Warum bauen sie so wenig?

  • Moin!


    Heute mal meinen Kummer, den ich schon Jahre lang habe und für den ich nach einer allgemeinen Erklärung suche.


    Ich imkere in Dadantbeuten, ziemlich extensiv. Nur Naturbau, keine Schwarmverhinderung. Daher auch Schwärme...


    Jedenfalls habe ich jedes Jahr mit Jungvölkern das Problem, daß sie die Beuten nur sehr wenig ausbauen. Ich habe eher kleine Schwärme, manche auch erst im Juni. Die schaffen bis zum Herbst nicht mal die Hälfte der möglichen Wabenfläche. Und doch überleben sie den Winter, aber denkt nicht, es ginge nun richtig los... Da setze ich auch keinen HR auf, hätte aber gern, daß sie nun in der Trachtzeit aufblühen.
    Einmal bekam ich Ableger, und auch die bauten bis zum Herbst nicht mal zehn Waben aus.
    Die späten Schwärme füttere ich sogar, mit Lochglas und dünner Zuckerlösung.


    Wir haben Sandboden, unterer Niederschlagsbereich. Ringsum extensives Weideland und Wald, aber auch in ein paar hundert Metern Gärten sowie Raps. Ich finde also, das Trachtangebot ist nicht zu schlecht, als daß es diese Dauererscheinung erklären könnte.


    Vielleicht könnt Ihr meinem Gesprudel etwa entnehmen, worum es geht, und könnt mir Ideen geben?


    Beste Grüße udn Frohe Ostern!
    Immentun

    Imker seit 2009 - Naturbau in Dadant-Beuten, Bemühung um wesensgemäße Imkerei

  • Hallo,
    du schreibst das sie bis Herbst nur die Hälfte der möglichen Wabenfläche ausbauen. Was heisst denn das genau? 6 von 12 Waben in Dadant? Das finde ich für Naturbau sehr gut.
    Engst du deine Völker im Frühjahr ein wenig ein? Wenn ich das nicht machen würde, würden sie mir den HR glaube ich mit Naturbau nicht so recht ausbauen.
    Grüße Jantje

  • Hallo Immentun,
    ich kenne das Trachtangebot und deine Bienen nicht. Jeder Imker sollte aber folgendes bedenken: Die Wachswirtschaft der Bienen funktioniert nach dem Prinzip Angebot – Nachfrage. Sie produzieren nur so viel Waben, wie für die Brutpflege und den eingetragenen Honig nötig sind. Die Bienenwirtschaft ist also sehr rationell und es gibt keine überflüssige Wachsproduktion. Bienen denken manchmal anderes als der Imker es gern hätte.
    Herzlichen Gruß und ein frohes Osterfest wünscht
    winolf

  • Hallo,


    Extensiv... Naturbau....Schwärme.....Ich habe eher kleine Schwärme, manche auch erst im Juni.


    Hier hast Du schon selbst die Antwort geschrieben, denke ich.


    Das Potential ist zu klein oder es kommt zu wenig rein oder beides. Sie schwärmen schon später und dann auch noch kleiner; da fehlt einfach Kraft. Es ist erstens weniger Zeit, dann sollen da auch noch die Winterbienen erbrütet werden (Worin denn?), zum Naturbau braucht es Power= Bienenmasse und Futter. Plus Ernte erst recht.


    Man muss dann einfach auch wissen, was man da nun machen möchte und mit welchem Ergebnis für einen selbst aber vor allem auch für die Bienen.
    Dass sie so überleben und nicht strotzen können, reicht für sie aber viel Staat (im wahrsten Sinne) machen sie dann eben nicht, und Rennpferde gepflegter Art sind es dann auch keine. Das setzt sich dann weiter so fort in Form von kleiner Überwinterung, schwacher Auswinterung, dann wieder langer Erholungszeit etc. etc.
    Für die Bienen ist es ständig Kratzen an Grenzen, Müheoder nenn es "Struggel for live", vital sind sie ja aber da bleibt eben dann nicht viel überig für Überschüsse und vielleicht sollte man auch überlegen, dass das eine Form von dauerndem Stress für sie ist.


    Wenn Du mehr Bienemasse, mehr Bau und mehr Honig sehen willst, dann versuch doch einmal einen Gegentest mit ein bisschen weniger Extensivem Imkern und such einen Kompromiss für Euch:


    Ich zitiere mal von hier aus dem Beitrag von GüntherB, was Naturbau angeht bei Schwärmen, das ist Zander 1,5 bei ihm aber schnurz, weil auch für Dich gültig: Markierung ist von mir.


    Grüße


    Marion,


    die meint, Dass Du hier ein wenig mehr Unterstützung bieten musst oder auch mal im Herbst oder Frühjahr Völker vereinigen, dann kommt was.


    Ganz anderer Versuch wäre, einmal eine Königin zukaufen und die probieren? Ich glaub aber mehr an externe Ursachen

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Immentun,


    Hier am Bienenstand habe ich eine vergleichbare Situation, armer, trockener Sandboden, Tannenwald, Heide aber, zum Glück auch noch ein bisschen Akazie, Linde, Faulbaum und Edelkastanie. Raps honigt auf unseren trocknen Sand nicht (100 km weiter Südlich, in die Wallonie, bringen die bienen den Rapshonig eimerweise rein, bei uns aber nix, nur Pollen), auch für Lindenhonig ist es hier meistens zu trocken. In den Anfangsjahren hatte ich auch kaum Honig, meine Bienen kriegten allerdings MW’s. Erst während die Akazienblüte wurden die Völker fetter um dann im Spätsommer Honig ein zu tragen (zwar wenig aber der leckerste Honig!).
    Heute wandere ich mit den Bienen zur Obstblüte und das ist so zu sagen die Vorjahrsreizfütterung, die Völker kommen fett zurück und bringen mir auch schon eine schöne Menge Blütenhonig der teilweise als Winterfutter verwendet wird. Ich mache sowieso TuB um dann in Oktober wieder zu vereinigen, damit haben zwei Brutnester Winterbienen produziert und können die Völker starker in den Winter gehen, damit haben sie im Vorjahr schon einen schönen Vorsprung.


    Tschüss, Wilfried.

    ...und der Blick auf die Biene wird der Blick auf die Landschaft sein (Bernhard Heuvel, 08.11.2013)

  • Hallo Immentun!


    Ein Ableger baut immer nur so viel, wie er aufgrund des Eintrages braucht. Da wird nicht auf Vorrat gebaut. Daher ist es für eine gute Einwinterungsstärke wichtig, dass den ganzen Sommer über gut gefüttert wird. Das heißt aber nicht, dass täglich kleine Menge gegeben werden müssen. Es reicht auch alle 14 Tage ein kräftiger Stoß. Die Bienen sollten den Sommer über nie dahindarben müssen. Auch bei bestem Trachtangebot kann ein Ableger keine all zu großen Vorräte anlegen, da der Eigenverbrauch einfach zu groß ist. Es macht keinen Sinn, wie manche Imker sagen, die Bienen müssen um diese Zeit selbst was suchen und eintragen. Dann im Herbst steht der Imker mit dem Futtereimer da, da ist es dann für das Völkerwachstum zu spät. Bei der Ablegerfütterung geht nichts verloren, entweder wird es in Brut oder in Winterfutter umgesetzt. Das ist ein wichtiger Grundsatz.


    Du schreibst von dünner Zuckerlösung, wie dünn ist die? Dünner als 1:1 sollte sie nicht sein, denn da haben die Bienen zu hohe Umarbeitungsverluste.


    Wesentlich schwieriger zu erklären ist, wie viel gefüttert werden sollte. Die Bienen sollten auch nicht im Futter "ersticken", sprich dass durch das Futter das Brutnest eingeengt wird.


    Mein Fütterungsvorschlag für einen Schwarm wäre, dass er nach 2 oder 3 Tagen einen Futterstoß von 5 Liter 1:1 bekäme. Da kann man dann schon sehen, wie er das Futter annimmt. Ist das Futter ratz fatz weg, dann kann man nach einer Woche wieder füttern. Sollte die Abnahme schleppend gehen, dann kann man 14 Tage Pause machen. Je länger die Futterabnahme dauert, desto länger wartet man mit der nächsten Fütterung.


