur sinnvoll, das Brutnest daraufhin anzupassen - sondern auch zu lassen!


    Ich verstehe die ständigen Erweiterungsversuche nicht! Hier einen Haufen Mittelwände an den Seiten - dort wird zwanghaft versucht, die Bienen zum Bebrüten einer zweiten Brutzarge zu zwingen. Was soll das? Erstens bringt einem das nichts, die Völker jetzt massiv in der Brutstärke zu vergrößern - der Effekt kommt ja erst nach 40 Tagen - als Ende Mai...und da wartet die Trachtpause dieses Jahr auf uns. (Die Linden und Robinien stehen hier kurz vor der Blüte. Auch die Edelkastanie wird früher dieses Jahr dran sein - und dann? Zweitens verballert man nur den Brutraum mit Honig und Pollen. Und daddelt dann an den Bienen rum, damit die einem nicht wegfliegen! Selbst verursachte Daddelprobleme führen zu weiteren Problemen, die mit noch mehr Daddelei zumindest versucht werden zu beheben. Furchtbar ist sowas. Das hat mit bienengerecht überhaupt nix mehr zu tun. Und mit imkergerecht auch nicht, denn beide stressen sich unnötigerweise.


    Deswegen ist Dadant hier im Forum ja auch als Nonplusultra bekannt, weil sich das Prinzip des angepassten Brutraumes dort gut umsetzen läßt. (Wenn man es verstanden hat.) Aber den angepaßten Brutraum kann man mit jeder Beute hinbekommen. Man muß nur die benötigte Zellenanzahl errechnen oder eben ganz pragmatisch auf die Anzahl der besetzten Waben nach der Überwinterung reduzieren - und es erstmal dabei belassen!


    2) Erweitern nur im Honigraum. Und das so lange, bis die Frühtracht kurz vor dem Versiegen ist.


    3) Drohnenwabe = Königinnenmagnet.


    4) Pollenwabe = Baumaterial. Daneben werden Waben besonders gut ausgebaut.


    5) Speckwaben an den Seiten. Dein Argument, Remsi, mit dem Futter im Stall ist schon richtig. Deswegen mindestens an einer Seite, besser an zwei Seiten Speckwaben. Das machen die Bienen aber von ganz alleine!


    6) Den Aufbau des Brutnestes nicht verändern!!!!!!!!!!!! Die Königin zieht Spiralen im Nest. Der sogenannte Legegang. In dem Maße, wie die Königin Eier legt, in dem Tempo schlüpfen auch die Jungbienen. Und damit werden Zellen frei - die im gleichen Tempo wieder bestiftet werden können und auch werden. Im gleichen Tempo! Es geht um Rythmus. Wenn man die eine Wabe von der Seite in die Mitte und von der Mitte an die Seite, von oben nach unten und von unten nach oben hängt, dann entsteht eine Disharmonie im Ryhtmus, der dann keiner ist. Das Gleiche gilt aber auch für das Zuhängen von Waben/Mittelwänden - und auch für die Entnahme! Wenn ich eine Wabe mit verdeckelter Brut entnehme, dann entsteht in der Zukunft - im Zeitraum des Schlupfes der Bienen auf dieser Wabe - für die Königin ein Eilageproblem! Weil ihr dann die Zellen fehlen. Daher muß auch jede entnommene Wabe mit einer Mittelwand ersetzt werden. Mittelwand deswegen, weil die Königin sonst nicht hinterher kommt und die Bienen die leeren Zellen mit Pollen und Nektar zuknallen. Auch dann entsteht wieder - eine Eilegenot!


