Beute einen Tag lang verschliessen

  • Hallo nsim,


    Henrike und alle anderen, die dir abraten die Bienen einzusperren, haben absolut Recht. Wir haben vom Verein aus, mit unserem Schaukasten für einige Veranstaltungen in diesen "sauren Apfel" gebissen. Um den Gästen auf diesem Markt/Ausstellungsstand lebendige Bienen zeigen zu können, nehmen wir den Schaukasten hin und wieder mit, verschließen aber das Flugloch mit einem gut belüfteten Gitter. Für die Besucher ist das oftmals der erste angstfreie Kontakt zu den Bienen, weil die Tiere nicht aus ihrer Kiste können. Für den Imker ist das jedesmal ein Jammerspiel, weil er die Vergleichsmöglichkeit hat, zwischen dem panischen Gewusel in dem Glaskasten bei geschlossenem Flugloch und dem natürlicheren Verhalten, desselben Schauvolkes am Vereinsbienenstand, wo das Flugloch natürlich geöffnet ist.
    Wenn wir einen solchen Kasten zu solchen Veranstaltungen geschlossen mitnehmen, sind wir uns bewusst, dass die betroffenen Bienen einen hohen Preis dafür zahlen, dass bei den Gästen hoffentlich ein positives Bewusstsein für Bienen geschaffen wird. Außerdem halten die den Stand betreuenden Imker immer ein Auge auf das Volk, dass wir notfalls "auf den Vereinsbienenstand abwandern können" wo wir das Flugloch wieder öffnen könnten. Und die Schaukiste enthält mit ca. 2 Zanderwaben wesentlich weniger Bienen, als ein normaler Ableger oder gar ein Trachtvolk, weshalb das Risiko zu verbrausen wesentlich geringer ist.


    Also bitte nicht einsperren
    Gruß
    Ludger

  • Ich halte das Verschließen an einem milden Frühlingstag auch für gefährlich, trotz offenem Bodens.
    Eine Möglichkeit wäre, die Beute nach dem Verschließen dunkel und kühl zu stellen. Ähnlich wie man bei einem Anbrüter vorgeht. Dieser kann dann auch recht problemlos einen Tag verschlossen bleiben. Ein Anbrüter hat zwar weniger Bienen als ein Vollvolk, sitzt aber dafür sehr eng.
    Wichtig ist aber, dass du eine oder auch zwei Wasserwaben reinhängst und die Bienen in der verschlossenen Zeit nicht gestört werden.
    Aber gut finde ich es es auch nicht, so zu verfahren, höchstens bei bekannter Bienengiftallergie eines Anwesenden. Dann würd ich aber die Feier gar nicht dort machen.
    Bau doch lieber einen Windschutz oder so um die Beute, damit die Bienen hoch abfliegen und wenig Krabbler auf der Wiese sind. Wenns doch zu einem Stich kommt, na und? Bienen gehören zur Natur und Bienenstiche zum Leben.
    Viele Grüße und eine schöne Feier!
    Jogi

    "Er (der Mensch) nennts Vernunft und brauchts allein, um tierischer als jedes Tier zu sein"
    J.W. Goethe

  • Würde mich auch interessieren, bezogen auf einen frisch gebildeten Ableger: Da mein 2. Standplatz nicht immer zugänglich ist, könnte es auch mal einen Tag dauern bis ich da hin kann.


    Hallo Apibus,
    die Frage verstehe ich nicht so richtig....


    Such dir einen anderen Standplatz.


    Hallo alle,


    erstmal danke für Eure Antworten, und sorry für meine knappen Angaben. Konnte leider nur vom Smartphone aus schreiben...


    Jetzt nochmal ausführlicher: Ein Bekannter hat mir angeboten hat, meine Ableger für ein paar Wochen (außerhalb des Flugkreises) bei ihm in den Garten zu stellen. Und da kann ich halt nicht beliebig hin, da der Garten verschlossen ist. Muss also vorher anrufen, bist du da, passt es usw. An dem Tag an dem ich die max. 2 Ableger aus meinem einen Volk bilde, könnte es sein, dass er da gerade nicht zu Hause ist, und wenn's dumm läuft dann müsste ich eben die Ablegerbeute so lange verschließen, bis ich sie dort hin bringen kann.


    Einen alternativen Standplatz außerhalb des Flugkreises habe ich im Moment nicht, die Alternative wäre die Ableger im eigenen Garten (in max. 20m Entfernung zum Muttervolk) aufzustellen. Wäre vom Handling her sicher viel unkomplizierter, bin mir aber unsicher wie groß der Nachteil dieses Vorgehens ist. Wäre das wohl die bessere Lösung? Worauf müsste ich denn dabei achten?

  • die Alternative wäre die Ableger im eigenen Garten (in max. 20m Entfernung zum Muttervolk) aufzustellen. Wäre vom Handling her sicher viel unkomplizierter, bin mir aber unsicher wie groß der Nachteil dieses Vorgehens ist. Wäre das wohl die bessere Lösung? Worauf müsste ich denn dabei achten?


    Hallo Apibus,
    die Alternative der Ablegerbildung am Standplatz ist meiner Meinung nach in deinem Fall die beste Lösung.
    Bei der Ablegerbildung einfach Bienen von 1-2 Brutwaben zusätzlich in den Ableger schütteln, um den Abflug von Flubbienen aus dem Ableger auszugleichen.


    Ich jedenfalls mache das immer so, bisher ohne Probleme. Das Flugloch der Ableger enge ich auf ca 2cm ein.


    Stefan

  • Für den Ableger wäre sowieso eine schlupfreife Brutwabe das Beste mit nur ein bißchen Jungbrut zum Nachziehen. Schlupfreit heißt: da stecken schon Bienen den Kopf aus den Zellen. Dazu noch Jungbienen, die bekommt man rein, indem man noch Bienen aus dem Honigraum dazu abstößt (da ist auch ganz sicher keine Königin dabei).
    Die Jungbienen fliegen nicht ab, sind gut zur Pflege, und es werden in einem solchen Ableger ganz flott aus der Jungliga Bienen für den Flugdienst rekrutiert, das kann man schön beobachten. Jetzt so früh erstellt und bei Tracht gibt es auch keine Räubereiprobleme.
    Beim Füttern selbstverständlich immer schön aufpassen und am besten Sirup und über Fütterer.
    Klappte bisher auch hier immer einwandfrei.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Wenn Du ein starkes Volk hast und mehr Augenmerk auf die Erhöhung der Volkszahl legst, klar.
    Du kannst theoretisch ja jede Brutwabe einzeln zu einem Volk werden lassen, wenn das eine Option für Dich ist.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Das Bodengitter hilft nicht gegen das Verbrausen. Wenn die Bienen lüften wollen, dann fächeln sie normalerweise aus dem Flugloch heraus, nicht durch das Bodengitter. Sie fächeln aber auch in der Beute und erzeugen dabei Wärme, die nach oben steigt. Durch die ansteigende Wärme fächeln die Bienen stärker und würden normalerweise jetzt vorlagern, was aber wegen des verschlossenen Fluglochs nicht geht. Die Bienen brausen jetzt immer mehr und erzeugen immer mehr Wärme, bis schließlich die mit Nektar gefüllten Waben weich werden und reißen. Die begraben die aufsitzenden Bienen unter sich. Der Nektar läuft durch das ganze Volk, verklebt die Bienen zu einer klebrigen Masse und verschließt dabei auch noch das Bodengitter. Das Volk stirbt.
    Ich schwöre dir, dieses Ergebnis möchtest du nicht sehen.
    Ich vermute, dass ein Verschließen der Beute möglich sein könnte, wenn man zusätzlich zum Bodengitter ein Lüftungsgitter oben anstelle des Deckels aufsetzt. Dann kann die nach oben stegende Wärme entweichen. Ob das aber sicher gegen das Verbrausen hilft, weiß ich auch nicht. Vielleicht kann Henry etwas dazu schreiben.
    Ich weiß nur sicher aus eigener Erfahrung: Das Bodengitter allein reicht nicht. Also mach es nicht.


    Gruß Ralph

  • Unerfahrenen kann man da nur abraten. :daumen: Mit einer Leerzarge als Trommelraum unten, Lüftungsgitter unten und oben geht es. Wichtig: es darf kein Licht durch das Gitter einfallen. Die Bienen drängen zum Licht und dann verstopfen sie das Gitter und ersticken. Also Abstandshölzer unter den Deckel legen, so daß die Luft unter dem Deckel abziehen kann.


    Ich lege ein dickes Stück Schaumstoff in den Trommelraum, das ich in Wasser tränke. So ist die Wasserversorgung gesichert. Alternativ kann man auch mit einer Spritze von unten durch das Gitter sprühen. Das Flugloch kann man auch mit einem nassen Schaumstoffstreifen verschließen. Wasser in Waben gießen habe ich noch nicht probiert, soll aber auch gehen.


    Alles in allem eine haarige Sache. Und wegen so ein Kokolores würde ich das nicht tun, nur in ernsten und dringenden Fällen.

  • Das Risiko und das Thater mit dem Zweitstandort ist nicht durch paar Biene, die zurückfliegen, gerechtfertigt. Bienen und Brut gigt es dieses Jahr im Überfluß. Also mach die Ableger am Stand einfach größer.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Mit einer Leerzarge als Trommelraum unten, Lüftungsgitter unten und oben geht es. Wichtig: es darf kein Licht durch das Gitter einfallen. Die Bienen drängen zum Licht und dann verstopfen sie das Gitter und ersticken. Also Abstandshölzer unter den Deckel legen, so daß die Luft unter dem Deckel abziehen kann.


    Hallo Bernhard,
    meinst Du z.B. ein paar Holzklötze als Abstandshalter unter dem Deckel? Mit welchem Deckelabstand hast Du gute Erfahrungen?

  • Mein Deckel ist 10 cm hoch, ich kann also dicke Hölzer drunterlegen. Ich habe nicht nachgemessen, die sind aber circa 3 cm hoch. Wichtig ist, daß die Luft unten ein- und oben wieder austreten kann.

  • Bräuchte ich bald, weil beim Bienenstand eine Kinderparty stattfinden soll, und ich nicht extra für einen Tag umsiedeln will.


    Das ist doch eine super Möglichkeit mal etwas Bildungsarbeit zu leisten: Über Bienen erzählen, vielleicht mal eine Wabe zeigen, wenn es nicht zu spät am Tag ist. Und darauf hinweisen, dass Bienen auch stechen können. Hier in Berlin hat sogar der ein oder andere Kindergarten ein Bienenvolk. Dann wird doch eine Kinderparty kein Problem sein oder soll der Esstisch der Beutendeckel werden? ;-)

  • Danke nochmal für alle Hinweise. Ich werde wohl die Beinen schon einige Tage vorher auf einen anderen Stand bringen.


    Es geht auch weniger um die Gefahr für die Kinder, sondern um panische Eltern - und ich denke, ein Kinderfest ist auch nicht der richtige Rahmen für Aufklärungsarbeit, bzw. soll das nicht erzwungen werden. Vielleicht biete ich einigen Leuten an, einen Stand gemeinsam zu besuchen, der nah und fern genug ist ;-)