    Bei der Nachschau im Volk: Rund um die Brut sollte offenes Futter sein, fehlt der Futterkranz oberhalb der Brut, dann ist zu wenig gefüttert worden, ist die Brutwabe neben der Brut bereits verdeckelt, dann ist zu viel gefüttert worden.


    Einem Ableger/Schwarm sollte man den Sommer über schon 20 kg Zucker gönnen. Das sind umgerechnet etwa 20,- Euro. Dieses Geld ist gut angelegt. Auf diese Weise kann man gute Einwinterungsstärken bekommen. Das dürfte auch das Problem des nächsten Jahres lösen. Von der angeführten Zuckermenge darf man sich nicht täuschen lassen, da wird viel verbrütet und es kann/wird sein, dass man im Herbst noch nachfüttern muss.


    MfG
    Honigmaul

  • Danke, eure Hinweise haben mir schon sehr genützt. Kann mir das gut vorstellen.
    Ich hatte doch den Eindruck, daß auch langsam entwickelnde Völker nach absehbarer Zeit gut entwickelt sind. Dazu gehören offenbar noch mehr günstige Umstände.
    Ich meinte auch Futter 1:1. Hatte schon beobachtet, daß sie eben zu wenig gebaut hatten und für die Brut kein Platz mehr war, nur für mein künstliches Futter...

    Imker seit 2009 - Naturbau in Dadant-Beuten, Bemühung um wesensgemäße Imkerei

  • Danke, eure Hinweise haben mir schon sehr genützt. Kann mir das gut vorstellen.
    Ich hatte doch den Eindruck, daß auch langsam entwickelnde Völker nach absehbarer Zeit gut entwickelt sind. Dazu gehören offenbar noch mehr günstige Umstände.
    Ich meinte auch Futter 1:1. Hatte schon beobachtet, daß sie eben zu wenig gebaut hatten und für die Brut kein Platz mehr war, nur für mein künstliches Futter...


    Hallo Immentun. Bei Schwärmen oder Ablegern sollten keine sogenannten Futterstöße gegeben werden. Wichtig ist das immer in kleinen Mengen 1X1 gefüttert wird, so das den Bienen täglich Tracht vorgespielt wird, nur das regt den Bautrieb und die Legeleistung an. Futterpausen bringen nichts. Bei Fütterung 1x1 haben die Bienen keinerlei Umarbeitungsverluste weil auch von draußen eingeholter Nektar das Wasser entzogen werden muß, aber erst brauchen sie mal größere Lagerflächen ist Wabenbau. Gelegentlich hilft auch das zuhängen von Mittelwänden, diese sind schneller ausgebaut und bebrütet was eine größeren Volksstärke begünstigt. Zum Winter sollten alle 12 Waben ausgebaut sein und die Dadantbeute sollte ein Gewicht von ca. 40kg haben .


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Zitat

    Bei Schwärmen oder Ablegern sollten keine sogenannten Futterstöße gegeben werden. Wichtig ist das immer in kleinen Mengen 1X1 gefüttert wird, so das den Bienen täglich Tracht vorgespielt wird, nur das [B]regt den Bautrieb und die Legeleistung an.


    Einspruch: Jeder Imker der es ausprobiert kann das Gegenteil feststellen.



    Zitat

    Bei Fütterung 1x1 haben die Bienen keinerlei Umarbeitungsverluste weil auch von draußen eingeholter Nektar das Wasser entzogen werden muß, aber erst brauchen sie mal größere Lagerflächen ist Wabenbau.


    Was hat die Umarbeitung des Nektars mit den Umarbeitungsverlusten von Zucker zu tun? Die Bienen sind nicht dämlich, die suchen sich immer den besten Nektar, die tragen nicht einen 10 %-igen ein, wenn auch ein 20%-iger vorhanden wäre. Aber in der Natur ist eben kein 50 oder 70 %-iger verfügbar.


    Zitat

    Futterpausen bringen nichts.


    Wenn vorher die Futtermenge groß genug war, dann schadet die Futterpause nichts und bringt dem Imker mehr Freizeit.


    MfG
    Honigmaul