Ist die Biene noch ein Wildtier?

  • Im Imkerfreund wird ja gerade sehr kontrovers das Thema Zucht seit mehreren Ausgaben diskutiert.
    Eine Leserzuschrift fand ich sehr interessant und hab dieses mit großen Interesse gelesen.
    Der Kern des Briefes war, was nach fast 100 Jahren Bienenzucht in Europa noch von einem Wildtier übrig bleibt.
    "Mehr Vitalität und "robustere" Bienen kann es nur mit guter Selektion und qualitativer Zucht geben, eine Wald und Wiesen Verpaarungen bringt hier nichts.
    Ein Bauer treibt ja auch nicht seine Schweine in den Wald, damit Sie sich dort mit einem Eber paaren können und hofft anschließend auf vitalere Schweine"


    Das war ungefähr sinngemäß was er geschrieben hatte und umso mehr ich darüber nachdenke und bin mittlerweile auch der Meinung, dass unsere Bienen keine Wildtiere mehr sind.


    Abgesehen davon dass ich die Bienenzucht mit all ihren Facetten unglaublich interessant finde.



    Grüße,




    Maxikaner


  • Ein Bauer treibt ja auch nicht seine Schweine in den Wald, damit Sie sich dort mit einem Eber paaren können und hofft anschließend auf vitalere Schweine"

    :lol: Witzigerweise kenne ich gerade so einen Bauern - auch wenn er nicht im Sinne der modernen Definition als Manager einer 20.000er Mastanlage ein Bauer ist - der eine Woll-Wildschweinmischung in Freilandhaltung hat. Vitalität und Fleischqualität sind seine Argumente. :cool: Naja, aber ist natürlich als leider ökozert. Betrieb, buuuh, damit außerhalb jeglicher Wertung und zählt nicht :wink:


    Zurück zu Bienen: Interessanter Artikel zum Thema durchgezüchtete Haustierlinien und VTbemühungen gibt´s bei Randy: Queens for Pennies

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Hi Maxikaner,
    ich verstehe diese Diskussion nicht recht.
    Ganz klar Wildtiere, zumindest meine.
    Ich kann immer nur gucken was die Biene macht und dann angepaßt reagieren. Baut sie, ist es gut, tut sie es nicht - wie jetzt grad, kann ich bestenfalls tricksen, obs klappt, ist nicht sicher.
    Sie ernähren sich selbstständig und tun eigentlich was sie wollen, salopp gesagt
    Nur weil diverse Anstrengungen unternommen werden die Biene besonders imkerfreundlich zu gestalten, macht das sie für mich noch nicht zu einem domestizierten Tier
    Und wenn ein Genetiker anderer Meinung ist, sollte er die Sache vielleicht mal mit mehr Abstand betrachten und die eigene Hybris außen vor lassen.


    Bei den Schweinen sieht der Alltag anders aus.
    Der Bauer der seine Schweine in den Wald treiben würde hätte wohl durchaus vitalere Schweine, nur würden diese nicht so schnell fett. Das was heute im typischen Massenhaltungsställen lebt kann man nicht als vital beschreiben.


    Dann kommt es wohl auch darauf an, warum ich Bienen habe. Hab ich sie um maximalen Nutzen aus ihnen zu ziehen - sind sie Nutztiere. Habe ich sie aus Interesse an weitgehend wild lebenden Staaten bildenden Insekten und möcht ein wenig Honig räubern - dann sind es Wildtiere.


    Es ist wie immer, es kommt ganz darauf an.


    Gruß: Mike

  • Hi Mike,


    das ist ja gerade das interessante, ist ein Löwe im Tiergarten auch noch ein Wildtier? Wenn er in der 5. Generaton eines Nachzuchtprogramms in einem Zoo zur Welt kommt?
    Auch er ist nicht zahm ( solange keine Handaufzucht) und würde höchstwahrscheinlich seinen Pfleger töten. Dennoch hat in meinen Augen so ein Zoo Löwe noch soviel mit einem Wildtier gemein wie ein Schäferhund mit einem Wolf.


    Wildtiere werden nicht Züchterisch bearbeitet und in von Menschen gemachten Behausungen gehalten.
    Ab dem Zeitpunkt als die ersten Zeidler Bienen gefangen und in Beuten an ihren Häusern gehalten haben, ab diesen Zeitpunkt ging der Wildtierstatus systematisch verloren.


    Wie gesagt das ist nur meine Meinung.


    Viele Grüße,


    Maxikaner

  • Das sehe ich anders. Die Definition ist für mich folgende:


    Ein Wildtier ist solange ein Wildtier, solange es sich nicht von der Ursprungsform unterscheidet und in der Lage ist, in der Wildnis zu überleben.


    Haustiere sind Tiere, die es in der Natur nicht gibt.


    Ist doch ganz einfach. :p


    Gruß
    KME

  • Hallo,
    ... definitiv : JA


    Nimm all die vom Menschen fabrizierten Negativfaktoren weg, wie : Insektizide, Pestizide, Nahrungs.- und Wohnungsmangel durch Verarmung der Landschaft sowie Monokulturen, eingeschleppte Parasiten und von denen übertragene Krankheiten, usw. .


    Setz die Bienen in eine gesunde, ursprüngliche Umwelt und ich bin mir sicher , sie würde leben und überleben wie seit Millionen Jahren.


    gruß Finvara

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Genau so ist das.


    Es gibt hier aber nicht die ausschließliche Entscheidung "Haus- oder Wildtier".


    Ein Sowohl als auch ist hier durchaus möglich, siehe z. B. die ganzen Reptilien, Amphibien, etc, die als Haustiere gehalten werden und doch auch Wildtiere geblieben sind: Geckos, Schildkröten, Salamander, fast alle Aquarienfische, etc etc.


    Bei der Biene dürfte es sich in Deutschland wohl ähnlich verhalten.
    Gruiß
    KME


  • Ein Wildtier ist solange ein Wildtier, solange es sich nicht von der Ursprungsform unterscheidet und in der Lage ist, in der Wildnis zu überleben.


    Haustiere sind Tiere, die es in der Natur nicht gibt.

    Hmmmh, Du hast es ja selbst schon angeführt, was ist dann mit all den Tieren die sich von ihrer Ursprungsform unterscheiden, aber sehr wohl in der Wildnis überleben bzw. die es in der Natur gibt ?
    Die Bienen sehe ich in genau dieser Grauzone..., äh, sorry, war jetzt nicht nur auf Karnika bezogen :roll:

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Eine gewisse Domestizierung bei Bienen ist ja nicht von der Hand zu weisen. Von daher ist das auf jeden Fall ein streitbares Thema, finde ich. Hunde und Katzen würden wohl auch ohne menschliches zutun weiter überleben, obwohl vom ursprünglichen Material nicht mehr viel übrig ist.


    Bei Bienen hat sich eine ungewollte Koexistenz eingestellt.
    Wir brauchen sie dringend, und ohne uns würde der aktuelle Bestand in den nächsten 3 Jahren massiv einbrechen, also brauchen sie uns in gewisser Weise momentan auch.


    Was dann am Ende überleben wird, wenn wir nicht mehr wären, also die krass selektierten Züchtungen oder sich von irgendwoher etwas wildes wieder einschleppt. Vielleicht verwildert das aktuelle Material im laufe der Zeit und es entsteht etwas Neues.
    ... wer weiss das schon.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Domestizierung



    Sonnige Grüße,
    Arnd

  • Was und wieviel bei Bienen übrigbleiben kann ohne wilde Zuwanderung von außen, zeigte doch das Gotlandexperiment ganz gut...

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Ja Maxikaner,
    je länger ich darüber nachdenke um so schwieriger wird es.
    Die Säugetiere bilden uns keine passenden Vergleichsbilder, die lernen zu schnell.


    Die Hekunft der Behausung kann keine Rolle spielen.


    Einzig die Jahrhunderte lange Manipulation des Menschen könnte in meinen Augen ein Argument sein.


    In meinen Augen, aber der Biene scheint es egal zu sein, die macht was sie schon immer tat. Und wäre da nicht die vom Menschen gebrachte sch.. Milbe, könnt sie auch ohne uns Problemlos (naja) durchkommen.


    Was ich an diesen Dikussionen nicht verstehe, ist das sie überhaupt und über längeren Zeitraum geführt werden. Es müsste doch schnell klar werden, das es eine Frage vom Standpunkt und - wie ich es sehen will ist.
    Ein Fach-Gebiet für Glaubenskrieger, denn wir werden bei den Bienen keinen Fakt finden, glaube ich - der eine klare Definition zuläßt.
    Vom Menschen klar beeinfußt, aber dennoch wild lebend, ist eine Umschreibung hinter der ich stehen kann.


    Noch einen schönen Feiertag!
    Mike

  • Hallo !


    Was und wieviel bei Bienen übrigbleiben kann ohne wilde Zuwanderung von außen, zeigte doch das Gotlandexperiment ganz gut...


    Sehe ich ähnlich, Gotland Projekt ist ein schönes Beispiel,
    oder auch die Isle of Wight Krankheit Anfang des 20igsten Jahrhundert.


    Die Population wird abstürzen und sich von einem schwachem Restbestand erholen.
    Nicht nur bei der Biene, auch bei manchen anderen Arten ....
    ... wobei ich div. Hybrittiere u.ä. herausnehme.


    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.


  • Aber steckt dann so eine Population dann nicht in einem genetischen Flaschenhals?
    Ich meine wenn der Bestand so Massiv dezimiert wird und am Schluss nur noch wenige übrigbleiben.
    Im ungünstigsten Fall sind es dann auch noch Geschwistervölker.
    Ein Experiment wie das Gotlandprojekt wird ohne anschließende gezielte Zucht im Sand verlaufen.
    Ich geb zu es ist ein sehr romantischer Denkansatz es einfach der Natur zu überlassen und die stärksten werden überleben, allerdings funktioniert das nicht.
    Der Mensch hat der Bienen einen Haufen Probleme bereitet und nur der Mensch ist es der der Biene helfen muss.
    Und das funktioniert eben nur mit gezielter Zucht.


    Das ist meine Meinung dazu.


    Viele Grüße


    Maxikaner