    Und auch die übermäßige Erweiterung des Brutnestes im Frühjahr führt dazu, daß der Legegang auf viele Waben ausgedehnt wird. Das Tempo der Eiablage wird aber nicht (wesentlich) schneller. Am aktuellen Beispiel waren in der Trogbeute 8 DNM Waben nach dem Winter mit Bienen besetzt. Auf 16 Waben erweitert. 16 Waben voller Brut, Pollen und Nektar. Ist doch klar, der Legegang erstreckt sich auf viele viele Waben. Bevor die Königin wieder an dem Anfangspunkt zurückkommt, sind die durch Schlupf freiwerdenden Zellen schon lange mit Pollen und Nektar zugeknallt. Auf diese Weise, weil die Königin immer zu spät kommt, verhonigt das Nest immer schneller und das Volk kommt durch die Legenot sehr schnell in Schwarmstimmung. In kleinvolumigen oder einräumig geführten Kisten kann daher bei richtiger Betriebsweise unterm Strich mehr Platz zum Legen sein, als in zweiräumigen Zander/DNM/...-Kisten.


    Wenn man das einmal gesehen hat, dann fällt die Anwendung sehr leicht. In jeder Art von Beute. Es ist die einzige Art, bienengerecht zu imkern, weil es die Biene und ihr Verhalten ist, ihre Biologie, die den Maßstab vorgibt. Wir können den Vorgaben der Bienen folgen - oder eben weiter am Bien herumdoktern.

  • Zitat

    Herbert, Du willst mir das Hippie-Imkern schmackhaft machen, oder was?!

    Nein, das Großvaterimkern.:lol: Ich war nie ein Hippie, sondern ein nicht ganz braver Bürger, welcher bis auf mehrmonatige Reisen seiner Arbeit und politischen Protesten nach ging. Ich imkere seit Jahrzehnten mit einem Dadant- bzw. 1 1/2 Zanderbrutraum. Mir waren die Honigräume über Kopf schon immer ein Gräuel, deshalb habe ich mich von Zander verabschiedet. Bei dem "angepassten Brutraum" musste wieder ein Honigraum stets bleiben und damit war ich dort wo ich eigentlich weg ging. Natürlich benütze ich ein Schied im Frühjahr, schon wegen der Bauerneuerung. Ein Teil der Futterwaben bleibt hinter dem Schied, wird zum Teil entnommen bei der Ablegerbildung. Ich wohne in einer Weinbaugemeinde am Rande einer Großstadt. Da wird gemulcht und der Rasenmäher in den Altobstanlagen schon Anfang März angeworfen. Wehe es lässt einer eine Brombeerhecke stehen, dann erhält er von den Streuobstfuzzis über die Gemeinde eine Mahnung. Hier ist die Tracht normal am 10. Mai zu Ende. Dann muss ich weg. Im Moment habe ich am neuen Standort 700g Abnahmen. Da ist Futterreserve und Pollen im Brutraum gut. Ein Volk hat sich aus dem halbvollen Honigraum zurück gezogen und lebt trotzdem in saus und braus. Hier geht auch nicht Naturbau, im Honigraum schon.


    Du verwechselst meine Beiträge in Sachen Zander. ich betreue da mit Anfängern zwei Zandervölker. Diese Völker werden ständig bei der Besichtigung aufgerissen und das von Leuten, welche ich gar nicht kenne. Unser Infozentrum wird von 5 Vereinen benutzt. Zwei Bruträume deshalb, weil diese auch von Aktivisten geschleudert werden. Die Schleudern den Honigraum zur Demo ratzeputz leer, auch deshalb Speckwaben im Brutraum. Das kapieren sie, dass man diese nicht schleudert.


    Das Pollenmanagement ist von mir, will auch mal ein Guru sein.:lol: Der reichliche Pollen ist dieses Jahr kein Problem: Die anfänglichen Pollenkränze um das noch kleine Brutnest Anfang März ist weg und bebrütet. Jetzt überlege ich gerade, was hätten die Völker gemacht, wenn ich den Polleneintrag verhindert hätte? Auf dem Wanderplatz kommt jetzt der zweite Frühling, sehen wir mal.


    Deine Populationstabelle entspricht einem relativ starken Volk. schwächere Völker haben ein Bienen/Brutverhältnis Anfang April bis zu 1:4.


    So, jetzt muss ich zu den Bienen


    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol: